Der Machatschek (c) Mario Lang

„Eine süße Brutalität gehört wohl zu dieser Stadt dazu“ –DER MACHATSCHEK im mica-Interview

DER MACHATSCHEK stammt aus Wien, auf Tour ist er häufig in Deutschland unterwegs. Von geplanten drei Alben unter dem Motto „Komm gut durchs Jahr mit Machatschek“ ist heuer das erste erschienen. Wenn er Zeit zum Musikhören hat, greift DER MACHATSCHEK zurzeit gerne zu THE KINKS, wie er Jürgen Plank erzählt hat. Ein Gespräch über Musikkabarett und den Film „Sommer in Wien“, zu dem DER MACHATSCHEK die Musik gemacht hat.

Wie waren Ihre Anfänge, wie sind Sie zur Musik gekommen?

Der Machatschek: Meine Mutter hat mir eine Gitarre gekauft, als ich zehn Jahre alt war. „Der Bub soll auch was Anständiges lernen“, hat sie gesagt. Ich habe das aber nur als Hobby gemacht, bis ich gezwungen war, mein Hobby zum Beruf zu machen, weil es anders nicht mehr weiter gegangen ist.

Wie haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?

Cover “Komm gut durchs Jahr”

Der Machatschek: Ich bin mit der Original Wiener Liederatur und meiner Gitarre durch Buchhandlungen gezogen. Bis Leute meinten, das, was ich mache, ist ja Kabarett. Derzeit mache ich Musikkabarett. Aktuell arbeite ich am Zyklus „Komm gut durchs Jahr mit Machatschek“, das werden mindestens drei CDs sein. Dabei nehme ich Feiertage, Festtage und Traditionen ein bisschen unter die Lupe und aufs Korn. Die erste CD ist heuer im April erschienen. Als Gaststars haben darauf Han´s Klaffl, Nadja Maleh, Hannes Ringlstetter und Georg Biron mitgewirkt.

Zum ersten Mal habe ich von Ihren Aktivitäten durch den Film „Sommer in Wien“ erfahren, zu dem Sie die Filmmusik gemacht haben. Was hat dieser Film für Sie bewegt?

Der Machatschek: Der Film hat auf jeden Fall mal mich bewegt, weil ich finde, dass es ein toller Film geworden ist. Schöner als in diesem Film kann man Wien nicht portraitieren. Durch den Film und durch die Lieder zum Film, sind mir Ideen gekommen, in welche Richtung es gehen kann. Ein Lied auf Englisch war auch dabei, im ‚Fiakerenglisch’, das vorher so nicht existiert hat. Die Inspirationen hören nicht auf und eins ergibt das andere. Dieser Film ist nicht mainstream, aber wer ihn kennt, liebt ihn. Es ist schön, da einen Teil des Weges mitzugehen. Wir haben eines unserer Programme dann auch „Sommer in Wien“ genannt, weil es meine Geschichte von einem Maurerbetrieb in Simmering bis zur Teilnahme an diesem Film erzählt.

Wenn Sie „wir“ sagen, sind dann die Gäste auf der aktuellen CD, etwa Nadja Maleh, gemeint?

Der Machatschek: Nein, dann sind ich und Franz Löchinger, mein ‚Kübler’ gemeint, er spielt live auf einem Maurer-Kübel.

„Ein Freund hat mir vor ein paar Jahren ein e-mail geschickt, mit der Frage: ‚Hast du schon etwas für Ostern?’“

Die CD ist ein Konzeptalbum, wie ist es zum Konzept gekommen, sich mit Festtagen zu beschäftigen?

Der Machatschek: Das war wieder mal so ein Zufall. Ein Freund hat mir vor ein paar Jahren ein e-mail geschickt, mit der Frage: „Hast du schon etwas für Ostern?“ Ich habe geantwortet: „Meinst du ein Nest oder ein Lied?“ Und seine Antwort war: „Ein Lied fürs Nest.“ Und so ist das Osterlied entstanden, wir haben das immer wieder live gespielt, die Leute lieben das und gackern intuitiv, interaktiv mit. Danach ist das Muttertagslied entstanden und dann haben wir eben mit „Komm gut durchs Jahr mit Machatschek“ einen roten Faden gefunden.

Zu Ostern gehört auch Pfingsten dazu, Christoph & Lollo haben ein Pfingstlied geschrieben, einfach weil es noch kein Lied über Pfingsten gegeben hat. Haben Sie das auch vor?

Der Machatschek: Ob ich zu Pfingsten ein Lied machen werde, weiß ich noch nicht. Noch gibt es das Lied nicht, aber es wird ja noch mindestens zwei weitere CDs geben.

Welche Themen sind schon geplant?

Der Machatschek: Fix ist Muttertag und Vatertag. Maria-Himmelfahrt, Lieder über das Oktoberfest, das Erntedankfest und die Heiligen 3 Könige.

„Traditionen zu hinterfragen macht auf jeden Fall Sinn. Man kann auch ein Zeugnis hinterfragen, denn wem bringt das etwas?“

Die Mischung besteht also aus religiösen Feiertagen und profanen Ereignissen wie etwa der Zeugnisverteilung. Wie geht das zusammen?

Der Machatschek: Auf einer CD am besten. Das sind Traditionen, mit denen habe ich etwas am Hut. Traditionen zu hinterfragen macht auf jeden Fall Sinn. Man kann auch ein Zeugnis hinterfragen, denn wem bringt das etwas? Genauso kann man fragen, was hat man von einem Muttertag?

Traditionen haben aber auch positive Effekte, einerseits halten sie Dinge fest und andererseits geben sie Menschen eine Struktur. Wie sehen Sie das?

Der Machatschek: Ja, das ist ganz gut zusammen gefasst. Sicherheit hat halt auch ihren Preis. Es gibt einen gewissen Aufwand, den man tätigen muss, um die Tradition auch wirklich zu leben und manchmal ist das ganz schön viel Aufwand für wenig Sinn.

Welcher Festtag war denn für Sie am schwierigsten mit einem Lied abzudecken? Vielleicht der Weltspartag?

Der Machatschek (c) Mario Lang

Der Machatschek: In dem Moment, in dem ich mir darüber Gedanken mache, ist schon eine Idee da. Es geht immer wieder um die Ausformung der Idee. Das ist manchmal schnell fertig und manchmal sitze ich daran länger. Ich schreibe die Lieder daheim mit der Gitarre, aber für eine CD überlegt man sich schon noch mehr. Das ist ein Prozess, der immer wieder spannend ist. Bei manchen Liedern ist es klar, dass man Gitarre und Gesang braucht und noch etwas dazu, und das war beim Lied zum Weltspartag auch so. Das ist auch ein ständiges Lernen, wie man an Lieder heran geht und wie man es beim nächsten Mal besser machen kann. Das Arrangement ist sozusagen der Job des Musikers, aber da steckt für mich nicht die große Leidenschaft dahinter. Auch wenn es dazu gehört und Spaß macht.

Im Lied über die Zeugnisausgabe heißt es am Schluss: „Meine Kinder schlag’ nur i“ und im Lied über den Weltspartag: „I erschieß’ den Sparefroh“. Solche Sätze deuten auf Wien hin, ist das ein wienerisches Album?

Der Machatschek: Ich bin von hier und deshalb kann man ruhig sagen, es ist wienerisch. Jeder verbindet damit wohl etwas Anderes, aber: eine süße Brutalität gehört wohl zu dieser Stadt dazu. Und zu dem, was hier entsteht. Das würde ich schon sagen.

Sie entwickeln auf der vorliegenden CD eine eigene Sprachlichkeit.

Der Machatschek: Danke, das nehme ich als Kompliment. Das ist eher passiert, als dass es gewollt ist. Es ist ein Herumspielen mit Worten.

Wenn Sie in Deutschland spielen, werden die Texte gut verstanden?

Der Machatschek: Ja, das klappt super. In Bayern sowieso, es gibt ab und zu einzelne Wörter, die nicht verstanden werden, aber das wäre in jedem anderen Bundesland genauso. Auch in Zürich funktioniert das super. Manche sagen, sie verstehen nur 80 Prozent, aber bei einer englischen Band versteht man auch nicht alles.

Hören Sie sich die Lieder zu den jeweiligen Anlässen an, zum Beispiel zum Jahresbeginn?

Der Machatschek: Nein, ich höre die Lieder beim Komponieren, Aufnehmen und bei den Auftritten, das reicht.

Wie haben Sie Nadja Maleh als Mitwirkende gewonnen?

Der Machatschek: Ich habe sie gefragt und sie hat ‚Ja’ gesagt. Eigentlich wollte ich mit ihr ein Lied über den Opernball machen, aber damit konnte sie nicht so viel anfangen. Sie hat gemeint, dass sie ein Duett zum längsten Tag und zur kürzesten Nacht interessieren würde. Dann habe ich das Lied „Sunwendfeia“ geschrieben, ihr vorgespielt, es hat ihr gefallen und wir haben es miteinander aufgenommen.

„Ich höre jetzt auch Hip-Hop und versuche schon mir immer wieder neue Genres anzueignen“

Sie haben im Vorgespräch erzählt, dass Sie zurzeit gerne The Kinks hören. Wie wirkt das auf Ihr eigenes Schaffen?

Cover “Sommer in Wien”

Der Machatschek: Ich denke mir schon, es wäre nett, auch mal etwas in diesem Stil zu machen. Ich komme musikalisch quasi aus einer Zeit, in der ein Lied einen Text hat, der Sinn ergibt, einen Refrain hat und in Strophen untergliedert ist. Ich höre jetzt auch Hip-Hop und versuche schon mir immer wieder neue Genres anzueignen. Manchmal finde ich einen Zugang und manchmal finde ich keinen Zugang. Oder ich mache dann meinen eigenen Hip-Hop, unter den ein Hip-Hopper niemals Hip-Hop schreiben würde.

Wann kommt das nächste Album der Trilogie?

Der Machatschek: Im März 2018, wir werden es wieder im Kabarett Niedermair präsentieren. Jetzt müssen wir die CD nur mehr fertig stellen. (lacht)

Danke für das Gespräch.

Jürgen Plank

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