Bild Heinrich von Kalnein
Heinrich von Kalnein (c) Helmut Jokesch

HEINRICH VON KALNEIN – „Möbius Strip“

Am 5. Mai 2020 erscheint das neue Werk des unfassbar versierten Saxofonisten und Flötisten HEINRICH VON KALNEIN. Der Wahl-Grazer präsentiert uns mit „Möbius Strip“ (Natango Records) ein Doppelalbum, das die Bandbreite an Möglichkeiten in der Musik deutlich aufzeigt.

Albumcover “Möbius Strip”

Seit mehreren Jahrzehnten ist von Kalnein ein fixer Bestandteil der nationalen und internationalen Szene und kann auf eine überaus produktive, erfolgreiche bisherige Karriere zurückblicken. Touren bzw. Auftritte in Europa, Nord- und Südamerika und Asien sowie über vierzig CD-Veröffentlichungen (als Bandleader und Sideman) sind nur ein kurzer Auszug aus dem kreativen Leben des Ausnahmemusikers. Ähnlich abwechslungsreich wie sein bisheriges Wirken ist auch das aktuelle Album geworden. Neben unterschiedlichen Besetzungen unterscheiden sich CD 1 (Side A) und CD 2 (Side B) auch, was die Konzeption und was  Kompositionsaspekte betrifft. So basiert der erste Teil von „Möbius Strip“ auf mehreren aufgenommenen Soloimprovisationen Heinrich von Kalneins. Erst später wurden Gina Schwarz (Bass) und Lukas König (Schlagzeug) ins Boot geholt und spielten ihre Tracks über die Sololinien ein. Diese Seite des Albums enthält darüber hinaus auch vier Stücke, die das Trio gemeinsam im Studio aufnahm. Auf diesen ist Kalnein auch erstmals solistisch mit dem Baritonsaxofon zu hören und beeindruckt mit Spielwitz und motivischen Ideen.

Mehr Sax

Die Inspiration für die zweite Seite des Longplayers hat ihren Ursprung in der Lehrtätigkeit von Kalneins am Jazzinstitut der Kunstuniversität Graz. Dort arbeitete er u. a. mit einem „reinem“ Saxofonquartett zusammen, war dabei auch selbst Teil des Ensembles, und komponierte einige Stücke dafür. Folglich wurde beschlossen, diese und weitere Tunes (u. a. John Coltranes „Blue Train“) gemeinsam mit Jaka Arh (Sopransaxofon), Jonathan Herrgesell (Altsaxofon), Christina Miguel Martinez (Tenorsaxofon) und dem Keyboarder Uli Rennert (Special Guest Appearance) im Studio aufzunehmen. Letzterer steuerte mit „3-4-5“ auch eine aus drei Sätzen bestehende Komposition bei. Abgesehen von der Qualität der musikalischen Werke an sich überzeugen vor allem auch die individuellen und kollektiven Leistungen der Künstler. Alle Beteiligten zeigen dabei nicht nur bewundernswerte Fähigkeiten am Instrument, sondern auch ein enormes Verständnis für unterschiedliche musikalische Formen. So wird problemlos, gar virtuos zwischen Tango Nuevo, einem mingusartigen Shuffle und komplexen gegeneinander laufenden Rhythmen im 13/8-Takt gewechselt. Auch die obligatorischen „Rhythm Changes“ werden mit dem originellen Titel „No Rhythm No Changes“ honoriert und bilden hier die Plattform für geschmackvolle Rezitationen bekannter musikalischer Themen der Jazzgeschichte.

„Möbius Strip“ ist ein wahrlich umfassendes Werk, welches das Saxofon in den Mittelpunkt stellt, aber sicher nicht nur Freundinnen und Freunde dieses Instruments begeistern wird.

Alexander Kochman

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