Glatt&Verkehrt: Alm-Trilogie

Ganz im Zeichen der Bearbeitung von Musik aus dem Alpenraum steht der Konzertabend am 18. Juli im Arkadenhof des Klangraum Krems. Im Rahmen des diesjährigen Glatt&Verkehrt Festivals präsentieren das Ensemble Quadratsch, Gitarrist Karl Ritter und Hammerling mit Michaela Dietl den BesucherInnen in einer “Alm-Trilogie” die Vielfalt der alpinen und alpenländischen Musiktraditionen.

Eröffnet wird der Konzertabend von dem Ensemble Quadratsch, das in seiner musikalischen Darbietung dem Publikum die “Stubenmusik der Zukunft” näher zu bringen will. In der typischen alpenländischen Stubenmusikbesetzung versuchen sich Florian Kmet, Christof Dienz, Alexandra Dienz und Gunter Schneider daran, diese Musiktradition in neuer und aktueller Form entstehen zu lassen. Wer die MusikerInnen von anderen Projekten her kennt, der weiß, dass die Vier es keinesfalls bei einer einfachen Neuinterpretation belassen. Vielmehr zerlegen sie die traditionellen Stücke in ihre Einzelteile und führen sie in stark veränderter Form wieder zusammen. Dabei spielen natürlich auch die Vorlieben der Protagonisten für Avantgarde und Klassik, Jazz, Ethno eine große Rolle.

 

Anschließend unterstreicht Karl Ritter einmal mehr, wieso er zu den herausragenden Gitarristen des Landes zählt. Ritter bedarf keines großen Ensembles, um die Bühne mit Leben zu erfüllen. Er selber ist das Orchester. Sein Spiel ist so mannigfaltig, dass er problemlos in unterschiedlichste Rollen schlüpfen kann und sich dabei nicht übernimmt. Man denke nur an sein Projekt”Weiße Wände” und an die beiden Alben “Red” und “Blue”. Mit seinem aktuellen Soloprogramm “Traumland” tritt der Wiener Gitarrist einmal mehr den Beweis an, dass eine schlichte Akustikgitarre ausreicht, um Klangwelten epischer Größe zu erschaffen. Stilistisch ist Ritter so und so nicht einer bestimmten Kategorie festzumachen. Egal ob Jazz, Klassik oder Improvisation, alles kumuliert in diesem einen für den Musiker so typischen Stil.

 

Ein Konzert des Duos Fritz Moßhammer und Erwin Rehling erfordert vom Publikum Aufmerksamkeit und die Bereitschaft sich mit Materie auseinandersetzen zu wollen. Erfüllt man diese Voraussetzungen und gibt sich der Musik ganz ohne Scheuklappen hin, eröffnet sich ein facettenreicher Hörgenuss, der in dieser Form wohl selten anzutreffen ist. Eine Zuordnung des Stils zu einem bestimmten Genre wird durch die unterschiedliche Herangehensweise der Protagonisten erschwert. So bespielt Erwin Rehling sein Schlagzeug in bester Jazzmanier, macht sich aber auch diverse andere Schlaginstrumente zu Nutze und erhöht dadurch das Überraschungsmoment der einzelnen Kompositionen. Fritz Moßhammer dagegen erzeugt mit teils exotisch anmutenden Blasinstrumenten Klanglandschaften, wie man sie sonst nur aus der Elektronischen Musik kennt. Dem Duo gelingt das seltene Kunststück, traditionelle und folkloristische Musik, frei von jeglichem Klischee, in Szene zu setzen. Mit der Akkordeonistin und Sängerin Michaela Dietl haben sich die beiden Musiker nun eine Mitstreiterin an Bord geholt, die durch ihr Spiel, die ohnehin schon weit reichende  Klanglandschaft noch einmal veredelt und erweitert. Das Programm “Zug” passt somit ein keine vorgefertigte Schublade, strotzt aber dennoch, oder gerade deswegen, mit einer ungeheuren Spielfreude und einer unnachahmlichen Offenheit Experimenten gegenüber. (mt)