Federspiel (c) Maria Frodl

FEDERSPIEL – „Wolperting“

Mischwesen sind seit der Antike bekannt, Zentauren etwa bestehen aus dem Oberkörper eines Menschen und dem Leib eines Pferdes. Der Wolpertinger – auf den sich das neue Album „Wolperting“ (Col-legno) von FEDERSPIEL im Titel bezieht – wird Bayern und Österreich zugeordnet und kann zum Beispiel ein Hase mit Entenflügeln oder ein Eichhörnchen mit Entenschnabel sein. So weit zum volkskundlich-mythologischen Überbau des neuen FEDERSPIEL-Albums.

Aus dem Fabelwesen Wolpertinger wird der imaginäre Ort Wolperting, den die Band, bestehend aus sechs Blechbläsern und einem Holzblasinstrument, auf ihrer vielfältigen musikalischen Weltreise besucht. Es ist ein Ort, an dem sich wie selbstverständlich Musiktraditionen aus Mexiko mit Traditionen aus dem Alpenraum verknüpfen. Ein Ort, an dem ein musikalisches Mischwesen namens Federspiel lebt.

Wolperting, Mexiko: Federspiel greifen das Stück „Xochipitzahuatl“ auf und erkunden somit traditionelle Musik aus Mittelamerika. Federspiel geben dem aus prähispanischer Zeit stammenden Stück einen alpenländischen Dreh und lösen es mit einem Chorarrangement gesungen in Nahuatl auf. So wird „Xochipitzahuatl“ aus Mexiko in die Federspiel-Welt geholt.

Wolperting, Norwegen: Auf einer Skandinavien-Tournee lässt sich Matthias Werner zu zwei verträumten Stücken („Eventyret om Fossegrimen“, Part I und Part II) inspirieren und taucht dabei in die skandinavische Mythologie ein. Wer dem übernatürlichen Wesen Fossegrim Opfer bringe, so heißt es, werde dafür belohnt und vom Fossegrim im Saitenspiel unterrichtet.

MYTHISCHER AKT

Die Liner Notes zum Album deuten an, dass bei Federspiel das Musikmachen zu einem mythischen Akt werden kann.

Federspiel – Wolperting Cover

„Musik ist etwas; sie kommt aus Musikern, die mit ihren Mündern das bloße Nichts zu tönen formen. Dort wo nichts war, ist jetzt etwas. Dort wo nichts war, ist jetzt Musik“, schreibt die Autorin Theodora Bauer folgerichtig über „Wolperting“. Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ö1 Pasticcio-Preis und dem Austrian World Music Award, bewegt sich die Gruppe auch mit dem schönen, neuen Album an der Schnittstelle von traditioneller Volksmusik, Weltmusik und Musikethnologie und verwendet ihre eigene musikalische Sprache. Weg von der Wucht der Blasmusik und hin zu fein gearbeiteter Weltmusik. Für das A-cappella-Stück „Die drei Briada“ gelangt die Band zum Abschluss des Albums nach Wolperting, Österreich: Der Autor und Musiker Hubert Weinheimer (Das trojanische Pferd) hat hier ein Traditional aus Niederösterreich eingerichtet. So fügen sich bis ins Detail Musik und Konzept zueinander – das trojanische Pferd entstammt schließlich der griechischen Mythologie.

Jürgen Plank

 

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