I'M A SLOTH (c) Robert Radelmacher

I’M A SLOTH – „Bosom“

Der wunderbar ungehobelte Sound des Grunge der glorreichen alten Tage auf aufregende Weise neu belebt –  genau diesen bringt die Wiener Band I’M A SLOTH auf ihrem neuen Album „Bosom“ auf richtig mitreißende Art zum Erklingen.

Als würde man sich auf eine Zeitreise begeben. Lauscht man dem neuen Album von I’M A SLOTH, wird man in jene Epoche des gitarrenorientierten Rock zurückgebeamt, in der das klanglich Räudige, Unangepasste und Kantige noch zum guten Ton gehörte. Bernhard Drexler (Gitarre, Gesang, Bass), Flora Ska (Bass, Gesang, Gitarre) und Andreas Kuzmits (Schlagzeug) – die drei Köpfe hinter I’M A SLOTHmachen keinen Hehl daraus, was sie in ihrer Jugend musikalisch geprägt hat und wer ihre Heldinnen und Helden waren und sind. Es ist der mit einer ordentlichen Punkattitüde angereicherte mainstreamferne Sound des Grunge der Sorte Nirvana, Mudhoney, Hole, The Distillers und Konsorten, den sich das Dreiergespann als Betätigungsfeld auserkoren hat und dem es zu neuer Blüte verhilft. 

Ein Sound, der auf vielfältige Weise abgeht

Cover “Bosom”

Die musikalischen Ingredienzen, auf die das Wiener Trio zurückgreift, sind also nicht gänzlich neu, sie entwickeln aber durch das kompromisslose Zutun der drei dennoch ein wirklich eigenständiges Eigenleben. Schon allein der variantenreiche und von clean bis hin zu wütend reichende Wechselgesang zwischen Bernhard Drexler und Flora Ska fällt auf eine erfrischend andere Art aus dem Rahmen. Zudem beschränkt sich die dreiköpfige Combo auch nicht nur stur auf das Klassische, sondern bringt auf spannende Weise genügend eigene Ideen in die ganze Geschichte hinein.

I’M A SLOTH variieren geschickt zwischen lauten und leisen Parts, zwischen heftigen und energiegeladenen Ausbrüchen und zurückhaltenden und schrägen balladesken Passagen. Doch damit nicht genug: Die Band lässt auch Elemente anderer musikalischer Richtungen in das Geschehen einfließen. Da kann es schon auch einmal vorkommen, dass in der einen Nummer plötzlich ein wenig dreckiger Country durchklingt, man sich an anderer Stelle dann im Psychedelischen oder bluesig Angehauchten wiederfindet. Es ist vor allem auch diese Abwechslung, die dieses Album so interessant macht und einen immer wieder hinhören lässt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass I’M A SLOTH mit „Bosom“ auf jeden Fall ein richtig starkes Stück Musik abliefern, eines, das sein Pulver erfreulicherweise nicht schon nach kurzer Zeit verschießt, sondern auch nach mehrmaligen Durchläufen seinen Reiz behält. Eine wirklich schöne und überaus gelungene Verbeugung vor dem Klang der vergangenen Tage.

Michael Ternai

Links:
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I’M A SLOTH (bandcamp)