GELBGUT – „Irgendwas“

Dass sich das Wiener Zweiergespann GELBGUT musikalisch und vor allem auch soundtechnisch nicht unbedingt am Pop des gewöhnlichen Formats abarbeitet, konnte man schon auf seinem 2014er-Erstlingswerk „Gemma“ auf sehr schöne Art hören. Auf der nun erscheinenden EP „Irgendwas“ setzen PAUL MATYAS und MICHAEL KNOLL, die beiden Köpfe hinter dem Duo-Projekt, ihren eingeschlagenen Weg in konsequenter und erfrischend ungehobelter Manier fort. 

Es gibt sie erfreulicherweise immer wieder: die Popentwürfe, die so rein gar nicht den bekannten Regeln des Pop entsprechen wollen, sondern wirklich einmal mit einer anderen Note daherkommen. Jener von GelbGut ist auf jeden Fall zu diesen zu zählen. Am vielleicht treffendsten lässt sich der von dem Zweiergespann Paul Matyas und Michael Knoll auf seiner EP dargebotene Sound als kompromissloser Elektropunk mit starkem 1980er-Synthiepop-Einschlag und vereinzelten New-Wave-, Neue-Deutsche-Welle- und Rock-Anleihen beschreiben. Und obwohl sich musikalisch das Feld des Duos im ersten Moment vielleicht doch recht eindeutig abgesteckt liest, verhält es sich letzten Endes dann doch ganz anders.

Pop mit lässig-räudiger Note

Die erneut von Oliver Brunbauer produzierten Songs leben vor allem von ihrer Kantigkeit und einer hörbaren Distanz zu dem, was unter dem Begriff „Mainstream“ zusammengefasst wird. An der Stelle, an der sich andere Formationen oftmals dazu verleitet fühlen, im Sound – um es eh jedem recht zu machen – eine doch glattere Linie zu fahren, an genau dieser Stelle verweigern sich Paul Matyas und Michael Knoll jeder austauschbaren Angepasstheit. Auf „Irgendwas“ regieren die musikalische Eigenwilligkeit und der Wunsch, den Rahmen des Pop auf unkonventionelle Art zu sprengen. Die Einstellung und Offenheit der beiden manifestieren in fünf Nummern, die gleichermaßen sehr abwechslungsreich wie auch mit einer wirklich eigenständigen und lässig-räudigen Note aus den Boxen dröhnen.

Die zwei Wiener liefern auf ihrer EP „Irgendwas“ auf wirklich sehr schöne Art den Beweis, dass im Pop noch lange nicht das letzte Wort gesprochen ist. Ja, er kann und darf auch einmal etwas erdiger, ungehobelter und nicht perfekt erklingen. Dem Spaßfaktor tut dies keinen Abbruch. Bleibt zu hoffen, dass man von dieser Combo auch in Zukunft noch so einiges zu hören bekommen wird.

Michael Ternai

Foto GelbGut (c) GelbGut

http://www.gelbgut.com
https://www.facebook.com/GelbGut/?fref=ts