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„Ich genieße es, in einem direkten Kontakt mit den Mitmusikern zu sein“ – Von der Vielseitigkeit des Kontrabassisten MAXIMILIAN OELZ

MAXIMILIAN OELZ kennen Musikliebhaberinnen und -liebhaber hierzulande als Kontrabassisten in den Reihen des SYMPHONIEORCHESTERS VORARLBERG. Seit seinem Studium lebt er in Wien und ist als Musiker in zahlreichen unterschiedlichen Ensembles und musikalischen Genres unterwegs.

In den vergangenen beiden Jahren wirkte er bei vier verschiedenen CD-Projekten mit. Beim Label col legno legte das Jazztrio VOS sein Debütalbum „Charlatan“ mit Werken des Pianisten Boris Valentinitsch vor. Als Mitglied des Tangoensembles Band-O-Neon spielte Maximilian Oelz türkische Tangos von Necip Celal Andel ein. Unter der Leitung von Thomas Rösner wirkte er als Mitglied der Beethoven Philharmonie bei der CD-Produktion „Voices“ mit. Weiters spielte der Kontrabassist Lieder der türkischen Sängerin Sezen Aksu ein, die Serkan Gürkan für das String Inspirations Quintet bearbeitet hat. Auch im Bereich der zeitgenössischen Musik ist Maximilian Oelz aktiv, so war er bei der Präsentation der Kammeroper „Die Verwechslung“ des aus Vorarlberg stammenden Komponisten Thomas Cornelius Desi im Wiener Sirene Operntheater engagiert. Maximilian Oelz ist auch Mitglied des Ensembles Phace, das erst kürzlich im Rahmen von wien modern das Oboenkonzert „kokoi“ von Wolfram Schurig präsentiert hat. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt der Musiker von seiner Lebenswelt seit Ausbruch der Corona-Pandemie und einigen Projekten.

Du lebst seit Jahren als freischaffender Musiker in Wien. Von der Corona-Pandemie bist du wohl einer der am ärgsten betroffenen Künstler. Wie kommst du über die Runden?

Maximilian Oelz: Ja, es sind sehr viele Projekte ausgefallen. Im ersten Lockdown musste ich auf Erspartes zurückgreifen. Später dann, als der WKO-Härtefallfonds und dann die SVS-Überbrückungsfinanzierung eingerichtet wurden, bin ich damit und mit den Projekten, die zwischendurch möglich waren, über die Runden gekommen. Und so ist es bis heute. Hoffentlich geht´s ab April wieder halbwegs normal weiter, sonst muss ich entweder mein Erspartes aufbrauchen oder einen anderen Beruf finden oder es gibt wieder Überbrückungsfinanzierungen.
Mein letztes Konzert war im November. Ich muss aufpassen, dass ich meine Fitness am Instrument nicht verliere. Aber kürzlich habe ich im Stadttheater Baden Opernarien von Verdi geprobt. Das tut gut! Ich kann‘s noch!

Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?

Maximilian Oelz: Meine musikalischen Wurzeln sehe im Trio Frosty, in dem ich während meiner Gymnasiumszeit am E-Bass mit Simon Klopfer am Schlagzeug und Ossi Weber an der Gitarre musiziert habe. Abwechselnd haben wir Ideen eingebracht und diese dann fixiert, bis wir ein Stück fertig hatten, manchmal nach dem Motto: Möglichst schnell und kompliziert. Diese Art Musik zu machen, geprägt von unmittelbarer Kreativität und Spiellust, habe ich später nicht mehr erlebt.

Bild VOS
VOS (c) Dragan Dok

Debüt-CD

Erst kürzlich ist bei col legno das Trio-Album „Charlatan“ mit dem Pianisten Boris Valentinitsch, der Schlagzeugerin Judith Schwarz und dir am Kontrabass erschienen. Welche Überlegungen liegen dem Projekt zugrunde?

Maximilian Oelz: Die Werke auf „Charlatan” sind alle, bis auf „Angel Eyes”, Kompositionen des Pianisten Boris Valentinitsch. Er hatte den Wunsch, diese Stücke mit einem Trio aufzunehmen. Wir haben die CD Mitte März 2020 aufgenommen. Das ist schon fast ein Jahr her und wir konnten das Programm noch nie live vor Publikum spielen.
Die Themen, und mit ihnen die Stimmen der Instrumente, sind bei allen Stücken auskomponiert, aber es gibt auch improvisierte Abschnitte. Im Stück „November“ haben wir mit dem Umstand gespielt, dass man in einem Studio Instrumente zusammenklingen lassen kann, die wir in der Realität nicht gleichzeitig spielen konnten.

Gegenseitige Beeinflussung

Kommt deine musikalische Vielseitigkeit, beispielsweise das Wissen um moderne Spieltechniken, den klassischen Werkdeutungen zugute?

Maximilian Oelz: Ich glaube, dass es einen Einfluss hat, weil in Neuer Musik mit modernen Spieltechniken eine breit gefächerte Auswahl an Klängen zur Verfügung steht und oft auch extrem differenziert eingesetzt wird. Wenn man um diese Klangmöglichkeiten weiß, kann das dazu motivieren, bei einem klassischen Stück die klangliche Bandbreite etwas zu vergrößern. Das kann dem Werk dienlich sein.

Im Ensemble Phace und im Sirene Operntheater spielst du aktuell entstandene Werke und zahlreiche Uraufführungen. Was begeistert dich an der Arbeit von ganz neuen Werken?

Maximilian Oelz: Zunächst nur die Noten eines Stückes zu sehen, meinen Part zu üben, manchmal dabei auch ziemlich überfordert zu sein, mich über Manches ziemlich zu ärgern oder zu freuen – aber dann, im fortgeschrittenen Probenverlauf oder auch erst beim Konzert (oder nie), zu erkennen, was das Ganze soll – das macht Freude.

Türkischer Tango

Es ist die Absicht des Ensembles Band-O-Neon, den Tango in seiner ursprünglichen Form aufzuführen. Welchen Intentionen folgt ihr?

Maximilian Oelz: Die Intention ist es, den Tango in den jeweiligen Stilen von Komponisten wie Juan D´Arienzo, Carlos di Sarli oder Osvaldo Pugliese aufzuführen. Das betrifft zum Beispiel die Instrumentierung mit Geigen, Cello, Kontrabass, Klavier und Bandoneons und nicht etwa mit Gitarre, Flöte, Akkordeon und Tuba. Wir machen sozusagen historische Aufführungspraxis auch mit den entsprechenden Klangeffekten der im Original verwendeten Instrumente.

Was zeichnet die türkischen Tangos von Necip Celal Andel aus, die ihr vor zwei Jahren eingespielt habt?

Maximilian Oelz: Der Gründer und Leiter von Band-O-Neon stammt aus der Türkei, auch in Istanbul wurde eine lebendige Tangokultur gepflegt. In der Istiklal caddesi, eine der wichtigsten Straßen der Stadt, gab es ein Tangolokal neben dem anderen. Die Werke auf der CD klingen für mich, verglichen mit argentinischen Tangos, irgendwie weicher, melancholischer und introvertierter.

Kammermusik und eigene Werke

Welchen Stellenwert nimmt die Kammermusik im Vergleich mit deinen Engagements als Orchestermusiker ein?

Maximilian Oelz: Die Kammermusik ist mir sehr wichtig. Ich genieße es, vor allem mit dem Ensemble Atout und Ensemble Phace, beim Musizieren in einem direkteren Kontakt mit den Mitmusikern zu sein, als das im Orchester möglich ist. Im Orchester ist aber das Erlebnis, Teil einer Kontrabassgruppe zu sein, durch nichts zu ersetzen.

Du hast auch ein paar eigene Werke komponiert. Wie bist du vorgegangen?

Maximilian Oelz: Beim Improvisieren auf dem Kontrabass oder auf dem E-Bass kristallisiert sich manchmal etwas heraus, das irgendwie hängen bleibt. Bei „Dabadie” war zuerst die Idee von einem hektisch treibenden Bassriff da. In „Samstag” war ein bisschen der Geist von Frosty dabei und in „Subrosa” habe ich im Klavier ein einfaches, in graden Achteln gespieltes Thema über eine triolische Begleitung in Bass und Schlagzeug gestellt und beim folgenden Teil an den Klang einer Bigband gedacht.

Danke für das Gespräch!

Silvia Thurner

CD-Tipps

Charlatan, VOS-Trio, col legno, CL3 1CD 15005, 2020.
Tüm Tangolari, BAND-O-NEON Orquesta Tipica de Tango, türkische Tangos von Necip Celal Andel, 2018.
Voices, Beethoven Philharmonie unter der Leitung von Thomas Rösner, Label Odradek, 2020
Kralice´Nin Notalari, Notes of the Queen. Lieder von Sezen Aksu in der Bearbeitung von Serkan Gürkan für das “String Inspirations Quintet”, 2018.
Die Verwechslung, Musiktheater von Thomas Cornelius Desi, Sirene Operntheater. Film

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur im Februar 2021 erschienen.

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Links:
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