Bild Steaming Satellites
Steaming Satellites (c) Gerald von Foris

„Ich denke, gewisse Sounds verkörpern die Seele eines Songs und geben dem Ganzen eine gewisse Farbe“ – MAX BORCHARDT (STEAMING SATELLITES) im mica-Interview

Mit der neuen EP „Clouded Sky“ (Assim Records) präsentieren sich die STEAMING SATELLITES erneut als versierte Jongleure unterschiedlichster Rockstile. Dabei lässt es die Salzburger Band diesmal extra krachen und fühlt sich deutlich wohl bei ihren musikalischen Trips zurück in die Garage. MAX BORCHARDT (Gitarre, Gesang) sprach mit Didi Neidhart über abgespeckte Psychedelic-Sounds, aber auch Corona.

Die EP „Clouded Sky“ bezeichnet ihr selber als eine Art Back-to-the-Roots-Unternehmung mit wieder mehr „Ecken und Kanten“. Wo, glaubt ihr, habt ihr die verloren? War das vielleicht auch das klassische 70er-Jahre-Problem von zu viel Zeit im Studio und zu vielen Spuren, die mit all den wilden Ideen bespielt werden wollen, die einem gerade durch den Kopf gehen?

Max Borchardt: Ich denke, wir haben nie ganz unsere Ecken und Kanten verloren, da sie ja zum Großteil auch unser Antrieb sind. Wir wollten mit dieser EP einfach wieder zurück zur Garagen-Band-Mentalität. Es fühlte sich für den Moment einfach alles wieder etwas frischer an. Aber es stimmt schon, dass man im Studio oft das Wesentliche aus den Augen verliert. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten, Songs zu produzieren, Arrangements zu ändern und alles wieder über den Haufen zu werfen. Ein guter Trick dabei ist, immer wieder zurück zu den Demos zu gehen. Demos haben immer Ecken und Kanten.

Dieses Abspecken und Freispielen zieht sich dann aber auch durch alle Tracks. War das schwer oder reduziert sich das Spiel dann sowieso auf das Wesentliche?

Max Borchardt: Es fiel uns eigentlich relativ leicht. Wir haben zwar kurz überlegt, ob wir alles noch mal einspielen sollen, weil gewisse Parts eventuell noch etwas mehr Feinschliff vertragen hätten können, aber wir haben uns dann für die Emotion und nicht die Mathematik entschieden.

Los geht die EP ja mit diesem tollen „Splash”-Spring-Reverb-Sound bei „I Never Learn“, wo es dann aber auch gleich ohne Umwege in die Vollen geht, bis der Song nach kompakten vier Minuten dann gleichsam wieder im Raum verschwindet. Wurde da viel „abgespeckt“ oder ist der so easy entstanden, wie er klingt?

Max Borchardt: „I Never Learn“ ist der einzige Song auf der EP, an dem wir gemeinsam mit Produzent Zebo Adam gearbeitet haben. An dem Track wurde aber nicht viel geändert. Zebo hat uns geholfen, die Energie und den Sound aufzufangen, und uns bewusst gemacht, uns nicht in Details zu verlieren. Der Song war der Zündfunke für die EP.

„Prinzipiell gibt es bei uns aber keine Genrevorgaben oder Regeln.“

Mit „Running Out Of Time“ und „See You In A Bit“, zu dem es auch ein sehr schönes Video gibt, habt ihr ja auch zwei Songs mit dabei, die wie klassische, schnörkellose Single-Tracks klingen, die auch gut in solche Lokalitäten passen würden, die früher als „Rockdisco” bezeichnet wurden. Ist das ein Weg, den ihr auch zukünftig einschlagen wollt?

Max Borchardt: Ich glaube nicht, dass wir weiterhin diesen Weg einschlagen werden. Prinzipiell gibt es bei uns aber keine Genrevorgaben oder Regeln. Es war aber ein nervenaufreibender, interessanter Ausflug in die Vergangenheit.

Trotz einer gewissen Reduktion habt ihr immer noch eine reichhaltige und dabei ebenso stets überraschende Soundpalette mit an Bord. Wie wichtig sind solche Sounds für euch und wie lange braucht es da mitunter, um jene Sounds zu finden, die zwar zum jeweiligen Song passen, dabei aber nicht vorhersehbar sind?

Max Borchardt: Ich denke, gewisse Sounds verkörpern die Seele eines Songs und geben dem Ganzen eine gewisse Farbe, die es braucht, um eine Emotion in Töne umzusetzen. Aber wir tüfteln eigentlich immer am Sound.

Bei „Clouded Sky“ geht es mit einem coolen Blues-Bass, der ein wenig an Led Zeppelins „How Manny More Times“ erinnert, los, bis dann gleich mal Psychedelic-Pop die Oberhand gewinnt. Andererseits zeigt ihr euch bei „Still A Mystery“ mit deutlicher Southern-Rock/Boogie-Schlagseite. Habt ihr diese EP auch genutzt, um innerhalb eures Spektrums zu experimentieren?

Max Borchardt: Wir haben nur das gemacht, worauf wir gerade Lust hatten. Es war nicht viel Planung mit dabei, aber das Experimentieren gehört natürlich immer dazu. Es wäre langweilig, sich immer im selben Raster zu bewegen.

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Steaming Satellites (c) Gerald von Foris

„Momentan ist es wichtig, neue Songs zu schreiben und sobald wie möglich wieder etwas zu veröffentlichen.“

Kommen wir nun zum leidigen Thema Corona. Ihr hättet ja im Rahmen des Release einige Shows – u. a. auch im Rockhouse – spielen sollen. Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf eine Band wie Steaming Satellites aus? Von gestreamten Konzerten kann ja nicht unbedingt der Lebensunterhalt bestritten werden – von der Atmosphäre ganz zu schweigen. Oder habt ihr da vielleicht schon etwas Spezielles geplant?

Max Borchardt: Für uns ist es momentan sehr schwer, an Live-Konzerte zu denken, da man nicht weiß, wann und vor allem unter welchen Bedingungen das überhaupt wieder möglich sein wird. Wir haben jetzt zwar ein paar Konzerte auf September verschieben können, aber wir wissen nach wie vor nicht, ob die Shows stattfinden werden. Momentan ist es wichtig, neue Songs zu schreiben und sobald wie möglich wieder etwas zu veröffentlichen. Die Idee von Live-Streams ist schon sehr interessant, da man den Zuschauerinnen und Zuschauern bzw. den Hörerinnen und Hörern ein sehr intimes Bild von sich und der Musik geben kann. Aber das wird nie die Energie und den Austausch mit dem Publikum ersetzen können.

Habt ihr im Moment überhaupt die Möglichkeit zu proben?

Max Borchardt: Bis jetzt hatten wir noch nicht die Möglichkeit, gemeinsam zu proben, aber das wird sich in den nächsten Wochen ändern.

Habt ihr um Unterstützungen angesucht?

Max Borchardt: Ja, und wir sind dankbar, dass es die Möglichkeit gibt. Wir haben jedoch festgestellt, dass es nicht zu unseren Stärken zählt, Formulare auszufüllen, aber wir haben uns durchgekämpft …

Befürchtet ihr auch, dass die Corona-Krise die Live-Musikszene, so wie wir sie bisher kannten, radikal umformen wird?

Max Borchardt: Man weiß momentan einfach nicht, was die Zukunft bringt Aber es wird sicher ein Umdenken geben. Ich kann mir vorstellen, dass Konzertbesucherinnen und -besucher in nächster Zeit ein etwas mulmiges Gefühl haben werden, in einem Raum mit vielen Menschen zu stehen. Niemand weiß mehr, wie sich das anfühlt. Aber der Großteil wird froh sein, dass endlich wieder mal was los ist. Wir freuen uns auch schon sehr darauf.

Gibt’s im Moment überhaupt irgendwelche Zukunftspläne von eurer Seite?

Max Borchardt: Puh, also ich denke, der Kreativität sind momentan zum Glück keine Grenzen gesetzt. Daher bin ich einfach gespannt, wohin sich unsere Musik entwickelt. Das ist auch das Einzige, das momentan Sinn macht, ohne sich dabei den Kopf zu zerbrechen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Didi Neidhart

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