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Festival-Halbzeit bei Wien Modern 2018

Zur Festival-Halbzeit wird die heuer mit Abstand größte Produktion von Wien Modern 2018 stattfinden: Olga Neuwirths multimedial-orchestrales «Musik-Installations-Theater» The Outcast in einer konzertanten Neuproduktion mit Video, Bühnen- und Kostümdesign der britischen Künstlerin Netia Jones. Im Dschungel Wien findet eine Musiktheaterpremiere für junges Publikum statt, die sich dem Thema Flucht aus der Perspektive von aus Syrien geflohenen Kindern widmet. Im Wiener Konzerthaus steht ein großes Konzert zwischen Alter und Neuer Musik mit Patricia Kopatchinskaja und dem venezianischen Barockorchester Il Giardino Armonico auf dem Programm. Und gleich zweimal wird das Porgy & Bess in dieser Woche zur Wien Modern Spielstätte, mit Georg Graewes neuer Großformation und einem Late Night mit Ur- und Erstaufführungen von Bernhard Lang.

«Wie wird das Individuum zur manipulierbaren Masse?»

Olga Neuwirth (c) Lukas Beck

Diese so zeitlose wie aktuelle Frage steht für Olga Neuwirth hinter einer der Hauptfiguren von The Outcast. Genau in der Festivalmitte steht die mit Abstand größte Produktion des laufenden Festivals Wien Modern auf dem Programm: Anlässlich des 50. Geburtstags von Österreichs bekanntester Komponistin Olga Neuwirth wird eines ihrer zentralen Werke neu auf die Bühne gebracht: The Outcast. Olga Neuwirth 50.2 am Mittwoch 14.11. erlebt im Wiener Konzerthaus mit 9 SolistInnen, 2 Chören und Orchester die Uraufführung der Neufassung mit Design und Video der britischen Ausnahmekünstlerin Netia Jones. Den Impuls gab Neuwirths Beschäftigung mit Moby-Dick-Autor Herman Melville und seinem messerscharfen Blick auf Machtmissbrauch, Autorität und Ausbeutung – Themen die auch heute mehr als aktuell sind. ie schafft Captain Ahab es, seine ganze Crew auf den verrückten Rachefeldzug gegen den Weißen Wal Moby-Dick einzuschwören? «Auf diesem Schiff, der Pequod, verdichten sich gesellschaftliche Mechanismen», sagt Olga Neuwirth. Von den Monologen des alten Schriftstellers Herman Melville an seinem Schreibtisch bis hin zu den dramatischen Szenen um den Untergang des Schiffs mit Mann und Maus macht die britische Künstlerin Netia Jones mit den Mitteln von Video, Kostümen und Bühnendesign im Wiener Konzerthaus Unmögliches möglich und lässt die assoziatonsreiche visuelle Welt des «Musik-Installations-Theaters» auf der Konzertbühne Wirklichkeit werden.

Am Donnerstag 15.11. feiert Über uns nur der Himmel im Dschungel Wien Premiere. Dieses Stück richtet sich an junges Publikum und beschäftigt sich mit der Frage, was aktuell Millionen Kindern auf der Flucht Sicherheit gibt und wie sie zur Ruhe kommen. Das Koehne Quartet steuert dazu Musik zahlreicher Komponistinnen und Komponisten der Gegenwart bei.

Das Originalklang Ensemble Il Giardino Armonico hatte der zeitgenössischen Musik eigentlich abgeschworen, in der Zusammenarbeit mit Patricia Kopatchinskaja interpretieren die venezianischen Barockspezialisten am Freitag 16.11. im Wiener Konzerthaus jedoch neue Werke von italienischen Komponisten unserer Zeit.

NACHTS IM PORGY & BESS: EIN FREUNDSCHAFTSBEWEIS.

Bernhard Lang (c) Harald Hoffmann

Hier kann man schon einmal anhören, wie es nicht klingen wird, wenn Philip Jeck Freitagnacht Platten auflegt. Denn diesmal bekommt der britische Turntablist frisch für dieses Set gepresste (bzw. geschnittene) Vinylscheiben mit Bernhard Langs neuen Stücken, die genau vorher auf der Bühne des Porgy & Bess live zu hören sein werden, gespielt von zwei weiteren langjährigen Wegbegleitern von Bernhard Lang: Ein Abend mit zwei Solos und einem Duo mit Manuel Zurria und Dario Calderone und anschließend einem freien Vinyl-Improvisations-Set mit denselben Klängen in den Händen von Philip Jeck.

Wanderung vom Durwäldchen über den Großen Lärmberg zur Klavierhölle

Die Logistik ist ein Kunstwerk für sich: Über 300 MusikerInnen auf 210 Minuten und rund 50 Räume so zu verteilen, dass präzise zeitliche und räumliche Klangballungszentren entstehen, Verkarstungen, Konglomerate, Plateaus, Stillelöcher sowie nicht zuletzt der Kleine, der Große und der Hintere Lärmberg – dafür trommelt die mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien an diesem besonderen Samstag zu allen SolistInnen und Ensembles nochmal einige Dutzend HelferInnen hinter den Kulissen zusammen. Mit – wie es sich für das symphonische Genre gehört – einigermaßen weltenschöpferischem Anspruch macht sich Komponist Georg Nussbaumer an dieses Riesenunterfangen und verzaubert den Campus am Webern-Platz in ein akustisches Ausflugsgelände. (Freier Eintritt, alle Altersgruppen willkommen.)

Neu: Verbesserte Rezeptur, jetzt auch ohne Gemüse zu haben.

Das Gemüseorchester (c) Zoefotografie

Abend Nummer 1 des zweitägigen Gemüseorchestergeburtstags im Semperdepot samt Release des Green Album (Samstag 17.11.) wird vermutlich brechend voll, daher weisen wir gerne auch auf Abend 2 hin: Bei Wurzel + Werk, ebenfalls im Semperdepot am Sonntag 18.11. um 18 Uhr, gibt es nahezu kein Gemüse und statt dem Tutti eher Kleinformationen, dafür lassen sich die Orchestermitglieder mit ihren spannenden Solo- und sonstigen Projekten aus nächster Nähe erleben.

Am Nachmittag davor gastiert übrigens um 14 Uhr (bei freiem Eintritt) das ensemble]h[iatus in der Alten Schmiede – u.a. mit Thomas Lehn und Tiziana Bertoncini, was mit ganz anderem musikalischen Material (Earle Brown) personell eine Verbindung schafft zwischen den beiden letzten Solo Challenges: Piano (schon vorbei) & Violin (am Sonntag 25.11.).

Erste Bank Kompositionspreis 2018: Agata Zubel schreibt und singt.

Agata Zubel (c) Lukas Rajchert

«Ich hatte befürchtet, das Stück sorgt für Irritationen, aber das war offenbar nicht der Fall», sagt Friedrich Cerha über seine neue, (fast) ausschließlich aus sehr kurzen Klängen bestehende Ensemblekomposition Kurzzeit III, die im Oktober vom Klangforum Wien beim Grazer Musikprotokoll uraufgeführt wurde. Erstmals im Konzert hören wird der 92-jährige Experimentalkomponist das neue Werk dann im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses bei der Verleihung des diesjährigen Erste Bank Kompositionspreises an Agata Zubel. Als Sängerin interpretiert sie nicht nur ihren eigenen Cleopatra’s Song, sondern auch die Uraufführung von Wolfram Schurigs fünf ostinati nach Gedichten, mit denen Daniela Danz die Frage stellt, «was Europa zusammenhält jenseits dessen, was leicht zu haben ist».

Zwei Tage davor sind Ursula Erhart-Schwertmann, Tanja Elisa Glinsner und Rojin Sharafi im Wiener Rathaus die ersten Gewinnerinnen des Österreichischen Komponistinnenwettbewerbs, gestiftet von Ewa Dziedzic, Monika Vana und Barbara Huemer.

Rojin Sharafi (c) Igor Ripak

Tags darauf ist das RSO Wien in einer konzertanten Aufführung von Gottfried von EinemDer Prozess nach dem Roman von Franz Kafka im Wiener Konzerthaus zu hören. Am Freitag 23.11. gastiert erst das Arditti Quartet gemeinsam mit Ensemble Modern, gefolgt von Irvine Arditti solo im fünften Late Night Konzert des Festivals.

DURCHGEHEND & SONSTIGES

Die Performances von Bertl Mütter als Unsicherheitsbeauftragter finden wieder am 21.–24. 11. rund um die Konzerte im Wiener Konzerthaus statt.

KünstlerInnen, Gespräche und Getränke treffen Sie bei der Bar Modern an zahlreichen Terminen rund um unsere Veranstaltungen an. Die Diskussion Salon Phace (12. November), das von der Universität Wien ausgerichtete Konzert-Symposion mit Salome Kammer (25./26. November), der micafocus mit prominenten internationalen Panelists (16.11.) und weitere Einführungsgespräche und bieten ein umfangreiches Begleitprogramm für AnfängerInnen und Fortgeschrittene. Der insgesamt 514 Seiten starke dreibändige Festivalkatalog (15 €) umfasst zahlreiche Essays, O-Töne der KünstlerInnen und Lesestoff zu allen Projekten. Der Embedded Remote Security Blog von Pia Palme ist online bis Freitag 30.11. unter http://piapalme.at/embedded-remote-security-blog

Das vollständige Programm finden Sie unter www.wienmodern.at.