„Ich habe alles auf dieses Album gepackt, mein ganzes Leben ist drauf.” – SVABA ORTAK im mica-Interview

Er gibt keine Interviews – eigentlich. SVABA ORTAK hat kurz vor dem Erscheinen seines Albums „Eva und Adam“ (Sony) die erste Ausnahme seit sieben Jahren gemacht.

SVABA geht gut gelaunt in ein Lokal gegenüber des Bahnhofs Wien Mitte. Die Leute am Grill begrüßt er herzlich, sie begrüßen ihn herzlich, dazu gibt es ein paar Scherze. SVABA ORTAK* ist im 3. Wiener Gemeindebezirk geboren, er ist hier daheim, er kennt die Ecken, die Parks, die Lokale, die Käfige, vor allem aber weiß er, was und wie die Leute hier reden. Er macht seit mindestens acht Jahren Rap, Singles, Videos, bisher noch kein Album. Das kommt jetzt auf „Sony“. Die siebzehn Tracks von „Eva und Adam“ decken ein weites Spektrum ab. Viel harter Straßenrap, ein wenig Dancehall, G-Funk, ein paar Synkopen und immer wieder Melodien und Instrumente, die entlang des Wiener Rennwegs und im Rest Österreichs bekannt klingen, aber vielleicht noch nicht vertraut. SVABA ORTAK mischt Deutsch und Serbisch, er verschränkt wuchtige Beats mit den Codes der Familie und dabei sprühen glühende Funken. Das Album ist eine eigene sonische Welt, die man in Österreich so ausgereift noch nicht gehört hat.

Auf „Südbahnhof“ erzählt er, wie seine Familie in Wien ankam. Es ist eine Geschichte von Bomben, Sensen, Arbeit sowie Ausländerinnen und Ausländern, die in Österreich keine Sprache, sondern nur Hände brauchten. Bei „Serben in Wien 3“, dem Ende einer Trilogie, zuckt man eventuell kurz zusammen, als er für alle Verstreute in der Diaspora neben zahlreichen Ikonen serbischer Kultur auch KARADŽIĆ feiert, VUK KARADŽIĆ wohlgemerkt, den Dichter. Auch hier schlagen SVABAS Silben mit Wucht am Trommelfell auf. RAF CAMORA hat sein Versprechen gehalten und steuert auf „Bis dato“ eine Strophe bei. Die Hymne an die Stadt könnte im VOLKSGARTEN laufen, im CLUB VILLAGE, in der FORELLE oder an einem guten Abend im WERK. „Scheiß auf dein Interview, hör meine Songs, ich verschweige dir nix“, heißt es da. Das stimmt.  

SVABA ORTAK sprach mit Stefan Niederwieser über seine Zeit ganz allein in Frankfurt, über SPOTIFY, österreichische Medien, den Stellenwert von Frauen, seine letzten hundert Euro und eine Walnuss.

„Eva und Adam“ erscheint am 29. März, die Album-Release-Show findet am 12. April in der SIMMCITY in Wien statt.

Wie kam das mit „Sony“?

Svaba Ortak: Ich habe gerade einen anderen Deal abgesagt und drüben am Beethovenplatz Basketball gespielt, drei Stunden später bekomme ich eine Nachricht. Nuri Nurbachsch von „Sony“ hat meine Nummer herausgefunden und mir auf WhatsApp geschrieben. Ich bin dort vorbei und habe ihnen meine Vision erklärt. Sie geben mir manchmal Input, aber vertrauen mir voll. Im Endeffekt treffe ich die Entscheidungen.

„Diese Slangs wurden hier um die Ecke geboren”

Svaba Ortak (c) Aleksandar Petronijevic

Sie mischen Deutsch und Serbisch. Wollte „Sony“ daran etwas ändern?

Svaba Ortak: Diese Slangs wurden hier um die Ecke geboren, die Leute wissen, wovon ich rede. Ein Label zu haben ändert gar nichts an meinen Texten und meinem Charakter. Du darfst deine Kunstfigur nicht mit solchen Sachen zerstören, du kannst sie schleifen, aber das ist ja nicht einmal ein Kunstfigur, das bin wirklich ich, ich komme hier ins Lokal rein und sie nennen mich zum Spaß „Mafia“.

Wie ist das auf dem Album?

Svaba Ortak: Es gibt kleine Parts auf Serbisch, Breaks, aber großteils ist es auf Deutsch.

Wie ist es zu den zwei Konzerten mit RAF Camora in der Stadthalle gekommen?

Svaba Ortak: RAF hat mich gefragt, da bin ich genau hier vor dem Lokal mit meinen Jungs gesessen. Ich hab noch repostet, wie ich mich freue, dass er die Stadthalle ausverkauft hat, da schreibt er mir: „Hast du Bock zu spielen?“ Ich hab drei Saltos gemacht, drei Saltos, Stadthalle, Bruder, zwei Mal! Das ist eine große Ehre. Man kann ihn für mich ein Vorbild nennen, seine Musik hatte auf meine Karriere einen großen Einfluss und durch ihn habe ich viel gelernt.

Sie haben ihn noch vor seinem Durchbruch gefeiert. Wie gut kennen Sie einander?

Svaba Ortak: Ich habe ihn in München kennengelernt. Ich hab dort Haze besucht, der mit ihm auf Ghost-Tour war, ich kenne viele seiner Freunde, bin mit ihnen unterwegs, Emirez und Pirelli. Er und Bonez haben damals gerade mit Palmen aus Plastik begonnen, das sollte ein kleines Projekt sein. Wir haben uns ausgemacht, dass wir was zusammen machen werden. Er meinte: „Bruder, ich geb dir mein Wort, auf deinem ersten Album, da bin ich drauf. Und jetzt drei Jahre später …“

„[I]ch sehe nur mehr Rekorde und unfassbare Zahlen.”

Svaba Ortak (c) unbekannter Fotograf


Mit 187 Strassenbande und Ihnen gibt es auch einen Track auf SoundCloud.

Svaba Ortak: Das war zur Zeit von „Der Sampler 3“. Ich habe damals in Frankfurt gewohnt. Der Kontakt ist über einen Freund entstanden, der ihnen drei Mixtapes mitgenommen hat. Sie haben mich angerufen und meinten: „Bruder, du musst sofort kommen, sofort.“ Ich bin mit meinen letzten hundert Euro nach Hamburg gefahren, wir sind durchgedreht. In 15 Minuten habe ich das geschrieben, in einer halben Stunde aufgenommen, die hatten zwei Tage später Abgabe. Das Mixtape war ihr Durchbruch. Heute sind das surreale Maße, ich sehe nur mehr Rekorde und unfassbare Zahlen. Ich wollte damals sogar schon aufhören, weil ich dachte, Spotify werde uns in den Ruin treiben. Aber dann habe ich gesehen, dass da Geld reinkommt, dass das funktioniert, dass das die Leute hören, wenn es geil ist. Das ist fantastisch für alle Rapper, ich bin extrem dankbar, dass dieses System funktioniert. Ich verdiene kontinuierlich damit, das ist wirklich gut.

Ein paar große Rapper waren schon kurz vorm Aufhören. Warum ging es Ihnen so?

Svaba Ortak: Ich musste weg von hier, Gedanken sammeln. Ich bin nicht wegen der Musik nach Deutschland, ich wollte nicht mehr in Wien sein, hier ist viel Gift, viele Leute vergiften deinen Kopf. Ich bin ganz allein da hin. Ich bin dann nach zwei Jahren aus familiären Gründen wieder zurückgekommen.

Und warum haben Sie doch nicht aufgehört?

Svaba Ortak: Ich bin einfach unfassbar hungrig. Ich kann nicht mit ansehen, wie Leute Lorbeeren absahnen für Sachen, die mir und meinen Jungs widerfahren. Die fuchteln mit ihren Plastikwaffen in Videos rum, ich kann so etwas nicht ausstehen. Ich bin verpflichtet zu bleiben, wenn es knallt. Ich arbeite schon am zweiten Album. Aber dieses Album hier, das ist jetzt mein letzter Tropfen, wenn das nicht läuft, wie ich mir das vorstelle, wofür dann noch?

Was braucht es für eine gute Chartplatzierung?

Svaba Ortak: Singles sind uninteressant, ich will kein One-Hit-Wonder sein. Was habe ich davon? Das steht auf Wikipedia, aber füllt nicht meinen Magen. Du wirst früher für Werbedeals und Sponsorings angenommen, aber es geht um die Zahlen. Fürs Album zählt es, wie viel du verkaufst, daran misst man deine Eier. Vorhin ist „Napad“ auf FM4 gespielt worden und in jedem Club, in den ich gehe, läuft das. Das ist eine Dancehall-Nummer. „Paki“ [sprich „Pe-A-Ka-I“, Anm.] hat auch schöne Zahlen erreicht. Qualität bekommt die meisten Streams. Jetzt kommt noch „Simba“ raus, für das wir am Kardinal-Nagl-Platz ein Video gedreht haben, das ist Hip-Hop und Auto-Tune. Ich habe auf dem Album jede Sparte erfüllt. Ein Musikmanager wollte einmal wissen, wie ich mich in drei Worten beschreibe, ich meinte: „Meister aller Klassen. Du kannst mir Mozart geben, ich werde dir eine Symphonie geben.“

Haben Sie schon Mozart gesampelt?

Svaba Ortak: Noch nicht. Wir haben auf dem Album Stings „Shape Of My Heart“ nachgespielt, aber als eigene künstlerische Leistung.

Und die Bläser auf dem Song „Für die“?

Svaba Ortak: Das sind Trubači, das ist für mich Ethnomusik, das nenne ich nicht mal mehr „samplen“. Das haben wir mündlich abgeklärt.

Svaba Ortak (c) Aleksandar Petronijevic

Bushido musste viel Geld zahlen für nicht geklärte Samples.

Svaba Ortak: Bruder, Bushido ist Meier gegangen vom Feinsten.

Sie sagen, dass es mit dem Album klappen muss. Ab wann klappt es?

Svaba Ortak: Wenn gutes Geld in die Kasse fließt. Ich habe alles auf dieses Album gepackt, mein ganzes Leben ist drauf. Deshalb heißt es „Eva und Adam“, als Widmung an meine Mutter und meinen Vater. Ich bin nichts Besseres als andere hier, aus meinen Adern kommt auch nur Blut, mit mir kann man sich identifizieren. Auf meine Konzerte kommen die abgebrühtesten Kanaken und auch die alternativsten Link-Extremen. Wir sind keine Heiligen, wir sind auch keine Gangster.

„Die Frau hat bei uns einen höheren Stellenwert.”

Warum sind im Albumtitel Eva und Adam umgedreht?

Svaba Ortak: Die Frau hat bei uns einen höheren Stellenwert. Meine Mutter sagt, eine Tochter sei mehr wert als zehn Söhne. Das sagt sie mir einfach so, während sie Kaymak macht. Ich habe noch nie so etwas Schönes gehört. Deshalb kommt die Frau vorher.

Auf zwei Singles geht es um Drogen. Was sind die anderen großen Themen?

Svaba Ortak: Klar geht es um Drogen. Außerdem sind Vertrauen und Freundschaft große Themen … und meine Herkunft. Es gibt in Wien nicht viele Serben aus Montenegro. Serbien und Montenegro gehören zusammen, bei mir ist das eine Balance, das möchte ich den Leuten näherbringen. In einem Song geht es um meinen Vater, der als Gastarbeiter nach Wien gekommen ist.

„[D]as ist wie Isolationshaft.”

In den Siebzigerjahren?

Svaba Ortak: Nein, kurz bevor der Krieg ausgebrochen ist, meine Mutter ist bald nachgekommen. Sie ist mit meinen Geschwistern während des Zehn-Tage-Kriegs durch Slowenien gefahren. Ich wurde im Krankhaus Rudolfstiftung geboren, Fahrschule, Hausarzt, alles hier. Einsamkeit ist außerdem ein wichtiges Thema. Das hat viel mit meiner Zeit in Frankfurt zu tun, ich war dort ohne Freunde, ohne Familie, das ist wie Isolationshaft. Du hast Momente, da glaubst du, niemand ist für dich da. Das Outro „Atlas“ ist einer meiner Lieblingssongs, da erzähle ich meine ganze Geschichte.

Die Singles wirken bisher so, als würde es Ihnen ganz gut gehen, aber als wäre das doch ein harter Kampf.

Svaba Ortak: Klar, noch immer, das ist alles wahr.

Kennen Sie von Nazar die Zeile, in der er 09/11 feiert? Gibt es bei Ihnen so etwas?

Svaba Ortak: Überhaupt nicht. Außerdem nehme ich kein Blatt vor den Mund. Mich interessiert nicht, was irgendwer über mich redet. Was soll mir passieren? Es gibt zehnmal wichtigere Themen, Kältebusse organisieren, armen Menschen Decken und Essen geben.

Svaba Ortak (c) Aleksandar Petronijevic

Nazar hat für sein „Uhrensohn“ über HC Strache recht viel Geld zahlen müssen.

Svaba Ortak: Ich hätte das nie gemacht, ich wäre sofort ins Gefängnis. Aber wenn du das bei einer Ansage auf der Bühne machst, Pech gehabt. Wer bist du, dass du jemanden Hurensohn nennst, du beleidigst ja nicht mal den Typ, sondern seine Mutter. Das machen Leute mit Manieren nicht. Die gehen zu jemandem hin, suchen das Gespräch, und wenn das nicht funktioniert, dann regeln sie das natürlich anders. Wenn ich auf der Bühne jemanden Hurensohn nenne, würde mir mein älterer Bruder sofort eine Ohrfeige geben.

Haben Sie den Eindruck, dass Wien mittlerweile ein gutes Pflaster für Rap ist?

Svaba Ortak: Auf jeden Fall, die Leute werden angenehmer, urbaner, sie sind offener. Es gibt viele Junge und auch alte Hasen, die nach wie vor da sind. Ich sehe eine sehr positive Richtung.

„Wäre ich nicht bei einem Major, würde ich nicht hier sitzen.”

Aber mit den Medien waren Sie unzufrieden?

Svaba Ortak: Bin ich nach wie vor. Wäre ich nicht bei einem Major, würde ich nicht hier sitzen. Ich kenne Leute, die machen ihr Leben lang Hip-Hop, die haben nicht einmal eine Chance auf ein Interview bekommen. Es gibt kein 16bars, kein hiphop.de. Man kennt meine Zahlen, ich hatte vor Facebook schon 100.000 Klicks auf YouTube, kein Mensch hat nach einem Interview gefragt. Damals wäre ich gesprungen, heute habe ich ein starkes Anti-Gefühl entwickelt. Man soll einfach über die Musik sprechen. Wenn man das Video zu „Paki“ sieht, soll man sich fragen: „Woher hat der eine echte Kalaschnikow?“ Der Sound ist echt, die Patronen auf dem Teller haben zehn Kilo gewogen.

Was steht eigentlich am Ende des Videos zu „Paki“? Tvrd je orah voćka …

Svaba Ortak: … čudnovata ne slomi ga zube polomi. „Wundersam ist die Walnuss-Frucht, du kannst sie nicht zerbrechen, aber sie bricht dir die Zähne.“ Das stammt von Petar Petrović-Njegoš, einem wichtigen serbischen Dichter aus Montenegro, der den „Bergkranz“ geschrieben hat. Der Mensch kann wie eine Walnuss sein, der Schein trügt, nicht alles, was süß ist, ist auch Honig. Ich wollte das unbedingt in dem Video haben.

Würden Sie zu „Willkommen Österreich“ gehen?

Svaba Ortak: Auf keinen Fall, außer sie zahlen Geld, ich mache dort ein Massaker, die hätten keine Worte mehr, aber ich gebe diesen Leuten dieses Futter nicht.

Würden Sie mit HC Strache diskutieren?

Svaba Ortak: Nein, warum? Politiker interessieren mich nicht. Ich habe hier nicht einmal das Wahlrecht. Wenn du Indien siehst oder den Balkan – ich sage oft, der ist Europas Mexiko –, dann kannst du nicht viele Worte verlieren. Es gibt Länder, die viel schlimmer zerfallen. Die Zustände hier könnten besser sein, ich bin überhaupt kein Fan der Rechten, das war es. Wenn man hier wählen kann, sollte man das unbedingt machen.

Svaba Ortak Gigposter

Wohnen Sie noch im 3. Wiener Gemeindebezirk? Und werden Sie erkannt?

Svaba Ortak: Ich wohne an der Grenze zum 4. Bezirk. Erkannt werde ich dauernd, sogar im Auto, das hat surreale Ausmaße. Aber ich habe mir das so ausgesucht, das ist eine Bestätigung, dass ich meine Arbeit gut mache.

Es gibt ein Foto von Ihnen und einem Jungen im Rollstuhl. War das einfach ein Fan?

Svaba Ortak: Er war beim Videodreh zu „Simba“. Ich habe das aus Solidarität gepostet, es geht da um Akzeptanz. Wenn man benachteiligt oder behindert ist, soll man sich nicht darüber lustig machen, da bin ich sehr emotional. Im Video gibt es fast nur Kinder, das sind die Simbas, das sind die Mufasa der Zukunft. Sie haben sich so über das Video gefreut, wenn ich das sehe, brauche ich kein Geld.

Sie sind mittlerweile öfter in Montenegro, oder?

Svaba Ortak: Ich fahre fünf- bis zehnmal im Jahr runter, da herrscht ein anderer Geist, da bin ich freier, ich kann dort besser schreiben.

Haben Sie viele Bosnier, Bosniaken, Kroaten im Freundeskreis?

Svaba Ortak: Alles dabei, ich sehe da keinen Unterschied.

Ist das Miloš Obilić am Cover von „Qualität“?

Svaba Ortak: Nein. Aber das ist Link aus „Zelda“, denn ich sehe mich selbst als Link, als Verbindung, ich identifiziere mich mit den Leuten. Ich stehe außerdem auf Ritter und sowieso wahnsinnig auf „Zelda“.

Im Video gibt es ein paar glänzende, rote Kugeln …

Svaba Ortak: Das sind „Dragon Balls“. Man ist auf der Suche nach den sieben Drachenkugeln, dann ruft man: „Shenlong, erscheine!“ Und dieser Drache erfüllt dir einen Wunsch. Im Video rollt die siebte Kugel zu den anderen sechs, ich sage: „Shenlong, erscheine, aber kurac.“ Ich hab das ganze Talent, aber kurac, es muss weiterrollen.

Es gibt in Ihren Videos kaum Frauen, hat das einen Grund?

Svaba Ortak: Ich habe Ideen, damit das nicht so männerbezogen wirkt. Auf „Paki“ habe ich das zum Beispiel versucht. Aber Frauen in Tangas, unterwürfig, das bin nicht ich, was soll das, was ist das?

Wie hat sich Ihr Sound seit 2011 verändert?

Svaba Ortak: Es sind viele Einflüsse aus Frankreich hinzugekommen, kein Afro-Trap, eher Cloud Rap, aber auch den harten Trap. Und aus Serbien, die sind ihrer Zeit weit voraus. Der Balkan rasiert alles. Ich höre aber auch viel Volksmusik. Das spielt alles hinein. Ich achte sehr auf meine Reime, dass sie sauber klingen, das war mir immer sehr wichtig, ich bin Perfektionist.

Sie arbeiten mit PMC Eastblok, Doni Balkan und Stanic. Es ist ungewöhnlich, dass das über eine so lange Zeit konstant dieselben Produzenten sind.

Svaba Ortak: Ich verlasse mich auf meine Leute, die können alles, die können jeden Beat bauen. Ich habe schon selbst Beats gebaut und arrangiere viel mit ihnen zusammen. Aber am Ende sind sie die Profis.

„Ich bin ein ganz lieber Junge.”

Svaba Ortak (c) Aleksandar Petronijevic

Gibt es mehr Songs im Stil von „Für die“?

Svaba Ortak: Auf „Serben in Wien 3“ sind noch Guslen drauf, das ist eine ganz alte Langhalslaute vom Balkan.

187 Strassenbande hatten massive Probleme mit der Polizei, auch weil Drogen in ihren Instagram-Storys zu sehen waren. Hatten Sie schon Probleme?

Svaba Ortak: Ja. Ist lange her. Nicht wegen meinen Storys. Aber sonst habe ich keine Probleme. Ich sage auch nicht „A.C.A.B.“ [All cops are bastards; Anm.], wie manche Leute, die die Polizei rufen, wenn ich vor ihrer Tür stehe oder wenn ihnen die Nase gebrochen wird.

Oder sie snitchen.

Svaba Ortak: Das sind oft die größten Snitches. Nicht alle natürlich, jeder hat seine Geschichte mit der Polizei. Aber wie viele sich aufführen, das ist ein Kindergarten.

Schlägereien sind schon lange her.

Svaba Ortak: Ja. Ich bin ein ganz lieber Junge. Passt schon, nein, nein. Ich bin nicht in Probleme verwickelt, gar nicht [schmunzelt].

Welche Rapper haben Ihnen so richtig gefallen haben und warum?

Svaba Ortak: Tech N9ne. Das war eine ärgsten Shows, die ich je gesehen habe. Da waren wirklich wenig Leute, aber sie haben die Show durchgezogen, als wären da tausend, da gab es eine so geile Energie. RAF Camora auf jeden Fall, da ist jede Show ein Urteil. Azad, die Droogieboyz, Xatar, The Game, ich sehe mir das alles an. Manchmal haben die Leute keine Back-ups, dadurch fließen die Texte anders. Schau dir das Bühnenbild von RAF und Bonez an, das Krokodil, die fette Palme, Flammenwerfer, Licht … Ich bin ein großer Fan von LEDs. Wir haben uns für die Release-Show auch etwas Schönes überlegt. Aber wenn man ein guter Live-Performer ist, braucht man gar nichts.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Stefan Niederwieser

 

(*) Sprich „Schwaba“

Termin:
12. April – Simmcity, Wien

Links:
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Svaba Ortak (Instagram)