Blinded by Stardust (c) Asta Cink

„Ich kann durch die Band, das nach außen tragen, was in mir ist“ – LUKAS CIONI und CORINA LAIMER (BLINDED BY STARDUST) im mica-Interview

Gleich ihre erste Single „Cleared and removed“ ist in Rotation auf FM4 gelaufen: Jetzt legen BLINDED BY STARDUST ihr Debütalbum „What life’s all about“ (Lindo) vor. LUKAS CIONI und CORINA LAIMER erzählten Jürgen Plank, dass sie die direkte Rückmeldung vom Publikum schätzt und was zuallererst zu tun wäre, sollte die Band mit dem ersten Album weltberühmt werden.

Wie hat alles begonnen?

Lukas Cioni: Begonnen hat es als Spaßprojekt, solo. Das war Ende 2011, Anfang 2012. Ich habe schon davor Musik gemacht, aber ich habe bis dahin keine Musik veröffentlicht. Ich habe damals Musikvideos gemacht und eine sehr gute Freundin hatte die Idee, auch mal ein Musikvideo zu meiner Musik zu machen, zu „Cleared and removed“. Der Song ist dann auf FM4 gelaufen und so hat das Projekt begonnen. Es ist schon ein Bandprojekt, aber wichtig ist für mich auch, eine Zusammenarbeit mit anderen Kunstrichtungen zuzulassen. Das kann etwa eine Ausstellung während eines Konzertes sein.

Wo und wie war dann das erste Konzert?

Lukas Cioni: Unser erstes Konzert war im B72, das war eine unglaublich arge Erfahrung: Wir sind alle zum ersten Mal auf einer Bühne gestanden. Es war eine große Überwindung, aber gleichzeitig eine unglaublich schöne Erfahrung. Wahrscheinlich leckt man da Blut und macht dann weiter.

Corina, wie sind Sie zur Band gekommen, sind Sie gecastet worden?

Corina Laimer: Mich hat Blinded by Stardust über Facebook geangelt, es gab ein Posting, dass sie jemanden an einem Streichinstrument suchen. Obwohl das Posting schon einige Monate alt war, habe ich mich gemeldet. Wir haben uns getroffen und miteinander gespielt, um zu schauen, ob es musikalisch passt. Es hat gepasst und so bin ich nun seit Oktober 2015 dabei.

Wie ging die Entwicklung weiter?

Lukas Cioni: Wir haben immer wieder mal ein Video zu einem Lied produziert und Menschen, die uns dabei geholfen haben, sehe ich auch als Teil der Band. Letztes Jahr gab es eine EP als Veröffentlichung. So etwas auf die Beine gestellt zu haben, ist dann noch einmal etwas anderes – das ist wie so ein erstes kleines Kind, das das Licht der Welt erblickt.

„Unsere Musik ist nicht nur düster und nicht nur lustig.“

Album Cover – What life’s all about

Was macht für Sie die Musik von Blinded by Stardust aus?

Corina Laimer: Ich finde, dass jeder einen Freiraum hat, sich musikalisch zu entfalten und sich einzubringen. Wir sind mit unseren Ideen in der Band alle gleichgestellt und so ergeben sich aus unserer Konstellation heraus sehr spannende Kombinationen. Es hat eben diese Spannung: Es hat Melodien und die Musik ist auch durchdacht.

Lukas Cioni: Für mich war dieser Freiraum auch immer wichtig bei Blinded by Stardust. Jeder kann sich mehr oder weniger autonom bewegen. Gleichzeitig ist Felix (Kirsch) zum Beispiel ein unglaublicher Tontechniker, der seine eigenen Mikrofone selbst zusammenbaut, und Simon (Hosemann) ist auch unglaublich talentiert. Die Musik ist für mich theatralisch und dramatisch und sie kann auch euphorisch sein. Unsere Musik ist nicht nur düster und nicht nur lustig. Sie ist wie das Leben nicht nur schwarz oder weiß, sondern spielt sich irgendwo dazwischen ab.

Inwiefern ist die Band auch ein Verarbeitungsmechanismus für das, was die Bandmitglieder erleben?

Lukas Cioni: Ich kann durch die Band, das nach außen tragen, was in mir ist. Das ist eine Bereicherung für mein Leben. Als Künstler hat man die Freiheit, sich auf jegliche Art und Weise auszuleben. Das mit anderen Leuten zu teilen, ist unglaublich schön. Ich finde es immer sehr schön, das direkte Feedback vom Publikum zu bekommen. Das kann auch sein: Ich habe bei einer Nummer weinen müssen und bin gleichzeitig vor Freude gesprungen. Wir verarbeiten viel durch die Musik, manches ist aber aus der Luft gegriffen. Die Musik ist eine Bereicherung für unser Leben und es würde uns etwas Essenzielles fehlen, wenn es die Musik nicht geben würde.

Was würden Sie anstelle der Musik machen?

Corina Laimer: Ich habe eine klassische Musikausbildung und Blinded by Stardust ist meine erste Band. Aber trotzdem hat mich Musik nie losgelassen, ich wollte, dass Musik wieder ein größerer Bestandteil in meinem Leben ist und zurzeit kann ich mir die Band nicht wegdenken.

„Ich kann meine eigenen Melodien einbringen, die mir in den Kopf kommen.“

Corina, könnten Sie sich vorstellen, wieder klassische Musik zu machen?

Corina Laimer: Das wäre vielleicht möglich, ich bewundere alle Violinistinnen und Violinisten, die sehr gut Klassik spielen. Aber für mich ist es eher nichts, weil mir wahrscheinlich die Disziplin dafür fehlt, jeden Tag stundenlang zu üben. Das ist schon etwas, was ich an der Band schätze: Ich kann meine eigenen Melodien einbringen, die mir in den Kopf kommen. Das kann zu einem Ohrwurm werden oder auch nicht. Gerade wegen dieses Improvisierens wäre klassische Musik eher nichts für mich.

Worauf haben Sie bei der Produktion des ersten Albums geachtet?

Lukas Cioni: Ich habe zum ersten Mal in einem professionellen Studio aufgenommen und natürlich achtet man darauf, dass eine Nummer so wird, wie man sich das vorgestellt hat. Es war spannend zu sehen, wie sich ein Lied im Zuge dieses Arbeitsprozesses verändert. So entwickelt sich eine Nummer weiter und wird vielleicht zu mehr, als man gedacht hat. Unsere erste Single-Auskoppelung „Follow the sun“ haben wir live im Studio eingespielt und diese Dynamik war sehr gut. Oft ist man auch sehr lange im Studio und singt Spuren ein. Auch wenn es manchmal anstrengend war, möchte ich all diese Erfahrungen nicht missen. Das war für mich eine große Bereicherung.

Was erzählt das Lied „Follow the sun“ und wie ist es entstanden?

Lukas Cioni: „Follow the sun“ war die Nummer, bei der wir schon im Proberaum gemerkt haben, dass sie uns alle sehr überzeugt.

Corina Laimer: Vor allem ist das Lied sehr schnell passiert, beim Jammen. Es gibt ja manchmal Momente im Proberaum, in denen etwas passiert. Dann hat man innerhalb kürzester Zeit eine Nummer.

Beschreiben Sie das Stück bitte noch ein wenig.

Lukas Cioni: Ich würde sagen, dass es eine sehr antreibende Nummer ist. Eine sehr positive Nummer, eine Nummer voller Hoffnung. Vielleicht ein bisschen das Pendant zur letzten Single „Farewell Note“. „What life‘s all about“ ist auch ein sehr großer, namensstarker Albumtitel, wobei es aber nicht darum geht, die großen Fragen des Lebens zu beantworten, sondern Momentaufnahmen und Facetten des Lebens zu zeigen. Diese Facetten sind genau wie unsere Musik: nicht ausschließlich negativ und nicht ausschließlich positiv. Sie spielen sich eben dazwischen ab. Die Nummer „Follow the sun“ ist sicher folklastig und gibt uns jedes Mal, wenn wir sie spielen, einen starken Push.

Corina Laimer: Ja, das ist einfach ein cooles, positives Gefühl, diese Nummer zu spielen. Ich hoffe, dass das auch so ist, wenn man die Nummer hört.

Welche Reaktionen bekommen Sie nach Konzerten?

Corina Laimer: Schon während des Konzerts ist es eine positive Reaktion, wenn die Leute zuhören. Wenn sich jemand mitbewegt oder sogar Textpassagen mitsingt, dann ist das schon ein großes Kompliment. Oder wenn jemand nach dem Konzert zu uns kommt und sagt, dass es ihm getaugt hat. Bisher habe ich noch kein negatives Feedback bekommen.

Lukas Cioni: Es geht immer darum, die Musik in dem Moment zu leben, in dem man sie macht. Wenn man vollkommen in der Musik aufgeht, dann spüren das die Menschen auch, wenn dieses Feuer überspringt.

„Ich glaube, es ist eine große Ehre, Musik mit anderen Menschen machen zu können.“

Treiben Sie solche Rückmeldungen an oder würden Sie Ihre Musik ohnehin machen?

Corina Laimer: Es bedarf dieser Worte nicht unbedingt, denn man spürt, wenn der Funke überspringt. Man weiß, dass man gerade als Band ein Superkonzert hat. Ich würde aber auch Musik machen, wenn das niemand aussprechen würde. Man spürt, ob es dem Publikum taugt oder nicht.

Lukas Cioni: Ich glaube, es ist eine große Ehre, Musik mit anderen Menschen machen zu können. Feedback jeglicher Art ist natürlich wunderschön, ich glaube aber auch, dass man Musik einfach macht, weil man sie machen muss. Es muss etwas aus einem heraus. Das gibt einem ohnehin schon sehr viel. Man macht Musik für sich, selbst wenn es niemandem taugen würde, würden wir trotzdem miteinander spielen, weil wir auch emotional davon profitieren.

Angenommen, Sie würden weltberühmt werden, was würde das mit Ihnen machen?

Lukas Cioni: Als Erstes würden wir dem US-Fotokünstler William Horton ein Honorar auszahlen. Das ist ein netter älterer Herr, er hat uns Fotos zur Verfügung gestellt, mit den Worten: „You can use them for free until you get rich and famous.“

Corina Laimer: Das müssten wir wirklich als Allererstes machen [lacht].

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

 

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Release-Show:
19. Oktober 2018, 20:30 Uhr: B72, Wien