ELOUI – „Tangles And Loose Ends“

Schon auf ihrem 2011er-Erstlingswerk „Chasing Atoms“ zeigte ELOUI, dass sie eigentlich mehr eine vielseitige und innovative Klangmalerin denn eine einfache Popkünstlerin ist. Daran hat sich auch auf „Tangles And Loose Ends“ (EMG) – ihrem nun zweiten Album – nichts geändert. Was die Sängerin und Multiinstrumentalistin bietet, ist ein fesselndes Hörerlebnis der ungemein berührenden, tiefgründigen und sehr abwechslungsreichen Art.

Eloui präsentiert sich auf ihrem zweiten Album als eine wahre Meisterin im Erschaffen der etwas anderen Popklänge. Der Pop der in Wien lebenden Sängerin, Ukulele-Spielerin, Bassistin und Elektronikerin ist einer, der sich von vielen anderen Entwürfen aus dieser musikalischen Richtung doch recht deutlich abhebt. Am hörbarsten wird dieser Umstand vor allem in der eigenwilligen Soundarbeit der experimentierfreudigen Künstlerin, die ihre Songs mit einer großen Liebe zum Detail und auf sehr ungewöhnliche Weise mit Klängen, Tönen, Geräuschen und Samples aller Art ideenreich auszuschmücken versteht. Unterhalb der wunderbar feingliedrigen und lyrischen Melodiebögen und weiter gefassten Orgel- und Synthieflächen tut sich immer etwas – es säuselt, rauscht, klimpert und knistert in allen Variationen, und das immer passend zum gerade vorherrschenden Grundthema.

Ein Hörerlebnis zwischen Melancholie und Verträumtheit

Zu einem Mehr an klanglicher Vielfalt führt auch die Entscheidung von Eloui, auf „Tangles And Loose Ends“ vermehrt auch akustisches Instrumentarium in Form einer Streicher- und Bläsersektion sowie eines Schlagzeugs einzusetzen. Was nichts anderes bedeutet, als dass der elektronische Anteil in ihrer Musik nun ein deutlich zurückgeschraubter ist. Der gebürtigen  Schweizerin gelingt es ganz vortrefflich, aus diesem Sammelsurium an Verschiedenem, aus den vielen Elementen ihre ganz eigene Sprache zu erschaffen, eine, die – verstärkt durch ihre unverkennbare zarte Stimme – eine ganz besondere Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Verträumtheit entstehen lässt. Ihre Nummern sind solche der vielen emotionalen Schattierungen und erzählen unterschiedlichste Geschichten. Mal sorgen sie für intensivste und unter die Haut gehende Gefühlsschauer („Steal My Jewellery”, „Leaves On Trees“), dann wieder schreiten sie entschlossen und zugleich zerbrechlich nach vorne („Ego Super Nova“), um sich im nächsten Moment von einer hoffnungsvollen und versöhnlichen Seite zu zeigen („Sealed Envelope“, „Tangles And Loose Ends“).

Eloui ist mit „Tangles And Loose Ends“ auf jeden Fall ein wirklich bemerkenswertes Stück Musik gelungen, eines, das in höchstem Maße zu überzeugen weiß. Die Künstlerin entführt ihre Hörerschaft in eine Klangwelt, die eine ganz eigene berührende Wirkung entfacht. Präsentieren wird Eloui ihr neues Album am 14. Dezember im Wiener RadioKulturhaus.

Michael Ternai

Fotos (c) Andreas Jakwerth

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