HERBSTLÄRM 2014

“Frisch, saftig und alternativ”, so die Selbstbezeichnung des “Herbstlärm”-Festivals, welches heuer vom 4. bis zum 6. September in St. Johann/ Pongau über die Bühne gehen wird.

Zum Eröffnungstanz bittet am Freitag, den 4. September ab 20.00 Uhr die MOVE ON MANDY BIGGER BAND mit flockig tanzbaren Interpretationen von Bluesstandards. Die achtköpfige Band klebt dabei nicht am Vorgegebenen, sondern läßt auch Funk-, Country- und Folkeinflüssen ihren Raum und stimmt ein mit schwungvollen, eigenständigen Songs die Laune machen.
Gegründet vor drei Jahren auf Initiative von Andy Zoller (“Innergebirg-Bluesveteran und fixe Größe im Nachtleben”) während der Vorbereitungen zum damaligen Herbstlärm Festival 2011 gab die Band ihr Debüt im September 2011 als Vorband für das Harri Stojka Gypsy Swing Ensemble. Es folgten Gigs bei den Goldegger Blues- und Folktagen oder beim St. Johanner Stadtzauber. Für die Auftritte im heurigen Jahr wurden neue Musiker für die XL-Bluesband gewonnen. Neben der Stammbesetzung, bestehend aus Andy Zoller (git, voc), Emanuel Schwarzkogler (harp, voc), Philipp Göschel (bass), Lucas Portenkirchner (sax) und Philipp Mülleder (trombone), ergänzen nun Muhammed Öczelik (git), Uwe Neumayr (dr) und Martin Vill (sax) den Klangkörper. Somit garantiert die Move on Mandy Bigger Band mitreißende Stimmung und übt eine durchaus anregende Wirkung auf Hüftpartien aus. Mitshaken ist ausdrücklich erlaubt!

PHOENICS nennen sich hingegen David Gabriel Lechner (keys,electronics), Gregor Sebastian Lechner (drums, toys) sowie Thomas Franz Lechner (git, electronics). Die drei Brüder aus Oberösterreich haben ihre musikalischen Wurzeln im Jazz und der Improvisation und bespielen bereits seit Jahren vor allem Wiener Clubs. Minimalismus und experimenteller Sound prägen ihre tanzbare elektroakustische Musik.

Mit vermeintlich leiseren Tönen eröffnet dann die FM4-Charts-Erfahrene MEL MAYR den Freitagabend (5. September, 20.00 Uhr). Ohne viel Drumherum (also ohne Begleitband, aber stattdessen mit zuletzt immer lauter werdenden E-Gitarren) macht sie eine Musik, die sich schon längst von den früheren Folk-Pop-Wurzeln emanzipiert hat. Die liegen im Jahr 2008 als die junge Salzburgerin erstmals mit ihrem Mini-Album “Changing” auf sich aufmerksam gemacht hat. Die spärlich instrumentierten, von Neil Young inspirierten Tracks faszinierten gerade durch ihre Einfachheit und Mels markanter Stimme. Der Titelsong “Changing” landete auf der “FM4 Soundselection Vol.19” und mit “Read Your Mind” gelang der Künstlerin eine mehrwöchige Platzierung in den FM4 Charts. 2010 folgte der erste Longplayer “Escape The Cold”, auf dem sie ihren eleganten Westcoast-Sound verfeinerte und hymnische Kritiken einfuhr (“Ein reifes Albumdebüt”, so Der Standard).

Es folgten eine Amadeus-Nominierung und die in Großbritannien aufgenommene CD “King Street”, die auch Erweiterungen in Richtung Soul-Pop, ätherischee Shoegazerei und sonnengeküsster Americana beinhaltet hat. Nun kommt sie mit der neuen CD “Go Or Run” im Gepäck zum Herbstlärm. Mit deutliche elektrischeren Tönen katapultiert sich Mel dabei fast schwerelos in die avancierteren Bereiche des Indie Pop. Im Video zum aktuellen Song “Don`t Look Back” schwebt sie – passend zur Leichtfüssigkeit des Songs – durch kalifornische Landschaften wie der endlosen “Joshua Tree” Wüste und den paradiesischen Surfer-Stränden von “Encinitas” (unterschnitten jedoch mit weniger paradisischen Bildern von Quallen und Haifischen).

Über AL COOK noch viel zu sagen, würde ganze Bücher füllen. In ihm vereinen sich 50 Jahre geballte Bühnenerfahrung, die die österreichische Blueslegende heuer auch zu feiern gedenkt. Abseits des Mainstreams hat sich Al Cook dabei nicht nur als Pionier der heimischen Bluesszene und Ideengeber des frühen Austropops einen Namen gemacht. Stilistisch zwischen gerade noch akustischem Vorkriegsblues und schon elektrifizierten City Blues angesiedelt, gehören Al Cook-Konzerte zu jenen Live-Ereignissen, die durchaus als Zeitfenster genossen werden können. Neben Blues gehören dabei jedoch auch (je nach Stimmung) gelegentliche Ausflüge zu  Rockabilly und Rock’n’Roll zu seinen Spezialitäten. Begleitet wird Al Cook dabei von Charlie Lloyd am Piano und Harry Hudson am Schlagzeug.

Bevor am Samstag, den 6. September ab 18.30 das Konzertgeschehen wieder los geht, lädt die Kulturplattform nachmittags zum Grillen ins Haus der Musik. Am frühen Abend bringen dann WENDE PUNKT melodiöse, lyrische Titel zum Besten, die eingängig und leicht daherfliegen, und die ihre Geschichten überzeugend der Zuhörerschaft einflüstern. Wende Punkt schillern in einem Spektrum aus vielen Klang- und Genre-Farben: Pop, Folk und dem selbst gebastelten Genre-Begriff „Wien Chanson“.

Höhepunkt dann sicherlich der Auftritt des “GrooveSlangPunkDuos” ATTWENGER. Das Duo um Markus Binder (dr, voc) und Hans-Peter Falkner (harm, voc) verlagert regionale wie lokale Musikidiome in eine globale Musiksprache, die sich bei HipHop ebenso bedient wie bei Reggae und Konkreter Poesie, ohne dabei gleich so zu klingen, wie man sich gemeinhin einen solchen Genremix zwischen österreichischer Volksmusik und transglobalen Rhythms & Sounds vorstellt. Nicht vorrangig wird Dialekt hier als Transporter von Inhalten verstanden, sondern als Terrain fluxierender Bedeutungen. Stichwort: Verbalisierung des Sounds, Rhythmisierung des Denkens. Und falls jemand einen Begriff für diese Sprache braucht, dann: Verspielte Sprache, herrschaftsfreie Sprache. Anders gesagt. Alles im “Flux” (so auch der Titel ihrer, siebten CD).
Didi Neidhart

HERBSTLÄRM 2014
Haus der Musik
Ing. Ludwig Pechstr. 7
5600 St. Johann im Pongau

Don, 04.09.2014 – 20:00 UHR
Move On Mandy Bigger Band (A)
Phoenics (A)

Fre, 05.09.2014 – 20:00 UHR
Mel (A)
Al Cook (A)

Sam, 06.09.2014 – 18:30 UHR
Wendepunkt (A)
Attwenger (A)

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