Lausch
Lausch (c) Andreas Jakwerth

GEHEN PROGRESSIV INS OHR – LAUSCH IM MICA-PORTRÄT

LAUSCH haben das, was man braucht, um als Band immer mehr Stufen auf dem Weg zum Rock-Olymp hinter sich zu lassen: eine Stimme mit sowohl Charakter als auch Radiotauglichkeit. Überdies bieten LAUSCH auch gekonntes Songwriting, progressiv-intellektuellen Anspruch und ein Album namens „Glass Bones“ (Panta R&E), das sich in Sachen Produktion im internationalen Vergleich durchaus nicht zu verstecken braucht.

Lausch existieren bereits seit 2005 und bestehen aus dem namensgebenden Alexander Lausch (Gitarre, Gesang), Arnold Zanon (Bass) und Matthias Ledwinka (Schlagzeug). Ein gutes, altes Rock-Trio im klassischen Stil der 70er-Jahre könnte man im ersten Moment meinen – doch Lausch haben in Sachen Sound mehr mit einer anderen Dekade zu tun, nämlich mit den 90ern. Und diese könnten bald schon wieder lange genug Musik-Geschichte sein, um wieder modern zu werden. Irgendwo zwischen Grunge und Alternative Rock, der ja zumindest damals schon gut in Stadien gepasst hat, pendeln die drei Herren mit Wurzeln im Waldviertel zwischen Eingängigkeit und Energie. Die Eingängigkeit geht hauptsächlich von der sehr intensiven und charakterstarken Stimme des Frontmanns aus, während die typische Energie guter Rockmusik durch das druckvolle und zwingende Fundament entsteht, welches gekonnt von der Rhythmussektion gelegt wird. Opulente Refrains treffen auf lässige Rhythmen. Gefragt nach einem Genre, dass den Sound der Band beschreibt, kommt Alexander Lausch nicht ohne zumindest drei davon aus. Er legt aber Wert darauf, dass diese zusammengenommen werden: „Alternative-Progressive-Rock.“

„Schublade auf, Riff raus, Schublade zu.“ Nein, danke.

Man hat sich also durchaus Gedanken über die eigene Genreverortung gemacht, eine Übung die hinlänglich bekannt nicht allen Musikern gefällt, die diesbezüglich oft den absoluten Freiheitsanspruch stellen. Alexander Lausch sieht das anders: „Vielleicht ist es nicht schlecht, dem Hörer eine kurze Rutsche zu legen.“ Wenn man dabei allerdings mit Begriffen wie Progressive hantiert, ist es mit dem Erklären oft noch nicht vorbei. Neben der mathematischen Seite mit ungeraden Takten und Ähnlichem sei es vor allem „unser eigenes Denken, was wir spielen und warum wir es spielen. Wir wollen mit der Zusammenstellung von Parts etwas aussagen, auch wenn das vielleicht trivial klingt.“ Klarerweise ist der Sinn hinter einem solchen Etikett immer auch, sich von anderen Rockbands abzugrenzen. „Da ist eben mein progressiver Zugang zum Songwriting einerseits und andererseits gilt es auch im Kopf auszubrechen aus normalen Rockschemen im Sinne von ´Schublade auf, Riff raus, Schublade zu´.“ So viel zur Theorie.

Lausch (c) Andreas Jakwerth
Lausch (c) Andreas Jakwerth

In der Praxis führt das auf dem aktuellen Album „Glass Bones“ (Panta R&E) jedenfalls zu geschickt arrangierten Songs, die sich nicht auf Biegen und Brechen anders präsentieren als übliche Rocksongs, aber trotzdem ausreichend Eigenständigkeit aufweisen. Einen gewissen Teil dazu tragen auch die cleveren Texte der Band bei. Der Opener des Albums „Salvador’s Pain“ referenziert etwa sowohl Bereiche der Hochkultur anhand des Malers Salvador Dalí und dessen Thematisierung von der Relativität der Zeit als auch die verkannte Grunge-Band Salvador Dream, eine Band die so obskur ist, dass sich selbst die Mitglieder von Lausch nicht einig sind, ob diese mit oder ohne Apostroph geschrieben wird. Generell seien die Texte der Band aber insbesondere auf dem aktuellen Album eher sehr persönlich als intellektuell veranlagt meint Alexander Lausch: „Die kommen tief aus meinem Herzen raus, destilliert aus den letzten drei bis vier Jahren an Erfahrungen.“ Diese Intensität hört man den Songs von „Glass Bones“ über weite Strecken auch an, immer wieder gibt es diese speziellen Refrains die direkt unter die Haut gehen. Aber selbst sehr persönliche Erfahrungen zu vertonen, gelingt offenbar nicht ohne tiefgreifende Überlegungen: „Vielleicht wurden die Erfahrungen nicht vergeistigt, aber bewusst unbewusst gemacht.“

„Ear-Candy“ und Rohheit

Sieht man Lausch live erwartet eine etwas andere Version der Band. Während am Album die ewige Tüftelei an Details stellenweise im Vordergrund steht, werden die Songs bei Konzerten in einem wesentlich druckvolleren Gewand präsentiert. Dieser Unterschied ist natürlich oftmals gewollt so. „Dieser Backbone, also das Rohe des Live-Settings, ist auch auf der Platte vertreten, nur zusätzlich gibt es noch etwas mehr rundherum,“ meint Alexander Lausch und formuliert weiter es gelte „einerseits ‚Ear-Candy’ für den Zuhörer des Albums zu schaffen und andererseits diese Rohheit des Konzertsaals auch auf Platte zu packen.“ Das Ende der Fahnenstange sei in der Soundfindung jedenfalls noch nicht erreicht und beide Facetten sollen in Zukunft noch mehr vereint werden. Wenn der Konzertkalender von Lausch weiterhin so illustre Konzerte wie jene am vergangenen Nova Rock oder dem Donauinselfest beinhaltet, was sich mit einer Show etwa am Waves Vienna im Herbst bereits andeutet, dürfte auch eine breitflächige Erweiterung der Anhängerschaft kein Problem sein. Alexander Lausch definiert seine Ansprüche jedoch bewusst etwas anders: „Ich brauch’ keine Stadthalle. Ich will jetzt nicht die Welt überzeugen, eher will ich diejenigen die unsere Musik hören wollen zu 100 Prozent erreichen.“ Man kann sich relativ sicher sein, dass auf dem Weg dorthin auch einige andere verlorene Seelen auf Lausch aufmerksam werden sollten. Diejenigen, die ihre Musik ohnehin schon hören wollen, können sich bis zur nächsten Veröffentlichung die bereits vier Alben umfassende Diskografie näher zu Gemüte führen.

Sebastian J. Götzendorfer

Lausch live:
20.08. Rock the Station Festival, Leitersdorf
27.08. Gürtelnightwalk / Kramladen, Wien
23.09. Kapu, Linz
24.09. Sonograph Festival, Vöcklabruck
30.09. Waves Vienna, Wien
01.10. Jazzkeller, Krems an der Donau
02.11. Chelsea, Wien
17.12. Stadtwerkstatt, Linz

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