Bild 5/8erl in Ehr`n
5/8erl in Ehr`n (c) Astrid Knie

„Ich glaube, unser Erfolgsrezept ist der Wille zur harten Arbeit.“ – BOBBY SLIVOVSKY und CLEMENS WENGER (5/8ERL IN EHR`N) im mica-Interview

Man kann bei 5/8ERL IN EHR`N ohne Zweifel von einer der Institutionen des österreichischen Musiklebens sprechen. Als Begründer des so genannten „Wiener Souls“ schreiben BOBBY SLIVOVSKY, MAX GAIER, MIKI LIEBERMANN, CLEMENS WENGER und HANIBAL SCHEUTZ nun seit fast 15 Jahren ihre ganz eigene Bandgeschichte, die eng mit einem unverkennbaren Sound zwischen Pop, Jazz, Soul und Wienerlied verbunden ist. Mit „Yeah Yeah Yeah“ (Viennese Soulfood Records) erscheint nun das sechste Album der fünfköpfigen Truppe. Und wie man es von den 5/8ERL IN EHR`N erwarten kann, spielt es vom anspruchsvollen Popsong bis hin zum Kunstlied wieder einmal alle Stückerl. BOBBY SLIVOVSKY und CLEMENS WENGER im Interview mit Michael Ternai.

„Yeah, Yeah, Yeah“ ist mittlerweile euer sechstes Album. Was waren die Dinge, die euch dieses Mal besonders inspiriert haben? 

Bobby Slivovsky: Im Grunde genommen eigentlich dieselben wie immer. Eben das, was uns im Alltag passiert und uns beschäftigt. Diese Dinge spiegeln sich immer auch in unserer Musik wider. Viel verändert hat sich so gesehen nicht, obwohl sich eigentlich doch viel verändert hat.

Clemens Wenger: Von den Inhalten her ist 5/8erl´n immer ein Blick in die Gesellschaft. Die Beschäftigung mit Politik und Boulevard, wie wir zusammenleben und so weiter. Wenn man jetzt aber nur auf die Band schaut, haben wir bei diesem Album schon versucht, uns ein bissi mehr herauszufordern und Dinge anders zu machen, als wir es bis jetzt getan haben. Und ich glaube, das hört man auch.

Etwas, dass dieses Mal anders gewesen ist, war ja, dass ihr das Album selber produziert habt. 

Clemens Wenger: Die künstlerischen Endentscheidungen haben wir eigentlich immer schon selber getroffen. Aber wir haben dieses Mal in unserem eigenen Homestudio aufgenommen und wirklich alles selber gemacht.

„Wir sind ja ein bisschen auch noch Kinder und haben, denke ich, auf diesem Album ein wenig unseren Spielplatz wiedergefunden.“

Wie hat sich die Arbeit im Homestudio auf den Entstehungsprozess des Albums ausgewirkt? 

Bobby Slivovsky: Wenn man mehr Zeit hat, kann man natürlich auch mehr herumspielen, mehr Dinge versuchen und sich auch mehr trauen. Wir haben in unseren Möglichkeiten ein wenig mehr aufmachen können. Es sind zum Beispiel dieses Mal neue Instrumente hinzugekommen. Das Mehr an Zeit hat natürlich auch mehr Experiment zugelassen. Wir sind ja ein bisschen auch noch Kinder und haben, denke ich, auf diesem Album ein wenig unseren Spielplatz wiedergefunden.

Hinzugekommen ist auch die Erfahrung, die wir beim letzten Album gemacht haben. Wir haben damals – bevor wir ins Studio gegangen sind – die Songs vorproduziert, um im Studio dann nicht mehr so viel zu diskutieren müssen. Und die Songs sind uns damals qualitativ schon recht hochwertig gelungen. So gesehen, war die Entscheidung, es dieses Mal alles ganz alleine zu machen, eigentlich schon vorgegeben. Diese Vorproduktion hat uns letztlich die notwendige Sicherheit gegeben.

Euer Album ist musikalisch einmal mehr sehr abwechslungsreich geworden. Wie gelingt es, eine so große stilistische Breite in Einklang zu bringen und zu etwas zu formen, das funktioniert?

Clemens Wenger: Wir sind halt eine Band bestehend aus fünf Personen, die Kunst schaffen und versuchen, demokratisch an die Sache heranzugehen. Jeder von uns bringt Vorschläge oder Visionen ein, wie etwas klingen könnte. Dann wird geschaut, was wir als 5/8erl in Ehr`n daraus machen können. Und das sind eben sehr verschiedene Dinge. Wir sind allesamt keine Verfechter irgendeines speziellen Stils, sondern Musikliebhaber*innen im besten Sinne. Wir interessieren uns für alles, was gut ist, und haben den Anspruch unsere Musik so gut und so schön wie möglich zu machen. Wenn die Miki mit der Hawaii-Gitarre kommt und uns ein Lied vorspielt, dann versuchen wir, dieses mit ihr so gut wie möglich auszuformulieren. Genauso verhält es sich, wenn ein anderer mit einem bestimmten Groove oder einem filigranen Text kommt. Wir lösen das alles als Band. Wir sind ja keine Solo-Show.

Entscheidend ist, dass die Band am Ende zusammenkommt. Der Sound und die Form eines Stückes nehmen erst Gestalt an, wenn 5/8erl in Ehr`n in einem Raum gemeinsam spielen. Wir probieren zwar vorher in Kleingruppen, dass ein Song aber unseren Sound bekommt, das geht nur in kollektiver Intelligenz.

Wie sieht es eigentlich mit den Gesangsparts aus. Wie viel Zeit nehmen die in Anspruch?

Bobby Slivovsky: Viel entsteht durchs Probieren. Und ob etwas gut oder zufriedenstellend ist, entscheidet die Gruppe. Da sitzt man zusammen, singt etwas und dann meint eben einer, ob man es lassen kann oder doch etwas anderes probieren soll. Manche Dinge gehen schnell, manche dauern etwas länger. Ich kann das immer nur an Beispielen festmachen. Bei „Stundenlang“ hat die Gesangslinie schon etwas gedauert. In der Regel braucht es aber nicht so lange. Dadurch, dass wir gemeinsam musizieren, ist es auch gar nicht so schwer, weil wir die Laufwege schon kennen. 

Clemens Wenger: Als Nichtsänger muss ich aber jetzt schon sagen, dass es hier wirklich nur um Nuancen geht. Um wirklich minimale Sachen, die man da und dort mal verändert. Und da muss ich meinen Leadsängern schon ein Lob aussprechen. So an Nuancen schleifen, das können – und das kann ich sagen, weil ich ja in anderen Projekten auch mit anderen Sängerinnen und Sängern zusammenarbeite – nicht viele Leute. So einfach, wie der Slivo da jetzt tut, ist das nicht. Jetzt schmiere ich zwar meinen eigenen Bandkollegen zwar Honig ums Maul, aber ich habe wirklich großen Respekt davor, wie viel sie da im Kleinsten noch alles rausholen.

„Wir haben uns unser Publikum schon erspielt und unsere Musik zu den Leuten gebracht.“ 

Ihr habt, wie auch das neue Album zeigt, euren ganz eignen Stil entwickelt, der – obwohl er im Sound jetzt nicht unbedingt den Kriterien des Mainstreams folgt – dennoch sehr erfolgreich ist. Wie sieht euer Erfolgsrezept aus? 

Bobby Slivovsky: Ich glaube, unser Erfolgsrezept, ist der Wille zur harten Arbeit. Wir haben uns unser Publikum schon erspielt und unsere Musik zu den Leuten gebracht. Wir sind viel herumgefahren und haben jedes kleine Lokal bespielt. Mittlerweile werden wir ja auch schon im öffentlichen Rundfunk gespielt, was natürlich sehr schön ist. Aber die ersten fünf Jahre bestanden einfach nur darin, hinauszugehen und den Leuten zu zeigen, was wir haben und wer wir sind.

Bild 5/8erl in Ehr`n
5/8erl in Ehr`n (c) Astrid Knie

Clemens Wenger: Das ist total richtig. Man darf nicht vergessen, dass es uns schon vierzehn Jahre gibt. Ich finde, dass wir keine Band sind, die auf Erfolg zielt. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Unterschied. Wir sind schon eine Band, die kommuniziert. Wir wollen schon, dass die Leute unsere Musik hören. Und wir schreiben auch Musik, die man verstehen kann, und versuchen, sie als Kommunikationsmittel für die Gesellschaft zu nehmen. Wir wüssten schon, wie man den blödesten Text mit der blödesten Form verbindet und ein Kasperltheater veranstaltet. Nur machen wir das nicht. Wir versuchen schon eine gewisse Form von Sinnstiftung. Das meine ich damit, dass wir keine kommerzielle Band sind. Aufrichtigkeit ist schon ein wichtiges Thema.

Weil gerade die vierzehn Jahre gefallen sind: Was hat sich in den Jahren verändert? Sind der Elan und Esprit, die ihr am Anfang hattet, heute immer noch so stark ausgeprägt?

Bobby Slivovsky: Ja, die sind immer noch da. Nur eben anders. Man kann es wie eine Beziehung sehen. Die ist am Anfang auch anders als nach fünf oder vierzehn Jahren. Wie sagt man so schön: „Am Anfang war man noch ineinander verliebt. Jetzt kennt man die Ecken und Kanten und es hat sich eine Liebe entwickelt.“ Ich würde es mit einer Romanze vergleichen, die nicht immer romantisch ist. Die ist manchmal leicht, manchmal aber gar nicht leicht.

Clemens Wenger: Bandintern stimmt das total. Das ist wirklich wie eine Beziehung. Aber ich merke, dass sich vor allem auf der Bühne einiges geändert hat. Am Anfang ist man noch stark auch sich konzentriert. Aber eine Band wächst im Laufe der Zeit. Ich kann es heute viel mehr genießen, Konzerte zu spielen zu denen Leute kommen, die gerne zuhören. Und man wird über vierzehn Jahre auch dankbarer, dass so etwas passiert. Am Anfang tut man halt irgendwie, jetzt aber, finde ich, machen wir die Musik bewusster.

„Man wächst und lernt halt miteinander.“

Bobby Slivovsky: Unsere Band ist ein Beruf, den wir über vierzehn Jahre erlernt haben und immer noch erlernen. Die Dinge werden immer konkreter und man kennt sich immer besser aus. Es ist vielleicht ein blöder Spruch, aber die Ausbildung ist bisschen so wie das Leben. Man wächst und lernt halt miteinander.

Clemens Wenger: Man sieht auch, was in den vierzehn Jahren alles passiert ist. Da waren Bands, die vor zehn Jahren erfolgreich waren, die es aber heute nicht mehr gibt. Uns gibt es immer noch. Und ich denke, das verleiht dem Ganzen auch eine gewisse Tiefe, Und das finde ich wirklich sehr schön.

Bobby Slivovsky: Ich denke, dass der Respekt vor der Sache bei jedem von uns riesengroß ist, sonst würde es nicht so gut funktionieren.

Ihr hattet im Frühjahr eine Tour geplant. Die fällt ja jetzt leider in Wasser. Wie geht ihr mit dieser Situation um?

Bobby Slivovsky: Eigentlich hätte die Tour Mitte April losgehen. Jetzt sind wir daran, nach Möglichkeit Konzerte in den Herbst zu verschieben. Man darf aber nicht vergessen, dass wir für den Herbst auch schon Dinge geplant haben. So eine Tour plant man ja schon lange im Voraus. Unser Booker Sebastian hat jetzt wahnsinnig viel zu tun und probiert zu retten, was zu retten geht. Es ist im Moment eine schwierige Situation, die aber machbar ist. Man wächst ja mit der Herausforderung.

Clemens Wenger: Es sind viele einmalige Veranstaltungen im Sommer, die jetzt schon abgesagt sind und nicht stattfinden werden. Clubkonzerte kann man eventuell in den Herbst verschieben. Aber man muss schon schauen, wie sich dann die Kartenverkäufe entwickeln, weil dann ja alles auf einmal stattfindet. Es ist eine harte Zeit, aber nicht nur für uns Musikerinnen und Musiker, sondern auch für die Veranstalterinnen und Veranstalter. Man muss hoffen, dass diese Clubs überleben. Das finde ich, ist zunächst das Wichtigste. Dass es im Herbst einen Stadtsaal, ein Porgy & Bess, einen Posthof in Linz oder einen Spielboden in Dornbirn überhaupt noch gibt, damit man dort Konzerte spielen kann.

Wie sehen eure Erwartungen bezüglich des Albums aus?

Clemens Wenger: Ich wünsche mir halt, dass die Leute unser Album jetzt auch in der Krisenzeit hören wollen. Ich glaube, Musik kann auch ein Weg sein, emotionale Krisen zu verarbeiten. Man muss sich nicht immer nur Streams oder Newsfeeds anschauen. Ich glaube, das ist ein Beitrag, den wir jetzt leisten können, auch wenn wir nicht spielen.

Bobby Slivovsky: Darum verschieben wir unseren Release jetzt auch nicht, um den Leuten etwas zu schenken. Vielleicht haben sie jetzt auch mehr Zeit, um Musik zu hören, und die Sachen einfach zu genießen.

Herzlichen Dank für das Interview.

Michael Ternai

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