Elektro Guzzi (c) Klaus Pichler

Elektro Guzzi – „Polybrass“

Elektro Guzzi sind bekannt für ihre neu gewendete Form von Techno. Dass es ihnen dabei aber nicht um die Analogie von digital und analog geht, sondern um die abenteuerliche Suche nach einem  – trotz aller Referenzen – eigenständigen Sound, stellen die drei Musiker mit ihrem neuesten Release Polybrass” (Denovali Rec.) erneut unter Beweis.

Elektro Guzzi sind Meister ihres Fachs. Die Besetzung gibt sich mit Gitarre, Bass und Schlagzeug zwar konventionell, das Projekt als solches ist jedoch auch im internationalen Kontext bemerkenswert: hat man sich doch darauf eingeschworen, Clubmusik mit klassischen Instrumenten nachzubilden. Vorurteilsfrei denkt die Formation dafür Genres weiter, die normalerweise dem Puls exakt getakteter Maschinen folgen – ein Ansatz, der in seiner virtuosen Umsetzung nachhaltig fasziniert. Bernhard Hammer, Jakob Schneidewind und Bernhard Breuer sind es gewohnt, mit einer ungeheuren Energie davon zu preschen. Das treibende Element, der perkussive Groove, hat sich auch auf ihrem fünften Studioalbum „Polybrass“ erhalten, ansonsten schlagen die drei Musiker einen etwas anderen Weg ein und offerieren dabei großes Kino.

Zwischen hymnischer ekstase und grosser melancholie

Wie der Titel schon vorausschickt, erweitern Elektro Guzzi ihr Klangspektrum für „Polybrass” um eine Reihe von Blechbläsern. Gespielt werden diese von drei Spitzenmusikern: den Posaunisten Hilary Jeffery, Daniel Riegler und Martin Ptak, die bereits aus renommierten Formationen wie Zeitkratzer, Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und Sand bekannt sind. Diese heben die Posaune aus dem Kontext der klassischen Instrumentalmusik und des (Big Band) Jazz und nehmen sie stattdessen als atmosphärische Klangerzeuger ernst. Das Resultat überzeugt auf allen Ebenen. Elektro Guzzis Sound bleibt zwar gewohnt schnörkellos und konzise und baut nach wie vor auf repetitiven Mustern auf, aber das Klangspektrum profitiert von den zusätzlichen Instrumenten, ist nuancenreicher und entwickelt mehr Tiefe. Zusammengehalten werden die stimmungsvollen Nummern von dem herausragenden Gespür der Musiker für Rhythmen, die gegen- oder ineinander laufen, sich polyrhythmisch ausfalten, nur um wieder in einem kollektiven Strom zusammenzufinden. Klar wird, dass die Formation sich nicht nur auf Clubgenres wie Techno, sondern auch auf Kompositionsstrategien des frühen Minimalismus bezieht und sich hier ein Wechselverhältnis ausstellt, das viel zu selten in den Fokus gerät.

Die Nummern selbst sind vielschichtig und abwechslungsreich. Handelt es sich bei „Aerostat“ und „Miney Mick“ um ekstatische, fast schon hymnische Popnummern (letztere übrigens inklusive grandiosem Musikvideo von Sängerin und Regisseurin Lisa Kortschak), geben sich andere Tracks zurückhaltend bis dubbig („Yuugen”), wenden sich dem Geräuschhaften zu („Irritation“) oder rücken die hypnotischen Klangflächen der Bläser in den Vordergrund („Backlash“, „Magnet“).

„Polybrass“ lebt, wie nicht anders zu erwarten, vom dynamischen Spiel der erweiterten Band, von den vielfältigen Klangfarben der Instrumente, der referenziellen Tiefe und dem leidenschaftlichen und unverkrampften Zugang ihrer Musiker.

Shilla Strelka

Termine:
08.11.18 Vienna – WUK
09.11.18 Salzburg – Jazz It
23.11.18 Graz – Forum Stadtpark
29.11.18 Innsbruck – Treibhaus
30.11.18 Dornbirn  – Conrad Sohm
01.12.18 Linz – Stadtwerkstatt
08.02.19 Mödling – Red Box

Links:
Elektro Guzzi (Website)
Elektro Guzzi (Facebook)