Uli Soyka (c) Magnus Bergström

„Es geht um Spannung und Magie“ – ULI SOYKA im Porträt

Seit rund 35 Jahren macht der Schlagzeuger und Komponist ULI SOYKA Musik. Welche musikalischen Terrains er in dieser Zeit erkundet hat und was er noch alles im Musikbereich umsetzt, beschreibt Jürgen Plank in diesem Porträt. Mitte Oktober läuft in Wien das von SOYKA organisierte ZAUBERKLANG FESTIVAL.

„Ich bin zu einem Macher mutiert“, sagt er über sich selbst. „Umtriebig“ nennt man MusikerInnen wie den Schlagzeuger Uli Soyka üblicherweise. Denn neben seinen Aktivitäten als Musiker betreibt er das Label „Pan Tau X Records“ und organisiert Festivals und Konzerte. Dabei hätte alles ganz anders kommen können: Der 1964 in Wien geborene Soyka ist gelernter Goldschmied und Graveur und hat für einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Und zwar so lange, bis er aus gesundheitlichen Gründen damit aufhören musste.

Sein musikalischer Werdegang war freilich längst vorgezeichnet. Ab dem sechsten Lebensjahr lernt der kleine Uli Flöte und wird durch seine Mutter zum Hörer von klassischer Musik und Volksmusik. „Mein intensives Tun im Bereich Musik hat im Internat in Steyr am 23. November 1982 begonnen“, erinnert sich Soyka, und nennt eine Art Nullpunkt seiner Laufbahn als Musiker. An diesem Tag habe er „das Schlagzeug getroffen“. Im Musikraum des Internats, in dem ein Schlagzeug steht, widmet er sich lustvoll und fanatisch diesem Instrument, jede noch so kurze Unterrichtspause nutzt er zum Spielen und Üben. Erste Auftritte finden bei Musikabenden im Internat statt, sein autodidaktisches Lernen trägt bald Früchte und er wird zum Drummer in einer Scorpions-Coverband – auch wenn er sich nicht als Rock-Schlagzeuger fühlt.

In der Musik zu Hause

Davor Genres auszuprobieren, hat Soyka fortan keine Angst. Sein Motto: vieles darf da sein und passieren.„Ich verspüre nur Unbehagen bei egozentrischem unsicherem Handeln der AkteurInnen während eines Konzertes oder einer Performance”, verweist Soyka auf die Spielsituation live improvisierter Musik. Denn bald erkennt Uli Soyka, dass er sich im weiten Feld der improvisierten Musik am liebsten und befreitesten bewegen kann und sich dort zu Hause fühlt: „Es entwickelt sich mit der Zeit eine eigene musikalische Sprache.“

MusikerInnen, die sich nicht in Genregrenzen einsperren lassen und einen weiten musikalischen Horizont haben, faszinieren ihn – genau solche lädt er sich gerne zu selbst organisierten Konzerten und Festivals wie dem Zauberklang 2019 zum Miteinanderspielen ein. Die bislang Eingeladenen ergeben eine illustre Runde: von Kenny Wheeler und John Abercrombie bis David Liebman, Wolfgang Muthspiel und Wolfgang Puschnig. Auch mit Klaus Gesing, Klaus Dickbauer, Julian Argüelles, Rudi Mahall und Kati LaVoix ist Uli Soyka schon auf der Bühne gestanden. Mit seinem Cousin Walther Soyka zu spielen, hat sich noch nicht ergeben – die Idee dazu besteht längst und wartet auf Umsetzung.

Weltmusik-Preis

Einen schönen Erfolg hat Soyka im Bereich Weltmusik gelandet: Als Teil der Band Troica von Claudia Cervenka hat er im Jahr 2007 den Austrian World Music Award gewonnen. So kam es, dass die Band im Jahr darauf das Weltmusik-Festival Glatt&Verkehrt in Krems eröffnet hat.

Seit dem Jahr 1998 betreibt Uli Soyka das Label „Pan Tau X Records“ und seit 2008 organisiert er Konzertreihen. „Pan Tau X Records“ ist vor allem seine eigene Projekt-Plattform. Achtzehn Tonträger-Veröffentlichungen gibt es bis jetzt, mehr als zweihundert eigene Konzerte hat er inzwischen mitgeschnitten, einige davon warten auf die Veröffentlichung. Mit diesen Aufnahmen der eigenen Konzerte setzt er sich beständig auseinander – genauso wie mit seiner rund achttausend CDs umfassenden Musiksammlung!

Uli Soyka (c) Bettina Frenzel

Plattform: Pantau-X-Records

Das Label ist eine Plattform für seine eigenen rund fünfzehn bis zwanzig Bands, die jeweils zumindest einmal pro Jahr spielen sollen. Aktuelle Bandprojekte Soykas sind Dreierlei, Wiener Wunder Allerlei, Lila Lotus und beaTLess. Besondere Freude bereitet Soyka die elfte Pan Tau-X-Records-Veröffentlichung: Bei Triomobile hat er mit Peter Ponger (Piano), Jan Roder (Bass) und Wolfgang Puschnig (Saxofon, Flöte) gespielt. Das komplette Konzert wurde als Doppel-CD veröffentlicht – improvisierte Musik, ungeschnitten. Nein, es störe ihn nicht, sein Publikum herauszufordern. „Es geht um musikalische Bögen. Und es geht um Spannung und Magie“, sagt Soyka.

Die Szene der improvisierenden MusikerInnen in Wien und anderswo beobachtet Uli Soyka nach wie vor, auch wenn er – anders als früher – seltener bei Sessions einsteigt. Er müsse und wolle sich seine Kräfte gut einteilen, meint Soyka: „Miteinander spielen heißt auch reflektieren, Input und Pausen abwägen. Man muss nicht viel spielen, aber das, was man spielt, sollte man geschmacklich gut platzieren.“ Wertschätzung den anderen Musikerinnen und Musikern gegenüber sei ihm wichtig, so Soyka für den in seinem Tun längst ein Nebeneinander von improvisierter und selbst komponierter Musik besteht.

Spielzeug als Instrument

Mit seinen heute verwendeten „Instrumenten“ schließt Uli Soyka einen Kreis in Richtung seiner Kindheit und seiner Anfänge als Musiker: „Spielzeug“ wird in Programmheften oft zusätzlich zum Schlagzeug genannt. Den Begriff „Spielzeug“ fasst Soyka eher weit: Das können auch ein raschelndes Plastiksackerl und knallendes Noppenpapier sein, aber auch kleine Rasseln und Glöckchen von Kinderwägen. Da setzt er sich wie immer keine Grenzen, weil alles musikalisch zum Klingen gebracht werden kann. Seine unbändige Freude am musikalischen Gestalten wird Uli Soyka weiterhin antreiben – er muss sich nur seine Kräfte richtig einteilen.

Jürgen Plank

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Zauberklang 02 Musikfestival 2019

OFF-Theater, Kirchengasse 41, 1070 Wien
16. – 18.10.2019

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Links:
Pantau X Records
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