Elektro Guzzi – Parquet

Was ist von dieser Band in den vergangenen Jahren nicht alles geschrieben worden. Sie sei höchst innovativ und in ihrer Art einzigartig, sie sei eine Gruppe von detailverliebten Klangforschern mit einem ausgeprägten Hang zur Perfektion, sie hätte dem Techno neues Leben eingehaucht und damit auch der Clubkultur im Allgemeinen. Elektro Guzzi haben als eine Band aus Österreich das geschafft, was vielen anderen heimischen Acts leider verwehrt bleibt, nämlich, was Konzerte in den bedeutendsten Europäischen Clubs eindrucksvoll unterstreichen, internationale Bedeutung zu erlangen. Dieser Tage erscheint mit „Parquet“ (macro) das von vielen sehnlichst erwartete Zweitlingswerk der dreiköpfigen Wiener Truppe. Und wie man es sich eigentlich von Elektro Guzzi erwarten darf, ist der Techno-Band auch diesmal ein ganz großer Wurf gelungen.

Das 2010 nach jahrelanger Arbeit erschienene selbstbetitelte Debüt schlug ein wie eine Bombe, präsentierten Bernhard Hammer, Jakob Schneidewind und Bernhard Breuer, die drei Köpfe hinter diesem außergewöhnlichen Musikprojekt, doch einen vollkommen neuen und ungewöhnlichen Ansatz im Techno. Sie machten sich mit Hilfe des Produzenten Patrick Pulsinger selbst zur musikerschaffenden Klangmaschine. Alleine mit Gitarre, Schlagzeug und Bass erschufen sie, ganz ohne Zuhilfenahme eines Computers oder sonstiger elektronischer Spielerein, ihre ganz eigene Version tanzbarer Clubmusik. Ebenfalls diese ist es auch, die auf dem zweiten und nicht minder beeindruckenden Album „Parquet“ zum Erkingen gebracht wird.

Abermals mit Patrick Pulsinger hinter den Reglern, ist es Bernhard Breuer (Schlagzeug), Jakob Schneidewind (Bass) und Bernhard Hammer (Gitarre) erneut gelungen, ihre musikalischen Visionen auf eine nächsthöhere Ebene zu heben. Mehr noch als auf seinem Debüt geht das Trio in den insgesamt neun neuen Stücken, die ganz ohne Schnitte und Overdubs direkt auf Tonband aufgenommen worden sind, minimalistisch und reduziert zu Werke. Der Musik von Elektro Guzzi ist etwas höchst Hypnotisches, etwas permanent Fließendes inne, eine faszinierende und fesselnde Nüchternheit. Was das Wiener Dreiergespann in Perfektion zelebriert, ist das Spiel mit dem nicht offensichtlich Wahrnehmbaren, aber doch körperlich Spür- und Erlebbaren. Es sind einzelne, sich ständig wiederholende und versteckte Details, Nuancen, Momente, wie etwa eine metrisch verschobene Melodie, eine kurz angedeutete Akkordabfolge oder der minimalistische Beat, die den Hörer einfangen und immer tiefer in das atmosphärisch ungemein dichte und vielschichtige Sounduniversum führen.

Man kann beim zweiten Studioalbum von Elektro Guzzi durchaus von einem Meisterwerk sprechen, von einem, das der Band mit Sicherheit zu einer noch größeren Popularität verhelfen wird. Parquet ist schlicht der eindrucksvolle Beweis dafür, welch visionäres und kreatives Arbeiten im Stilbereich des Techno immer noch möglich ist. (mt)

 

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http://www.macro-rec.com/