Genre-Mix mit Wiener Charme – BELLE FIN im mica-Porträt

Sie bringen den Wiener Wald in die Stadt zurück: die manchmal als Trio, manchmal als Quintett auftretende Band BELLE FIN erzählt da ihre ganz eigenen G’schichten. Stilistisch lassen sie sich schwer einordnen, sind ihre Lieder doch sehr von der Stimmung der Texte abhängen. So kann bei den drei, oder auch fünf, Burschen Jazz und Chanson ineinandergreifen und dabei mit Pop unterfüttert werden – wie Wien halt auch ist: ein Mix aus allem.

Es begann alles vor über einem Jahrzehnt, als Robin Ullmann (Trompete, voc) und Fabian Bachleitner (Gitarre, voc) anfingen gemeinsam Musik zu machen. Der Arbeitsprozess hat sich, wie die beiden im mica-Interview 2016 erzählen, bereits verinnerlicht: der Gitarrist bringt den Rohstoff, der Trompeter schleift. Die beiden sind die Frontmänner der Band, das Herz und die Seele der Musik die geschrieben wird. Die Frage nach den Jazz-Referenzen in ihrer Musik erübrigt sich sobald man auf den akademischen Werdegang der beiden Wiener schaut – beide haben Jazz am Vienna Music Institute studiert. Vor nunmehr sieben Jahren gründeten die Fabian und Robin die Band Belle Fin – der Bandname ist eine Spielerei mit dem Mädchennamen von Fabians Mutter – um dem Wienerischen einen neuen Schliff zu verpassen. Und was soll man sagen, sie haben das auch geschafft.

G’schichten aus dem Wienerwald mit Twist

Auf der am 21. Februar 2020 erschienen Single „Nasser Asphalt“ zeigt sich schön, was Belle Fin wirklich ausmacht: im Kern stecken sie in der Tradition des Wienerlieds, bauen ihre Geschichten aber metaphorisch auf und spielen musikalisch mit verschiedenen Genres. Denn hin und wieder mischt sich unter den klassischen Wiener Sound ein Hauch Jazz oder Blues, und auch der Gesang hat nicht ganz das typisch Wienerische an sich. Es ist ein ausgeklügelter Mix aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne, der auch irgendwie im Musikvideo reproduziert wird. Der Text und seine oftmals satirisch-romantischen Bedeutungsmöglichkeiten zeigen sich erst, wenn man das dazugehörige Video sieht, das im Übrigen auch ein Spiel mit visuellen Metaphern ist – farblich wie bild-ästhetisch fantastisch ausgearbeitet.

Dass das Trio (oder Quintett) mit den Wienerliedern Erfolg hat ist kein Wunder – das Wienerlied liegt im Trend. So spielten Belle Fin im letzten Jahr im Rahmen der MQ Hofmusik und gegen Ende des Jahres im ORF-Radiokulturhaus, in diesem Jahr zieren sie das Line-Up des Jazz Fest Wien. Das melancholische Spiel mit Vergänglichkeit gepaart mit einem intelligenten Mix aus Genres funktioniert in einer Stadt wie Wien – und bald auch über dessen Grenzen hinaus, Konzerte in Deutschland sind in Aussicht. Der Wiener Charme und G’schichten aus dem Wiener Wald sind also nach wie vor ein Erfolgsrezept – wie sich an Belle Fin zeigt.

Antonia Seierl

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Belle Fin live
23.05. VAZ, Burglengenfeld 
26.05. Hirsch, Nürnberg
28.05. Szene, Salzburg
29.05. Stadthalle, Dingolfing
30.05. Posthof, Linz
25.06. Jazz Fest, Altes Rathaus, Wien

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Belle Fin (Facebook)