Bild Shen, Tizudemjay, Ben Saber
Shen, Tizudemjay, Ben Saber (c) Jasmin Baumgartner

„Ich sage zu mir, du kleiner Wichser, egal was du anhast, es ändert nichts.“ – BEN SABER, SHEN und TIZUDEMJAY im Interview

Eine neue Generation steht auf der Schwelle. Sie macht progressiven RnB, trägt feinen Zwirn, hat eine Meinung und will hoch hinaus. Willkommen in den Goldenen Zwanzigern.

Wien ist eine Weltstadt. Deshalb bringen Menschen aus den Winkeln der Welt – wie schon vor über hundert Jahren – ihre Kultur mit nach Österreich und kombinieren sie hier mit den angesagten Styles der Gegenwart. Einer dieser Styles ist progressiver RnB. Unter diesem Begriff hat relativ viel Platz. In Österreich etwa Musiker wie Lent, Shen, Slay, Ben Saber, Meydo, Ael Deen, Tizudemjay oder Jugo Ürdens. Sie alle machen zumindest mal keinen Austropop. Dafür können sie mit vielen Dialekt-Liedermachern oft locker mithalten, wenn es darum geht, wie oft sie gestreamt werden. Stefan Niederwieser hat sich mit drei Musikern getroffen, die Vorstellrunde war noch kühl, dann wurde offen über Freunderlwirtschaft geredet, über Hass, Werte und auch das K-Wort.

Drake?

Ben Saber: Er inspiriert mich, künstlerisch und wie er sich präsentiert. Rap ist mit ihm stärker in die Gesangsschiene gegangen.

Shen: Man liebt oder hasst ihn. Meine Sachen sind sehr emotional, vielleicht verbindet mich mehr mit ihm, als ich denke.

Tizudemjay: Ich höre Drake, aber nur das, was man nicht verschlafen darf. Er ist das Aushängeschild für Rap und Pop. Er kann alles.

Woher kommt ihr? Was hat euch zur Musik gebracht?

Shen: Ich bin mit Eins nach Wien gekommen, wurde 1991 in der Türkei geboren. Meine Eltern waren unmusikalisch, mein Vater war auf der Baustelle, Mama hat geputzt. Aber meine Urgroßmutter hat Gedichte geschrieben und war bekannt. Mit ungefähr 15 hat mir ein Freund einen Beat vorgespielt, dazu habe ich meine Gefühle rausgelassen. Ich habe dann als Shen released, aber die frühen Sachen löschen lassen.

Tizudemjay: Mein Vater hat Reggae gemacht, bei uns ist viel Musik gelaufen, diesen Drang hatte ich auch. Ich habe auf der iMaschine Beats gebaut, dazu gerappt. Ich bin 1996 geboren und aufgewachsen in Pucking, einem Dorf bei Linz, Hauptschule in Linz, Polytechnische Schule, Matura an der Handelsakademie. Seither vergondel ich die Uni.

Ben Saber: Meine Eltern sind aus Tunesien. Ich wurde 1995 in Wien geboren, Volksschule, Sporthauptschule, fünf Lehren begonnen und abgebrochen. Ich habe versucht, Gesang und Schauspiel zu studieren, auch das abgebrochen. Seit zwei Jahren bin ich bei der Sony. Zuhause lief viel Musik, viel französische Lieder, Cheb Khaled und das Ganze, bewegende Musik. In meiner Siedlung gab es Zwillinge, die gerappt haben und gefeiert wurden. Das wollte ich auch für mich haben und war mit 13 im Studio.

Tizudemjay, deine Texte handeln auch vom täglichen Struggle.

Tizudemjay: Es ist nicht leicht, sich selbst zu verwirklichen, oder dass Freunde und Eltern verstehen, welchen Weg du gehst. „Deja Vu“ handelt von Sachen, die man sich vornimmt und nicht macht. Das macht Menschen aus, dieser Hass, der dich zum Ziel führt.

In deiner Spotify-Bio – Shen – steht, dass du andere Werte vermitteln möchtest als teure Autos und Chauvinismus.

Shen: In meinen letzten Songs habe ich versucht, menschliche Werte zu vermitteln. Ich lerne die Industrie kennen und versuche, meine Werte zu bewahren und die Leute aufzuwecken. Man hat einen Plan und jeden Tag 18 Stunden Zeit, um daran zu arbeiten. Die Leute, mit denen ich unterwegs bin, hustlen genauso 24/7, sie sind stabil, da gibt es kein Geld, keinen Vertrag.

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Ben Saber, Stefan Niederwieser, Shen, Tizudemjay (c) Jasmin Baumgartner

„Die Kids sehen überall Goldketten, fette Autos, Tattoos und denken, darum geht es im Leben.”

„Bitte glaube den ganzen Gangster-Fantasy-Shit nicht”, lautet eine Zeile auf „Dein Leben“.

Ben Saber: Das ist lange her. Ich habe den Song zwei Mal aufgenommen, mehrere Monate daran geschrieben und seither nichts in dieser Richtung. Aber man sieht ja den ganzen Trap-Film, der da läuft. Die Kids sehen überall Goldketten, fette Autos, Tattoos und denken, darum geht es im Leben.

Shen: Ein Mensch ist so facettenreich, man hat auch viel Böses in sich. Das Showbiz … wir müssen das rasieren. [Tisch lacht]

Ben Saber: Du musst Mainstream werden, wenn du eine Goldplatte zuhause hängen haben willst. Das hat Tupac schon zu Biggie gesagt.

Tizudemjay: Man muss Kompromisse eingehen und Dinge gefiltert sagen, damit sich viele identifizieren können. Hip-Hop ist früher nicht im Radio gelaufen. Die neuen Leute, die vorher Subkultur waren, das ist heute Mainstream. Er verändert sich.

Ben Saber: Hip-Hop wurde Mainstream gemacht! Trap ist jetzt Mainstream. Das ist genau derselbe Film, das ist salonfähig.

Shen: Aber Mainstream heißt nicht, dass du dich verbiegen oder deinen Style verändern musst.

Ben Saber: Mainstream kann deine Oma und dein Kind hören. Das ist, wie du dich gibst, wie du dich präsentierst. Am Ende des Tages sind wir ein Produkt, das muss verkauft werden. Sonst würde ich keinen Major-Vertrag unterschreiben. Wenn ich das nicht will, kann ich Kunst machen. Ich will eine Legende werden.

Meint ihr mit Mainstream Mero, Capital Bra, Apache …?

Tizudemjay: Hmm … Mero findet in einem ganz anderen Kosmos statt, der ist die neue Generation von kleinen Migrantenkindern.

Shen: … von Instagram-Rappern.

Tizudemjay: Er hat einen Stereotypen etabliert für eine Nische. Bei Apache spielt das Aussehen eine Rolle. Er ist ein durchdachtes Produkt, das kann jeder hören.

Ben Saber: Durch Spotify hat sich das alles verändert. Weil die Leute auf Spotify extrem abgehen, müssen die Radios einsteigen. Aber diese Rapper haben sich auch verändern müssen, damit die breite Masse das hört.

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Shen (c) Jasmin Baumgartner

„Ich bin fest überzeugt, dass man auch hier etwas schaffen kann.”

Auf „Karma” rappst du, Shen, „man kann eine Mille verdien’, aber das geht niemals aus Wien“. Ist Österreich bereit für euch?

Shen: Der Text ist wie ein Selbstgespräch, ich sage mir die Wahrheit ins Gesicht. Ich sage zum Beispiel auch: ein Hund bleibt ein Hund, auch in Balenciaga. Ich trag selbst Balenciaga. Ich sage zu mir, du kleiner Wichser, egal was du anhast, es ändert nichts. Erinnere dich an deine Werte. Man wird am Ende begraben und nur die Taten bleiben. Es gibt viele äußere Einflüsse, alle sagen, zieh nach Berlin, es wird hier nicht klappen. Ich bin fest überzeugt, dass man auch hier etwas schaffen kann.

Du hast Werte, bist auf Sony und trägst teure Klamotten.

Shen: Ich bin auch ein Mensch. Ich wäre ein Heuchler, wenn etwas vorgeben würde, das ich nicht bin. Das ist ein realer Talk. Auf den Major-Labels gibt es große künstlerische Freiheit. Sonst könnte ich dort nicht mit solchen Songs starten.

Tizudemjay: Mir ist das arg im Kopf geblieben, als du gesagt hast, dass du es von überall schaffen kannst. Wir haben das Internet, nenn es Schicksal, nenn es Glück, irgendjemand hört meinen Song und postet das und es wird ein Hit. Aber ich versteh, warum Ben Saber nach Berlin gegangen ist, es gibt andere Connections, der Rap-Kosmos findet viel heftiger statt. Man kann natürlich auch dort Pech haben.

Shen: Wie ist es in Berlin?

Ben Saber: Mit meiner Musik kann ich es in Wien nicht schaffen. Wanda, die alle sind erst in Deutschland erfolgreich geworden, sie sind dort gespielt worden, dann wurden sie in Österreich gefeiert. Das war bei Falco schon so und wird auch so bleiben. In Wien gibt es nicht so viele Künstler, die Kunst wird nicht so gefördert, deshalb musste ich raus. Auch in Amerika ziehen sie vom Land in die großen Städte, wo das Leben ist. Mir geht es darum, mich weiterzuentwickeln, zu lernen. Man kommt in Berlin an Leute, die hier nie deinen Weg kreuzen würden.

Meinst du Producer, Leute beim Radio …?

Ben Saber: Wir wurden letzthin in ein Studio eingeladen, und zufällig war da Sonus030, der Producer von Ufo361. Und noch ein anderer Platin-Producer. Hier würde das nie passieren. Sobald Leute ein bisschen Erfolg haben, gehen sie auf Distanz, sie wollen den Erfolg für sich.

Shen: Ich habe das Problem nicht. Ich lasse jetzt schon niemanden mehr ran. [Tisch lacht] Ich habe mir eine Armee gemacht, in der jeder seine Position hat.

Raf Camora hört man bei dir, Ben, musikalisch leicht durch, oder?

Ben Saber: In Lateinamerika haben viele Songs dieselbe Rhythmik wie meine Songs. Raf nimmt noch mehr von Frankreich. Aber die Rhythmik ist dieselbe. Ich versuche, das auch aufzugreifen.

Werdet ihr in österreichischen Medien gefeatured?

Ben Saber: Das ist sehr stark Freunderlwirtschaft. FM4 hat nicht einen meiner Songs gespielt. Für Ö3 war mein Sound zu wenig Mainstream, für FM4 zu viel. Damit komm ich gar nicht klar. Nur Eberhard Forcher hat mich gespielt und richtig supportet.

Tizudemjay: Wir haben Trishes von FM4 kennengelernt, der hat uns gefeiert und ein Interview gemacht.

Ben Saber: Es geht darum, auf die Leute zuzugehen. Alle wissen, wie schwer es ist, als Musikerin und Musiker etwas zu erreichen. Wenn man etwas in der Hand hat, warum supportet man das nicht? In Berlin schreibt man gleich darüber, wenn man bei einem Major unterschreibt, dass jemand aus der Hood rauskommt. Ich habe mit meiner ersten Single in einem Monat ein halbe Million Menschen erreicht. Ohne Lobby. Hier interessiert das keinen.

Shen: Raf war damals betteln. Heute gibt er dem ORF kein Interview.

Würdet ihr zu Ster- und Grissemann gehen?

Ben Saber: Sicher! Die feiere ich extrem.

Shen: Legende.

Tizudemjay: Würde ich auf jeden Fall. Mein Ziel ist, dass Stefan Raab noch einmal sagt, Bruder, TV Total Jubiläumsshow, wer weiß. [Tisch lacht]

Shen: Wenn man ein österreichischer Künstler ist, sollte man das Fernsehen hier nutzen.

„Die Leute gehen nicht auf die Jugend zu, sondern schauen immer, was den Älteren gefällt.”

In Wien hat ein Viertel der Bevölkerung Migrationshintergrund. Das ist bei vielen Medien noch nicht angekommen …

Ben Saber: Ja. Es liegt daran, dass ich ein Kanake bin. Vielleicht ist das ein dummer Gedanke, aber ich hatte keine Antwort auf viele Fragen. Wenn keiner auf mich zukommt und mit mir redet. Ich habe es versucht und vielen geschrieben. Wenn dann nichts kommt, kommst du zu diesem Schluss.

Tizudemjay: Wenn du einen Song von mir hörst, du feierst ihn und weißt, er hustlet und macht das alles selbst, dann gib das bisschen Respekt, poste es, schicke es an Freunde, denen es gefallen könnte. Einem Upcoming Artist hilft das. Viele denken, wenn sie nichts davon haben, warum sollten sie das machen. Diese Mentalität ist in Österreich brutaler als in Deutschland.

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Ben Saber (c) Jasmin Baumgartner

Ben Saber: „Mama“ von Shen und mir ist abgegangen, das war ein kleiner Hit, da hatten wir noch keinen Vertrag, haben alles selbst gemacht, aber die Radios haben das ignoriert. Das hat mich richtig angepisst. Die Leute gehen nicht auf die Jugend zu, sondern schauen immer, was den Älteren gefällt.

Shen: Ich denke mir, ich kann nur droppen und schauen, was passiert. Wenn es nicht passt, dann muss ich mehr Show machen, mehr auf die Kacke hauen, die Leute aufwecken.

Tizudemjay: Und wenn du politische Themen machst, musst du rechnen, dass sie dich nicht spielen. Du wirst damit immer jemanden angreifen.

Shen: Aber findet ihr, wir leben in einem Land, wo wir schlecht vom Staat behandelt werden. Ich feiere das, wenn etwas ungerecht ist und man entfaltet sich in Musik. Aber wir leben gut. Es gibt keinen Krieg.

Je nachdem wie man aussieht, kann es doch einen Unterschied machen, wie man von Behörden oder der Polizei behandelt wird?

Ben Saber: Das gehört in Songs rein.

Tizudemjay: Versteh ich. Es gibt einfach Leute, für die gibt es keinen Rassismus in Österreich. Sie waren nie damit konfrontiert. Und manche nehmen nur das wahr, für die werden alle Kanacken schlecht behandelt. Man muss entscheiden, wie es einem selbst geht in diesem Land. Ich mache Musik, die ich fühle. Ich fühle Politik nicht in meiner Musik. Es gibt Leute, die politische Musik machen, die das gut machen, denen ich das überlasse.

Ben Saber: Aber du würdest in einem Song darüber reden, wie Leute auf der Straße behandelt werden.

Schreibt ihr so, wie ihr redet?

Ben Saber: Mir ist es wichtig, dass ich Wörter benutze, die ich im Alltag verwende. Etwas wie Gwallah, das man eher in anderen Ländern benutzt, ist dann für den Flow oft leichter.

Tizudemjay: Wenn du nur „Geld“ sagst, wird es langweilig. Rapper definieren sich über den Wortschatz. Ich drücke Sachen sehr… cool aus, wie in einer übertriebenen Version von mir. Ich würde aber niemals sagen, „ich ficke diese Bitch“. Das wäre hässlich. Ich sage lieber, „Make-Up-Flecken auf dem weißen T-Shirt“. Und alle wissen, was gemeint ist.

Shen: Ich denke schon darüber nach, welche Signalwörter im Kopf bleiben. Aber das ist alles schon im Unterbewusstsein.

Wie arbeitet ihr Texte fertig aus?

Tizudemjay: Komplett auf dem Phone [scrollt kurz durch hunderte Zeilen Notizen], teilweise fertig, teilweise sind das Wörter, die ich feiere. Es ist ganz unspektakulär. Ich sitz in meinem kleinen Zimmer, im Fernsehen läuft Sport, ich produziere und vibe ins Mikro straight rein. Was ich cool finde, das lasse ich. Aber wenn eine Idee kommt, kann ich erst schlafen gehen, wenn sie in Stein gemeißelt ist.

Ben Saber: Ich schreibe in Word. Ich mach die ersten Zeilen, die Hook, den Refrain oder die Melodien. Das nehme am Handy auf, setz mich mit jemandem hin und schreib das fertig. Oft kommt das einfach so [schnippt mit dem Finger], wir sitzen in einem Cafe, ich höre etwas, speichere mir das ein. „Solidé“ habe ich vor zwei Jahren mit meinem Handy aufgenommen, war ein Jahr später in Berlin im Studio, erst dort hat es genau gepasst.

Shen: Es kommt darauf an wie ich drauf bin, manchmal geh ich im Studio ans Mikrofon, auf einmal geht was, manchmal schreibe ich zuhause.

Wann nehmt ihr einen Beat?

Shen: Schlechte Frage. Das fühlst du.

Tizudemjay: Es gibt alles. Entweder du fühlst den Beat nicht, er lässt keinen Platz für die Stimme, oder er ist zu gut und du hast Angst. Ich hatte mal eine Hook, die erst bei der dritten Aufnahme mit einem ganz anderen Beat gepasst hat.

Ben Saber: Manchmal feiert ein Producer den Beat und du gar nicht. Ich hab ein paar Leute und versuche, abzuwechseln. Auf Instagram bekommst du auch viel zugeschickt.

Shen: Ich sag dann immer, schreib meinem Produzenten. Aber ein paar sind extrem hartnäckig.

Tizudemjay: Die sind sehr von sich überzeugt. Ich bin da misstrauisch. Du weißt nicht, woher die Samples sind. Die Vibes müssen einfach stimmen.

Wer produziert, wer macht die Videos?

Shen: Bei der Musik wirke ich mit, habe einen Main Producer für Beats, Effekte, all das. Videos mache ich Planung, Moodboards, Drehbücher.

Tizudemjay: Ich bin durch Ael Deen nach Wien gekommen, er hat viel für mich produziert. Ich arbeite mit Producern, mache viel selbst, lasse mischen. Meine Videos habe ich selbst gemacht, sie meistens mit jemandem geschnitten.

Ben Saber: Ich sitze dabei, komponiere vorher auf meinem Handy, nehme Melodien oder Ideen auf. Vor der Sony habe ich auch Videos selbst gemacht.

Was hört ihr? Und habt ihr Musik gelernt?

Tizudemjay: Ich höre alles, was Einfluss auf Hip-Hop hat aus Deutschland, Frankreich, den USA. Musiktheorie habe ich keine und könnte das auch nicht in Noten nachbauen.

Shen: Mit Noten kenn ich mich auch nicht aus. Es ist komplett Gefühl. Ich war nie beim Musikunterricht, war sehr faul unterwegs. Ich hör aber alles, Pop, Rock. Bei mir ist der Beat nicht immer Hip-Hop, das kann alles sein. Früher dachte ich, ich will niemanden kopieren. Aber das ist unnötig. Musik ist da, um geteilt zu werden.

Tizudemjay: Niemand kann aus Nichts etwas erschaffen. Hip-Hop entsteht durch Soul und Jazz. Nur so kann sich Musik entwickeln.

Shen: Meine neuen Sachen sind schneller, Ufo361, Future, Travis Scott, diese Richtung.

Ben Saber: Ich war am Konservatorium, aber ich hasse Noten lesen. Pavarotti konnte keine Noten lesen, er hat das auswendig gelernt. Für mich gibt es keine schlechte Musik. Ich höre klassische Musik, Rock, Soul, Trap, alles durch.

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Tizudemjay (c) Jasmin Baumgartner

Ah ja, zu euren Namen, Whatsapp hat mir Timo Joseph vorgeschlagen. Und Shen heißt auf Chinesisch “Geist” oder “göttlich“.

Shen: Shen kann man es nicht mit dem Herzen erfassen, kann es nicht fühlen. Nur wenn ein Herz rein ist, kann es erfasst werden. Mein Nachname ist auch Şen.

Tizudemjay: Ich bin vor dem Mike gestanden und habe wie Snoop Dogg, yea, yea, Tizudemjah gesagt. Das ist geblieben. Ich hab mir nicht viel Gedanken gemacht. Aber ich werde diesem Namen mit meiner Musik einen Namen geben.

Ben Saber: Ich heiße bürgerlich Saber Ben Mohamed Ibn Saoul. Ben heißt „Sohn von”. Ich habe mich bei den Mädels immer mit Ben vorgestellt. Bei Saber haben alle nachgefragt, Ben war einfacher.

Ben, warum trägst du H&M auf Instagram?

Ben Saber: Ich habe etwas für den Amadeus Award gebraucht. Die haben uns Sachen gegeben. Dafür habe ich sie getaggt.

Du hast Balenciaga und eine kleine Tasche von Gucci. Wie wichtig sind dir Klamotten?

Shen: [Pausiert. Beißt in ein knackiges Brötchen] Schon sehr wichtig. [Tisch lacht.] Die Hose ist von H&M, ich mag’s zu kombinieren, ein paar Sachen müssen sein. Wir arbeiten gerade mit einer Agentur im Hintergrund, mit Youtubern, auch mit Diesel, und schauen, ob etwas Größeres draus wird.

Ben Saber: Durch Werbung mit Modelabels verdienen viele Künstler das meiste Geld, natürlich auch durch live. Für mich als Sänger ist das sehr wichtig. Ich habe das von Soul- und Blues-Sängern übernommen, ich wollte immer älter und eleganter wirken. Egal wie viel ich in den Taschen habe, ich versuche immer, gut auszuschauen. Ich trage immer schon Hamsa-Anhänger, diesen jetzt seit drei Jahren.

Tizudemjay: Fashion gehört zum Hip-Hop, wie du dich anziehst, sagt viel über die Kultur aus, die du lebst und die du verkörperst. Man trägt das nach außen, was zu einem passt und was man fühlt. Ich spiele keine Rolle.

Shen: Kleidung kann niemals deine Attitude verändern. Entweder hast du’s, bist du’s oder nicht.

Ihr schaut auf Fotos oft streng.

Shen: [gelangweilt] Ich werde mehr versuchen, zu lachen. [Tisch lacht] Das war als Kind schon so. Ich habe öfters gehört, dass ich eine bedrohliche Aura habe.

Ben Saber: Meistens sind die Fotos besser, auf denen ich nicht lache. Dabei lache ich fast immer.

Tizudemjay: Kommt darauf an, wer abknipst und wann. Ich will nicht aussehen wie auf einem Bewerbungsfoto. Sonst habe ich mit Lachen kein Problem.

Macht ihr Meetings zum richtigen Image?

Ben Saber: Sony hatte gute Ideen. Es ist wichtig, wie man sich gibt. Manchmal vergisst man, dass einem Leute zuschauen.

Shen: Es ist ein Showbusiness. Ich habe auf Instagram zwar nicht immer Bock, muss mich aber daran gewöhnen.

Was kann ein Label für euch machen?

Shen: Mein erstes Video in Ägypten habe ich selbst bezahlt. Wir waren vor den Pyramiden, du brauchst dort überallhin zwei Stunden, es ist zäh. Das Label hat dann einen Teil der Kosten übernommen. Es gibt dir einen Polster, du musst weiterhin zaubern, dir aber nicht alles erkämpfen.

Tizudemjay: Alle hätten gerne mehr finanzielle Mittel, um kreativ zu sein. Das wird durch ein Label nicht viel leichter.

Wie schwer ist es, sich Strukturen selbst aufzubauen?

Shen: Auf legale Art? Als Privatperson ist das sehr, sehr schwer. Da bleiben nur irgendwelche Unterstützer.

Tizudemjay: Ein paar OGs gibt es sicher, die einen Manager haben, eigene Video-Leute, und der Major macht nur den Vertrieb. Ich werde mit oder ohne Label an meiner Qualität feilen. Das kann mir niemand abnehmen.

Beschäftigt ihr euch mit Streaming, Live-Business, oder konzentriert ihr euch auf die Musik?

Tizudemjay: Natürlich muss ich schauen, was ankommt, ich muss irgendwann damit Geld verdienen. Ich arbeite, damit ich meine Musik finanzieren und Songs in viele Richtungen pushen kann. Bei Raf Camora hat es 15 Jahre gedauert. Er hat mal gesagt, ein Hit …

Ben Saber: … ein Hit wird von den Leuten gemacht und nicht du machst den Hit. Er hatte Recht. Ich schaue definitiv auf die Zahlen, welcher Song funktioniert, welcher nicht. Ein Major hat die Kontakte zu Spotify. Am Ende entscheidet dort ein Typ vor einem Laptop.

Hat Xatar die Zahlen manipuliert?

[Durcheinander]: Ja, hat er.

Ben Saber: In den Neunzigern haben das die Labels ihre Praktikanten in die Geschäfte geschickt, um ihre Artists zu kaufen. Selbes Spiel.

 

Von Ben Saber ist zuletzt “Burner“ erschienen, von Shen “Fallen“, beides bei Sony Music. Tizudemjay hat zuletzt “808“ und “Mehr“ veröffentlicht.

 

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