Global Archive - mica - music austria https://www.musicaustria.at/global/ WIR LIEBEN MUSIK / WE LOVE MUSIC Fri, 25 Nov 2022 10:48:58 +0000 de-DE hourly 1 https://www.musicaustria.at/wp-content/uploads/cropped-mica_m-1-32x32.png Global Archive - mica - music austria https://www.musicaustria.at/global/ 32 32 Stellenausschreibung mica – Music Austria: Fachreferent*in für den Bereich Jazz & Global (w/m/d) https://www.musicaustria.at/stellenausschreibung-mica-music-austria-fachreferentin-fuer-den-bereich-jazz-global-w-m-d/ Fri, 25 Nov 2022 07:45:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=99217 mica – music austria, das österreichische Musikinformationszentrum, widmet sich der Promotion und dem Export österreichischer zeitgenössischer Musik verschiedener Genres, der Beratung von in Österreich lebenden Musikschaffenden in berufspraktischen Angelegenheiten sowie dem Diskurs. Es ist Vernetzungsknotenpunkt und Informationsdrehscheibe für die österreichische Musikszene. Wir suchen ab 1.4.2023 eine/n Fachreferent*in für den Bereich Jazz / Improvisierte Musik / ... Weiterlesen ...

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mica – music austria, das österreichische Musikinformationszentrum, widmet sich der Promotion und dem Export österreichischer zeitgenössischer Musik verschiedener Genres, der Beratung von in Österreich lebenden Musikschaffenden in berufspraktischen Angelegenheiten sowie dem Diskurs. Es ist Vernetzungsknotenpunkt und Informationsdrehscheibe für die österreichische Musikszene.

Wir suchen ab 1.4.2023 eine/n Fachreferent*in für den Bereich Jazz / Improvisierte Musik / Global Music / Neue Volksmusik (w/m/d) für 30 Stunden/Woche.

Die Hauptaufgabe der/des Fachreferenten*in (w/m/d) ist die professionelle Unterstützung der Musikschaffenden und deren wirtschaftlichen Partner*innen durch Beratung, Vernetzung und die Durchführung bzw. Entwicklung nationaler und internationaler Projekte und Kooperationen, die der Sichtbarkeit und Weiterentwicklung der Karrieren dienen. Die/Der Fachreferent*in (w/m/d) arbeitet an langfristigen Beziehungen zu ihren Kund*innen (Musikschaffende/wirtschaftliche Partner*innen).

Zu Ihren Verantwortungsbereichen zählen:

  • Beratungstätigkeit sowie Leitung von Workshops und Informationsveranstaltungen zu berufspraktischen Themen sowie zu den Genres Jazz / Improvisierte Musik / Global Music / Neue Volksmusik
  • Aufbau und Betreuung von nationalen und internationalen Kooperationen im Bereich Workshops und Informationsveranstaltungen (u.a. Musikinstitutionen, Kulturinstitutionen, Ausbildungsstätten)
  • Kuratierung von Musikinhalten im Bereich Jazz / Improvisierte Musik / Global Music / Neue Volksmusik für die Webseiten musicaustria.at sowie musicexport.at  
  • Konzeption und Durchführung von nationalen und internationalen Projekten und Veranstaltungen
  • Akquise von Fördermitteln für Projekte: Ansuchen, Abrechnung, Budgetverwaltung
  • nationale und internationale Netzwerktätigkeit
  • Weiterentwicklung der Serviceangebote

Das bringen Sie mit:

  • Abschluss eines Studiums, einer FH-Ausbildung oder einer vergleichbaren Qualifikation im Bereich Musik / Musikmanagement / Musikwissenschaft
  • Berufserfahrung in Projektmanagement; bevorzugt in serviceorientierten  Unternehmen oder im Kulturbereich
  • Gute Kenntnisse der aktiven Künstler*innen und Ensembles in Österreich, idealerweise auch Stakeholder-Netzwerk im Bereich Jazz / Improvisierte Musik / Global Music / Neue Volksmusik
  • Leidenschaft und Engagement für Musik
  • Kommunikationstalent und Kontaktfreudigkeit, Präsentationskompetenz
  • Organisationstalent
  • Hohe Leistungsbereitschaft, Engagement, Eigeninitiative und Teamgeist
  • Sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift
  • PC-Kenntnisse auf Niveau ECDL/ICDL Standard (vorzugsweise vorhandenes Zertifikat) oder vergleichbare Kenntnisse auf MacOS-Systemen

Das bieten wir Ihnen:

Bei uns erwartet Sie eine herausfordernde und verantwortungsvolle Aufgabe, bei der Sie Ihre Kenntnisse einsetzen, Ihre Ideen eigenständig umsetzen und mit Eigeninitiative gestalten können. Wir bieten Ihnen einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit Gleitzeitregelung sowie ein positives Arbeitsklima in einem sympathischen Team mit wenigen Hierarchiestufen und in einer Arbeitsumgebung, die für Diskriminierung und Inklusion sensibilisiert ist. Zum Einstieg in Ihren künftigen Aufgabenbereich erhalten Sie eine eingehende Einschulung vor Ort. Ihr Arbeitsplatz im 7. Wiener Bezirk ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Fahrrad sehr gut erreichbar.

Der Monatsbezug beträgt EUR 2027.- brutto bei einer 30h-Woche (14. Mal p.a.). Das Gehaltsschema des Vereins ist angelehnt am „Fair Pay“-Gehaltsschema für Kulturarbeit der IG Kultur Österreich. Eine Überzahlung abhängig von beruflicher Qualifikation und Erfahrung ist möglich.

Wir fördern die berufliche Gleichstellung von marginalisierten Professionalist*innen und begrüßen Bewerbungen von interessierten Personen unabhängig von Geschlecht, ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft, Alter, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Identität.

Über Ihre Bewerbung mit Motivationsschreiben und Lebenslauf bis 05.01.2023 freut sich:

mica – music austria
Andrea Wetzer
Stiftgasse 29
1070 Wien
wetzer@musicaustria.at
+43 1 52 104 50

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Lange Nacht der Weltmusik 2022 https://www.musicaustria.at/lange-nacht-der-weltmusik-2022/ Thu, 24 Nov 2022 08:14:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=99401 Seit 2016 veranstaltet die IG World Music Austria die „Lange Nacht der Weltmusik“, um als Interessensgemeinschaft den Fokus auf die aktuellen Entwicklungen in der heimischen Weltmusikszene zu legen. An mittlerweile 2 Abenden finden jeweils drei Bands, die die musikalische Vielfalt widerspiegeln, auf der Bühne der Sargfabrik zusammen. Im Rahmen der diesjährigen Ausgabe am 1. und ... Weiterlesen ...

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Seit 2016 veranstaltet die IG World Music Austria die „Lange Nacht der Weltmusik“, um als Interessensgemeinschaft den Fokus auf die aktuellen Entwicklungen in der heimischen Weltmusikszene zu legen. An mittlerweile 2 Abenden finden jeweils drei Bands, die die musikalische Vielfalt widerspiegeln, auf der Bühne der Sargfabrik zusammen. Im Rahmen der diesjährigen Ausgabe am 1. und 2. Dezember finden auch zwei Album-Release Konzerte statt.

PROGRAMM – Do. 1. Dezember:

19.30 Uhr: Rina Kaçinari & Maria Craffonara

Wenn zwei starke Persönlichkeiten der heimischen Musiklandschaft wie Rina Kaçinari & Maria Craffonara zu einer neuen künstlerischen Kooperation zusammenfinden, darf man sich getrost der Vorfreude hingeben. Denn die Vielfalt und der Reichtum aus denen sie dabei schöpfen dürfen, ist wohl bemerkenswert: beide im Schmelztiegel verschiedener Kulturen und mehrsprachig aufgewachsen, beide zurückblickend auf jahrelange Bühnenerfahrung sowohl im klassischen Bereich als auch in spannenden Crossover-Projekten und international erfolgreich tätigen Ensembles und Bands, beide sowohl in ihrer Stimme als auch am Streichinstrument zuhause, beide Komponistinnen, Texterinnen und Interpretinnen ihrer eigenen Werke.

Maria Craffonara – Gesang, Violine, Kalimba / Rina Kaçinari – Gesang, Cello, Kalimba

20.30 Uhr: Oscar Antolí Quartett – CD-Präsentation “Isthmus“

Oscar Antolí, umtriebiger und warmherziger Botschafter des mediterranen Jazz, legt mit seinem Quartett nach „Peninsulas“ sein neues Werk „Isthmus“ vor. Hat er auf Peninsulas die großen Halbinseln Iberien, Balkan und Anatolien erforscht, geht er nun einen tektonischen Schritt weiter und baut grazile Landbrücken. Zu deren unverwechselbarer Signatur tragen natürlich die Quartettkollegen ihr Quäntchen bei: der slowenische Bassist Marko Ferlan, der valencianische Percussionist Carlos Ronda Mas, der auch rhythmische Lateinamerikanismen integriert, und der Wiener Gitarrist Rainer Maria Nero, der seine musikalische Basis zunächst im Flamenco gefunden hat, aber wie Oscar und die anderen Orient, Balkan und Levante, die östlichen Flanken dieses Mediterrané imaginaire eben, neugierig umranken. Im Rahmen der Langen Nacht der Weltmusik wird das neue Album erstmals live präsentiert.

Oscar Antolí – Klarinette, Kaval / Amir Wahba – Percussion / Marko Ferlan – E-Bass / Rainer Maria Nero – Gitarre
Gäste: Sakina Teyna – Gesang / Alexia Chrysomalli – Gesang / Matthias Loibner – Drehleier / Miloš Todorovski – Akkordeon

21.30: Mehdi Chamma Group – CD-Präsentation „Layla wa Bahr“

Der Musiker und Songschreiber Mehdi Chamma stammt aus Marokko. Vor wenigen Jahren hat es ihn nach Wien verschlagen, wo er 2019 sein Fusion-Projekt, die Mehdi Chamma Group, gründete. Seine Lieder vereinen diverse Klangfarben, die seine tiefe Verbundenheit zur nordafrikanischen Musik genauso wie zum zeitgenössischen Jazz widerspiegeln. Neben der Gitarre kommt auch immer wieder das traditionelle Saiteninstrumente Guembri der Gnawa-Musik zum Einsatz und erzeugt damit einen ganz eigenen, warmen und stimmungsvollen Klang. Bei der Langen Nacht der Weltmusik präsentiert die Mehdi Chamma Group ihr Debütalbum „Layla wa Bahr (Night and Sea)“.

Mehdi Chamma – Gitarre, Guembri, Gesang / Jakob Mayr – Posaune / Erik Asatrian – Keyboard, Sounds / Nikolaus Holler – Saxophone / Michael Acker – Bass / Walter Sitz – Schlagzeug

PROGRAMM – Fr. 2. Dezember:

19.30 Uhr: Sofia Labropoulou – solo

Die Virtuosin am Kanun und Komponistin Sofia Labropoulou hat ihren eigenen, ganz besonderen Sound aus der Verschmelzung der Welten der griechischen volksmusikalischen Tradition, der Musik des östlichen Mittelmeeres sowie der klassischen osmanischen, mittelalterlichen, experimentellen und modernen Musik heraus entwickelt. Sie erhielt ab ihrem 8. Lebensjahr eine klassische Ausbildung in Klavier und Theorie, aber es war Liebe auf den ersten Klang, als sie dem Kanun fast ein Jahrzehnt später begegnete. Mit ihrem byzantinischen Musikdiplom zog sie nach Istanbul (2003), um ihrer Leidenschaft für die Kastenzither nachzugehen und osmanische Musik zu studieren. Bei der Langen Nacht der Weltmusik ist Sofia Labropoulou mit ihrem Soloprojekt zu erleben.

Sofia Labropoulou – Kanun

20.30 Uhr: Diana Rasina – Romance

Diana Rasinas musikalischer Werdegang begann in ihrer Heimat Rumänien zunächst mit klassischem Gesang. Später studierte sie in Wien Jazzgesang, Gesangspädagogik und auch Romanistik (Französisch / Spanisch). Sie gründete mit namhaften Musikern der Wiener Weltmusikszene ein Projekt zu rumänischer Musik, das Debütalbum “Romanian Tales” wurde prompt für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Ihr neues Projekt „Romance“ ist das Ergebnis einer mehrjährigen musikalischen Recherche zu Liebesliedern in romanischen Sprachen vom Mittelalter bis zur Gegenwart und ist eine Hommage an die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas. Lieder aus mehreren
Epochen, Kulturen und Genres werden in neue Arrangements verkleidet und durch zahlreiche Improvisationspassagen bereichert, die der Musik neues Leben verleihen.

Diana Rasina – Gesang / Miroslav Jankech – Akkordeon / Alex Kohtaro Yoshii – Gitarre

21.30 Uhr: Hayde Tanz

Hayde Tanz schlägt von Graz aus eine musikalische Brücke zwischen westlicher Musik, der Musiksprache der Balkanhalbinsel und dem östlichen Mittelmeerraum. Ein einzigartiger Sound, der moderne Harmonien, Kompositionstechniken und Klangerzeugung mit der Seele südosteuropäischer und mediterraner Musik verbindet – definiert durch die philosophische Dualität von Freude und Traurigkeit, die immer Teil der menschlichen Erfahrung ist. Manchmal wird es emotional, manchmal mathematisch, aber niemals vergisst Hayde Tanz zu lachen und Spaß zu haben. Ein musikalischer Cocktail, der direkt ins Ohr spricht, unter die Haut geht und die Beine bewegt.

Gökhan Arslan – Klarinette, Saxophon / Vasilis Nalmpantis – Trompete / Antonis Rouvelas – E-Gitarre / Benjamin Zhand-Klug – Schlagzeug / Milica Vujadinovic – Gesang Keyboard / Tobias Weiss – Tuba

Link:
Sargfabrik

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    „Musik ist für mich Freiheit“ – Golnar Shahyar im mica-Interview https://www.musicaustria.at/musik-ist-fuer-mich-freiheit-golnar-shahyar-im-mica-interview/ Thu, 24 Nov 2022 07:49:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=99210 Musik ist GOLNAR SHAHYARS Gold, mit dem sie Welt gestaltet. Tiefen Glanz vermag sie mit ihrer offenbar alleskönnenden Stimme in Innen- und Außenwelt zu verbreiten, schafft mit ihren Liedern musikalische Verbindungen zwischen Morgenland und Abendland. Und immer lauter setzt sie diese Stimme auch für demokratische Werte ein, verschafft sich mit Rundschriften Gehör und bildet wie ... Weiterlesen ...

    Der Beitrag „Musik ist für mich Freiheit“ – Golnar Shahyar im mica-Interview erschien zuerst auf mica - music austria.

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    Musik ist GOLNAR SHAHYARS Gold, mit dem sie Welt gestaltet. Tiefen Glanz vermag sie mit ihrer offenbar alleskönnenden Stimme in Innen- und Außenwelt zu verbreiten, schafft mit ihren Liedern musikalische Verbindungen zwischen Morgenland und Abendland. Und immer lauter setzt sie diese Stimme auch für demokratische Werte ein, verschafft sich mit Rundschriften Gehör und bildet wie mit We:shape Bündnisse. In wenigen Tagen erscheint ihr erstes Soloalbum „Tear drop“ (Play Dead Records), das von der Innenwelt einer migrierten Iranerin erzählt. Ein Gespräch über innere Freiheit und die Kraft der Begegnung.

    Gerade stehst du fast jeden Abend in der Hauptrolle von „Negar“ auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin, heute ist Pause, am Wochenende geht es weiter. Wie fühlst du dich?

    Golnar Shahyar: Es ist ja meine erste Oper mit einem sehr dichten Aufführungsplan. Aber daran habe ich mich schon gewöhnt. Herausfordernd waren für mich die Proben, weil ich Französisch singen sollte. Die Regisseurin Marie-Ève Signeyrole ist ja Französin und hat in ihrer Sprache gedacht und geschrieben. Da die Geschichte aber in Teheran spielt, muss sie meiner Meinung nach mehrsprachig sein. Außerdem bringen die verschiedenen Sprachen sehr verschiedene Farben in das Stück. Ursprünglich waren drei Sprachen vorgesehen: Französisch, Farsi und Englisch. Ich habe keinen Zugang zu Französisch, das hat mich zu Beginn sehr irritiert.

    Wie konnte es gelingen, ein derart aktuelles Thema so zeitnah auf die Bühne zu heben?

    Golnar Shahyar: Das ist reiner Zufall. Die Entwicklung des Stückes hatte schon vor zwei Jahren begonnen.

    Und du warst von Beginn an für die Hauptrolle vorgesehen?

    Golnar Shahyar: Die Produktionsleiterin Dorothea Hartmann hat mich zusammen mit anderen vorgeschlagen. In Auditions wurde klar, dass Marie-Ève Signeyrole sich eine Stimme vorstellte, die nicht nur an der Oper ausgebildet wurde, sondern auch noch ganz andere Nuancen mitbringt.

    Am 27. November 2022 erscheint dein Debüt als Solokünstlerin: „Tear Drop“. Was ist die Dramaturgie des Albums?

    Golnar Shahyar: Ich habe zwar immer in Bands gespielt, bin aber seit Jahren auch als GolNar solistisch unterwegs. Jetzt konnte ich das in ein Album packen und alles selber entscheiden: meine Musik, meine Arrangements. Ich spreche immer über die eigenen Gefühle als den einzigen Weg, sich zu orientieren. Aber wie bei „Ode to trust“ auch darüber, wie sich mit Musik meine Kraft ausdrückt. Dieses Lied enthält eine Menge Kells, die diese Stärke signalisieren.

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    Was ist ein Kell? Er klingt ein bisschen dem Jodeln in den Bergregionen Österreichs verwandt …

    Golnar Shahyar: Es ist bei beiden ein Schrei. Auch in kroatischer Folklore gibt es derartiges. Kell ist ein gesanglicher Ausdruck von Emotionen vor allem im westasiatischen und nordafrikanischen Raum, den nur Frauen einsetzen, um ihre eigene Freude oder Trauer und Schmerz zu zeigen, extreme Emotionen also. Auf einem sehr hohen Ton wird die Zungenspitze entweder vertikal oder horizontal in Vibration versetzt. Der Ton wird einfach gehalten und von der Zungenbewegung in Wellen geformt. Er ist in Morgenzeremonien oder auf Hochzeitsfesten von Frauengruppen vor allem im südlichen Iran zu hören.

    „[…] ich erzähle von dem ganz tiefen Schmerz, sich nicht öffnen zu können“

    „Ode to trust“ beginnt sehr leise, fast zurückhaltend. Das zuhörende Ohr wird in das Stück gesogen und anschließend mit in die Höhen solcher Kells gehoben. Da wird eine lyrische Atmosphäre erzeugt.

    Golnar Shahyar: Diese Atmosphäre entsteht durch die Musik, aber auch durch ein energetisches Geschehen. Ich zelebriere in meiner Musik und besonders in diesem Lied gern die ganze Bandbreite von Gefühlen, von zart und zerbrechlich bis ungeheuer stark. Empowerment entsteht für mich durch eine Anerkennung der ganzen Palette an Emotionen. Und ich feiere die Verbundenheit. „Tear Drop“ handelt davon: Ich erzähle von dem ganz tiefen Schmerz, sich nicht öffnen zu können. Eine unerwartete Begegnung kann aber ganz plötzlich das Ventil sein, sich zu zeigen. Über genau diesen Moment, wenn Menschen in einen so tiefen Kontakt zueinanderkommen, spreche ich.

    Aus Erfahrung?

    Golnar Shahyar: Ja, natürlich. Ich schöpfe so viel Inspiration aus Begegnungen. Dadurch sind sehr viele Lieder entstanden, es war schwer für mich, eine Auswahl für „Tear Drop“ zu treffen. Die Stücke für das Album sind entweder am Klavier oder an der Gitarre entstanden. Zuerst kommt für mich immer die Musik, dann schreibe ich Lyrics dafür. Anschließend arrangiere ich die Stücke gegebenenfalls für Ensemble.

    Du singst, spielst Gitarre, Klavier, Berimbau so selbstverständlich, als wäre Musik für dich der Grundbegriff, das Ganze – unabhängig, womit du sie ausdrückst.

    Golnar Shahyar: Deswegen habe ich keine Angst, mit den Instrumenten aufzutreten. Ich finde doch nur meine Musik mit ihnen. Und das ist meine Unabhängigkeit. Musik ist für mich Freiheit. Als Vokalistin ist man immer mit Ensemble verbunden und auf eine Funktion determiniert. Da ist es sehr schwierig, seinen eigenen Platz zu behaupten. Ich spiele total gern mit anderen zusammen, aber es ist auch sehr wichtig, einen eigenen Platz für meine Ideen zu schaffen.

    Deine Texte singst du auf Englisch, Farsi, Arabisch. Kommt es dem Ausdruck deiner Inhalte zugute, dass du zwischen verschiedenen Sprachen wählen kannst? Würdest du auch Deutsch singen?

    Golnar Shahyar: Vor allem Dialekt finde ich im Deutschen sehr schön melodisch. Durch meine Aufenthalte in verschiedenen Ländern ist mein Verhältnis zu Sprache merkwürdig: Meine erste Sprache ist die Musik, gefolgt von Farsi, Englisch, Deutsch. Ich kann mich aber natürlich nicht in allen Sprachen wie eine Muttersprachlerin ausdrücken. Die neuen Sprachen habe ich ja als Erwachsene gelernt, als gleichzeitig ganz andere Dinge zu bewältigen waren. Auf „Tear Drop“ singe ich vorwiegend Englisch, vielleicht auch, um universell verstanden werden zu können, schreibe aber auf Farsi. Ich befinde mich immer dazwischen.

    Du warst nicht länger still und bist seither bereits mehrfach eingeladen worden, Österreich bei NASOM zu repräsentieren. Eine scheinbar paradoxe Entwicklung.

    Golnar Shahyar: Österreich hat eine sehr korrupte Politik, es liegt immer nur an einzelnen Personen, wenn sich Dinge entwickeln. Was mich aber wirklich schmerzt, ist, wie wenig Österreicherinnen und Österreicher ihre Wirkmacht erkennen und in Anspruch nehmen. Das ist ein gefährliches Signal für die ganze Demokratie. Wir leben gerade in einer sehr polarisierten Zeit. Deswegen kann man nicht mehr still bleiben. Es ist an der Zeit, etwas zu sagen, etwas zu tun. Tust du nichts, trägst du eine Mitschuld für das, was kommt. Wir müssen aktiv werden, um eine Gemeinschaft mit humanitären Zielen zu stärken.

    Und humanitäre Ziele definieren, festhalten und ihnen universelle Gültigkeit rund um den Globus verschaffen. Eine Verständigung über die Nutzung von Begriffen wie „Musik“ oder „Klassik“ wären ein Anfang.

    Golnar Shahyar: Wir müssen in ein Gespräch kommen. Aber viele marginalisierte Gruppen in Österreich glauben, keine Stimme zu haben. Oftmals konkurriert ebendiese Gruppe auch noch untereinander und glaubt, es werde ihr etwas vorenthalten. Tatsächlich müssen wir aber zusammenkommen, um etwas für uns alle zu erreichen. Einzelkampf ist zum Scheitern verurteilt. Es braucht eine Gesprächskultur, um Standpunkte vermitteln und Verschiedenheiten aushalten zu lernen. Und wir brauchen systematische Methoden und Überlegungen, wie wir ein Verständnis von Diversität, Inklusion, Fairness und Offenheit dafür schaffen können.

    Ist WE:Shape die Stimme, die sich gegen vorherrschende Bedingungen aufstellt?

    Golnar Shahyar: Es ist das Maximum an Bemühungen im Moment. WE:shape ist 2020 während der Pandemie entstanden, wir hatten plötzlich viel Zeit. Davor war ich zu den Amadeus Awards in Wien eingeladen und spürte, dass es reicht. Ich konnte nicht mehr länger still sein und erhob dort erstmalig meine Stimme. Ich versuchte zu diesem Anlass in der Brunnenpassage eine kritische Diskussion mit dem Titel „Amadeus what?“ anzuregen und bekam Hilfsangebote von Yalda Zamani, Rojin Sharafi u.a. Durch die Pandemie haben zwar nie Treffen stattgefunden, aber Zooms, in denen wir ein Statement schrieben und Strategien fanden, unser Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Uns fehlen als Soloselbständigen allerdings die finanziellen, zeitlichen und energetischen Ressourcen für große Aktivitäten. Wir haben uns gezeigt, versuchen wach und analytisch zu beobachten und auszusprechen, was gesagt gehört.

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    Unterbrechung durch einen älteren Mann im Anzug:
    Seid ihr nicht falsch hier? Nebenan ist wildes Frollein! – Neenee, wir sind ganz richtig hier. – Okay, alles klar, Mädchen!

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    Also vertreten wir das Thema beim Kuratieren, bei Podiumsdiskussionen u. ä. Durch unser Statement zu WE:Shape bekommen wir zunehmend Anfragen, beispielsweise auch für Konzepte zu den Wiener Stimmen oder D/Arts. So kommen wir zum Mitschreiben, Mitdiskutieren, Mitspielen, Sichtbar-Werden und Haltung-Zeigen.

    Findet diese Haltung auch Eingang in deine Musik?

    Golnar Shahyar: Für mich ist Musik Geschichten-Erzählen und dabei einen Sinn für Einigkeit, Stärke und Vertrauen zu üben. Es ist eine Praxis für Musiker*innen genauso wie für das Publikum. Es wird kaum über diese Eigenschaften von Musik geredet. Musik ist Praxis, Kommunikation, Sprache. Sie transformiert Energie, Gedanken, erweitert die Vorstellungskraft. Sie ist auch eine darstellende Kunst.

    Deshalb ist deine Kunst immer auch politisch.

    Golnar Shahyar: Sie ist nicht nur deshalb immer politisch, sondern auch aufgrund meiner Geschichte, meines Hintergrundes. Als eine iranische Frau darf ich im Iran keine Solo-Karriere haben, nicht frei singen, die weibliche Stimme ist dort aus dem öffentlichen Leben verbannt.

    Wie kommt es dann zum „Kell“, den nur Frauen im Iran singen?

    Golnar Shahyar: Natürlich singen die Frauen, auch wenn es ihnen nicht erlaubt ist. Singen ist wie atmen oder das Bedürfnis nach Wasser. Singen lässt sich nicht unterdrücken, das ist in der Menschheitsgeschichte noch nie gelungen.

    Bild Golnar Shahyar
    Golnar Shahyar (c) Ina Aydogan

    Dass das im Iran aber Realität sein soll, ist nur schwer vorstellbar.

    Golnar Shahyar: Es schockiert jede von uns. Obwohl wir wissen, wie es ist: Sie stabilisieren ihre Macht seit 40 Jahren durch absolute Gewalt. Und wir wissen, was es bedeutet, dagegen aufzustehen. Jetzt ist es für jedermann/frau sichtbar, doch so war es schon eine schlimme lange Zeit. Ich bin Migrantin der ersten Generation, die aus dieser Region stammt, Wurzeln in der westasiatischen Region hat, einer Region, die als Zentrum von Katastrophe, Chaos und Brutalität gilt. Doch ich lebe und arbeite in Europa und finde meinen Weg in einer Gesellschaft, die bereits entschieden hat, welche Sicht sie auf diese westasiatische Region hat. Derweil haben sie keinen Schimmer.

    So ist es für jeden, der aus dieser Region kommt, eine sehr vielschichtige Herausforderung, hier zu leben und zu arbeiten, vor allem für Kulturschaffende. Weil Europäer und Europäerinnen auch von Kultur einen fest einzementierten Begriff haben. Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker arbeiten mit der ganzen Bandbreite an verschiedenen Menschen zusammen, sodass sie unentwegt neue bzw. andere Räume betreten. Musik ist hierbei meiner Meinung nach die sozial, politisch und überhaupt am meisten entwickelte Disziplin. Musik ist eine der letzten wirklich demokratischen Professionen, die wir kennen.

    Das europäische Musikverständnis endet an den Grenzen des Kontinents und meint, die Begriffe damit voll auszufüllen.

    Golnar Shahyar: Es gibt Labels für Musik. Und alles, was nicht europäisch oder unverstanden ist, wird in das Label „Weltmusik“ gepackt. Ich bin Anti-Weltmusik. Ich positioniere mich bewusst gegen dieses System. Dieses Label brauchten die Europäer, um ihre Nicht-Europäer aufführen zu können – ich nenne es „kommerziellen Exotismus“. Und der hat wenig zu tun mit der Musik, die rund um den Globus gegenwärtig passiert. Es ist wahrscheinlich unmöglich, die Vielfalt aller existierenden Kulturen jenseits von Europa zu beschreiben. Aber hier gibt es nur ein einziges Wort dafür. Das ist doch verrückt!
    Dieses Problem ist systematisch und beginnt in den Schulen und Akademien, wo kein Platz für Anderes ist. In Österreich gibt es Elitarismus und Klassismus und für Künstlerinnen und Künstler keinerlei tariflichen Schutz. Künstlerinnen und Künstler bzw. Soloselbstständige sind politisch sehr schwach, weil sie für alles kämpfen müssen. Für diese wirtschaftlichen Aspekte gibt es auch kein Fach in der künstlerischen Ausbildung. Sie lernen, still zu sein, während sie nach Perfektion streben. Keiner spricht auch über den Machtmissbrauch in den Akademien, denn er wird als gegeben an- und hingenommen, vor allem in der klassischen Musik.

    „Wir müssen die Musikindustrie und deren Infrastrukturen für den Rest der Welt öffnen.“

    Sich selber zu labeln ist überlebenswichtig, um gesehen zu werden. Gleichzeitig brauchst du aber einen neuen Begriff, um deine Musik benennen zu können.

    Golnar Shahyar: Ich vermeide einen neuen Begriff. Ich verwende hundert Begriffe. Solange es nur einen Begriff gibt, bekommen wir Probleme. Wir müssen die Musikindustrie und deren Infrastrukturen für den Rest der Welt öffnen. Klassische Musik, Oper, Rock, Pop, Jazz, elektronische Musik, Filmmusik – warum glauben wir, dass solche Diversität in anderen Kulturen nicht existiert? Wir müssen die Funktionen von Musik betrachten.

    Oft will deine Stimme mit den Instrumenten verschmelzen, da führt die Konversation zu einer klingenden Verbundenheit: bei „Ode to trust“ mit der Trompete, in der Band Gabbeh mit der Klarinette von Mona Matbou Riahi, manchmal sogar mit dem Bass von Manu Mayr.

    Golnar Shahyar: Ich umarme diese großartige Fähigkeit der Stimme, sich wie ein Instrument zu verhalten. Ich verstehe uns nicht als Gesang mit Begleitung, sondern behandle alles gleich und setze meine Stimme folglich auch rhythmisch und harmonisch ein. Dadurch werde ich mit meiner Stimme zur Verbindung zwischen den Instrumenten. Die Stimme eröffnet mir eine enorme Vielfalt an Möglichkeiten zu komponieren, aber auch zu singen. Dafür genügt keine Gesangsausbildung, das muss man praktizieren, wie ein Handwerk. Zum Spüren und Verstehen der Stimme kommt das Machen.

    Nadja Kayali eröffnete in diesem Frühjahr das Festival Imago Dei mit einem großen Liederzyklus, der Kulturen einander begegnen ließ, auch für Wiener Stimmen im Musikverein standest du als Vokalistin auf der Bühne. Ist das nicht Inbegriff deines Statements?

    Golnar Shahyar: Mein Fokus liegt nicht auf Tradition, ich versuche meine persönliche Stimme zu formulieren. Aber politisch vertrete ich natürlich genau diese Haltung. Wiener Stimmen im Musikverein war symbolisch ungeheuer wichtig und ein superstarkes Statement. Dass sich der Musikverein für unsere Stimmen öffnet, ist ein großartiges Signal. Jetzt beginnen die Umsetzungsprozesse: Wie kann man die europäische Klassik und unsere Musik zusammenbringen? Es müssen Arrangeure gefunden werden, die sich wirklich mit den Kulturen auskennen, die die Sprachen sprechen und sich inhaltlich sehr gute auskennen. Dafür braucht es Offenheit, Lernbereitschaft, Recherche und größere Netzwerke von relevanten Personen. Sonst geraten Aufführungen zu Token-Projects, Werke kultureller Aneignung.

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    Auch beim diesjährigen Wien Modern hast du deine Stimme für das Projekt Fraufeld erhoben …

    Golnar Shahyar: Für die letzte Produktion von Fraufeld habe ich mit Rojin Sharafi die zwei Lieder „Jeeve II“ und „Jeeve III“ aufgenommen. Wir sind beide so beschäftigt und freuen uns total, wenn wir mal konzentriert zusammenarbeiten und aufnehmen können. Die beiden Lieder, die wir bei Wien Modern gespielt haben, sind bei einer gemeinsamen Impro-Session vor zwei Jahren entstanden. Rojin verwendet da Elemente, die nach „Jeeve“ klingt, was soviel wie „Quecksilber“ bedeutet.

    Nach Berlin, du warst Mitte November beim KLAENG Festival in Köln und bei Wien Modern auf, über den Jahreswechsel bist du in den Vereinigten Staaten …

    Golnar Shahyar: Gott sei Dank darf ich zum Arbeiten wieder unterwegs sein. Ich bin nicht die Künstlerin, die weiß, was im nächsten Jahr passieren wird. Es fehlt in der Ausbildung auch an Struktur, wie man nachhaltig künstlerische Aktivitäten haben kann. Wir brauchen zum Beispiel Teams und Kooperationen mit/für Künstlerinnen und Künstler, die Netzwerke in den Szenen für PR, Booking, Management bedienen. Eine Fehlstelle, die Solokünstlerinnen und -künstler nicht auszufüllen schaffen. Für marginalisierte Künstlerinnen und Künstler gilt das noch zehnmal mehr. Wir brauchen mehr Lobbys.

    Herzlichen Dank für das Interview!

    Sylvia Wendrock (Sprechgold)

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    Golnar Shahyar – Tear Drop“ – Albumpräsentation
    27.11.2022
    Porgy & Bess
    Wien

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    Links:
    Golnar Shahyar
    Golnar Shahyar (Facebook)
    Golnar Shahyar (Instagram)
    Golnar Shahyar (mica-Datenbak)

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    European Festivals Fund for Emerging Artists – EFFEA https://www.musicaustria.at/european-festivals-fund-for-emerging-artists-effea/ Mon, 14 Nov 2022 08:09:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=98857 The European Festivals Fund for Emerging Artists – EFFEA is an initiative of the European Festivals Association that offers emerging artists a platform to develop their career on an international level through festivals. The first EFFEA call for festivals to support emerging artists in now open. Apply before 21 November 2022. What is EFFEA? Emerging ... Weiterlesen ...

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    The European Festivals Fund for Emerging Artists – EFFEA is an initiative of the European Festivals Association that offers emerging artists a platform to develop their career on an international level through festivals.

    The first EFFEA call for festivals to support emerging artists in now open.

    Apply before 21 November 2022.

    What is EFFEA?

    Emerging artists are the treasure of society, creative minds, explorers who have the power to shape the future through their art. The European Festivals Fund for Emerging Artists – EFFEA was built exactly on this idea: to explore/discover these talents and to support emerging artists by offering them a platform to develop their career under festivals’ wings; supporting them in their journey.


    The activities include 50 residencies for emerging artists in the seat of 50 festivals: one leading festivals collaborating with at least two other festivals per project per year, based on an annual call to festivals. The Fund will foster and enable European visibility of emerging artists. It will address the needs of artists at different levels (research, capacity building, network, presentation platforms), the needs of festivals (programmers capacity building, alertness, internationalisation, collaboration), and audiences (access to diverse artists and arts works).

    Link:

    European Festivals Fund for Emerging Artists – EFFEA

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    WIENERLIED – UND? Der musikalische Adventkalender https://www.musicaustria.at/wienerlied-und-der-musikalische-adventkalender-5/ Fri, 11 Nov 2022 08:20:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=98847 Bereits zum 14. Mal geht heuer in der Vorweihnachtszeit wieder DER MUSIKALISCHE ADVENTKALENDER über diverse Wiener Bühnen und „Nicht-Bühnen“: Ein musikalischer Adventkalender, der sich in allen 23. Wiener Bezirken eröffnet!  Beginnend mit einem Konzert am 1. Dezember im 1. Bezirk spannt sich der breite Bogen bis zum 23. Dezember im 23. Bezirk. Tatsächlich konnte Der ... Weiterlesen ...

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    Bereits zum 14. Mal geht heuer in der Vorweihnachtszeit wieder DER MUSIKALISCHE ADVENTKALENDER über diverse Wiener Bühnen und „Nicht-Bühnen“: Ein musikalischer Adventkalender, der sich in allen 23. Wiener Bezirken eröffnet!  Beginnend mit einem Konzert am 1. Dezember im 1. Bezirk spannt sich der breite Bogen bis zum 23. Dezember im 23. Bezirk.

    Tatsächlich konnte Der musikalische Adventkalender die letzten beiden Jahre, obwohl programmiert und durchgeplant, wegen „eh schon wissen“ nicht stattfinden. Im hoffentlich jetzt nicht verflixten dritten Jahr hofft das Team des kleinteiligen Musik- und Kulturfestivals um Friedl Preisl 2022 auf Trendumkehr, also darauf, die Adventzeit, an die Jahre 2019 und davor anschließend, mit meist sehr unmittelbaren Konzerterlebnissen in kleinen Locations tatsächlich erhellen und verschönern zu können. Das Konzept seit jeher – beginnend am 1. Dezember im 1. Bezirk wird bis zum 23. Dezember im 23. Bezirk gespielt.

    Schöner könnte Der musikalische Adventkalender 2022 dabei kaum anheben, präsentieren doch zum Auftakt Yasmo & Die Klangkantine am 1.12. im Porgy & Bess ihr neues, drittes Album „Laut Und Lost“, das am 7.10. erschien.

    Auch Tini Trampler & Playback Dollssind mit einem neuen Album am Start, die feinen Lieder von „Chansons 2084“ gibt’s am 15.12. im Schutzhaus Zukunft sicher zu hören. Ein Playback-Doll ist übrigens auch Trompeter und Sänger Bernhard Rabitsch, der Posterboy/mann des heurigen Musikalischen Adventkalenders, der, ja, einstmals sogar mit dem leibhaftigen Falco musizierte.

    Tags darauf, am 16.12. werden Martin Spengler & Die foischn Wienerim Weinhaus Sittl für gar nicht foische Stimmung sorgen, ein beständiges Highlight des Festivals kündigt sich für den 17.12. an: Die Strottern mit Peter Ahorner im kultigen Schutzhaus am Heuberg.

    Vielköpfig tritt die Musik am 6.12. mit dem Vokalensemble GLAS im Theater an der Gumpendorferstraße/TAG an, ebenso, wenn am 7.12. im Theater am Spittelberg, wenn der Beschwerdechor mit Bandbegleitung singend allerhand Beschwerde führt.

    Aber es gibt auch Solos – etwa von Jovan Torbica am 4.12. im Neruda und von Slavko Ninic am 11.12. im Hopfen & Malz im 11. Bezirk, beide ja sonst bei der Tschuschenkapelle vereint. Oder Duos wie jenes der wunderbaren Anna Mabo mit ihrem ständigen musikalischen Begleiter Clemens Sainitzeram 9.12. im Schubert Theater. Oder …

    Der musikalische Adventkalender 2022 hat viel zu bieten!

    Das gesamte Programm finden Sie unter https://wienerliedund.at/

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    Statements aus der Musikszene zu den Plänen des ORF bzgl. Ö1 und FM4 https://www.musicaustria.at/statements-aus-der-musikszene-zu-den-plaenen-des-orf-bzgl-oe1-und-fm4/ Wed, 09 Nov 2022 07:12:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=97553 Die Anfang Oktober bekannt gewordenen Pläne des ORF zur Umgestaltung der Radiosender Ö1 und FM4 sorgen innerhalb der österreichischen Kunst- und Kulturszene für große Aufregung. Es ist von drastischen Einsparungen bis hin zur Einstellung von bedeutenden Ö1-Sendereihen und Formaten (ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio) die Rede. Um die Sichtweise von ... Weiterlesen ...

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    Die Anfang Oktober bekannt gewordenen Pläne des ORF zur Umgestaltung der Radiosender Ö1 und FM4 sorgen innerhalb der österreichischen Kunst- und Kulturszene für große Aufregung. Es ist von drastischen Einsparungen bis hin zur Einstellung von bedeutenden Ö1-Sendereihen und Formaten (ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio) die Rede. Um die Sichtweise von Vertreter*innen der österreichischen Musikszene abzubilden, baten wir in einem öffentlichen Aufruf um Statements. Wir danken allen für ihre Zusendung. Dieser Artikel wird laufend erweitert.

    Wolfgang Seierl (Komponist, Musiker, Maler, KOFOMI)

    Wolfgang Seierl (c) RICOH R8
    Bild (c) Wolfgang Seierl

    Welche Bedeutung haben die beiden Sender Ö1 und FM4 für Sie?

    Ö1 ist für mich der Kultursender schlechthin, eines der wenigen Formate, mit denen der ORF seiner Bildungsaufgabe nachkommt.
    Besonders relevant für die Musikszene ist dabei die Präsenz der Neuen bzw. zeitgenössischen, experimentellen Musik, wenn auch oft zu den Randzeiten (ZeitTon).

    FM4 ist ebenfalls eine wesentliche Plattform für aktuelles Musikschaffen und Clubkultur. Sie ist für viele Musikschaffende eine wichtige Informations- und Präsentationsmöglichkeit.
    Beide agieren jenseits des Mainstreams, was diese beiden Sender so wichtig und wertvoll macht. Sie sind aber auch wesentliche Signale nach außen, für die Wahrnehmung Österreichs als innovationsfreudige Kulturnation.

    Was verbinden Sie mit den Sendereihen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio

    Dies Formate sind – obwohl oft leider nur zu später Stunde, aber immerhin – extrem wichtig für die Präsenz zeitgenössischen Musik- und Kunstschaffens in öffentlichen Medien mittels Berichterstattung, Diskurs und Vernetzung, wobei Kunstradio als quasi Kunstform noch eine Sonderstellung genießt. Sie sind neben Information und Diskurs auch Tools, die den Musikschaffenden in der Bewerbung und Verbreitung ihres Schaffens unterstützen.

    Wie beurteilen Sie die bekannt gewordenen Pläne und welche Auswirkungen hätten diese auf Sie?

    Die Pläne, soweit sie mir bekannt sind, sind ein empfindlicher Schnitt in das kulturelle Leben Österreichs. Wenn diese beiden Bastionen des Musiklandes Österreichs, ein Prädikat, das es immer weniger verdient, fallen, ist der Schaden für die kulturelle Landschaft nachhaltig enorm. Auch im Ausland würden es Signale sein, die dem Ruf Österreichs sehr schaden werden. Die Auswirkungen für mich als Musiker und Komponist und Musikvermittler sind noch gar nicht abzusehen, auf jeden Fall ist es der Verlust einer wichtigen Partnerschaft.
    Wolfgang Seierl (mica-Datenbank)


    PIA PALME (Komponistin, Klangkünstlerin, Musikerin, künstlerische Forscherin)

    Bild Pia Palme
    Pia Palme (c) Jussi Virkkumaa

    Ö1 fördert die Demokratie, macht Vielfalt sichtbar, verbreitet Kultur in vieler Hinsicht, bringt Diskussionen und Gespräche in Gang (weil in diesem, und durch dieses Medium geredet und gesprochen und zugehört wird), macht auf Musikstile neugierig (weil in Ö1 abseits der Enge von Playlisten kuratiert wird), sendet in höchster Audioqualität, fördert lebendige Musik vieler Genres bis hin zu experimentellen Formen, stiftet kulturelle und gesellschaftliche Identität in Österreich wie kein anderes Medium oder kaum eine andere Institution.

    FM4 ist/war ein spannender Sender für heutigen Diskurs und Musik, die nicht (nur) nach kommerziellen Richtlinien gemacht wurde. (1-2 fehlt jetzt schon).

    Ich wünsche, dass Ö1 und FM4 erweitert und mit mehr Mitteln ausgestattet werden. Man könnte – als Dienst an Kunst, Kultur und Demokratie – ein umfassendes Medienarchiv bereitstellen. Diese beiden Sender sind Säulen für Demokratie, Vielfalt, Kunst, Kultur, Menschenrechte. Ich bin mit beiden Sendern groß geworden. In meinem Umfeld haben beide Sender unzählige Gespräche ausgelöst, über alle Generationen hinweg. Denken sollte man auch Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen allein arbeiten oder mit wenig Ansprache leben (etwa: Menschen, die viel und lange unterwegs sind, Arbeitende in verschiedenen Berufen, ältere Menschen oder Leute. die nicht mobil sind, nicht zuletzt Menschen in Institutionen wie Spitälern – oder auch Gefängnissen, oder auch junge Eltern), und die solche Sender als Fenster zur Gesellschaft sehr genießen.

    Radio bringt die aktuellen Stimmen der Mitmenschen zu uns, bringt lebende Demokratie ins Haus (ans Ohr) und still unsere Sehnsucht danach, zuzuhören und teilzunehmen. Das gehört ausreichend gefördert – wir wollen das, als Staatsbürger:innen.
    https://piapalme.at/


    Christoph Huber (Künstlerischer Leiter Porgy & Bess)

    Bild Christoph Huber
    Christoph Huber (c) Wolfgang Gonaus

    Viel wird derzeit diskutiert über die Aussage, dass aus FM4 ein „Ö3 für Junge“ (Thurnher) bzw. etwas polemischer aus Ö1 ein „CNN-Radio für Arme“ werden soll (Fuzzman). Dagegen liefen viele aus der Kulturszene Sturm, was den neuen ORF-Chef etwas zurückrudern ließ, wiewohl ich den Verdacht hege, dass das alles schon beschlossene Sache ist. Konkret geht es im Falle von Ö1 u. a. um die Sendungen „Zeit-Ton“ und „Jazz-Nacht“, die arg zurückgestutzt werden sollen, weil diese angeblich nicht ausreichend konsumiert werden.

    Nun steht aber im ORF-Gesetz §4 etwas von „Vermittlung und Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft sowie angemessene Berücksichtigung und Förderung der österreichischen künstlerischen und kreativen Produktion“, d. h. in meinem Verständnis würde es sich dabei um einen glatten Gesetzesbruch handeln, den es wohl zu ahnden gilt. Es ist freilich so, dass wir, besonders was die „Jazz-Nacht“ betrifft, seit Jahren Änderungen einfordern, auch um die Attraktivität der Nachtstunden zu erhöhen, und zwar für Publikum und Urheber:innen – mit mäßigem Erfolg. Auch haben wir in der Vergangenheit Unterschiedliches kritisiert, was unserer Meinung nach optimiert werden könnte. Aber „Randprogramme“ gleich ersatzlos zu streichen bzw. zusammenzukürzen, das geht nun auch wieder nicht. Sind es doch gerade die Turbulenzen am Rand, die die Musik weiterentwickeln. Im Jazz war Swing die Popmusik von anno dazumal. Ohne die Innovationen des Bebop hätte sich der Jazz ganz anders entwickelt. Die Wirbel am Ufer verändern den Mainstream, d. h. diese gehören unterstützt, wenn man eine lebendige Kulturlandschaft wünscht, die sich auch weiterentwickelt und nicht zum Museum wird. Und im Prinzip ist es völlig unerheblich, von wie vielen Leuten das gehört wird. Deshalb gibt es ja den sogenannten „öffentlich-rechtlichen“ Rundfunk: Nicht damit Ö3 abgesichert wird, sondern damit Ö1 und FM4 ihr Programm machen können. Mit großem internationalen Erfolg übrigens! Und das wollen wir nun echt infrage stellen?
    https://www.porgy.at


    Caitlin Smith (Komponistin, Schriftstellerin)

    Bild Caitlin Smith
    Caitlin Smith (c) Elisabeth Feryn

    Als ich vor zehn Jahren nach Österreich übersiedelte, kannte ich nur drei Personen hier und sprach kein Deutsch. Am ersten Tag, schwindlig wegen Jetlag, schaltete ich pünktlich um 7 Uhr Ö1 an und verstand nichts, kein Wort, nur dass die Glocke die Uhrzeit anzeigt. Also hörte ich einfach die Sprache als Melodie an. Ö1 ist seit dem Tag fast durchgehend in der Küche zu hören. Nach 18 Monaten bestand ich das deutsche Sprachdiplom Niveau B2 mit gutem Erfolg. Die neue Sprache hat durch das Radio einen Wohnsitz in meinem Ohr gefunden.  

    In meiner neuen Heimat hatte ich das Ziel, meine Arbeit als Komponistin weiterzuführen. Weil ich mit mehreren neuro-immunologischen Krankheiten lebe, war ich oft zu krank, ins Konzert zu gehen oder danach mit Kolleg:innen ein Bier zu trinken. Durch Ö1 lernte ich die Musik sowie die diversen Musikszenen in Österreich kennen.
    Wenn ich den Trost der Muttersprache brauche, wechsle ich zu FM4. Nicht nur, weil dort oft Englisch zu hören ist. Für mich ist alternative und experimentelle Popmusik musikalisches Zuhause. Als ich zu krank geworden bin, um meine Instrumente zu spielen, war ich im zweiten Jahr einer Ausbildung im Bereich Pop und Jazz Musik. Alles, was ich über andere Musikarten weiß, habe ich hauptsächlich aus Partituren, Konzertbesuchen oder auf Ö1 gelernt.
    Auf vielen Ö1 Programmen kann ich hören, woher österreichische Musik kommt. Aber nur auf manchen Programmen kann ich hören, wohin sie geht. Durch ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, und auch Kunstradio wird meine Musik- und Klangwelt immer größer. Jede Woche höre ich neue Ideen und lerne neue Musiker:innen kennen, auch wenn ich bettlägrig bin.
    Heuer wurde meine Arbeit mit einem der Stipendiumpreise für Komposition der Stadt Wien ausgezeichnet. Ich entwickele zwei Opernprojekte mit Kolleg:innen in Österreich sowie in Belgien, Ungarn, Irland, Frankreich, Luxembourg, England und Deutschland. Ohne Zugang zu der Musikausbildung durch Ö1 wäre das für eine Komponistin wie mich — chronisch krank, zugewandert, autodidaktisch — nie möglich gewesen.
    www.tinyalligator.com


    Philipp Kroll aka Flip (Texta, Produzent)

    Bild Flip
    Flip (c) Zoe Goldstein

    Welche Bedeutung haben die beiden Sender Ö1 und FM4 für dich?

    Speziell FM4, aber auch Ö1 sind extrem wichtige Sendeflächen für mich und meine diversen Aktivitäten, egal ob mit Texta oder in anderen Konstellationen, gewesen. Und das seit bald 30 Jahren. Sie sind ganz wichtige Pfeiler innerhalb der österreichischen Musikszene, ohne deren Tun es nicht diese Vielfalt an großartigen Künstler:Innen geben würde.

    Was verbindest du mit den Sendereihen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio? 
    Wertvolle Formate, die ich immer wieder gerne höre.

    Wie beurteilen Sie die bekannt gewordenen Pläne und welche Auswirkungen hätten diese auf Sie?

    Prinzipiell sind Radioprogramme natürlich nicht sakrosankt, aber ein öffentlich-rechtlicher Sender hat den Auftrag vom Mainstream bis zur Nische alles abzubilden. Für mich persönlich hätte dies vermutlich, was Tantiemen betrifft, einen Einnahmenausfall zu bedeuten und natürlich geminderte Reichweite an Hörerschaft.
    http://texta.at/


    Clementine Gasser (Komponistin, Musikerin, Interpretin)

    Bild Clementine Gasser
    Clementine Gasser (c) Peter Gannushkin

    Ö1 begleitet mich, seitdem ich in Wien lebe und arbeite, das sind mehr als zweieinhalb Dekaden. Dieser herausragende Kultur- und Bildungssender des ORF betrachte ich als bedeutsamen „kulturellen Nährboden“, der mich immer wieder aufs Neue erfreut, überrascht und staunen lässt. Ich erachte es als dringlich, die Programme von Ö1 zur Gänze beizubehalten. Sendeformate wie Zeit-Ton, Ö1 Jazznacht und Lange Nacht der Neuen Musik bilden aktuelles Musikgeschehen ab und dienen als wichtige Plattformen für Präsentation und Vernetzung. Auch der Programmpunkt Kunstradio muss bestehen bleiben, weil das Vorhandensein einer Vielfalt der verschiedenen Kunstformen eine Bereicherung darstellt.

    Die Auswirkungen von Programmkürzungen wären für mich und viele Kulturschaffende einschneidend. Der angedachte Programmabbau des ORF, dem alleinig der Wirtschaftlichkeitsgedanke zugrunde liegt, darf keinesfalls in Kraft treten. Ö1 als wertvolles Kulturgut gehört geschützt!
    www.clementine-gasser.com


    Wolfgang Florey (Komponist)

    Bild Wolfgang Florey
    Wolfgang Florey (c) Ute Florey

    Welche Bedeutung haben die beiden Sender Ö1 und FM4 für Sie?

    Von der Existenz eines ORF-Programms mit dem Namen FM4 hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt, als Ihre Frage mich antraf, keine Ahnung. Nun weiß ich, dass dieses Sendeformat junge Hörer ansprechen will und dies sicherlich erfolgreich mit populärer Unterhaltung bewerkstelligt. Das Programm Ö1 dagegen ist mir durchaus bekannt. Ich weiß, dass es sich dabei in seinem Selbstverständnis um einen “Kultursender” handelt. Wäre er diesem selbstgewählten Auftrag wirklich verpflichtet, so stünde sein Programm sicherlich singulär und gut sichtbar in der Medienlandschaft.

    Es gibt allerdings wirklich nur wenige Programmformate innerhalb des Ö1, die tatsächlich sich auf den selbstgewählten Auftrag berufen können. Schon immer verleitet die Vorstellung, dass man es mit einer Hörerschaft von unterhaltungsbedürftigen und geistig eher bemitleidenswerten Menschen zu tun habe, dazu, dass man alles Festgefügte erst einmal zu einem Pasticcio faschieren muss, um das derart Pürierte in die zahnlosen Gehörgänge zu intubieren. Freilich: Ö1 könnte ein Ort sein, der intellektuell Anspruchsvollem und künstlerisch Wichtigem eine Heimstatt bietet. Damit verbunden könnte Ö1 auch jenen, die sich kreativ um eben solche Dinge bekümmern, eine ökonomische Stütze sein. Gerade Letzteres wäre einer demokratisch verfassten Gesellschaft eine, eigentlich verfassungsmäßig garantierte, verpflichtende Aufgabe.

    Aber in dieser Hinsicht gehöre ich nicht zu jenen, für die Ö1 auch nur die geringste Bedeutung hat. Im Gegenteil. Meine wenigen Begegnungen mit Ö1 habe ich nur als anmaßend und ausbeuterisch wahrnehmen können.

    Was verbinden Sie mit den Sendereihen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio?

    Hier kann meine Antwort kürzer ausfallen: Ich verbinde mit den genannten Sendeformaten überwiegend unangenehme Gefühle und Gedanken. Warum? Die pluralistische Auffassung von dem, was hier als sendenswert angesehen wird, führt im Ergebnis einerseits zu einer bemerkenswerten Beliebigkeit und anderseits dazu, dass der ins Infinitiv verschobene grundlegende Kunstbegriff einen Dilettantismus fördert, der jede ernsthafte künstlerische Arbeit entwertet. Und Entwertung ist dabei durchaus auch ökonomisch zu verstehen und in den fatalen Folgen zu bedenken. 

    Wie beurteilen Sie die bekannt gewordenen Pläne und welche Auswirkungen hätten diese auf Sie?

    Da die Frage persönlich gestellt ist, will ich sie knapp beantworten: für mich haben die bekannt gewordenen Pläne nicht die geringsten Auswirkungen. 

    Lassen Sie mich abschließend sagen, dass ich zwar gut verstehen kann, dass sich gegen den rigiden Sparkurs beim ORF Widerstand formiert, aber – ehrlich gestanden – möchte ich nicht so bequem und unehrlich sein, in das uniforme Lamento mit einzustimmen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass sich dieser Widerstand lediglich aus der Angst nährt, dass durch eine Kürzung der Sendezeiten das Aufkommen der rechtsinnehabenden Urheber empfindlich geschmälert wird. Wenn diese Vermutung zutreffend sein sollte, so sollte man dies auch so sagen und nicht mit vorgeschobenen ästhetischen, ethischen und moralischen Argumenten hausieren gehen. 

    Der Rundfunk hat seine frühere gesellschaftliche Bedeutung längst verloren und ich halte dafür, dass jeder Versuch, sich den veränderten sozialen und technischen Rahmenbedingungen anzupassen, lediglich dazu führt (und schon dazu geführt hat), sich in der heutigen Medienlandschaft immer weiter überflüssig zu machen. Diese Feststellung ist kein Plädoyer für die Aufrechterhaltung der aktuellen Sendeinhalte von ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik und Kunstradio, sondern ganz im Gegenteil: sie enthält die Aufforderung, die intellektuellen Grundlagen dieser Formate prinzipiell in Frage zu stellen. 

    Gegen die ökonomische Aushöhlung des kulturellen Auftrages des ORF muss man Widerstand leisten. Ganz sicher. Aber gerade den Erhalt solcher Sendeformate zu fordern, die aus meiner Sicht an der Aushöhlung dieses Auftrages einen nicht unerheblichen Anteil hatten und haben, erscheinen mir wenig geeignet, die Lage der Österreichischen Komponisten auf dem Gebiet der Ernsten Musik zu bessern.
    http://www.florey.de/


    Skero (Hip-Hop-Musiker und Street-Art-Künstler)

    Bild Skero
    Skero (c) Michael Winkelmann

    Meine Karriere wäre ohne FM4 gar nicht möglich gewesen. Ebenso gäbe es in Österreich keine Musikszene, wenn wir uns nur auf Ö3 und die vielen Privatsender verlassen müssten. Ö1 ist für mich einer der wichtigsten Radiosender, weil es seinen Bildungsauftrag schonungslos nachkommt und mich oft für Themen und Musiken begeistert, die ich vorher nicht so wahrgenommen habe. Das ist meiner Meinung nach der Auftrag, den ein öffentlich-rechtlicher Sender zu erfüllen hat, da er sich nicht um Einschaltquoten und externe Einflussnahme kümmern muss.
    https://www.skero.at/


    Sam Irl (Musiker, DJ, Produzent)

    Bild Sam Irl
    Sam Irl (c) Ina Aydogan

    In meiner Jugend in Niederbayern war FM4 für die musikalische Prägung von mir und meinen Freunden essentiell. Wir haben in meinem Heimatort gerade noch so FM4 empfangen, der Empfang wurde pro 10 km nördlich immer schlechter. Neben dem legendären „Zündfunk“ auf Bayern 2 haben wir die ganze Zeit eigentlich nur FM4 gehört. Einen Sender dieser Art, landesweit, mit einem so vielfältigen Programm, der ganzen Spezialsendungen, sucht man in Deutschland lange. Dort gibt es viel Gutes auf Bundeslandebene, aber eben nichts Landesweites in dieser Form. La Boum de Luxe, Unlimited, High Spirits, Tribe Vibes, Im Sumpf, Gilles Peterson, die Mehrsprachigkeit und alle weiteren Formate.

    Was da im Durchschnitt an Qualität geboten wird, ist eigentlich unglaublich. Außerdem ist der Support den FM4 mehreren Generationen an österreichischen (und in Österreich lebenden) Musiker:innen gegeben hat und gibt auch etwas Besonderes. Es gibt immer berechtigte Dinge, die man trotzdem an solch einem Sender kritisieren kann und auch soll, aber in seiner Gesamtheit macht FM4 so ziemlich alles richtig und muss unbedingt bewahrt werden. Gerade diese gewisse „Narrenfreiheit“ die FM4 schon lange genossen hat, macht FM4 so speziell. Konventionelles Mainstream-Radio gibt es sowieso schon im Überfluss.
    https://www.facebook.com/samirlmusic/


    Jung An Tagen (Experimenteller Musiker/Filmemacher)

    Bild Jung an Tagen
    Jung an Tagen (c) Balubdzic

    Das neoliberale Projekt ist gescheitert. Gerade das kleine Kulturland Österreich wäre gut beraten, in die Kunst mehr, statt weniger Raum, Zeit und Ressourcen zu investieren. Es ist eine hart erkämpfte demokratische Errungenschaft, Kunst von den Kräften der Märkte und Reichen zu befreien. Die experimentellen Künste lassen sich gut mit der Grundlagenforschung vergleichen. Und wie froh sind wir heute über einen Anton Zeilinger.

    And what does the money machine eat to shit out? It eats youth, spontaneity, life, beauty and above all it eats creativity. It eats quality and shits out quantity. (William S. Burroughs)
    https://www.jungantagen.xyzhttps://www.etat.xyz


    Alexander Stankovski (Komponist, Musiktheoretiker)

    Bild Alexander Stankovski
    Bild (c) Alexander Stankovski

    Wer von “Content” statt von Gehalt spricht und auf die perverse Idee kommt, dasd damit unzureichend Gemeinte in Gegensatz zu künstlerischen Spitzenleistungen zu setzen, hat intellektuell fertig. Die großzügige Kürzung der Sendezeit für Neue Musik und Jazz um 575 Stunden pro Jahr, die gleichzeitige Kürzung der AKM-Tantiemen um ein sattes Drittel für zu ihrem Pech noch lebende Künstler*innen, sowie die geplante Abschaffung des renommierten ORF-musikprotokolls im steirischen herbst sind unmissverständliche Zeichen einer totalen Missachtung zeitgenössischen Musikschaffens durch die neue Leitung des ORF.

    Diese hat mit der Wahrnehmung des Kulturauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wenig am Hut und müsste umgehend von einer Aufgabe entbunden werden, der sie offenbar nicht gewachsen ist – es sei denn, die Verdummung des Publikums ist Programm. In diesem Fall liegt auf der Hand, wem diese Verdummung nützt und wie man sich dagegen zu wehren hat: durch Abwahl der politisch Verantwortlichen.
    https://www.alexander-stankovski.info/


    Katharina Klement (Komponistin, Pianistin)

    Bild Katharina Klement
    Katharina Klement (c) Rania Moslam

    Ich bin seit Kindheitstagen Ö1-Hörerin, dieser Sender hat mich zu einem aufmerksamen Hinhören, abseits einer Nebenher-Beschallungs-Haltung miterzogen. Dieser Sender ist bei mir zu Hause fix eingestellt, ich bin immer wieder aufs Neue vom Reichtum und der Qualität der einzelnen Sendungen überrascht. Als Komponistin ist im Besonderen die Sendung Zeitton für mich relevant: Uraufführungen von KollegInnen, Besprechungen von Festivals, Komponist/inn/en-Portraits, Konzertankündigungen, und last but not least als Forum für das Senden eigener Werke macht sie für mich essentiell. Die Werke erreichen damit eine Öffentlichkeit und es gibt Tantiemen.

    Auch die Ö1 Jazznacht höre ich oft, hat höchste Qualität, ist ein sehr ansprechendes Format. Unendlich viel Musik habe ich über diese Sendungen das erste Mal gehört, sie haben mich oft zum Weiterforschen und Nachhören verleitet, haben mich gebildet. Dass das Kunstradio ein ganz eigenes Genre, eben die „Radiokunst“ hervorgebracht hat, ist ein Kunststück für sich und sollte als kulturelles Erbe geschützt, fraglos fortgesetzt und gefördert werden. Ähnlich die Lange Nacht der Neuen Musik – ein Forum, in dem professionell ein Angebot der Moderne geboten und darüber hinaus besprochen wird. Was wäre das für ein Kahlschlag ohne diese Sendungen, die das Salz der Gegenwart aufzeigen, eine ins Offene weisende akustische Kunst den Hörer/innen zugänglichmacht.

    Sollten diese Sendungen und auch das Festival musikprotokoll gekürzt bzw. ganz gestrichen werden, wäre das eine kulturpolitische Katastrophe im Allgemeinen wie auch im ganz Persönlichen. Sie sind Teil meiner kulturellen Entwicklung und Bildung, es würde ein großes Loch entstehen, es wäre ein Riesenverlust in Bezug auf meine musikalische Identität und letztlich auch auf meine Tantiemen. Man muss sich als Kultursender der Verpflichtung bewusst sein, Foren für Gewagtes, Nicht-Normiertes, Experimentelles abseits des Kommerziellen zu bieten, dem Trend eines „easy listening“ inklusive dem stetigen Blick auf den Verkaufswert etwas entgegen zu setzen. Der ORF muss seinem Kulturauftrag gerecht werden, den Fortbestand dieser essentiell wichtigen Sendungen sowie das Festival musikprotokoll sichern.
    https://www.katharinaklement.com/


    Verena Zeiner (Pianistin, Komponistin, Rhythmikerin, Fraufeld, Klio)

    Bild Verena Zeiner
    Verena Zeiner (c) Ian Ehm

    In beinahe allen von der Streichung bedrohten Sendungen war ich schon mit meiner Musik und meinen Projekten zu Gast. Sogar bei Rudi!
    Und nach jeder Sendung passierte Folgendes: ich bekam Nachrichten von Menschen die Tonträger bestellten, von Veranstalter:innen die mich als Künstlerin buchten, von Menschen die sich einfach bedankten für die eine oder andere Inspiration und ich habe durch die Sendungen Besucher:innen für Konzerte gewonnen. Ö1 trägt unglaublich viel dazu bei, dass meine Arbeit sichtbar wird und ich ihr nachgehen kann.

    Ich bin nur eine von vielen Kulturschaffenden in Österreich, für die Ö1 diese wichtige Bedeutung hat. Es ist die einzige Plattform mit einer gewissen Reichweite, die sich darum kümmert zeitgenössisches Musikgeschehen abseits des Mainstreams abzubilden. Die Redakteurinnen und Redakteure leisten Großes! Sie machen sichtbar, zeigen Vielfalt, Diversität, Aktualität, gehen in Diskurs, bemühen sich um inhaltliche Ausgeglichenheit und Fairness in den Themen die sie wählen. Nicht zuletzt leisten sie damit Dokumentationsarbeit, von der nachfolgende Generationen profitieren.
    Durch das Streichen der Sendungen verlieren nicht nur die Sendungsverantwortlichen ihre Arbeit, sondern ganz viele Menschen, deren Arbeit durch die Programmgestaltung von Ö1 gestützt wird.
    https://www.verenazeiner.at/


    Lukas Kranzelbinder (Musiker, Komponist, Shake Stew, Mario Rom`s Interzone)

    Bild Lukas Kranzelbinder
    Lukas Kranzelbinder (c) Severin Koller

    Ö1 ist der einzige international relevante Multiplikator aus Österreich für Jazz und Jazz-verwandte Musik der heimischen Szene. Weniger Sendezeit für die Jazznacht würde automatisch auch weniger Sendezeit für Konzertmitschnitte bedeuten – was katastrophal wäre, da diese Aufnahmen unter anderem an internationale Radios weitergegeben werden und damit wesentlich zur Präsenz der heimischen Szene beitragen. Das enorm breite musikalische Feld, welches die Jazznacht abdeckt, spiegelt die Vielfältigkeit der heimischen Szene wie kaum ein anderes Medium wider und bietet dadurch (Sende-)platz für eine Vielzahl an Musiker*innen.

    Durch den schrittweisen Rückzug der meisten Printmedien aus dem (Live-)Kulturbereich sind diese Personen in ihrer medialen Präsenz bereits auf ein absolutes Minimum reduziert – die Jazznacht in ihrer Sendezeit zu kürzen (oder ganz einzustellen), würde dieser Szene die letzte verbliebene Plattform nehmen. Eine ähnliche Situation ergibt sich für Zeitton. Das kann und darf sich Österreich nicht leisten! 
    https://shakestew.com/


    Christian Diendorfer (Komponist)

    Bild Christian Diendorfer
    Bild @ Christian Diendorfer

    Mittlerweile habe ich den Status des Zeitzeugen erreicht d.h.: ich bin jenseits von sechzig, kenne noch eine Zeit von großer künstlerischer Neugier in unseren öffentlich-rechtlichen Medien und bin um gewisse Erfahrungen mit ORF-Sendungen für KomponistInnen reicher. Mehrere Zeitton-Portraits, CD-Präsentationen, Mitschnitt-Sendungen… waren wichtige, weil aufbauende Wegbegleiter auf meinem Werdegang als Komponist – aber wollten wir nicht doch schließlich raus aus dem 23h Sendetermin für Spätaufsteher um einen breiteren Diskurs über unsere Arbeit zu ermöglichen?

    Ein neues Format zu früherer attraktiverer Zeit mit diversen abweichenden Ausflügen in andere Stilistiken würde auch vermitteln, dass man in unserem Land musikalische Kreativität noch schätzt und damit Neugierde wecken kann, schließlich sind wir dadurch zu dem geworden, als das wir uns so gerne bezeichnen – zur Kulturnation. Darum meine ich auch – raus aus dem isolierten Zeitgenossen-Eck, Öffnung zur freien breiten Begegnung im künstlerisch-akustischen Raum, Abschaffung des Wortes „Nischenprodukt“, vielleicht auch “sendbare Klänge“ für den Rundfunk von uns KomponistInnen in kompetenter und innovativer Präsentation von ORF-ModeratorInnen. Der ORF hat seinen gesetzlich vorgeschriebenen Kultur- und Bildungs-Auftrag zu erfüllen und unsere ganze Gesellschaft abzubilden, nicht nur die „zeitgenössische” Musik unserer längst verblichenen Vorfahren.
    www.diendorfer.net


    Bernhard Eder (Musiker)

    Bild Bernhard Eder
    Berhard Eder (c) Nico Hafner

    Der ORF überlegt also dass FM4 zu einem “jungen Ö3” wird. WTF? Man möge sich diesen Schaden an der österreichischen Radiokultur mal überlegen. Und vor allem auch an der österreichischen Musikszene. Radio FM4 hat bereits in den frühen 00ern den Weg geebnet für eine heute extrem starke österreichische Musikszene mit internationalem Format, und war mit diversen Formaten (z.b. Soundpark) sogar Jahre voraus. Und, für mich most important: ohne FM4 hätte ich nicht den Weg gewagt, mich rein auf Musik zu konzentrieren. Das war noch zu Zeiten als ich mit meiner Indieband Wa:rum durchs Land tourte, bei diversen Festivals spieltem weil man uns halt “von FM4 kannte”.

    Und das sogar über die Grenzen hinaus: spielte man in Bayern Konzerte, schwärmten immer alle von FM4. “So was haben wir hier nicht”. Die hören’s noch immer. Die sind jetzt auch schon in ihren 30ern oder 40ern angelangt, oder sogar darüber. Ich kenne auch Leute in Berlin, Hamburg etc. die seit Jahren FM4 via Stream hören. Die brauchen kein Ö3 für Junge, die Formate haben’s eh genug. Wir übrigens auch.
    http://bernhardeder.net/


    Univ. Prof. Dr. Peter Burwik (Dirigent, ensemble XXI. jahrhundert)

    Bild Peter Burwik
    Peter Burwik (c) Fodor

    Mein erstes Konzert im ORF habe ich mit zeitgenössischer Musik im damaligen ORF-Sendesaal am 4. November 1975 gegeben – es war eine ORF-Produktion. Davon, dass sich der öffentliche Rundfunk in dieser Weise als Wegbereiter und Promotor von Gegenwartsmusik versteht, sind wir inzwischen weit entfernt. Dass jetzt auch noch die Vermittlung eingestellt oder eingeschränkt werden soll, ist unverständlich, unverantwortlich und nicht den Intentionen des Rundfunkgesetzes entsprechend.

    Offensichtlich liest kaum jemand die Ausführungen von Arnold Schönberg, die im Empfangsbereich des ORF-Hauses in der Argentinierstraße auf der Glaswand links zu lesen sind: sie treffen den Nagel auf den Kopf und haben nichts an Gültigkeit verloren. Der ORF ist als öffentliches und von Gebühren der Nutzer finanziertes Unternehmen dem österreichischen Kulturleben in seiner Gesamtheit gegenüber verantwortlich – und wir brauchen unsererseits einen Rundfunk, der sich als engagierter Kommunikator im Inland wie auch international versteht – was haben wir international viel anderes zu bieten als Kultur: und da vor allem die lebendige, zeitgenössische? Wir sprechen wohlgemerkt von Kultur – nicht von Marketing und Business.
    https://exxj.net/


    Sara Filipova (Musikerin, Komponistin)

    Bild Sara Filipova
    Sara Filipova (c) Michelle Shiers

    Ö1 und FM4 sind die einzigen Radiosender, die ich noch höre, wo ich immer wieder für mich neue Musik entdecke und auch die einzigen Radiosender, wo meine bisherigen Werke gespielt werden. Meine letzte Single beispielsweise ist auf Grund einer Ö1-Jazznachtaktion entstanden, wurde aber auch auf FM4 gespielt. Im Moment arbeite ich an meinem Album. Die Aussicht darauf, dass Sendungen wie z.B. die Ö1 JAZZ Nacht wegfallen könnten, wäre für mich persönlich ein großer Verlust, auch in Hinblick auf die Promotion des Albums. Durch das Airplay in der Vergangenheit habe ich immer wieder neue Menschen erreicht, die dann auch zu Konzerten von mir gekommen sind.

    Die heimische Kunstmusikszene ist derzeit so stark und auch in der Pop-/Alternative-Welt tut sich wirklich vieles, das auch europaweit und international Aufmerksamkeit bekommt und dies auch – unter anderem dank der starken und außergewöhnlichen Arbeit dieser beiden Radiostationen – in den vergangenen Jahren tat. Wenn für hier lebende Künstler*innen die Plattformen wegfallen, gibt es finanziell noch mehr Einbußen für die freie Musikszene und die ist durch u.a. die Auswirkungen der Coronakrise, die Teuerungen und die Schließungen von Spielorten schon stark am Kämpfen. Radioairplay und sonstige mediale Aufmerksamkeit gehen oft Hand in Hand, das Streichen der Sendungen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik und Kunstradio kommt einer Unsichtbarmachung so vieler Genres abseits des „Mainstreams“ gleich. 

    Ich denke viele Menschen entdecken übers Radio Neues, dem sie sonst nicht ausgesetzt wären und das ihnen nicht von Algorithmen vorgeschlagen wird. Da würde für mich auch der Bildungsauftrag ansetzen, da könnte man bei Veränderungen auch mutiger sein und „programmliche Randzonen“ stärker in den Fokus rücken und dadurch die Einzigartigkeit von den Sendern stärker nach außen tragen. Wenn man sich nur auf “Evidence-Based-Programme” fokussiert, bekommt man ein Programm, das austauschbar ist, mit vielen (wirklich sehr vielen) anderen Radiostationen, was z.B.  jüngere Generationen auch nicht von Spotify hin zum ORF-Radio bewegt, wozu auch – das bekommen sie alles schon in verschiedensten Formen angeboten.
    https://www.sarafilipova.com/


    Univ.-Prof. Mag. Richard Graf (Komponist, Vizerektor JAM MUSIC LAB University)

    Bild Richard Graf
    Richard Graf (c) Joanna Pianka

    Ö1 und FM4 sind noch die wenigen kulturellen Inseln im ORF, die auch dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen. Warum gerade hier der Sparstift angesetzt werden soll, ist unverständlich. Das Musikland Österreich würde noch viel mehr nicht-kommerzielle Angebote und Aktivitäten benötigen, damit zeitgenössische Musik in ihrer Vielfalt besser von der Gesellschaft – insbesondere von der jüngeren Generation – wahrgenommen wird. Das betrifft nicht nur den ORF, sondern die gesamte Bildungslandschaft!
    https://www.richardgraf.com/


    Marina Zettl (Musikerin, Marina & The Kats)

    Bild Marina & The Kats
    Marina & The Kats (c) Tim Cavadini

    Die beiden Sender tragen für mich maßgeblich dazu bei, die österreichische Musiklandschaft in ihrer vollen Vielfalt aufzuzeigen und einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Ö1 und FM4 sind deswegen so wichtig, weil diese Sender auch abseits des Mainstreams agieren und somit Platz für Neues, Unbequemes und Spannendes ist. Ein Platz, den es sonst nirgends gibt. Die Pläne scheinen gerade dieses Alleinstellungsmerkmal beschneiden zu wollen, was ich für eine denkbar schlechte Idee halte. 
    https://www.marina-thekats.com/


    Sara Zlanabitnig (Musikerin, Echoraum, Fraufeld …)

    Bild Sara Zlanabitnig
    Sara Zlanabitnig (c) David Višnjić

    Für die freie Szene der vielfältigen Wiener Musiklandschaft wäre es eine Tragödie, würde sie ihre beinahe einzige Möglichkeit zur Abbildung im öffentlichen Rundfunk via Zeit-Ton (sowie im Kunstradio) verlieren! Eine derart gut gemachte und kontinuierliche Repräsentanz des aktuellen experimentellen Musikschaffens ist ein Alleinstellungsmerkmal für das Musikland Österreich und darf nicht aufgegeben werden!
    https://sarazlanabitnig.com/


    Prof. Dr. Gerhard Sammer (Tiroler Kammerorchester InnStrumenti / Musikhochschule Würzburg / Uni Bozen)

    Bild Gerhard Sammer
    Gerhard Sammer (c) Sarah Peischer

    Es geht für die Musikschaffenden in Österreich einerseits natürlich ganz konkret um die Präsenz der zeitgenössischen Musikkultur und um die Möglichkeit, die zahlreichen innovativen Aktivitäten am Puls der Zeit auch einem breiteren Publikum präsentieren zu können. Andererseits sehe ich hier aber auch das grundsätzliche Verständnis in Gefahr, dass nicht in erster Linie kommerzieller Erfolg und Hörerzahlen als bestimmende Kriterien für die Relevanz von Inhalten herangezogen werden dürfen (obgleich der ohnehin großen Breite der Hörerschaft von Ö1), sondern der öffentlich-rechtliche “Kulturauftrag” des ORF als zentrale Legitimität und Grundhaltung stark im Bewusstsein um die Rolle und Verantwortung für die Kultur in Österreich verankert sein sollte.

    Hinzu kommt, dass etwa Zeit-Ton in Ö1 ein wichtiges Fenster für die Präsentation und Wahrnehmung von Kultur aus den Bundesländern darstellt, denn u.a. im TV-Kulturprogramm des ORF, kommt Musikkultur aus den Bundesländern (abseits der großen Festivals) kaum vor und man hat keinerlei Chance hier überhaupt wahrgenommen/gehört zu werden. Das ist sehr schade, denn in den unterschiedlichen österreichischen Regionen passiert sehr viel Interessantes, Hörens- und Berichtenswertes, das einen wichtigen Beitrag leisten kann in unserem Land, das so reich ist an Musikkultur!
    https://innstrumenti.at/


    HANS FALB (JAZZGALERIE NICKELSDORF)

    Bild Hans Falb
    Hans Falb (c) Jazzgalerie Nickelsdorf

    Es darf unter keinen Umständen passieren, dass der ganze RUNDFUNK noch mehr kommerzialisiert wird!!!  So wie MALCOLM X gesagt hat: „BY ANY MEANS NECESSARY.“ Ö1 RUNDFUNK war bis jetzt eine Vorzeige-“Anstalt”; wenn diese Radiostation sich nur mehr um Einschaltquoten kümmert, dann ADIEU du schöne Welt??? Die JAZZGALERIE NICKELSDORF hat dieses Jahr ihr 42. Ausgabe des Festival KONFRONTATIONEN veranstaltet und bevor Ö1 Rundfunk eingestiegen ist, haben wir die ersten Jahre mit dem SWR (Südwestdeutscher Rundfunk), mit BBC (!!!) und unabhängigen US-Radio Stationen zusammengearbeitet! In diesem Sinne -“KEEP ON FIGHTING”
    www.konfrontationen.at


    Alexander Kral (Komponist, Dirigent, Interpret, Arrangeur, Ausbildner)

    Bild Alexander Kral
    Foto: Foto Sulzer © Mit freundlicher Genehmigung von A. Kral

    Ö1 bietet für mich eine sehr wertvolle Quelle, wenn es um neue Musik in Österreich geht. Deswegen ist die Sendung „Zeitton“ ein unerlässlicher Bestandteil dieses Angebots. Verglichen mit Streaming-Portalen, wie z.B. dem YouTube-Channel „Score follower“, bemerke ich ganz klar den Unterschied, ob ein Algorithmus Werkvorschläge macht, oder Menschen. Dies ist beim Programm von Ö1 der Fall. Diese Formate zu kürzen oder ganz abzuschaffen würde bedeuten, diese Arbeit gänzlich Computerprogrammen zu überlassen.

    Ich hoffe, dass diese „menschliche“ musikwissenschaftliche Arbeit und somit die Präsentation einer vielfältigen kulturellen Landschaft in irgendeiner Form erhalten bleibt. Gerne bin ich bereit, für diese Angebote mehr zu zahlen, mit der Möglichkeit, die zu konsumierenden Formate selbst wählen zu können.
    https://db.musicaustria.at/node/171270


    Philip Yaeger (Musiker, Komponist/Arrangeur)

    Bild Phil Yaeger
    Phil Yaeger (c) Severin Koller

    Ich bin vor allem Jazzmusiker, bewege mich aber (wie viele meiner Kolleg:innen) in einem Bereich, der von Pop bis hin zur zeitgenössischen Klassik reicht – oft abseits der kommerziellen Musik. Ö1 und FM4 sind die einzigen Sender, die einen Überblick über diesen Bereich bieten. Sendungen wie die Ö1 JAZZ Nacht oder Zeit-Ton funktionieren als Zeitdokumente, aber auch als Nachrichtenträger, als Town Hall. Sie tragen dazu bei, eine Community zusammenzuhalten: Durch sie wissen die Akteure der Musikszene wer gerade was macht. Weiters stellen sie unsere Musik Interessenten vor, die sie sonst nie hören würden – und spielen somit auch eine nicht unbedeutende wirtschaftliche Rolle.

    Kurz gesagt, nicht zuletzt durch Ö1 bleibt die Neue Musik-Szene in Kontakt mit sich und mit ihrem Publikum, und bleibt somit lebendig, fruchtbar und relevant. FM4 macht das Gleiche für die Pop-Szene. So viel von der Künstlerseite.

    Objektiv betrachtet, wäre die kulturelle Aushöhlung von Ö1 und FM4 quasi eine Kapitulation vor den Privatsendern. Sie würden sich damit überflüssig machen – denn, wenn sie alles einstellen, was sie von Privatsendern unterscheidet, warum soll man sie noch hören?

    Es wurde schon oft angemerkt, aber es kann nicht oft genug gesagt werden: Abgesehen von ihrem gesetzlich festgelegten kulturellen Auftrag, ist die Übertragung nichtkommerzieller Musik (auch in Form von Live-Konzerten und dergl.) die Kernkompetenz von Ö1 und FM4, ihr Alleinstellungsmerkmal, der Grund, warum es sie überhaupt gibt. Ich hoffe, dass Österreich dieser Eckpfeiler ihrer Kultur nicht beraubt wird.
    https://pyaeger.com/ 


    Harry Jen (Komponist, Produzent und Instrumentalist der Band JAEYN)

    Bild Jaeyn
    Bild (c) Jaeyn

    Wir sind von den Neuerungsplänen von Ö1 und FM4 gleich auf zweierlei Art betroffen: Einerseits sind wir langjährige Fans, die viel Freude und Inspiration durch FM4 erfahren haben, und uns klarerweise davor fürchten, dass dieser einzigartige Kosmos durch einen kalkulierten Einheitsbrei ersetzt werden soll (als ob es davon nicht schon genug gäbe). 
    Andererseits sind wir als Musiker auch oft auf FM4 willkommen gewesen und durften unsere Musik präsentieren. Wenn jetzt, wie angedeutet, die Rotation tagsüber “gestärkt”, sprich das Musikrepertoire verkleinert und auf Wiedererkennbarkeit getrimmt wird, sind wir die ersten, die dem zum Opfer fallen.

    FM4 und Ö1 sind die wichtigsten Verbündeten, die die österreichische Musiklandschaft hat, und werden international gefeiert – nicht trotz, sondern WEGEN der Bereitschaft zum Experiment. Dieses wunderbare Biotop domestizieren zu wollen ist ein Schritt in eine ganz falsche Richtung, von dem letztendlich keiner profitieren wird.
    http://www.jaeynmusic.com/


    Christoph Wundrak (Musiker, Komponist)

    Bild Christoph Wundrak
    Christoph Wundrak (c) Pressefoto

    Als Musiker und Komponist in den Bereichen Jazz, Blues, Free Impro, Folkmusik ist Ö1 für mich immer schon ein wichtiger Sender gewesen und wird es auch bleiben. Besonders die von ihnen genannten Sendungen sind für mich von informativer und wirtschaftlicher Bedeutung, und es wäre nicht nur für mich alles andere als konstruktiv, wenn diese Reduzierungspläne des ORF durchgesetzt werden würde. Sicher kein respektabler Zug für das Musikland Österreich!
    www.christophwundrak.com


    Armin Bardel (Singer/Songwriter)

    Welche Bedeutung haben die beiden Sender Ö1 und FM4 für Sie?

    Ö1 höre ich leider viel zu selten, FM4 schon so gut wie gar nicht mehr, weil ich speziell von zweiterem, sofern ich es doch gelegentlich höre, regelmäßig sehr enttäuscht bin. 
    FM4 war für mich früher (ende der 90er) noch eine Erleuchtung hinsichtlich aktueller (Pop-)Musik & Programmformate. Mittlerweile ist der Sender allerdings dermaßen stupid werbeverseucht und auf einem mittelmäßig pubertär-kommerziellem Niveau angekommen, dass ich meist sofort wieder umschalte, wenn ich höre, was da läuft. Was natürlich auch an der aktuellen Musik liegen kann, die zu einem großen Teil in eine Richtung geht, die ich wenig erfreulich finde. oder an den ModeratorInnen, die offenbar irgendwann irgendwo stecken geblieben sind … 
    Bei Ö1 sind es beispielsweise die Nachrichten, bei denen ich mir von einem seriösen Sender mehr erwarten würde als nur Regionalberichte, wie ich leider zu oft den Eindruck habe. Nach wie vor zu viel konservative Klassik/ernste Musik, Oper. 

    Was verbinden Sie mit den Sendereihen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio

    Diese Sendungen höre ich – wie Ö1 insgesamt – nur selten, finde aber doch grundsätzlich vieles auf diesem Sender sehr interessant, anregend, lehr- & aufschlussreich, etc., also kurz:  unverzichtbar angesichts des Überangebots an sonstigem Radio-Einheitsbrei. Mit wenigen Ausnahmen so ziemlich der einzig seriöse & hörbare Sender von allen! 

    Wie beurteilen Sie die bekannt gewordenen Pläne und welche Auswirkungen hätten diese auf Sie? 

    Ich finde es schon einmal ziemlich bedenklich, das in vieler Hinsicht „historische“ Gebäude in der Argentinierstraße aufzugeben und (am Küniglberg) alles auf einen Haufen zu schmeißen. 
    Die politischen Hintergründe & damit verbundenen Absichten sind ohnehin äußerst fragwürdig. Das Finanzielle halte ich für einen reinen Vorwand. Ganz abgesehen von der Frage, wo & wie & was gespart wird. Zuallererst offenbar bei der Qualität … 
    Die generelle Tendenz, sämtliche Medien nach unten zu nivellieren, wie es seit Jahren allerorts geschieht und insbesondere beim ORF der Fall zu sein scheint, verurteilt & disqualifiziert sich selbst, denke ich! Anstatt (wieder) besseres Programm zu machen, wird noch weiter gespart und dort als erstes gekürzt, wo noch Reste von Niveau vorhanden sind. Dann soll sich der ORF lieber gleich komplett auflösen und privaten das Schlachtfeld überlassen. 
    Auf mich persönlich hat alles – zum Glück im Unglück – wenig Auswirkung, da ich bislang noch von keinem Sender wahrgenommen, geschweige denn gespielt wurde …  Auswirkungen auf uns alle dagegen hat, was da gesamtgesellschaftspolitisch, etc. auf uns zu kommt: die systematische Vernichtung jeglicher Kultur von halbwegsem Niveau, die totale Kommerzialisierung und Verflachung, Verblödung, Runternivellierung in allen Bereichen. 
    http://www.arminbardel.at/


    Alfred Pranzl (Herausgeber skug.at)

    Welche Bedeutung haben die beiden Sender Ö1 und FM4 für dich?

    Voran: Ö1 und FM4 nehmen den Bildungs- bzw. Kulturauftrag wahr. Die für mich unhörbaren Formatradios keineswegs. Der Verkauf des Rundfunkgebäudes in der Argentinierstraße 30a ist ein Armutszeugnis für Österreich, und hoffentlich kann die angedachte Kürzungsschande abgewendet werden. Muss auch noch betonen, dass ohne Not ein weiteres Qualitätsmedium abgewickelt wird. Auf die “Wiener Zeitung” müsste die Politik der Republik Österreich doch stolz sein!

    Speziell Randzonensendungen wie Ö1- Zeit-Ton und FM4-Im Sumpf sind immens wichtig, und hin und wieder gibt es auch Verweise auf skug bzw. umgekehrt. Ö1-Spielräume sind zwar zum Teil beliebig, aber es gibt immer wieder tolle Sendungen wie etwa Spielräume Spezial wo vergangenen Freitag skug-Autor Peter Kaiser zum Thema “DIY Punk” eingeladen war. FM4 ist mir persönlich zu sehr ein tagsüber auf die Nerven gehender Alternative-Mainstream-Sender. Da höre ich lieber die Ö1-Politik-Sendungen, Literaturformate oder das Radiokolleg. Ansonsten noch Bayern 2 und da speziell den Zündfunk, vergleichbar mit der früheren Music Box aus dem ja FM4-Im Sumpf hervorgegangen ist – übrigens war die Musicbox einst 5 Stunden pro Wochen und die Nachfolgesendung Im Sumpf hat nur noch 3 Stunden. 

    PS: Als Fadi Dorninger noch bei skug war konnte Anfang der 1990er die fabelhafte Idee, eine Musicbox mit doppelter Sendezeit zu machen – auf je einem Stereokanal – noch durchgeführt werden!

    Was verbindest du mit den Sendereihen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio?

    Vor allem die Abbildung von experimentellen Musikszenen. Und nur diese bringen was weiter und neue Soundtendenzen aus den Klangperipherien werden nach wie vor von der Pop- und Theatermusik etc. aufgesogen. Kunstradio war und ist nach wie vor Pionier. Alle Sendungen: unentbehrlich. Siehe Bildungs- und Kulturauftrag, verankert im ORF-Gesetz!

    Wie beurteilst du die bekannt gewordenen Pläne und welche Auswirkungen hätten sie auf dich?

    Ein Gesamtschnitt hätte immens fatale Auswirkungen: etwa auf sinkendes internationales Renommee. Festivals wie musikprotokoll würden limitiert. Hätte für Journalist*innen wie Musiker*innen aus der prosperierenden Musikwelt Österreichs sehr negative Auswirkungen. Vieles hängt da rhizomatisch zusammen, ohne dass dies den Kulturbeschneidenden überhaupt bewusst ist. Fazit: es ist ein fürchterliches Armutszeugnis für Österreich wie sehr im obere ORF-Management Quotendenken regiert. Orchideen jeglicher Art gehören gefördert, nicht beschuldigt zu wenig relevant zu sein. Die rhizomatischen Verwurzelungen von allem mit allem sind den entscheidenden Mächtigen nicht bewusst. Es ist sehr tragisch, dass in Österreich profitable Quote statt Qualität gefördert wird. Ein wütend machender Missstand!
    https://skug.at/


    Mathias Krispin Bucher (Liederat, Musiker, Komponist)

    Bild Mathias Krispin Bucher
    Mathias Krispin Bucher (c) Robert Maria Rainer Photography

    Geboren in St. Veit / Glan,
    aufgewachsen und pubertiert in FM4.
    Musik kennen und lieben gelernt von der ich zuvor nie etwas hörte.
    Nächtelang wach gelegen und das Gespielte erforscht.
    Kassettenrecorder immer parat und meine Fortbildung damit mitgeschnitten.
    Erste Band gegründet mit FM4 am Weg dorthin und wieder zurück.

    Erwachsen geworden in Ö1.
    Ich studierte die Jazz Nacht Ö1 und wuchs daran.
    Erlebte, erlernte, erfuhr von Dingen, die ihren Kontakt mit mir bislang vermieden.
    Hörte Jazzmusiker:innen die mich bereicherten, hörte Komponist:innen die meinen Mund öffneten, hörte Musikerkollektive die ihn daran hinderten, sich zu schließen.
    Schier endloses Wissen wuchs in meinem Kopf, schier endlose Töne umspielten mein Herz.
    Doch noch ist es nicht genug.

    Hiermit schlage ich alle Trommeln,
    hiermit blase ich alle Hörner,
    hiermit soliere ich in allen Lagen
    und gröhle alle Harmonien
    für Ö1 und FM4.

    Ohne die beiden,
    wäre ich nicht der, der ich bin,
    und würde niemals der werden,
    der ich sein will.

    www.mathiaskrispinbucher.com


    Susanne Moldaschl (Musiklehrerin, Sängerin, begeisterte Ö1 Hörerin und Jazzfan)

    Die Einsparungen oder Einstellung von Sendungen ist eine Katastrophe! Dass gespart werden muss, mag sein, aber doch bitte nicht bei einem Kultursender. Es fallen mir auf Anhieb einige entbehrliche Mainstream Formate ein, die niemandem abgingen. (Schon als der Rundfunkchor abgesägt wurde, fand ich das unerträglich.) Wenn wir an der Kunst und Kultur Einsparungen machen, was bleibt dann noch?

    Welche Bedeutung haben die beiden Sender Ö1 und FM4 für mich?

    Ich muss zugeben, FM4 habe ich nie gehört, aber Ö1 höre ich, seit ich denken kann. Die Sprecher*innen sind fast wie Familie für mich. Albert Hosp, Renata Schmidtkunz, (wie fehlt mir Bernhard Trebuch!) Renate Burtscher und viele andere, ich freue mich auf ihre Stimmen und das Wissen, das ich aufsaugen darf. Ein vollkommener Luxus ist das. Die Sendungen sind interessant, zum Teil berührend und immer exzellent gemacht. Wenn irgendjemand den Sender im Auto verstellt, werde ich ganz unleidlich.

    Was verbinde ich mit den Sendereihen ZEIT-TON, Ö1 JAZZ Nacht, Lange Nacht der Neuen Musik, Kunstradio?

    Leider ist mir das Hören in der Nacht nicht immer möglich. Lieber hätte ich mehr Jazzsendungen unter Tags! Doch wenn ich es schaffe, macht mich Andreas Felber zum Beispiel unsagbar glücklich. Ich möchte mir alle CDs kaufen, auf alle Festivals gehen, alles nachhören, wozu es natürlich nicht immer kommt, aber dafür habe ich ja den Sender, der mich entschädigt. Ich bin aufgeschlossen für neue Musik und immer wieder überrascht, wie erfrischend sie ist. Danke, dass es das gibt!

    Wie beurteile ich die bekannt gewordenen Pläne und welche Auswirkungen hätten sie auf mich?

    Wie schon gesagt, ich fürchte mich vor diesen Gerüchten und hoffe, dass sie nicht wahr werden. Wenn wir nicht völlig verblöden wollen, brauchen wir schon mehr als “Brot und Spiele”, nämlich Kultur, Kreativität, Kunst, Diskussionen und das alles auf sehr hohem Niveau, in schönster Sprache! Ohne das wären wir arm-selig! Ich zumindest fände mich beraubt an einem wunderschönen, kostbaren Teil meines Lebens! Ö1 gehört gefördert, nicht zerstört!

    Der Beitrag Statements aus der Musikszene zu den Plänen des ORF bzgl. Ö1 und FM4 erschien zuerst auf mica - music austria.

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    „Wir werfen einfach den Anker und schauen, wie weit wir uns treiben lassen können“ – MORITZ WEISS & IVAN TRENEV (STYRIAN KLEZMORE ORCHESTRA) im mica-Interview https://www.musicaustria.at/wir-werfen-einfach-den-anker-und-schauen-wie-weit-wir-uns-treiben-lassen-koennen-moritz-weiss-ivan-trenev-styrian-klezmore-orchestra-im-mica-interview/ Tue, 08 Nov 2022 07:48:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=98587 Nach ihrer erfolgreichen gemeinsamen Album-Produktion „Klezmer Explosion“ (2021) beschlossen der steirische Klarinettist MORITZ WEISS und der aus Mazedonien stammende Akkordeonist IVAN TRENEV ihre Idee der Verbindung von Klezmer und Balkanmusik auf eine nächsthöhere musikalische Ebene zu heben. Nach dem Motto „aus klein wird groß“ verwandelten die beiden ihre Band in das STYRIAN KLEZMORE ORCHESTRA, welches ... Weiterlesen ...

    Der Beitrag „Wir werfen einfach den Anker und schauen, wie weit wir uns treiben lassen können“ – MORITZ WEISS & IVAN TRENEV (STYRIAN KLEZMORE ORCHESTRA) im mica-Interview erschien zuerst auf mica - music austria.

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    Nach ihrer erfolgreichen gemeinsamen Album-Produktion „Klezmer Explosion“ (2021) beschlossen der steirische Klarinettist MORITZ WEISS und der aus Mazedonien stammende Akkordeonist IVAN TRENEV ihre Idee der Verbindung von Klezmer und Balkanmusik auf eine nächsthöhere musikalische Ebene zu heben. Nach dem Motto „aus klein wird groß“ verwandelten die beiden ihre Band in das STYRIAN KLEZMORE ORCHESTRA, welches sich in variabler Besetzung mit dem Thema Klezmer mit der Schwerpunktsetzung Ost- und Südosteuropa auseinandersetzen soll. In welch musikalisch vielfältiger Art und Weise das passiert, zeigt das Mitte November erscheinende Debütalbum des STYRIAN KLEZMORE ORCHESTRA. Im Interview mit Michael Ternai erzählten IVAN TRENEV und MORITZ WEISS über die Entstehung ihres Projekts, das Besondere an der Verbindung von Klezmer und Balkanmusik und ihr ungewöhnliches Marketingkonzept.

    Ihr beide habt das Styrian Klezmore Orchestra gegründet. Woraus geht es hervor? Kann man sagen, dass das Orchester eine Art Weiterführung des Moritz Weiß Klezmer Trios ist? Oder handelt es sich hierbei um etwas komplett Neues?

    Moritz Weiß: Jein. Natürlich entsteht ein Projekt immer aus einem anderen. Zumindest zieht sich diese Linie bei den Sachen, die wir machen, stark durch. So ist das Styrian Klezmore Orchestra natürlich stark geprägt von dem, was ich mit dem Trio bzw. auch mit dem Duo gemeinsam mit Ivan mache. Ivan seinerseits bringt wiederum seine eigenen Sachen mit in das Projekt ein. So gesehen entwickeln sich die Dinge Schritt für Schritt.
    Und ergibt ein schönes rundes Bild. Ich habe zuerst mit dem Trio gespielt, dann folgte das Duo mit Ivan, und schließlich realisierten wir die Produktion „Klezmer Explosion“, an der schon mehr Leute beteiligt waren. Diese Produktion war es auch, die uns darüber nachdenken ließ, den Verein Styrian Klezmore zu gründen, der als Plattform für Musiker:innen fungieren soll, die bei uns in der einen oder anderen Form andocken und mitmachen wollen.

    Musikalisch war aufgrund von Ivan und mir klar, dass das Orchester sehr breit aufgestellt sein wird. Ich selber komme ja stark aus dem Klezmer-Bereich. Ivan wiederum bringt als Mazedonier stark eine Balkanfacette mit ein. Das sind im Grunde auch die zwei Wege, die in unserem Orchester zusammenfinden und gemeinsam die Richtung zu etwas Neuem einschlagen. So wie ein Fluss, der sich seinen Lauf durch die verschiedensten Regionen bahnt und von unterschiedlichen Quellen gespeist wird.

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    Es geht also darum, die Tradition des Klezmers und die der Balkanmusik in all ihren Facetten auszuleben.

    Ivan Trenev: Obwohl wir Klezmer und Balkan thematisch trennen, haben die beiden Musikrichtungen viele Berührungspunkte. Musikrichtungen sind über die Zeit ja nie am selben Ort verharrt. Sie sind herumgewandert und haben so auch immer wieder anderen Musikkulturen beeinflusst, wodurch sich die Tradition und Kultur auch weiterentwickelt haben. Und so verhält es sich auch bei unserem Orchester. In unserer Musik verbinden sich die verschiedenen Musikrichtungen des Balkans mit dem Klezmer, wodurch es auch schwer ist, sie konkret dem einen oder dem anderen zuzuordnen. Ich denke, bei uns entsteht etwas Neues, eine Mischung, die nicht eindeutig kategorisierbar ist. Wobei wir schon immer versuchen, etwas fundierter darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem einen Stück um Klezmer handelt und bei einem anderem um Balkanmusik.

    Moritz Weiß: Mir gefällt diesbezüglich die vorher verwendete Metapher mit einem Fluss ganz gut. Wir schauen uns an, wie sieht zum Beispiel die Donau aus, bevor sie an der Küste in Rumänien als breiter Fluss ins Schwarze Meer mündet. Und da ist schon alles dabei. Der Klezmer, die Balkanmusik, die ganze Yiddish Theater Tradition und viele andere Dinge. Das ist ein wirklich breiter Strom und wir sehen uns an, woher die einzelnen Quellen stammen, um sie später wieder als Ganzes zu sehen.

    Was wir in dieser Produktion jetzt manchen, ist, dass wir uns den Fluss anschauen und einfach einmal ein paar hundert Kilometer stromaufwärts reisen, um zu sehen, welche Abzweigung wir zum Beispiel in Regensburg vorfinden. Oder in Linz. Wir haben in unserem Programm ja auch ein Kreisler-Lied. Natürlich fragt man sich da im ersten Moment, wie sich das ausgeht. Reist man aber die Donau wieder ein paar hundert Kilometer hinunter nach Wien, sieht man, dass er aus dem dortigen jüdischen Milieu stammt, das wiederum von Osteuropa beeinflusst wurde. Da kann man viele spannende Verbindungslinien ziehen.

    Wir sind zwei junge Musiker, die sagen, wir machen Balkanmusik und Klezmer. Und unser Konzept für das Orchester ist, einen möglichst breiten musikalischen Kosmos abzustecken. Gerade bei dieser Produktion war die Idee, zu schauen, was es alles gibt, und was alles bei uns hineinpasst. Darum geht es von Kreisler und den Barry Sisters über rumänische und mazedonische Stücke bis hin zu Bearbeitungen von einer Komposition von David Orlowsky, der der aus der deutschen Klezmer-Szene stammt, die wiederum eine ganz eigene Geschichte mit sich bringt.

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    Das heißt, ihr versucht eine historische Landkarte des Klezmers und der Balkanmusik zu zeichnen.

    Moritz Weiß: Das ist irgendwie die Idee dahinter, ja.

    Klezmer und Balkan sind, wie du jetzt beschrieben hast, stilistisch sehr vielfältige Musikformen. Zudem unterscheiden sie sich doch hörbar voneinander. Was ist aber das Element, das beide Welten zueinanderfinden lässt?

    Ivan Trenev: Eine ähnliche Frage stellten wir uns auch bei unserem Duo-AlbumKlezTango And Beyond“. Was haben Klezmer und Tango gemeinsam? Warum passen diese beiden Stile so gut zueinander? Diese Fragen lassen sich auch auf unser Orchester-Album übertragen. Ich denke, es sind das Feuer und das Temperament, das man spürt, und wie die Leute die Musik eigentlich erleben. Wir haben vor kurzem bei einer jüdischen Hochzeit gespielt. Mit dem Konzert begonnen haben wir um fünf am Nachmittag. Und schon von der ersten Sekunde an haben alle getanzt. Es war eine riesige Party. Wie ich das gesehen habe, musste ich sofort an die Hochzeiten in Mazedonien denken. Ich dachte mir, die Leute hier erleben die Musik genauso wie meine Freunde und Verwandten in Mazedonien. Ich glaube, dass es genau diese Eigenheit ist, die hier eine Brücke zwischen den Musikrichtungen schlägt und diese verbindet.

    Bild Ivan Trenev & Moritz Weiss
    Ivan Trenev & Moritz Weiss (c) Reithofer Media

    Auf der anderen Seite versuchen wir nicht nur das Traditionelle vorzustellen, sondern wollen herausfinden, was da noch alles geht. Daher finden sich im Styrian Klezmore Orchestra auch Leute mit unterschiedlichstem musikalischem Background zusammen. Da kommen Leute aus der Klassik, aus dem Jazz oder aus ganz anderen Ecken. Und jede und jeder bringt etwas anderes in das Orchester mit ein. Was wir alle gemeinsam haben, ist diese Offenheit im Umgang mit der Musik. Wir bringen alle etwas mit und versuchen, diese Traditionen, diese Kultur, diese Musik zu bereichern auf eine gewisse Art und Weise.

    Moritz Weiß: Wir werfen, glaube ich, einfach den Anker irgendwo hin und schauen, wie weit wir uns treiben lassen können und wie lang das Seil zum Anker wird. Wobei man schon sagen muss, dass der Kosmos eigentlich recht klar mit Ost- und Südost-Europa definiert ist. Und da spielt die spezielle Tonalität wie auch das Temperament eine große Rolle. Es ist hauptsächlich Musik, die ursprünglich zum Tanzen und Feiern da ist, in den letzten Jahrzehnten aber auch im Konzertwesen eine ganz neue Bedeutung bekommen hat. Siehe David Orlowsky oder Giora Feidman. Uns ist es ganz wichtig, in unserer Arbeit auch diese Entwicklungen abzubilden.

    Ein Projekt, das, glaube ich, ganz gut zeigt, wie weit wir uns treiben lassen können, ist jenes mit Maiden UniteD. Das ist eine niederländische Folkband, die sich auf das Covern von Iron Maiden-Songs spezialisiert hat und die immer wieder Bands aus anderen Folkrichtungen dazu einlädt, gemeinsam Songs dieser legendären Heavy-Metal-Band zu bearbeiten. Wir wurden gefragt, ob wir nicht vielleicht Lust hätten, ein paar Nummern der Band ins Jiddische zu übersetzten. Was wir dann auch im Rahmen der internationalen Musikdialoge des BMEIA getan haben. Und ich denke, dass uns das auf eine sehr schöne Art gelungen ist. Auf jeden Fall zeigt diese Kooperation, was alles möglich ist.

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    Wie ihr schon erwähnt habt, ist das Orchester ein bunt zusammengemischtes. Gibt es für euch ein bestimmtes Kriterium in der Auswahl der Musiker:innen für euer Orchester? Und welche Funktion erfüllt überhaut der von euch gegründete Verein diesbezüglich.

    Ivan Trenev: Wir verstehen das Styrian Klezmore Orchestra als eine Plattform für professionelle Musiker:innen. Demgegenüber steht der Verein Styrian Klezmore, der gemeinnützig ist und allen offensteht, die Interesse an dem haben, was wir machen. Zur Auswahl lässt sich sagen, dass es uns schon darum geht, dass sich die Leute wohlfühlen. Und das, glaube ich, ist dann gewährleistet, wenn sie mit der Materie etwas anfangen können. Dann können sie auch mit der ganzen Seele dabei sein. Das brauchen wir und das braucht das Projekt. Und ich denke, man merkt eh schnell, wenn es einmal nicht passt.

    Moritz Weiß: Es sollten schon Musiker:innen dabei sein, mit denen unsere ganze Geschichte auch funktioniert. Ein weiteres Motiv für uns, das Orchester gerade so aufzustellen, ist auch, dass wir auch versuchen, Orchesterarbeit einmal anders zu denken, ein wenig in Richtung kollektivistische Arbeit. Wie kann man den Rahmen eben flexibler und spontaner machen als bei herkömmliche Orchesterkonzepten. In gewisser Weise kann man sagen, dass das Orchester als Herzstück in den Verein eingebettet ist. Styrian Klezmore macht Veranstaltungen und organisiert Workshops, zu denen alle willkommen sind, die Interesse an dem haben, was wir tun.

    Bild Styrian Klezmore Orchestra
    Styrian Klezmore Orchestra (c) Reithofer Media

    Ist es ausschließlich fremdes Material, dass ihr bearbeitet, oder finden sich im Programm auch eigene Kompositionen?

    Moritz Weiß: Es ist schon so, dass wir Kompositionen anderer oder traditionelle Stücke hernehmen und neu bearbeiten. Aber es findet sich auch eine Komposition von Ivan auf dem Album. Es geht vor allem ums Arrangieren, das aber schon im Kollektiv passiert. Ich würde sagen, dass wir zwei einen gewissen Rahmen vorgeben. Der Rest passiert via Work in Progress. Dazu braucht man natürlich eine gewisse Offenheit und Flexibilität von Seiten der Musiker:innen. Es ist schon auch vorgekommen, dass sich der eine oder andere nach der ersten Probe auch wieder verabschiedet hat, vielleicht weil ihm das Ganze dann doch etwas zu offen ist. Mittlerweile hat sich aber dennoch eine Art Fixbesetzung herauskristallisiert.

    Ihr seid ein relativ großes Orchester. Ist es da heutzutage nicht schwer, regelmäßig live zu spielen?

    Ivan Trenev: Wir sehen das ganz pragmatisch. Wir haben verschiedene Programme, die wir in unterschiedlichen Konstellationen spielen können. In kleinen wie auch größeren Besetzungen, je nachdem, was gerade in diesem Moment Sinn macht. Wir sind diesbezüglich also sehr flexibel, was es uns auch ermöglichen sollte, mehrere Gigs aufzustellen, auch wenn es am größeren Budget fehlt.

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    Moritz Weiß: Es geht auch darum, dass die Leute spielen. Es reicht nicht, wenn wir nur ein Konzert im Jahr machen. Gerade mit der kleineren Street-Besetzung hat sich in dem Jahr 2022 schon einiges ergeben. Um ein wenig auszuholen. Wir haben ja eine Street-Tour in Österreich und Deutschland gespielt. Quasi als PR-Kick-Off-Event für das Orchester. Wir wollten zeigen, dass wir nicht bloß ein Programm haben, sondern, dass wir uns in vielen Facetten präsentieren können. Und eine dieser Facetten ist eben diese Brass-Besetzung, unser Street-Schwerpunkt. Sie ist laut, sie macht Stimmung, sie gast einfach an. Durch solche unterschiedlichen Programme versuchen wir uns langsam vorzutasten, bis wir dann eben auch als großes Orchester wahrgenommen werden.

    Ivan Trenev: Wir haben auch noch unsere Chamber-Besetzung. Und die passt perfekt in Konzertsäle. Ich denke, dass wir mit der Street-Besetzung auf der einen Seite und der Chamber-Besetzung auf der anderen zwei Formate haben, die uns einige gute Möglichkeiten eröffnen. Und dann gibt es noch den Vocal-Schwerpunkt, wo es um die Zusammenarbeit mi Sänger:innen geht.

    Ihr denkt ja nicht nur euer Orchester anders, sondern auch die Art eurer Veröffentlichung, bei der das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt.

    Moritz Weiß: Wir haben das ganze Projekt insgesamt etwas weiter gefasst. Unter dem Titel „The Bigger Picture“. Darunter fallen alle unsere verschiedenen Orchester-Schwerpunkte – Street, Chamber und Vocal – die Videos und eben auch die Album-Produktion, die auch nicht ganz gewöhnlich ist. Die Idee ist, den Menschen schon etwas mitzugeben, auch wenn das Album nur digital vorhanden ist, etwas Haptisches bzw. Praktisches, das sie vielleicht für etwas anders verwenden können. Meine Freundin stellt unter dem Namen „Magda’s Soap Opera“ Bio-Seife her und wir dachten uns, dass wir diesen Umstand in unser Konzept miteinbeziehen könnten. Es war irgendwie naheliegend. So erscheinen vom Album nun 250 Packages eben mit dieser Seife inkl. Downloadkarte am Etikett als Limited Edition.

    Wir versuchen schon auch Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung mitzudenken und in die Arbeit des Orchesters miteinzubeziehen. Wir verwenden für die Hüllen der Packages VHS-Kassettenhüllen, die wir vor der Entsorgung gerettet haben. Einen klassischen Tonträger wird es nicht geben. In den Packages ebenso zu finden sind noch Postkarten, die von der Künstlerin Anna Abl gezeichnet und von der Grafikkünstlerin Madeleine Haiderin das Booklet grafisch eingearbeitet worden sind. Das Ganze ist unter anderem auch als PR-Package gedacht, das wir auch Veranstaltern im In- und Ausland zukommen lassen wollen. Wir hoffen natürlich, dass uns diese Aktion dabei hilft, uns auf dem Livemarkt zu etablieren.

    Herzlichen Dank für das Interview.

    Michael Ternai

    ++++

    Styrian Klezmore Orchestra live
    12. November 2022 im Theater Akzent Wien
    13. November 2022 im Orpheum Graz (Großer Saal) 

    ++++

    Links:
    Styrian Klezmore (Facebook)

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    Michels Musikstammtisch #39 https://www.musicaustria.at/michels-musikstammtisch-39/ Mon, 07 Nov 2022 08:32:54 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=98601 Wo lernt man als Musiker*in die richtigen Leute kennen, die einem weiterhelfen können? Wer sind diejenigen, an die man sich bei der einen oder anderen Frage wenden kann? Wer erklärt einem überhaupt, wie die Dinge in der österreichischen Musikszene eigentlich laufen? Wo findet man Gleichgesinnte für bestimmte Projekte? Eine Möglichkeit, Antworten auf diese oder ähnliche ... Weiterlesen ...

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    Wo lernt man als Musiker*in die richtigen Leute kennen, die einem weiterhelfen können? Wer sind diejenigen, an die man sich bei der einen oder anderen Frage wenden kann? Wer erklärt einem überhaupt, wie die Dinge in der österreichischen Musikszene eigentlich laufen? Wo findet man Gleichgesinnte für bestimmte Projekte? Eine Möglichkeit, Antworten auf diese oder ähnliche Fragen zu erhalten, bietet Michels Musikstammtisch.

    Der von dem ausgewiesenen Musikliebhaber, langjährigen Szenekenner und Head of Booking & Events bei Radio FM4 Michel Attia vor ein paar Jahren ins Leben gerufene und regelmäßig stattfindende Musikstammtisch hat sich mittlerweile als einer der wichtigsten Treffpunkte für die heimische Musikbranche etabliert. Er bietet allen, die hierzulande in der einen oder anderen Funktion musikalisch aktiv und tätig sind, die Gelegenheit, sich in einem ungezwungenen Rahmen kennenzulernen, auszutauschen und Netzwerksarbeit zu betreiben.

    Michels Musikstammtisch steht offen für Musiker*innen, Labelbetreiber*innen, Veranstalter*innen, Produzent*innen, Manager*innen, Booker*innen, Veranstalter*innen, Verleger*innen und Journalist*innen. Auch ist er nicht nur auf eine Szene beschränkt, sondern richtet sich genauso an Popkünstler*innen wie auch an Leute aus anderen Bereichen wie Indie, Hip-Hop, Jazz und Metal.

    Informationen über Michels Musikstammtisch findet man in der gleichnamigen Facebookgruppe. Der nächste Musikstammtisch, der dieses Mal von der Wirtschaftsagentur Wien unterstützt wird, findet am Donnerstag den 1.12. ab 18.00 Uhr im WUK (Währinger Straße 59, 1090 Wien) statt.

    ++++https://www.facebook.com/groups/michelsmusikstammtisch/
    Michel Attia (Instagram)
    Michels Musikstammtisch (Instagram)

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    STERZINGER V – „Leise im Kreise“ https://www.musicaustria.at/sterzinger-v-leise-im-kreise/ Fri, 28 Oct 2022 07:15:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=98280 Die österreichische Dichterin, Essayistin und engagierte Feministin Elfriede Gerstl, die als jüdisches Kind die Zeit des Nationalsozialismus überlebte, in dem sie sich mit ihrer Mutter jahrelang im Wiener Untergrund versteckte, wäre 2022 90 Jahre alt geworden. Texte und Gedichte von ihr nahm sich nun STEFAN STERZINGER, ein Bewunderer von ihr, her, um sie einer musikalischen ... Weiterlesen ...

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    Die österreichische Dichterin, Essayistin und engagierte Feministin Elfriede Gerstl, die als jüdisches Kind die Zeit des Nationalsozialismus überlebte, in dem sie sich mit ihrer Mutter jahrelang im Wiener Untergrund versteckte, wäre 2022 90 Jahre alt geworden. Texte und Gedichte von ihr nahm sich nun STEFAN STERZINGER, ein Bewunderer von ihr, her, um sie einer musikalischen Bearbeitung zu unterziehen. Und wie man es von dem Wiener Sänger, Akkordeonisten und Komponisten gewohnt ist, tut er auf seine ganz eigene Art und Weise: eigenwillig und fern jeder Konvention, immer etwas schräg und musikalisch hochgradig aufregend. Zu hören gibt es die Lieder auf dem eben erschienenen Album „Leise im Kreise(Bayla Records/Galileo Music).

    Man kann von Stefan Sterzinger, einem der prägendsten Persönlichkeiten der Wiener Musikszene in den vergangenen Jahren, eines definitiv sagen, er ist ein Künstler mit ganz eigenen Vorstellungen und einer wirklich eigenen musikalischen Sprache. Man erkennt die rauchige Stimme, den Stil, den Klang der Nummern, wie auch den ironisch-kritischen Unterton des wortgewandten Liedermachers auch mit verbundenen Augen. Und so verhält es sich auch auf diesem neuen, der Dichterin Elfriede Gerstl gewidmeten Album „Leise im Kreise“.

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    Stefan Sterzinger, der sich mit Gerald Preinfalk (Bassklarinette, Sopransaxofon), Edi Koehldorfer (Gitarre), Franz Schaden (Bassgeige) und Jörg Mikula (Schlagzeug) eine wirklich wunderbare Band um sich geschart hat, schlägt einmal mehr seine unverkennbar eigene musikalische Note an, jene, die auf aufregende Weise zwischen den stilistischen Stühlen Platz nimmt und spannende Akzente abseits des Gewöhnlichen setzt. Der Wiener nähert sich Elfriede Gerstls Texten – wie auch solchen von Konrad Bayer und eigenen – mit gewohnter musikalischer Offenheit an. Jazz und Rock ´n Roll treffen auf Einflüsse aus der traditionellen Wiener Musik, dem Chanson, Kunstlied und Tango und sogar da und dort auf Klangexperimente der Neuen Musik. dazu ein wenig punkige Attitüde und fertig ist ein zugegeben nicht unbedingt alltäglicher Mix, der aber vortrefflich funktioniert und auch bestens zu unterhalten weiß.

    Stefan Sterzinger zeigt sich auf „Leise im Kreise“ einmal mehr als ein Künstler, der es blendend versteht, sich immer wieder neu zu erfinden. Es ist jedes Mal immer ein wenig etwas anderes, das man von ihm präsentiert bekommt. Und das ist das Besondere an jedem neuen Album von ihm.

    Michael Ternai

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    Stefan Sterzinger
    Stefan Sterzinger (Facebook)
    Galileo Music

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    „Witz in meinen Texten ist mir generell sehr wichtig.“ – KATHARINA HOHENBERGER (WIENER BRUT) im mica-Interview https://www.musicaustria.at/witz-in-meinen-texten-ist-mir-generell-sehr-wichtig-katharina-hohenberger-im-mica-interview/ Thu, 27 Oct 2022 07:04:00 +0000 https://www.musicaustria.at/?p=97982 Auf ihrem mittlerweile vierten Album „Was morgen is“ (non food factory) widmet sich die Formation WIENER BRUT den großen und kleinen Geschichten des Lebens. Es geht um Liebe, Tod und andere einschneidende und prägende Erlebnisse, mit denen sich die Menschen auseinandersetzen müssen. Wie immer spielt bei KATHARINA HOHENBERGER und ihrer Combo bei der Aufarbeitung der ... Weiterlesen ...

    Der Beitrag „Witz in meinen Texten ist mir generell sehr wichtig.“ – KATHARINA HOHENBERGER (WIENER BRUT) im mica-Interview erschien zuerst auf mica - music austria.

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    Auf ihrem mittlerweile vierten Album „Was morgen is“ (non food factory) widmet sich die Formation WIENER BRUT den großen und kleinen Geschichten des Lebens. Es geht um Liebe, Tod und andere einschneidende und prägende Erlebnisse, mit denen sich die Menschen auseinandersetzen müssen. Wie immer spielt bei KATHARINA HOHENBERGER und ihrer Combo bei der Aufarbeitung der Dinge, die in einer kunstvollen musikalischen Verbindung von Wienerlied, Jazz, Chanson und Pop passiert, immer auch Humor eine große Rolle. Im Interview mit Michael Ternai erzählt die Sängerin und Musikerin KATHARINA HOHENBERGER über die stilistische Breite des WIENER-BRUT-Sounds, die Wichtigkeit von Witz in ihren Texten und ihre Gabe, Leute zusammenzubringen.

    Wiener Brut hat ja damals noch mit deinem Vater als echte Wienerlied-Combo begonnen. Mittlerweile geht die Musik der Band aber über die reine Interpretation des Wienerlieds aber hinaus.

    Katharina Hohenberger: Mit der Entscheidung meines Vaters, sich aus der Band zurückzuziehen, war es notwendig geworden, die Band neu aufzustellen und zu besetzen. Gott sei Dank kannte ich Johannes Münzner damals schon. Er spielte schon bei meinem Vater da und dort Mal Akkordeon. Ich fragte ihn einfach, ob er nicht vielleicht auch bei mir spielen will. Er hat zugesagt, was sich heute als ein echter Glücksfall herausstellt, weil wir beide wirklich sehr gut miteinander harmonieren. Bei Bernhard Osanna, unserem Kontrabassisten, war es ein wenig ähnlich. Auch er hat davor schon ein paar Mal mit meinem Vater zusammengespielt. Schließlich ist dann noch Jürgen Groiss hinzugekommen. Der streicht seitdem bei uns die Snare-Drum. Diese ganze Umbesetzung fand, glaube ich, so 2018 statt. Mit ihr veränderte sich klarerweise auch der musikalische Fokus ein wenig.

    Musikalisch zeigt sich das Album sehr abwechslungsreich und vielschichtig. Es bewegt sich in viele verschiedene Richtungen. Ist diese stilistische Breite bewusst gewählt, oder einfach passiert?

    Katharina Hohenberger: Die Lieder entstehen bei mir in der Regel aus Alltagssituation bzw. aus Dingen, die mich gerade beschäftigen, heraus. Dass das Album musikalisch so abwechslungsreich ist, kommt wahrscheinlich daher, dass ich mir schon viele Gedanken darüber mache, welche Melodien wirklich am besten zu meinen Geschichten passen und über welches Genre meine Texte am besten transportiert werden. Da ich aus dem Jazz komme, ist es natürlich klar, dass von diesem auch etwas in meinen Liedern drinnen ist. Gleichzeitig auch das Wienerlied, das ist schließlich die Tradition, mit der ich groß geworden bin. Eine Rolle spielt auch das Bukowina-Chanson, bei dem eher der Text im Vordergrund steht und nicht so sehr die Melodie. Generell würde ich sagen, dass unsere Musik, die wir jetzt machen, schwer in eine einzelne Schublade passt.

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    Wieweit spielt Austropop bei euch eine Rolle? Ein gewisser Einfluss ist da nicht von der Hand zu weisen.

    Katharina Hohenberger: Natürlich spielt auch der eine gewisse Rolle. Ich war als Kind ein großer Rainhard-Fendrich-Fan. Das ist zwar jetzt nicht mehr so, aber die alten Platten von ihm finde ich immer noch gut. Georg Danzer liebe ich auch. Manchmal singe ich auch Lieder von ihm. Das sind mit Sicherheit Sachen, die mich schon geprägt haben. Einzig von Wolfgang Ambros war ich nie wirklich ein Fan, auch wenn mir ein paar Lieder von ihm schon gefallen. Von den österreichischen Damen war Birgit Denk eine der ersten, die ich bewusst wahrgenommen habe. Jemand, der mich sehr geprägt hat, war die mittlerweile leider verstorbene Jazzsängerin und Komponistin Conny Giese, bei der ich gelernt habe. Sie hat nie probiert, mich in eine Schublade zu stecken, sondern hat gesagt, dass ich in die Richtung gehen soll, wo ich mich wohlfühle.

    „Mit dem Text kommt dann in der Regel die Melodie.“

    Die Lieder des Albums sind in den letzten beiden Jahren entstanden. War ein Album von Anfang an ein bewusstes Ziel?

    Katharina Hohenberger: Dass ich mich jetzt bewusst hingesetzt und gesagt habe, dass ich jetzt ein Album mache, würde ich jetzt nicht sagen. Die Lieder sind im Laufe der Zeit entstanden. Die meisten während der zwei Jahre Pandemie. Wenn ich aber das Gefühl habe, ich könnte etwas schreiben, setze ich mich schon sehr bewusst hin. Und da suche ich mir zunächst ein passendes Thema, zu dem ich dann einen Text verfasse. Mit dem Text kommt dann in der Regel die Melodie.

    Der Text gibt also die musikalische Richtung vor.

    Katharina Hohenberger: Jein. Der Text bringt mich hin zu einer Melodie. Das Endarrangement eines Liedes passiert dann aber schon in der Gruppe. Meine Mitmusiker sind schon sehr gut darin, dem Ganzen die passende Richtung zu geben. Sie wissen, wo zum Beispiel ein Akkordeon in den Vordergrund treten soll, damit ein Lied wirklich funktioniert. Ich bin den Ideen der anderen gegenüber sehr offen. Da gibt es keine Vorgaben von mir.

    Bild Wiener brut
    Bild (c) Wiener Brut

    Siehst du dich eigentlich eher als Texterin, die Musik macht, oder als Musikerin, die Texte schreibt.

    Katharina Hohenberger: Das ist nicht so leicht zu beantworten. Früher hätte ich gesagt, dass ich einer Musikerin näher bin. Heute würde ich sagen, dass ich eher eine Texterin bin, die Musik macht. Ganz allein schon aus dem Grund, weil mir die Texte sehr wichtig sind.

    „Ich will mit dem Lied die Leute, die von all den Ereignissen etwas gelähmt sind, ein wenig wachrütteln.“

    Was deine Texte ausmacht ist, dass sie immer auch ein Augenzwinkern mit dabei ist. Auch wenn die Thematik manchmal keine unernste ist. „Coronicals“ zum Beispiel ist eine recht humorvolle Aufarbeitung des Themas Corona.

    Katharina Hohenberger: Witz in meinen Texten ist mir generell sehr wichtig. Und Corona hat sich auch gut als Thema angeboten. Die Pandemie und ihre Auswirkungen waren ja nicht enden wollend und haben die Menschen natürlich mehr und mehr belastet. Ich wollte aus der Situation aber trotzdem irgendwie einen Witz herausholen. So nach dem Motto: Es ist im Moment zwar nicht ganz einfach, aber auch nicht so schlimm. Ich habe bei „Coronicals“ einfach versucht, aus dem Lustigen heraus zu texten.

    Cover Was morgen is
    Cover “Was morgen is”

    Zu dem Lied „A Achtl“ ist es gekommen, weil mir aufgefallen ist, dass wir als eine dem Wienerlied zugeneigte Combo bislang noch kein Lied über den Tod haben. Ich dachte mir, dass es Zeit ist, dies zu ändern. Mir ist die Idee gekommen, über berühmte Persönlichkeiten zu schreiben, die auf skurrile Weise zu Tode gekommen sind. Auch „Was morgen is“, der Titel des Albums, stammt aus diesem Lied. Ich finde, dass nach all diesen Jahren und im Angesicht der Zeit, in der wir jetzt leben und wir nicht wirklich wissen, wie es weitergeht, wir uns dennoch nicht vor der Zukunft fürchten sollten, sondern versuchen sollten, mutig zu bleiben. Ich will mit dem Lied die Leute, die von all den Ereignissen etwas gelähmt sind, ein wenig wachrütteln.

    Es sind aber auch sehr persönliche Lieder auf dem Album zu finden. Wie etwa „Abflug“. In dem geht es um Kinder, die größer werden. Das habe ich für meine beiden Töchter geschrieben. Das ist wirklich ein ganz persönliches Lied, weil ich auch in meinem Umfeld merke, wie schwer es manchen fällt, ihre Kinder ziehen zu lassen. Aber man muss die Kinder fliegen lassen.

    Das spricht alles für eine positive Grundeinstellung von dir.

    Katharina Hohenberger: Ja, ich denke schon positiv und bringe auch gern Leute zusammen. Man hat mir auch einmal gesagt, ich solle doch eine Wirtin werden, aber das ist nichts für mich [lacht]. Aber wir veranstalten viele Feste. Wir sind so eine Art Ort, an dem viele zusammenkommen.Ich glaube, das ist eine Gabe, die ich habe. Auch wenn es manchmal vielleicht etwas stressig ist, es ist immer etwas Besonderes, diese Begegnungen geben mir die Kraft weiterzumachen.

    Du hast vorher kurz einmal Birgit Denke erwähnt. Sie war mit eine der ersten, die den deutschsprachigen Dialekt im Pop wieder salonfähig gemacht hat. Aber viel später wart ihr mit Wiener Brut auch nicht dran. Wenn man die Akzeptanz der Wiener Dialektmusik heute ansieht, da hat sich in der letzten Dekade schon sehr, sehr viel getan.

    Katharina Hohenberger: Ja, da ist man früher schon auch mal schief angeschaut worden. Aber das hat sich mittlerweile wirklich geändert. Ich mache mit Einedrahn ja auch eine Konzertreihe eben mit dem Fokus auf Musik aus Wien. Als ich etwa vor etwa sieben Jahren mit dieser begonnen habe, war ich eine der wenigen, die monatlich etwas gemacht hat. Da hat sich veranstaltungstechnisch irrsinnig viel getan. Es gibt heute viel, viel mehr Bands, die in Mundart singen.

    Ich selber habe viel von der Dialekt- und Mundartmusik über meinen Vater, der diesbezüglich wiederum von seinem Vater geprägt war, mitbekommen. Gesungen habe ich in die Richtung aber lange nicht. Erst als ich etwas älter war, begann ich mich dafür zu begeistern. Vielleicht muss man auch etwas älter sein, um die Musik und die Texte verstehen zu können. Mit 17 oder 18 findet man, glaube ich, die Texte und deren Wortwitz noch gar nicht so lustig. Ich habe erst so mit 25, 26 richtig Zugang gefunden, weil ich auch gemerkt habe, dass sich die Musik auch schauspielerisch auf der Bühne sehr gut darstellen lässt. Da ich auch vom Schauspiel komme, war das eine gmahde Wiesn für mich.

    Herzlichen Dank für das Interview.

    Michael Ternai

    ++++

    Links:
    Wiener Brut
    Wiener Brut (Facebook)
    Katharina Hohenberger

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