Garish Live in der ARGEkultur

“Garish sind großartig! Sie wissen genau, was sie wollen, was sie mögen und was sie tun.” schrieb Noel Akchoté in seiner euphorischen skug-Review zum 2002er Release “Wenn dir das meine Liebe nicht beweist” und meinte damit eine Eigenart, die Garish immer schon aus dem Heer der unzähligen Indie/Alternative-Bands heraustreten lässt: Einerseits “wunderbare Arrangements, schlaue Sounds, einen genialen Einsatz von Dynamik und Längen” und andererseits ein intelligenter Pop-Appeal, der keine Scheu davor hat “auch noch als Poster an der Wand deines Jugendzimmers” zu hängen.

Mit dem aktuellen, mittlerweile sechsten Studioalbum “Trumpf” hat sich die Band aus dem Burgenland nun selber übertroffen. Nicht zuletzt brachte ihnen dieser Wurf auch erstmals eine Top-20-Platzierung in den Charts ein.

Vielleicht, weil sich die Band laut eigenem Bezeugen 2010, also nach knapp einer Dekade gemeinsamen Musizierens, gleichsam “neu erfunden” hat.
Bis dahin konnten Garish jedoch auch schon auf eine beeindruckende Band-Biografie verweisen. So wurden sie insgesamt sechs Mal für den Amadeus Austrian Music Award nominiert: 2001, 2003 und 2005 jeweils in der Kategorie “FM4 Alternative Act” sowie 2010 für das “Beste Album”, als “Künstler des Jahres – Alternative” und für den “FM4 Award”. Zudem gehören sie (neben Ja, Panik, Kreisky und Bilderbuch) zu den wenigen österreichischen Indie/Alternative-Bands, die im gesamten deutschen Sprachgebiet veröffentlichen und touren.

Es sind dann auch ihre unbestrittenen Live-Qualitäten, die Garish gerne und zum grossen Gefallen ihrer zahlreichen Fans auf ausgedehnten Tourneen ausleben, die ihnen u.a. auch einen denkwürdigen Abend im Burgtheater mit Element Of Crime verschafft haben.

Doch nach dem 2010er Meisterwerk “Wenn dir das meine Liebe nicht beweist”, dass von Kritik und Publikum gleichermassen äußerst wohlwollend aufgenommen worden war, legten die fünf Bandmitglieder Garish erstmal etwas auf Eis. Es gab Familiennachwuchs, das zivile Berufsleben musste (wie bei so vielen heimischen MusikerInnen) gemeistert werden, und dennoch gab es auch Platz für erweiterte musikalische Betätigungsfelder.
Während solch ein Auseinanderdriften der Lebensrealitäten und Interessen in anderen Fällen ein erneutes Zusammenfinden auch schon mal zum Scheitern verurteilt, verhält es sich in Fall von Garish genau umgekehrt.

Statt sich zu zerfransen konzentrieren sich die fünf Musiker auf Updates ihres gemeinsamen Nenners, der “intensiven Freundschaft über Text und Noten”. Die Songs auf “Trumpf” beschreiben so gesehen eher Arbeitsprozesse in deren  Verlauf durch das gemeinsame Musizieren das Album erst erarbeitet wird.
Das Ergebnis sind 40 Minuten dicht gepackter Energie. “Trumpf” ist ein in jeder Hinsicht an die Spitze getriebenes Garish-Album: Gefinkelt und metaphernreich wie eh und je, dezent wütend an der Oberfläche, ironisch bis zynisch im Unterton. Ein Album, das wie immer viel Platz zum Entdecken und Interpretieren lässt; seien es T-Shirt-fähige Zitate oder verschlüsselte Bösartigkeiten. Vielleicht das dichteste und intensivste Garish-Album, das die Band je gezaubert hat.


Don, 03.04.2014 – 20:30
ARGEkultur
Ulrike-Gschwandtner-Straße 5
5020 Salzburg

Garish: “Trumpf”-Tour 2014
Support: Eivør (Färöer Inseln/Island)

Fotos: Julia Grandegger

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