„Einen gemeinsamen Spirit finden“- TINI TRAMPLER und STEPHAN SPERLICH (Paris-Vienne-Festival) im mica-Interview

Von 22. bis 25. Oktober findet in Wien bereits zum 12. Mal das Musikfestival ‚Paris-Vienne’ statt. Davor wurde Paris bespielt, eine Zweigstelle in Berlin hat es auch schon gegeben. Im Interview mit Jürgen Plank erzählen die OrganisatorInnen TINI TRAMPLER und STEPHAN SPERLICH über den politischen Ansatz und die bisherigen Ausgaben des Festivals.

Wie ist das Musikfestival Paris-Vienne entstanden?

Tini Trampler: Da ich schon sehr lange in Bands spiele, war immer die Frage da, wie es möglich ist auf Tourneen zu fahren. Da ich Musik als grenzenlos empfinde, geht es auch um die Frage: Wie komme ich günstig in andere Länder, um meine Musik zu übermitteln? Ich habe die Schauspielerin und Musikerin Alice Schneider kennen gelernt, die die Band Wunderland betreibt. Sie ist nach Paris gegangen und wir haben ganz klein begonnen, Veranstaltungen in Paris und Wien zu organisieren. So sind wir auf die Idee gekommen ein Festival zu organisieren. Sie macht das Pendant zum Festival in Paris und ich bin die ‚Abgeordnete’ in Wien.

Seit wann gibt es das Festival und findet es tatsächlich alljährlich in beiden Städten statt?
Stephan Sperlich: Das Festival gibt es inzwischen seit 2010 und im Oktober 2014 in Wien ist es bereits die zwölfte Ausgabe. Es findet jedes Jahr in beiden Städten statt und es gab auch Jahre, in denen wir zwei Mal in Paris waren. Schön daran ist, dass es von selbst wächst und dass die Paris-Vienne-Familie immer größer wird.

Erzähle bitte von der letzten Festival-Ausgabe, die hat vermutlich in Paris statt gefunden?

Stephan Sperlich: Genau, das war im Mai 2014 in Paris und wieder sehr schön, weil die MusikerInnen, mit denen wir dort zusammen arbeiten, in einer ähnlichen Situation wie wir sind und sie versuchen alles, um ein gutes Programm zusammen zu stellen. Das haben sie wirklich geschafft, es war toll! Sehr abwechslungsreich! Man muss dazu nämlich sagen, dass in Paris das Musikerleben um eine Stufe schwieriger ist als in Wien, weil die Konkurrenz größer ist. Das Überleben als Musiker und überhaupt etwas auf die Beine zu stellen, ist schon eine große Herausforderung. Für uns ist es immer großartig, dorthin zu kommen.

Wie ist denn der Unterschied zwischen der Wiener und der Pariser Seite des Festivals?
Tini Trampler: Ich habe mir immer gedacht, wenn ich in den Westen fahre, ist dort alles schneller und moderner. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass Paris zwar viel zu bieten hat, aber gleichzeitig hinkt man dort im technischen Bereich hinterher. Man spielt dort in Räumen, zu denen man in Wien sagen würde, dass es nie funktioniert, dort zu spielen. Fast in jedem Lokal gibt es in Paris Musik. Man merkt dort schon – was auch bald auf uns zukommen wird – diese kapitalistische Armut, dass die Mittelschicht kaum mehr existiert. Die Musikerinnen müssen sich sehr bemühen, irgendwie zu überleben. Dadurch entsteht gleichzeitig Energie, die mich wieder extrem motiviert, weiter zu machen.

„Wir zeigen mit diesem Festival, wie wir ein Musikfestival als KünstlerInnen gerne hätten.“

Wie hat sich das Festival entwickelt?
Tini Trampler: Seit heuer ist erstmals das österreichische Kulturforum hinter dem Festival gestanden. Dadurch sind auch Universitätshallen zur Verfügung gestanden und wir haben einfach größere Locations bekommen und das war natürlich schon toll. Wir achten darauf, dass Musik grenzenlos ist. Es ist vorteilhaft, internationale Strukturen kennen zu lernen, um die Musik weltweit tragen zu können. Und so haben wir als KünstlerInnen-Initiative mit diesem Festival ein Exempel gestartet. Wir haben zwar mehr zu tun, können aber auch mit Strukturen brechen. Wir zeigen mit diesem Festival, wie wir ein Musikfestival als KünstlerInnen gerne hätten.

Habt ihr bereits überlegt, in andere Städte zu gehen, das Festival noch weiter auszudehnen?

Stephan Sperlich: Ja, das haben wir schon überlegt. Es gab auch eine Ausgabe die hieß ‚Paris-Vienne-Berlin’ und da waren zwei Bands aus Berlin in Wien. Es ist bis jetzt noch nicht zustande gekommen, auch nach Berlin zu gehen, aber wird sind gerade dabei, Kontakte zu knüpfen. Das Festival heißt zwar ‚Paris-Vienne’, aber die Idee ist natürlich größer. Es soll nicht nur auf diese beiden Städte beschränkt bleiben. Wenn sich andere Netzwerke auftun, werden wir diese sicher nutzen.
Tini Trampler: Ich denke, es geht um alle Städte der Welt.

Welche Bands werden denn im Oktober bei Paris-Vienne dabei sein?

Tini Trampler: Dieses Mal haben wir einen vierten Tag dazu genommen, weil sich sehr viele Bands schon gemeldet haben. Wir kooperieren zum ersten Mal mit einem größeren Haus, mit dem Theater Akzent, dessen Intendant unter Umständen daran interessiert ist, uns das Haus in den nächsten Jahren zur Verfügung zu stellen. Mit dabei ist z.B. die Mary Broadcast Band, die eine neue CD präsentieren wird. Dieses Mal sind auch Clowns und PerformerInnen ins Festival integriert, pro Abend spielen immer drei Bands. Zwei junge KünstlerInnen sind in der Gruppe Meeting Moa und auch die Band Pabst ist dabei, die ist in Österreich natürlich ein Begriff, mit ihrer Mischung aus Jazz, Neue Musik und Indie.

Wer ist dieses Mal aus Paris dabei?
Tini Trampler: Ich freue mich, dass die Band Pabst auf Wunderwelt trifft, das ist unsere Host-Band in Paris, die Alice Schneider betreibt. Sie wird eine CD im Rahmen des Festivals präsentieren, mit märchenhaften Chansons und Elektronik. Aus Paris ist das Duo From & Ziel, das mit einem Auftritt alle verzaubern kann.
Stephan Sperlich: Die machen Hip-Hop-Chanson.
Tini Trampler: Les Saligauds Élégants, die elegante Bande, werden das große Finale im Theater Akzent bestreiten. Der Gitarrist Marc Loy hat auch schon mit Al Jarreau schon gearbeitet und hat eine großartige Chansonstimme.

Was bedeutet ‚Host-Band‘ in eurem Konzept?
Tini Trampler: Die Host-Band sind die OrganisatorInnen des Festivals. Wir bringen die Kollegen unter, betreuen sie – auch technisch – und spielen für sie.

„Es geht darum, zwischen den MusikerInnen und dem Publikum einen gemeinsamen Spirit zu finden.“

Wie ist der politische Ansatz eures Festivals? Was ist denn der Unterschied zu einem Mainstream-Festival, zu dem man drei Tage lang mit dem Zelt anreist, sich einregnen lässt und dann wieder nach Hause fährt?
Stephan Sperlich: Die Strukturen sind einfach ganz andere. Hier arbeiten MusikerInnen miteinander. Es geht nicht um EinzelkämpferInnen und jeder versucht, seine eigene Geschichte zu machen. Das ganze Festival funktioniert ohne Agenturen, wir arbeiten direkt mit den Clubs, die diese Struktur auch genau verstehen. Es ist eine sehr unhierarchische Struktur, das Festival machen einfach die MusikerInnen selbst. Es geht darum, zwischen den MusikerInnen und dem Publikum einen gemeinsamen Spirit zu finden.

Wo wird das Festival in Wien denn überall stattfinden?

Stephan Sperlich: Wir werden ganz unterschiedliche Locations bespielen und das finde ich auch sehr schön, weil das die Diversität der Musik unterstreicht. Wir sind im Shelter und im fluc, beide Locations sind Institutionen. Am Samstag den 25. Oktober sind wir im Theater Akzent, das wieder eine ganz andere Location ist.
Tini Trampler: Wir brauchen auch verschiedene Locations, um den Menschen aus Paris ein Gefühl von Wien zu vermitteln. Es ist auch ein politischer Gedanke dahinter, wir wollen vernetzen und so präsentieren wir auch unsere Stadt. Bei einem normalen Festival reist man an, spielt und reist am nächsten Tag wieder ab. Bei Paris-Vienne passiert viel Kommunikation unter den MusikerInnen und zwischen den MusikerInnen und dem Publikum. Oft endet so ein Abend auch mit einer Session.

Gibt es einen Festival-Pass?
Der Festival Pass kommt für drei Tage auf rund 25 Euro und für den Abend im Theater Akzent kommen noch mal 10-15 Euro dazu. Also für 35-40 Euro kann man die vier Tage genießen.

Jürgen Plank
Mi 22. bis Sa 25. Oktober 2014
Festival Paris-Vienne

https://www.facebook.com/ParisVienne