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Kathi Kallauch (c) Andrea Peller

„Ein einfacher Popsong ist doch auch Kunst“ – KATHI KALLAUCH im mica-Interview

Die Sängerin und Songschreiberin KATHI KALLAUCH hat im Duo gemeinsam mit JOHANNES SUMPICH mit dem Lied „Kein Sommer für einen allein“ die RADIO-WIEN SOMMERHITWAHL 2016 für sich entschieden. Wie es zur Teilnahme an dem Contest gekommen ist, was der Sieg bedeutet und wie es mit den Arbeiten an ihrem Album steht, erzählte die gebürtige Deutsche, die nebenbei auch eine Konzertreihe im 25HOURS HOTEL in Wien programmiert, im Interview mit Michael Ternai.

Wie schreibt man einen Sommerhit?

Kathi Kallauch: Man muss dazusagen, dass der Urheber des Liedes Johannes [Sumpich; Anm.] ist. Er hat mir bei irgendeiner Gelegenheit einmal den Song vorgespielt und ich war von diesem von der ersten Sekunde an hellauf begeistert. Ich meinte sofort, dass dieser der Radio-Sommerhit werden könnte und wir ihn auch unbedingt einreichen sollten. Ich habe dann noch meine Strophe und einen Mittelteil dazugeschrieben, und fertig war das Lied.
Ich glaube, es gibt schon gewisse Grundregeln für das Schreiben eines guten und eingängigen Popsongs. Ein solcher sollte von der Struktur her idealerweise aus Strophe, Refrain und Mittelteil bestehen. Worauf ich im Laufe der Jahre zudem draufgekommen bin, ist, dass weniger oft mehr ist, also dass das, was eher einfach ist, tendenziell auch massentauglicher ist. Diese Einfachheit macht den Song für die Leute verständlicher und zugänglicher. Aber das allein macht noch keinen Hit. Der Song muss auch eine emotionale Komponente haben. Er muss etwas haben, was die Leute berührt. Dahingehend besonders wichtig ist Authentizität, und die versuche ich, in jedem meiner Songs auch glaubwürdig zu verkörpern.

Mit welchen Erwartungen seid ihr in den Contest gestartet? Habt ihr euch Chancen auf den Sieg ausgerechnet?

Kathi Kallauch: Wir haben – wie alle anderen auch – schon gehofft, dass wir gewinnen. Aber als es dann so weit war, waren wir schon überrascht. Bei so einem Wettbewerb kann man eigentlich nie vorhersagen, wer das Rennen machen wird. Man weiß ja nicht, wie die Leute, die letztlich entscheiden müssen, voten und welchen Musikgeschmack sie haben. In der Finalrunde waren ja Songs aus unterschiedlichsten Richtungen dabei, verschiedene Popsongs, Austropop, Schlager und Swing. So gesehen haben wir nicht wirklich mit dem Sieg gerechnet. Besonders Johannes nicht, der ja ein Meister des Understatements ist. Auf jeden Fall sind wir sehr glücklich darüber, dass wir gewonnen haben, wobei ich den Sieg auch den anderen Acts der Top 3 gegönnt hätte. Jeder von diesen 3 Finalisten wäre ein würdiger Gewinner gewesen.

„Keiner von uns beiden denkt, dass jetzt der große Durchbruch bevorsteht.“

Habt ihr nach dem Gewinn des Contests vor, das Projekt gemeinsam weiterzutragen?

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Kathi Kallauch & Johannes Sumpich (c) Johannes Dürhammer

Kathi Kallauch: Wir sind ja beide Solokünstler und arbeiten im Moment auch unabhängig voneinander an unseren eigenen Alben. Die größere Aufmerksamkeit, die uns aufgrund unseres Sommerhits nun zuteilwird, ist sehr schön und hilft uns klarerweise weiter. Und natürlich haben wir auch schon einmal darüber nachgedacht, ob wir nicht vielleicht noch einmal etwas gemeinsam machen werden. Jetzt werden wir erstmal einige schöne Konzerte im Sommer spielen. Unter anderem werden wir am Donauinselfest auf der Hauptbühne unser Lied singen. Davor haben wir schon ein wenig Angst. Wir spielen ja zwischen Russkaja und Seiler und Speer und fürchten uns ein wenig, dass uns manche vielleicht mit Flaschen bewerfen könnten [lacht]. Aber wir freuen uns natürlich sehr, vor so vielen Leuten spielen zu können.
Super ist natürlich auch, dass wir nun auf Radio Wien mehr Airplay bekommen. Darauf, denke ich, können wir aufbauen.
Wir sind aber auch realistisch. Keiner von uns beiden denkt, dass jetzt der große Durchbruch bevorsteht. Der Sieg bei diesem Contest ist vielmehr eine weitere Station, ein weiterer Schritt auf unserem Weg. Wir sind froh, dass Radio Wien diesen Contest eingeführt hat. Bei den 800 Einsendungen merkt man, dass es hier in Österreich wirklich viele MusikerInnen gibt, die ambitioniert sind.

Du hast gerade die Arbeit an deinem Album erwähnt: In welche Richtung wird es gehen? Was darf man erwarten?

Kathi Kallauch: Eines lässt sich schon sagen: Es wird schon in eine etwas andere Richtung gehen. Meine erste EP war ja sehr akustisch und reduziert. Meine neuen Songs sind in der Produktion jetzt größer. Außerdem habe ich mich stimmlich und als Songwriterin auch sehr weiterentwickelt. Es wäre natürlich schön gewesen, hätte ich das Album schon herausbringen können, aber verschiedene Faktoren haben das Ganze hinausgezögert. Ich habe die Zeit aber für mich genutzt und vielleicht habe ich die auch noch gebraucht.
Auf jeden Fall hat sich vieles positiv entwickelt. Ich habe unter anderem einen neuen Produzenten an meiner Seite und viele neue Songs geschrieben. Mein Plan ist, dass das Album noch dieses Jahr erscheint. Das hängt unter anderem davon ab, ob ich einen Deal für das Album bekomme. Bis jetzt habe ich ja alles alleine gemacht. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

„Ich habe mir irgendwann eingestehen müssen, dass ich fürs Alternative einfach viel zu unalternativ und uncool bin.“

Du machst Popmusik, die auf Radiotauglichkeit ausgerichtet ist. Orientierst du dich am Mainstreampop?

Kathi Kallauch: Es ist bei mir definitiv nicht so, dass ich beim Schreiben von Songs bewusst in Richtung Mainstream gehe. Mir selbst gefällt wirklich unterschiedlichste Musik und ich kann mich für vieles begeistern. Ich habe mir aber irgendwann eingestehen müssen, dass ich fürs Alternative einfach viel zu unalternativ und „uncool“ bin. Ich musste akzeptieren, was ich als Musikerin und Songwriterin bin und wo ich meine musikalische Heimat habe. Und die liegt eben im mainstreamigen Pop, wenn man so will.
Wobei ich schon dazusagen will, dass man nicht unbedingt Mainstream sein muss, um einen Hit zu landen. Das gelingt auch Leuten, die alternativ sind. Man muss sich ja nur FM4 anhören. Ich finde es aber schade, wenn sich Musikerinnen und Musiker von vornherein allem total versperren, was ihrer Meinung nach Mainstream ist. In Wirklichkeit ist es doch der Wunsch einer jeden Künstlerin und eines jeden Künstlers, eine gewisse Massenwirksamkeit zu erreichen. Wenn viele Leute meine Musik hören, ist es doch eine schöne Bestätigung für das, was ich geschaffen habe und gibt mir eine Berechtigung. Ein einfacher Popsong ist auch Kunst. Einfachheit bedeutet ja nicht, dass es an Qualität mangelt. Es ist ja auch eine Kunst, aus etwas Einfachem etwas Besonderes zu machen.

Ist es bei dir so, dass ein Song dir wirklich gefallen muss, bevor du ihn öffentlich machst?

Kathi Kallauch: Das ist immer eine Art Gratwanderung. Auf der einen Seite ist es nicht unbedingt ideal, wenn man aus der Ungeduld heraus den erstbesten Song sofort raushaut. Auf der anderen Seite macht es auch wenig Sinn, wenn man sich allzu sehr in den Details verliert und so die Veröffentlichung immer mehr hinauszögert. Es ist natürlich schon so, dass man sich selbst gegenüber am kritischsten ist und immer das Bestmögliche schaffen will. Aber so lange an einem Album zu arbeiten, bis es der eigenen Meinung nach perfekt ist, das, denke ich, macht wenig Sinn. Zum einen gibt es das perfekte Album sowieso nicht, und zum anderen bringt man ja nicht nur ein Album im Leben raus.

„Ich glaube, dass ich erst nach der Schule und nach dem Studium wirklich begonnen habe, Musik zu verstehen.“

Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen? Wie sieht dein Werdegang aus? Wer oder was hat dich geprägt?

Kathi Kallauch: Das ist in meinem Fall eine lange Geschichte. Mein Musikgeschmack – überhaupt mein gesamter Zugang zur Musik – hat sich in den Jahren sehr verändert. Meine musikalischen Wurzeln liegen auf jeden Fall in der Kirche. Ich bin in einer Art amerikanischen Gospel-Church aufgewachsen, einer modernen Freikirche, in der Musik einen großen Stellenwert hatte. Dort wurde – anders wie in zum Beispiel katholischen Kirchen – eigentlich permanent musiziert und gesungen. Somit war ich schon sehr früh sehr mit Musik verbunden. Ich habe als Kind in diversen Kinderbands gespielt und in Kinderchören gesungen, was mir damals auch immens viel Spaß gemacht hat. Ich muss aber dazusagen, dass all diese musikalischen Aktivitäten ausschließlich in dieser christlich geprägten Umgebung stattgefunden haben. Auf iTunes gibt es ja das eigene Genre „Contemporary Christian Music“, und genau die Musik war es auch, die ich gehört habe, beziehungsweise die einzige Musik, die ich hören durfte.

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Kathi Kallauch (c) Andrea Peller

Mittlerweile bin ich ja kein Mitglied mehr einer solchen Kirche, ich habe mich da quasi heraus emanzipiert. Aber musikalisch hat mich diese Zeit geprägt. Als rebellischer Teenager fing ich dann an, Hip-Hop und ganz besonders Soul zu hören. Und auch deutschsprachigen Pop wie Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims. Über Freundeskreis bin ich dann zu Joy Denalane gekommen. Die hat mich, was das Singen auf Deutsch angeht, sehr geprägt. Vor allem ihre soulige und coole Art, mit der sie das tut, hat mich sehr beeindruckt.
In der Schulzeit selbst habe ich eigentlich nicht so viel Musik gemacht. Mein erster öffentlicher Auftritt in der Schule fand bei der Maturafeier statt. Da haben plötzlich alle gehört, dass ich doch recht ordentlich singen kann. Ich bin dann entgegen der Empfehlung meiner Lehrer „etwas Ordentliches zu studieren“ ans Konservatorium gegangen, um Jazz-Gesang zu studieren. Ich habe das Studium aber nach drei Jahren abgebrochen, weil es mir viel zu theoretisch war. Ich glaube, dass ich erst nach der Schule und nach dem Studium wirklich begonnen habe, Musik zu verstehen. Das, was ich heute kann, habe ich mir eigentlich fast alles ausschließlich selbst beigebracht beziehungsweise von Kollegen gelernt. Durch die Arbeit mit verschiedenen Bands und Songwritern hat sich über die Jahre dann immer mehr mein eigener Style herausgebildet.

Wie bewertest du die aktuelle Entwicklung der österreichischen Musikszene und deren Rahmenbedingungen?

Kathi Kallauch: Es hat sich in den letzten Jahren auf jeden Fall viel getan. Besonders in den letzten beiden. Es scheint sich im Bewusstsein der heimischen Musikschaffenden etwas verändert zu haben. Es gab einige Durchbrüche von Bands, die nicht auf dem klassischen Weg – über eine Castingshow oder über eine Major-Plattenfirma – passiert sind. Bilderbuch und Wanda zum Beispiel. Dann gab es auch noch den großen Eklat um die Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger, der viel Staub aufgewirbelt hat und eine Diskussion entfacht hat. Man begann zumindest, wieder über eine neue Quote zu reden, was ja lange Zeit überhaupt nicht mehr der Fall war. Ich glaube auch, dass die Bands und Acts selbst sehr aktiv geworden sind und gelernt haben sich besser zu vermarkten und das Business besser zu verstehen. Natürlich hapert es noch an vielen Stellen. Es gibt zum Beispiel zu wenige Auftrittsmöglichkeiten und auch die Sendervielfalt fehlt leider. Auf der anderen Seite gibt es aber zum Beispiel den Österreichischen Musikfonds. So etwas gibt es in Deutschland nicht. Der Musikfonds ist eine großartige Sache. Es gibt die Möglichkeit, sich ein Album, eine Tour oder ein Video fördern zu lassen. Das ist für viele Musikerinnen und Musiker der einzige Weg, sich ihr Projekt zu verwirklichen, es möglich zu machen, weil es sonst nicht leistbar wäre.

Du bist ja auch seit einigen Monaten für die im 25hours Hotel in Wien laufende Konzertreihe verantwortlich. Welche Idee steckt hinter dieser Reihe?

Kathi Kallauch: Den Anspruch, den ich mir von Anfang an gestellt habe, war, dass die Qualität extrem hoch sein muss. Die Location ist wirklich cool und das Publikum sehr anspruchsvoll. Ich wollte vermeiden, dass die Reihe als eine Art Schülerbandnachwuchsförderungs-Projekt verstanden wird. Die Bands, die auftreten, müssen schon ein gewisses professionelles Niveau erreicht haben. Was aber nicht bedeutet, dass sie schon berühmt sein oder große Erfolge gefeiert haben müssen. Es kann genauso auch eine Formation auftreten, die gerade am Sprung ist oder überhaupt erst frisch gegründet wurde. Was zählt, ist, dass die Musik passt. Und die kann aus den unterschiedlichsten Richtungen kommen. Ich habe bei meiner Suche nach Acts für die Reihe so unfassbar viele großartige Bands und Solo-Acts mit Potenzial entdeckt, dass ich im Grunde schon das ganze nächste Jahr planen könnte. Leider kann ich natürlich nicht alle unterbringen. Bei einem Abend in einem Monat gehen sich eben nur zwei Acts aus. Die Bands, die hier auftreten, wissen das auch wirklich zu schätzen, was mich sehr freut. Ich garantiere den Künstlerinnen und Künstlern jedes Mal ein volles Haus und somit eine erhöhte Chance, neue Fans zu gewinnen. Ich glaube, das ist für alle Seiten eine super Sache.

Vielen Dank für das Interview.

Michael Ternai

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