Bild HI5
Bild (c) HI5

HI5 – „Fünf“

Als hätte eine Progrock-Band den Jazz für sich entdeckt. Die Tiroler Band HI5 wird mit ihrem Anfang Oktober erscheinenden neuen Album „Fünf“ (Sessionwork Records) dem Ruf, eine der spannendsten und innovativsten Acts der jungen heimischen Jazzszene zu sein, einmal mehr in wirklich eindrucksvoller Art gerecht.

Nein, mit dem traditionellen Jazz hat das, was HI5 auf „Fünf“ musikalisch abliefern, eigentlich recht wenig zu tun. Der Sound, den Chris Norz (Schlagzeug, Electronics), Philipp Ossanna (E-Gitarre, Synthesizer), Matthias Legner (Vibraphon) und Clemens Rofner (Bass) auf ihrem mittlerweile fünften Album zu Gehör bringen, ist einer, der zwischen allen stilistischen Stühlen angesiedelt ist. Er ist zusammengesetzt aus Elementen des modernen Jazz, des Progrock der 1970er-Jahre, des minimalistischen Trip-Hop, des Post-Rock, der Kammermusik und der Elektronik.

Eine herausfordernde Mischung, die oftmals die Gefahr birgt, dass man im musikalischen Sinne über das Ziel hinausschießt. HI5 tun das nicht. Eben auch weil die Tiroler Band fast ausschließlich eher auf einem klanglich reduzierten Pfad wandelt, auf einem, der fast ausschließlich durch die bewusste Zurückhaltung große Wirkung erzielt. Was aber nicht bedeutet, dass es in den Nummern nicht auch dynamischer und wuchtiger zur Sache gehen kann, das schon, nur wird es in keinem Moment irgendwie überbordend oder ausufernd.

Ein ganz eigener Sound

Die in einen warmen Grundklang gehüllten Instrumentalstücke strotzen nur so vor mitreißenden Momenten und Ideen. Die Melodien und Harmonien, die mal geradlinigeren, dann wieder rhythmisch mehr vertrackten Passagen, die ungemein variantenreichen Arrangements, alles wirkt in einer sehr stimmungsvollen, eleganten und manchmal auch psychedelischen Weise zusammen. Mal geben sich die vier Musiker der schönsten Verträumtheit und Melancholie hin, dann wieder spannen sie atmosphärisch dichteste Bögen, die sie in einem fulminanten hymnischen Höhepunkt aufgehen lassen. An anderer Stelle wiederum lassen sie einfach nur lässig und fast schon tanzbar noch vorne grooven, um sich im nächsten Moment plötzlich dem Experimentelleren hinzuwenden.

HI5 unterstreichen auf  „Fünf“ einmal mehr ihren ausgeprägten Hang zur Eigenständigkeit. Die musikalische Sprache von Chris Norz und seinen Kollegen hat ihre ganz eigene Note, eine, die man in dieser gediegenen Form wirklich noch nie gehört hat. Ein richtig schönes musikalisches Ausrufezeichen.

Michael Ternai

‚FÜNF‘ – Release Tour

6.10. Steyr // Röda
7.10. Villach // Kulturhofkeller
8.10. Mödling // Turnverein
9.10. Erlangen // E-Werk
10.10. Mainz // Schon Schön
12.10. Bozen // Wohnzimmerkonzert
13.10. Innsbruck // Treibhaus
14.10. Wien // 1019 Jazzclub
15.10. Erfurt // Jazzclub
16.10. Jena // Thüringer Jazzmeile
20.10. Kufstein // Q-West
21.10. Nürnberg // Jazzstudio
22.10. Lienz // Musikschule

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Sessionwork Records