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Georg Friedrich Haas: Das kleine Ich bin ich (UA)

Jeder Mensch ist wertvoll, so wie er ist. Das kleine Ich weiß noch nicht, wer er-sie-es ist. Aber schließlich ist es sonnenklar: „Ich bin ich!“. Der österreichische Komponist GEORG FRIEDRICH HAAS vertont MIRA LOBES Klassiker. Es spielt das KLANGFORUM WIEN. Von den 9 Aufführungen (30.10., 31.10., 1.11.) wird es eine Vorstellung auf Arabisch und eine auf Farsi geben, zu denen abermals Flüchtlingskinder mit ihren Familien eingeladen werden. Eine Produktion von NETZZEIT & WIEN MODERN in Kooperation mit dem DSCHUNGEL WIEN.

Nora und Michael Scheidl über Theater für Kinder im Allgemeinen und „Das kleine Ich“ im Besonderen:

Nach wie vor geschieht viel zu wenig, um Kinder und Jugendliche an Theater und Musik der Gegenwart heranzuführen und Lust an der zeitgemäßen Vielfalt von Ausdrucksformen zu wecken. Ausdrucksformen, die den Heranwachsenden bewusst machen könnten, dass Theater und Musik Medien sind, die etwas mit ihrer Welt, ihren Freuden und Nöten zu tun haben und diesen Gestalt geben können. Wenn wir von der zeitgemäßen Vielfalt reden, dann meinen wir nicht den Umgang mit neuen Medien oder den Umgang mit gerade besonders hippen Songs, die gerade im Moment „in“ sind, sondern den Umstand, dass wir uns einfach viel Zeit nehmen, eine Geschichte, die mit ALLEN Menschen der Welt zu tun hat, zu erzählen. Und das mit einer Musik, die von einem Komponisten geschrieben wurde, der zu den Großen unserer Zeit zählt und einem Text, dessen besondere Kraft ihn zu einem der schönsten Klassiker der Kinderliteratur gemacht hat.

Das Bilderbuch „Das kleine Ich bin ich“ von Mira Lobe und Susi Weigel gilt seit seinem Erscheinen im Jahr 1972 als eine gelungene Hilfe zur Selbstfindung im Kindesalter, beim Erwerb von Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Es ist eine spielerische Parabel einer gelungenen Integration des Selbst eines Menschen in die Gemeinschaft und Kultur seiner Mit-Menschen und umgekehrt. Es handelt sich um ein theatralisches Ritual, das exemplarisch ist für jenen Vorgang, der in der Pubertät oft leider mehr oder weniger schiefgeht, vor allem dann, wenn die betreffende Gemeinschaft ihren eigenen Zusammenhalt mit Angst vor Ausgrenzung im Falle der Nichteinhaltung rigoroser Verhaltens- und Gehorsamsregeln abzusichern versucht.

„Das kleine Ich“ hingegen kann im Finale vom „Heureka!“ seiner gelungenen Integration erzählen:

“So, jetzt weiß ich, wer ich bin!
Kennt ihr mich? ICH BIN ICH!”
Alle Tiere freuen sich, niemand sagt zu ihm: “Nanu?”
Schaf und Ziege, Pferd und Kuh, alle sagen: “Du bist du!”

Die Integration des Ich in die Gemeinschaft, die nur in einer guten Balance zwischen Selbstbehauptung und Anpassung gelingen kann, ist für Heranwachsende eine gewaltige Herausforderung. Um wieviel mehr aber ist sie das für Kinder, die gerade Heimat, Mitmenschen, Freunde, Geschwister, Eltern verlassen mussten oder verloren haben und nun in einer vollkommen fremden Umgebung unter prekären Umständen leben und sich entwickeln müssen.

Daher sind wir sehr froh, dass wir „Das kleine Ich bin ich“ nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch auf Farsi und Arabisch erarbeiten dürfen. Auch diesen Kindern, die eben auch ein wichtiger und bereichernder Teil unserer Gesellschaft von morgen sein werden, möchten wir auf spielerische Weise Mut machen, mit Freude und Neugier täglich die richtige Balance zwischen Anpassung und Selbstbehauptung in dieser neuen Welt zu suchen. Denn wer wird sich vor allem diese ZWEI letzten Fragen „Wo zum Teufel sind wir hier überhaupt“ und „Wohin gehen wir?“ täglich öfter und dringlicher stellen, als jene,  die mit Verlusten zu kämpfen haben,  deren Ausmaß kaum jemand von uns wirklich nachempfinden kann. Wenn wir es schaffen sollten, dass die Antwort auf diese Fragen für unsere ZuschauerInnen ein wenig weniger ängstlich und ein wenig mehr optimistisch ausfällt nach dem Besuch der Vorstellung, dann hätten wir unser wichtigstes Ziel erreicht.

Im Dezember 2015 hat netzzeit, gemeinsam mit dem Roten Kreuz, dem Team Österreich und dem türkischen Restaurantunternehmer Mehmet Koczak, dem vom Roten Kreuz den Humanitätspreis der Heinrich-Treichl-Stiftung für sein Engagement für Flüchtlinge verliehen wurde, die Kinderoper „Camilo Chamäleon“ in einer Neufassung und einer Einleitung auf Arabisch und Farsi, vor Flüchtlingskindern und -eltern aus dem damaligen Flüchtlingsheim Vordere Zollamtstrasse gespielt. Die Vorstellungen haben große Zustimmung, sowohl bei den zugewanderten, wie auch den österreichischen Kindern und Erwachsenen gefunden.

Wir danken WIEN MODERN und dem Dschungel Wien, dass wir durch diese gemeinsame Kraftanstrengung, unsere Theater-und Integrationsarbeit (die mit Max Nagls „Camillo Chamäleon“ begonnen hat) nun mit „Das kleine Ich bin ich“ von Mira Lobe, Susi Weigel und Georg Friedrich Haas fortsetzen können.

Und wir hoffen, dass alle kleinen und auch großen ZuschauerInnen, woher sie auch immer stammen mögen, durch die musikalisch-theatralische Begegnung mit dem „Kleinen Ich“ eine ordentliche Portion Motivation zum lustvollen Austausch mit den Menschen, die sie umgeben, mitbekommen.

 

Das kleine Ich bin ich (UA)
Erzählt von Mira Lobe, komponiert von Georg Friedrich Haas
Eine Produktion von netzzeit & Wien Modern in Kooperation mit dem Dschungel Wien
Musiktheater für Kinder
Ort: Dschungel Wien – Theaterhaus für junges Publikum, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Termine:  30.10.2016 um 10:30 , 14:00 (Farsi) und 16:30 (PREMIERE)
31.10.2016 um 10:30, 14:00 und 16:30
1.11.2016 um 10:30, 14:00 (Arabisch) und 16:30

Links:
WIEN MODERN
Georg Friedrich Haas (mica-Datenbank)