Bild Leeloo
Leeloo (c) Pressefoto

„Es macht mir einfach Spaß Popmusik zu schreiben, die ins Ohr geht.“ – LEELOO im mica-Interview

LEA STÖGER war in den letzten Jahren mit dem Pop-Zweier LEA SANTEE viel unterwegs und konnte, wie Einladungen zu renommierten europäischen Festivals zeigen, einige schöne Erfolge feiern. Dann ist es etwas ruhig um das Duo geworden. Mit der Single „Zeit verbringen“ meldet sich die Wahlwienerin unter dem Namen LEELOO nun als Solokünstlerin zurück. In ihrem Stil lehnt sie sich mit ihrem Mix aus Pop mit R ‘n‘ B amerikanischen Größen wie JUSTIN TIMBERLAKE, KEHLANI und KHALID an – nur eben auf Deutsch. Im Interview mit Michael Ternai erzählte LEELOO über ihre Entscheidung, es solo zu versuchen, ihre abgelegte Scheu davor, auf Deutsch zu singen, und über die Wichtigkeit von Authentizität.

Du warst in den letzten Jahren sehr erfolgreich mit Lea Santee unterwegs. Mit Leeloo startest du jetzt ein Soloprojekt. Ist es aktuell auch dein Hauptprojekt? Wie sieht es mit Lea Santee aus?

Leeloo: Sagen wir so: Lea Santee ist im Moment einmal auf Eis gelegt. Und zwar so lange, bis Manuel [Hosp; Anm.] und ich eben wieder Bock darauf haben, das Projekt weiterzubetreiben. Bis dahin aber liegt mein Fokus ganz eindeutig auf meinem Soloprojekt.

Gab es einen bestimmten Grund, warum ihr mit Lea Santee eine Pause eingelegt habt? 

Leeloo: Es war ganz einfach so, dass wir irgendwann zum Schluss gekommen sind, dass etwas Neues hermuss. Wir haben viele coole Erfahrungen gemacht und auf extrem vielen Festivals gespielt, das alles war wirklich fantastisch, nur haben wir gemerkt, dass es gut wäre, mit Lea Santee einmal eine Pause einzulegen.

Für dich war aber klar, dass du weiter Musik machst? 

Leeloo: Ja, das war für mich klar. Ich mache einfach viel zu gerne Musik. Aber ich hatte auch das Gefühl, dass ich etwas Neues machen muss. Natürlich habe ich zwischendurch auch meine Phasen, in denen ich gar keine Musik mache und keine Songs schreibe, aber diese Phasen brauche ich auch.

„Im letzten Jahr habe ich mir dann gedacht, dass ich da vielleicht auch etwas offener sein könnte […]

Wie war die Erfahrung, erstmals allein für die Songs verantwortlich zu sein? 

Leeloo: Nun, ganz allein bin ich ja nicht. Die Songs produziert ja immer noch Manuel. Wir arbeiten nach wie vor eng zusammen. Da wir so lange zusammen in einer Band waren, passt es musikalisch einfach. Aber mittlerweile bin ich offen dafür, auch mit anderen Produzentinnen und Produzenten zu arbeiten. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass ich alles alleine schaffern muss, ich die Texte allein schreiben und die Melodien allein finden muss. Ich habe mir da wenig dreinreden lassen.
Im letzten Jahr habe ich mir dann gedacht, dass ich da vielleicht auch etwas offener sein könnte, und habe ein paar SongwriterInnen-Sessions veranstaltet, was mir extrem viel Spaß gemacht hat. Als ich zu diesen Sessions gegangen bin, hatte ich meistens die Struktur eines Songs im Großen und Ganzen schon beisammen. Ich habe gemerkt, wie cool es sein kann, mit Leuten gemeinsam zu brainstormen und zu schauen, wie man das Beste aus einem Song rausholen kann.

Einer der großen Unterschiede zwischen Lea Santee und deinem Soloprojekt ist, dass du auf Deutsch singst. Ist dir dieser Wechsel schwergefallen?

Bild Leeloo
Leeloo (c) Pressefoto

Leeloo: Es hat mich schon eine gewisse Überwindung gekostet, auf Deutsch zu singen. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich eigentlich nie wirklich deutschsprachige Vorbilder hatte. Ich bin mit Acts wie zum Beispiel Destiny‘s Child aufgewachsen und deshalb war für mich auch immer klar, dass ich auf Englisch singe. Außerdem fand ich lange, dass der Grat zwischen Popmusik und Schlager ein sehr schmaler ist, wenn man auf Deutsch singt. Da kann es schnell schon einmal cheesy werden. Letztendlich habe ich es dann aber dennoch probiert. Und es war auch so, dass ich erst einige Songs schreiben musste, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Ich komme auf jeden Fall mehr und mehr rein und merke, dass es auch authentischer ist. Das heißt jetzt nicht, dass das andere, das ich gemacht habe, nicht auch authentisch war, aber sich in der eigenen Muttersprache auszudrücken ist dann doch noch etwas anderes.
Wir waren mit Lea Santee letztes Jahr drei Monate lang in Los Angeles und haben dort sehr viele Leute kennengelernt. Je länger wir dort waren, desto mehr ist mir klar geworden, dass sich Amerikanerinnen und Amerikaner mit englischen Texten einer Nichtamerikanerin bzw. in meinem Fall einer Österreicherin vermutlich nie wirklich identifizieren werden können. Man schreibt als deutschsprachige Künstlerin und Künstler einfach anders als ein Native Speaker. Und genau das taugt mir jetzt am Deutschen so gut: Ich kann mich wirklich so ausdrücken, wie ich es will. 

Wenn du dich hinsetzt und Songs schreibst, hast du schon eine gewisse Idee, in welche Richtung der Sound gehen soll? 

Leeloo: Ich mache mir im Vorhinein eigentlich gar nicht einmal so viele Gedanken darüber, wie etwas klingen soll. Also je nachdem was ich an dem Tag halt fühle bzw. welchen Vibe ich verspüre. Aber so in Richtung Hit denke ich eigentlich keinen Moment. Ich mache einfach das, worauf ich Bock habe, und wenn das dann vielen Leuten gefällt, freut es mich natürlich. Aber das Wichtigste ist für mich, dass meine Songs authentisch klingen und ich mich zu hundert Prozent mit ihnen identifizieren kann.

„Im Prinzip bin ich dann aber immer wieder zum Pop mit etwas RnB-Einflüssen zurückgekehrt.“

Du hast vorher Destiny‘s Child erwähnt. Womit bis du sonst musikalisch aufgewachsen? Wer hat dich noch geprägt? 

Leeloo: Mein Papa war Schlagzeuger und hat sehr viel Jazz gehört bzw. gespielt. Und es kann schon sein, dass mich das auch ein wenig beeinflusst hat. Sonst bin ich ein Kind von MTV. Ich bin mit den Videos dieser Zeit aufgewachsen, wobei mir es vor allem neben Destiny‘s Child auch Leute wie Justin Timberlake angetan haben. Das war sicher immer so meine Hauptinspiration. Mir hat vor allem R ‘n‘ B getaugt, wobei ich natürlich auch andere Phasen gehabt habe, in denen ich viel Indie gehört habe. Im Prinzip bin ich dann aber immer wieder zum Pop mit etwas R-‘n‘-B-Einflüssen zurückgekehrt. Es macht mir einfach Spaß, Popmusik zu schreiben, die ins Ohr geht.

Welchen Effekt hatte Corona eigentlich auf dein Projekt? Inwieweit hat die Krise da reingespielt? Vom Text her passt der Song auf jeden Fall zur jetzigen Situation.

Cover Zeit Verbringen
Cover “Zeit Verbringen”

Leeloo: Wenn man aus Corona schon etwas Positives rausziehen will, dann ist es das, dass man plötzlich Zeit hatte. Ich fand es schön, einmal etwas machen zu können, ohne dabei Stress zu verspüren. Ich habe mir einfach gesagt, dass ich mal etwas Neues probiere. Und das habe ich dann ja auch getan. So gesehen hatte die ganze Situation für mich persönlich auch etwas Praktisches. Ich hatte genügend Zeit, Songs zu schreiben und eine EP fertig aufzunehmen. Das wäre ohne Corona vermutlich nicht so schnell passiert.
Eigentlich habe ich den Text zu „Zeit verbringen“ schon vor Corona zu schreiben begonnen und ihn dann einige Zeit in die Schublade gelegt. Dann war die Krise dann plötzlich da. Irgendwann hat mir Manuel dann einen Beat, den er gebastelt hat, geschickt, worauf mir sofort wieder die Melodie und der Text in den Sinn gekommen sind. Die Sachen haben sich einfach super ergänzt. Zudem passte auch das Thema des Songs perfekt zu der Zeit. Man kann im Moment einfach nicht so auf die Schnelle jemanden spontan besuchen, auch wenn man es sich wünscht. Ich lebe in Wien, meine Familie und viele meiner Freundinnen und Freunde in Tirol und Kärnten, und man musste schon vor der Krise Wochen im Voraus einen Termin für ein Treffen finden. Und jetzt ist das noch schwieriger.

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Michael Ternai

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