GHOST CAPSULES – "Esfera"

2011 trafen sich vier ProtagonistInnen dreier Nationen in Wien, beschlossen dem Schicksal der Begegnung zu vertrauen und sich als GHOST CAPSULES an ihr Debutalbum zu wagen. Veröffentlicht wurde 2013 auf ihrem selbstgegründeten Label “O*Solo Recordings”. Ein Jahr später wurde „Esfera“ nachgelegt.

Die Band bestehend aus Sängerin Laura Gomez (Spanien), Produzent Tim Simenon (Großbritannien), Schlagzeuger Roman Lugmayr und Keyboarder Gregor Lichtenauer (beide Österreich) bezeichnet ihr Werk als “Melodie Techno”. Definiert man Techno als Synonym elektronischer Tanzmusik, als Sammelbezeichnung diverser Genres, dann lässt sich das durchaus nachvollziehen und argumentieren. Wenngleich der gebrochene Beat auf ihrem neuen Album “Esfera” bevorzugt Verwendung findet.

“We must stand up for what we like”

Doch erst mal der Reihe bzw. der Playlist nach. Gemeinsam mit dem Opener “It’s Getting Late” erfährt man Laura Gomez weichen, fast zärtlich den Raum verhallendem Gesang, der den Zuhörenden umgarnend die flächigen Instrumentalstimmen schmückt. Schon im nächsten Track lässt sich die Vielfältigkeit sinnlich erleben. “Army Of My Head” saugt die Zuhörenden mit stockenden Schlägen, flirrenden Synthiklängen, verzerrten Stimmfetzen und einem wummernden Subbass in die Sphären der tiefgründigen, textlich ausgeklügelten Verständnisebene einer Band, die sich in einer düsteren Klangwelt versteckt hat. “What Keeps Us Alive” präsentiert die nächste Gangart. In erneut gebrochener Rhythmik, aber beschleunigtem Tempo treibt das Viergespann die Lebendigkeit vor sich her. “Forget (We’Re All Dust)” knüpft an diesen kurzen Wirbelwind an, um von “Blue Hour” besänftigt zu werden. In sprachlicher Anlehnung an die frühen Morgen- oder späten Abendstunden versteckt sich das optische Phänomen und die Erwartung von Tag und Nacht.

“Someone told me the other night, we must stand up for what we like.” Ideen der Nacht, Illusionen des nächsten Tages. “When the world falls apart, we will have to wake up. Maybe we won’t, maybe we won’t…”. Wie ein lehrreiches Beispiel fasst “Broken Bones” zusammen, was wir bisher gelernt haben. Eine Prise raumfüllende Fläche mit kleinen Akzentuierungen der Instrumentalgruppe, ein Quäntchen Tempo, eine Schuss Hall auf Gomez Gesang, sanfte, teils gestrichene, gebrochene Beats und das kleine Etwas, das bei den wirklich guten Speisen immer Familiengeheimnis bleibt. “Nocturne” reißt uns noch mal aus dem sanften Schlaf, bevor “El Mag” das Album bei der Hand nimmt und hüpfend den Raum verlässt.

Atmosphärische Klangblasen

Nicht mit Zufall hat sich die Formation für “Esfera” entschieden. Der Rezipierende schwebt in der großen Klangblase, deren Atmosphäre mal der vor einem Gewitter gleicht, mal einen lauen Sommerabend herbeiträumen lässt. Diese Aufbruchsstimmung springt dem Zuhörenden bei aller Melancholie und Tiefsinnigkeit ganz leichtfüßig entgegen. Düsternis und Schwermut lassen sich stilistisch in jedes Genre einarbeiten. Den kleinen Schelm, die Lebendigkeit einzubinden, ist die Kunst, der sich Ghost Capsules stellt, um ihr gerecht zu werden.
Lucia Laggner

Fotocredits: Eni Brandner

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