Manic Youth (c) Markus Wapp

„[E]s geht vor allem um […] Ehrlichkeit.” – MANIC YOUTH im mica-Interview

MANIC YOUTH, die Wiener Band mit Wurzeln in Kärnten veröffentlicht diese Tage ihr Debütalbum „FRAIL“ (SISSI Records) und präsentiert uns damit ein gelungenes Erstlingswerk, welches weiß, wie sich verzerrte Gitarren, Double Bass am Schlagzeug und liebliche Melodien vereinen lassen, ohne dabei je zusammen gewürfelt oder konzeptioniert zu wirken. Alexander Kochman traf DONGSU SUH (Gitarre, Vocals), MAURICE ROTIÉRE (Drums, Vocals) und MAX ZAMERNIK (Bass, Vocals), um mit ihnen über Authentizität, Songwriting, DIY in der Musikszene und das Jungsein zu sprechen.

Woher kommt der Name Manic Youth? Ihr thematisiert das Jungsein ja auch in euren Songs.

Dongsu Suh: Jugend ist bei uns sowieso sehr präsent und das Manische …

Max Zamernik: … ist auch immer sehr präsent. Auch wenn ich nicht dabei war, als der Name ausgesucht wurde, spiegelt er uns drei als Personen schon wider. Obwohl wir von der Jugend mittlerweile auch schon weit entfernt sind.

Maurice Rotiére: Es geht um keinen Fall um das Altersschema oder um eine Zahl, viel eher um ein Gefühl. Gewisse Sachen prägen einen einfach in der Jugend. Dass man Nazis scheiße findet oder die Leidenschaft für Musik, das wird immer so bleiben. Und das Manische an uns ist, dass wir uns sehr lieben, aber gleichzeitig könnte man sagen, dass wir eine sehr gesunde Streitkultur haben.

Max Zamernik: Schlussendlich klingt der Name gut [lacht]. Das ist eigentlich das Wichtigste.

Wie sehen denn eure persönlichen musikalischen Vorlieben und Prägungen aus?

Dongsu Suh: Das ist schwierig zu sagen, aber eher so in der amerikanischen Indie-Rock-Szene. Aber wir sind natürlich auch alle mit der Musik von Naked Lunch aufgewachsen. Oder Sonic Youth, Smashing Pumpkins etc.

Maurice Rotiére: Ich bin eigentlich mit Metallica aufgewachsen. Ich habe jahrelang wie wahnsinnig nur Metallica konsumiert, sodass Teile der Familie meine CDs versteckt haben, weil es keiner mehr ausgehalten hat. Dann mit 14 waren dann Hardcore, Grindcore Bands etc. interessant. Napalm Death, From Ashes Rise, wo auch dieses Melodische, leicht Verträumte, Shoegazige vorkommt. Ich finde jede Musik wahnsinnig interessant, wenn sie etwas Authentisches und Emotionales vermittelt. Im Punk und Hardcore geht’s um das Kompromisslose. Das ist das, was mich von der Energie und von der Musikalität immer schon fasziniert hat. Textlich sind wir gerne verträumt, fantastisch oder kryptisch. Alles, was irgendwie Emotionen transportiert, ist super.

Manic Youth (c) Markus Wapp

Max Zamernik: Ja, es geht vor allem um die Ehrlichkeit. Punk ist ja auch ein sehr dehnbarer Begriff, was aber alle Gattungen vereint, ist, dass so gespielt wird, wie es auch gemeint ist, und dass die Emotionen einfach zugelassen werden.

Maurice Rotiére: Deswegen mischen wir auch so ein bisschen die Genres durch.

Max Zamernik: Sehr dynamisch und eben auch manisch. Bei uns ist es eben oft extrem verzerrt und dann wieder extrem clean und lieblich.

Maurice Rotiére: Alles ist erlaubt.

Dongsu Suh: Aber man merkt dann doch immer die Essenz. Beziehungsweise man merkt, dass es Manic Youth ist.

Max Zamernik: Wir zumindest [lacht].

Dongsu Suh: Ja, alles andere ist mir auch egal.

Habt ihr vor Manic Youth schon gemeinsam gespielt?

Dongsu Suh: Ja, Moritz und ich haben schon eine Zeit lang zusammen gespielt. Aber sonst hat jeder eigene Erfahrungen in verschiedenen Bands gemacht.

Max Zamernik: Ich bin, kurz bevor ich nach Wien zog, bei Manic Youth eingestiegen. Sie hatten zu der Zeit gerade keinen Bassisten und da Moritz und ich Brüder sind, war es naheliegend, dass ich einsteige.

„Wenn ein Video bei uns alt ausschaut, dann ist es wirklich mit einer alten Kamera geschossen worden.“

Ihr habt ja einige cool gemachte Videos veröffentlicht . Mach ihr die selbst? Ich kann mir vorstellen, dass das teuer werden kann.

Dongsu Suh: Für das teuerste Video, das übrigens gestern rausgekommen ist, haben wir 10 Euro für Masken ausgegeben.

Max Zamernik: Da waren noch 50 Euro für ein anderes Video, wo wir zwei Schampusflaschen gekauft haben [lacht]. Wir haben einfach sehr gute Freundinnen und Freunde, die verstehen, dass wir mittellos sind.

Maurice Rotiére: Wir haben halt keine 3.000, 4.000 Euro für ein Video, und das wollen wir eigentlich auch gar nicht. Es geht ja eigentlich die Idee und wenn die cool ist, dann kannst du es auch mit dem Handy filmen. Beziehungsweise geht es ja eigentlich um den Song.

Max Zamernik: Wir haben das ja auch bewusst mit geringen Mitteln gemacht, vielleicht auch, um zu zeigen, dass man, wenn man Spaß dran hat, was wirklich Cooles schaffen kann.

Dongsu Suh: Wenn ein Video bei uns alt ausschaut, dann ist es wirklich mit einer alten Kamera geschossen worden [lacht].

Maurice Rotiére: Wir arbeiten mit dem, was wir haben.

Dongsu Suh: Zufällig sind gerade Vintage-Videos in, aber wir machen das so, weil wir dieses Zeug immer noch haben.

Habt ihr beim Songwriting konkrete Rollenverteilungen?

Dongsu Suh: Indirekt schon. Es ist oft so, dass ich Songs schreibe, dann treffen wir uns alle im Proberaum und dort wird noch ein bisschen dran herumgebastelt, arrangiert etc. Texte schreibe ich ein paar, der Moritz ein paar – oder wir machen etwas Gemeinsames aus einer Idee.

Maurice Rotiére: Bei dem Album haben wir auch ein bisschen mit dem Computer herumgebastelt, arrangiert und gekürzt.

Ihr habt vorher eure Streitkultur angesprochen. Wie sieht es da im kreativen Bereich aus?

Dongsu Suh: Zum Glück haben wir eine sehr ähnliche Meinung in Bezug auf Musik. Natürlich gibt es auch Meinungsverschiedenheiten, aber da gewinnt dann der, der sich durchsetzen kann [lacht].

Aber meistens ist es schon so, dass wir musikalisch auf einer Wellenlänge sind, sonst würde es auch nicht so gut funktionieren.

„In Wahrheit geht es darum, dass bei den Menschen irgendeine Art von Emotion hervorgerufen wird, wenn sie die Musik hören.“

Was wollt ihr beim Publikum erreichen?

Maurice Rotiére: Wir wollen unsere Musik teilen. Wir wollen sie mit allen Menschen teilen, sonst braucht man ja keine Platte zu machen oder live zu spielen. Uns ist es sehr wichtig, dass wir Menschen damit erreichen, die so ähnlich fühlen oder so ähnlich drauf sind wie wir, und dass wir gemeinsam mit den Menschen sehr schöne Momente verbringen, die das Leben dann lebenswert machen.

Max Zamernik: In Wahrheit geht es darum, dass bei den Menschen irgendeine Art von Emotion hervorgerufen wird, wenn sie die Musik hören.

Dongsu Suh: Ich habe noch nie im Leben einen Song geschrieben und dabei an ein Publikum gedacht. Hauptsächlich muss es für mich passen. Wir denken nicht darüber nach, was anderen gefallen könnte.

Habt ihr außer der Musik sonst noch künstlerische Leidenschaften?

Maurice Rotiére: Wenn es darum geht, sich auszudrücken, dann nicht.

Dongsu Suh: Natürlich sind wir auch an Filmen und Kunst interessiert, aber das Werkzeug, das ich habe, ist die Musik.

Maurice Rotiére: Die Musik ist auf jeden Fall eine Leidenschaft und lebensnotwendig, aber wir sind auch glühende Fußballfans.

Manic Youth (c) Markus Wapp

Wie sieht es in nächster Zeit mit Auftritten aus?

Maurice Rotiére: Wir haben am 30. Mai 2019 die Album-Release-Party im rhiz und am 7. September spielen wir am Fuzzstock Bergfestival in Kärnten.

Dongsu Suh: Im Sommer würden wir gerne ins Studio gehen, ein paar neue Songs aufnehmen und vielleicht ein neues Album machen. Deswegen haben wir bewusst nicht so viele Auftritte geplant, aber wenn was Gutes kommt, spielen wir gerne.

Max Zamernik: Jetzt wollen wir gleich nachlegen. Die erste Platte war wirklich ein langer Prozess, aber nun, wo wir wissen, wie es geht, ist es unser das Ziel, schneller wieder was rauszubringen.

Maurice Rotiére: Mehr Konzerte gibt es dann sicher wieder ab September, Oktober.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Alexander Kochman

 

Termine:
30. Mai 2019 – Release-Show “Frail” – rhiz, Wien
7. September 2019, Fuzzstock Bergfestival, Kärnten

Links:
Manic Youth (Website)
Manic Youth (Facebook)
Manic Youth (Soundcloud)
Manic Youth (Spotify)
Sissi Records (Facebook)