„Durch eine gewisse Intimität und Zerbrechlichkeit im Sound kommt etwas sehr Direktes zum Vorschein.“ – BIBIANE ZIMBA im mica-Interview

Man kennt die Wiener Sängerin und Pianistin BIBIANE ZIMBA vor allem als Teil von MARTIN SPENGLERS Band DIE FOISCHN WIENER:INNEN. Mit dem Album „Something Unknown“ tritt sie nun aber auch als Solokünstlerin in Erscheinung. BIBIANE ZIMBA zeigt sich auf ihrem Debüt als eine Songwriterin mit eigener musikalischer Sprache. Reduziert in Ton und stilistisch offen bringt sie Lieder zum Erklingen, die gefühlvoll schwingen und in hohem Maße berühren. Im Interview mit Michael Ternai erzählt die Wienerin von ihren musikalischen Wurzeln, darüber, warum sie den reduzierten Ton so sehr schätzt, und mit welchen Erwartungshaltungen Women of Colour in der Musik zu kämpfen haben.

Ich weiß zwar, dass du bei Martin Spengler & die foischn Wiener:innen Sängerin bist, aber auch nicht allzu viel mehr. Auch auf deiner Webseite findet sich nicht viel zu deiner Biographie. Daher, woher kommst du eigentlich musikalisch? Wie sieht dein Werdegang aus?

Bibiane Zimba: Ursprünglich habe ich Musikerziehung studiert und da es zu diesem Zeitpunkt dort nur klassischen Gesang gab, habe ich mich damals deshalb für die Aufnahmeprüfung mit klassischem Gesang auseinandergesetzt. Insgesamt habe ich dann acht Jahre klassischen Gesang auf der Uni studiert. Als zweites Fach klassisches Klavier. Die letzten vier Jahre wechselte ich dann auf Jazzklavier.
Popgesang gab es damals noch nicht. Das Musikerziehungsstudium war letztlich aber nicht wirklich das Richtige für mich, aber ich habe relativ lange auf der Musikuni verbracht.
1998 haben die Wiener Sängerknaben kurz probiert, Mädchen in die Schule hineinzubekommen. Dort habe ich mich beworben und wurde auch aufgenommen. Letztlich war es dann aber so, dass ich mich nach einem halben Jahr als einziges Mädchen mit 19 Buben in der Klasse von dort wieder verabschiedet habe. Es hat einfach nicht sonderlich gut funktioniert. Dennoch hat dort mein Instrumentalunterricht begonnen. Ich habe mich damals sehr ins Klavier verliebt und auch in Bach.
Daher kann man sagen, dass ich einen klassischen Zugang zu Musik genossen habe.

Und dann bist du bei Martin Spengler & die foischn Wiener:innen gelandet.

Bibiane Zimba: Das beim Martin hat sich ganz, ganz wunderbar ergeben, weil ich geborene Wienerin bin, mütterlicherseits wirklich alle in Wien waren, meine Oma gebürtige Ottakringerin ist und ich mit ihr groß geworden bin. Dadurch habe ich einen unglaublichen Bezug zum Wienerischen und spüre diese Mentalität schon sehr stark in mir. Damit hat sich für mich ein sehr schöner Kreis geschlossen.

Dieses Video auf YouTube ansehen.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.

Dein Werdegang erklärt mir nun auch den Sound, den ich auf deinem Album zu hören bekomme. Ich hatte zunächst ein klassisches Songwriterinnen-Album erwartet. Beim Durchhören jedoch ist mir aufgefallen, dass es dann doch nicht so klassisch ist. Manche Melodien und Akkordfolgen gehen schon in eine sehr jazzige Richtung. Was hat dich eigentlich dazu bewogen jetzt auch mal ein Soloalbum zu machen? Vor allem eines, das in diese Richtung geht.

Bibiane Zimba: Den Wunsch, eigene Musik zu veröffentlichen, hatte ich schon sehr lange. Für mich war immer klar, dass ich schreiben und ich meine eigenen Worte und meine eigene Stimme dafür finden möchte. Aber wahnsinnig viele Gedanken darüber, in welche Richtung ich mich mit meiner Musik bewege, habe ich mir nicht gemacht. Es war eher so, dass ich einfach losgeschrieben habe. Und das, was jetzt auf der Platte zu hören ist, ist eben rausgekommen. Ich bin aber schon selber gespannt, wie es einmal auf einem zweiten und dritten Album sein wird, ob sich die Musik dann stärker hin zu einem bestimmten Genre entwickelt. Aber es stimmt, ich sehe es genauso, „Something Unknown“ ist definitiv kein reines Singer/Songwriter-Album, auch weil ich mich selber überhaupt nicht dieser Kategorie zuordnen würde.

Du hast zwar gesagt, dass du nicht in eine bestimmte Richtung geschrieben hast. Was aber auffällt ist, dass das Album sehr reduziert gehalten ist. Es sind fast ausschließlich mit zwei, drei Ausnahmen, wirklich nur deine Stimme, ein Klavier und ein Kontrabass zu hören. War dieses Wenige aber dennoch Plan?

Bibiane Zimba: Mir ist aufgefallen, dass Lieder, die sich bei mir sehr lange halten, tendenziell die sind, die mit sehr wenig auskommen. Ganz am Anfang waren es wirklich nur Klavier, Stimme und Kontrabass. Das hat sich auch ein wenig aus der Not heraus ergeben, weil kleine Besetzungen deutlich einfacher zu organisieren sind. Auch was das Aufstellen von Gigs betrifft. Es hat sich für mich dann aber sehr gut etabliert. Durch eine gewisse Intimität und Zerbrechlichkeit im Sound kommt etwas sehr Direktes zum Vorschein. Ich denke, das ist meins, das bin ich. Ich kann mir schwer vorstellen, dass zum Beispiel Electro-Sachen das Richtige für mich wären, obwohl ich sehr viel aus dieser Richtung wirklich cool finde.

„Wenn mich etwas beeinflusst, passiert das – wenn überhaupt – sehr unterbewusst.“

Wer sind eigentlich deine musikalischen Vorbilder? Wer inspiriert dich?

Bibiane Zimba: Mit den Vorbildern ist das recht lustig. Es gibt natürlich sehr viele Künstler:innen, die ich höre. Aber ich kann nicht sagen, dass ich mich irgendwie bewusst an ihnen orientiere. Tendenziell war es sogar so, dass ich aus dem, was ich cool finde, etwas ganz anderes machen wollte. Wenn mich etwas beeinflusst, passiert das – wenn überhaupt – sehr unterbewusst. Vor zehn, fünfzehn Jahren war ich zum Beispiel ein riesiger Fan von Alicia Keys. Ich glaube aber, dass meine Musik von ihrer sehr weit weg ist. Im Moment stehe ich total auf Lianne La Havas.

Bild Bibiane Zimba
Bibiane Zimba (c) Franziska Liehl /www.franziskaliehl.com

Mein Musikgeschmack ist generell sehr durchwachsen und ich kann wirklich nicht sagen, wie sehr sich dieser Musikgeschmack in meiner Musik tatsächlich widerspiegelt. Das sind für mich zwei verschiedene Paar Schuhe.
Ich denke, ich habe einfach auch einiges aus meinem Studium mitgenommen, Tools, die mir jetzt beim Songschreiben helfen. Und man darf auch nicht vergessen, dass ich ja schon jahrelang musiziere. Da sammelt man natürlich auch Erfahrungen und die fließen klarerweise auch in irgendeiner Form ein.

Worum geht es bei dir in den Liedern? Sind es persönliche Geschichten über die du singst?

Bibiane Zimba: Das, was in allen Liedern in der einen oder anderen Art drinnen ist, ist eine Sehnsucht nach etwas. Die Sehnsucht nach jemanden, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, die Sehnsucht danach, sich selbst zu finden. Und es sind erstaunlich viele Liebeslieder auf diesem Album vertreten.
Es sind aber auch Songs dabei, die in der ersten und zweiten Coronaphase entstanden sind, zu einer Zeit, in der ich sehr viel alleine war, sehr isoliert war, ich mir sehr oft die Frage gestellt habe, was denn von mir wirklich übrigbleibt, wenn ich keine Musik mache und ich meine Freund:innen nicht mehr sehen kann. Es geht darum, wer man eigentlich noch ist, wenn all die Dinge wegbrechen, die einen definieren.

Du singst deine meisten Lieder ja auf Englisch. Mit „Beton und Steine“ ist aber auch ein deutschsprachiges dabei. Und mit „Kopfkino“ gibt es auch schon einen anderen Song, der auf Deutsch ist. Warum gibt es nicht mehrere? Deine Musik funktioniert ja in beiden Sprachen vortrefflich.

Bibiane Zimba: Das freut mich sehr, wenn ich das höre. Ich tue mich, wenn ich ehrlich bin, in Deutsch tatsächlich etwas schwerer. Hinter der englischen Sprache kann man sich, finde ich, etwas leichter verstecken, auch in den Emotionen. Deutsch ist da deutlich exponierter. Zudem ist Deutsch einfach eine schwierigere Sprache zum Singen. Zumindest für mich.

„Ich wollte dieser Erwartungshaltung trotzen und zeigen, dass ich das kann.“

Ein Soloalbum ist ja in gewisser Weise auch immer die Suche nach der eigenen musikalischen Stimme. Wie nahe bist du auf diesem Album deiner am nächsten gekommen. Wohin kann sich deine Stimme noch entwickeln?

Bibiane Zimba: Ja, das könnte man über ein Soloalbum durchaus so sagen. Das ist schön gesagt. Es ist als Woman of Colour schon ein großes Thema, in Österreich groß zu werden, was die Erwartungshaltung betrifft, wie die Stimme klingen sollte. Bevor ich begonnen habe zu studieren, habe ich überwiegend Jazz, Pop und Musical gesungen und hatte auch große Freude dran. Und tatsächlich habe ich mich von der Literatur her auch in der Klassik sehr wohl gefühlt. Ich habe klassische Musik sehr gern gesungen, mich aber im Umfeld nicht sehr wohl gefühlt. Mir ist von vielen Seiten sehr, sehr stark vermittelt worden, dass ich nicht erwarten brauche, jemals irgendwo eine Rolle zu bekommen. Zumindest würde es ein sehr harter Kampf sein, eine zu kriegen.

Auf der Uni ging es sehr in die Richtung, dass ich doch irgendwie dunkler klingen sollte, so wie eine Gospel-Diva. Und ich denke, dass ich gerade deswegen so darauf aus war, klassisch singen. Ich wollte dieser Erwartungshaltung trotzen und zeigen, dass ich das kann. Auf der anderen Seite habe ich mich auch aus diesem Grund gegen manche Musikrichtungen gewehrt, von denen man meinte, dass wären die Genres, in die ich hineingehöre.
Mit diesem Album und auch mit Martin Spengler & die Foischn Wiener habe ich jetzt das Gefühl, dass ichein wenig Frieden gefunden habe, bezüglich, was meine Stimme alles sein darf und wie ich persönlich klinge. Daher versuche ich auch nicht, irgendjemanden stimmlich zu imitieren. Das ist mir sehr wichtig. Ich blicke auf jeden Fall mit Spannung darauf, zu welchen Genres sich die Türen für mich noch öffnen. 

Vielleicht einmal ein tanzbares Album?

Bibiane Zima: Das wird es definitiv auch einmal geben. Ganz sicher sogar.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Ternai

++++

Bibiane Zimba & Band, Album Release

28.9.2022 Theater am Spittelberg, Wien

++++

Links:
Bibiane Zimba
Bibiane Zimba (Facebook)
Bibiane Zimba (Instagram)