„Die Zukunft liegt im Nutzen gemeinsamer Ressourcen“ – FILIPA CICIN-SAIN (Forum Stadtpark) im mica-Interview

Mitten im Grazer Stadtpark steht seit vielen Jahren eines der wichtigsten Gebäude, wenn es um Kunst und Kultur in dieser Stadt geht. Das FORUM STADTPARK kombiniert die Künste, kooperiert mit VeranstalterInnen unterschiedlichster Sparten, lässt Experimentelles zu und erscheint aktuell in der Musikszene wieder verstärkt am Radar. Mit der Leiterin des Musikprogramms, Filipa Cicin-Sain, sprach Lucia Laggner.

Musik knüpft Kontakte

Wie man auf der Homepage liest, lässt sich das FORUM STADTPARK als ein Ort verstehen, der für einen erweiterten Kunstbegriff steht und spartenübergreifendes Arbeiten in den Bereichen Architektur, Literatur, Bildende Kunst, Film, Fotografie, Medienkunst, Mode, Musik, Theater, Performance und Theorie fördert. Wie sieht das im Konkreten aus? Welche Rolle spielt in dieser Vielfalt die Musik?

Filipa Cicin-Sain: Das Forum Stadtpark ist keine Konzert-Location und trotzdem finden bei uns Konzerte statt, es ist auch kein Theater, aber trotzdem werden hier Theaterstücke aufgeführt, es ist auch keine Galerie, aber trotzdem haben wir ständig Ausstellungen. Das Forum Stadtpark ist alles in einem. In jedem Fall sind wir ein KünstlerInnenvereinn. Das Programmverantwortliche Gremium besteht aus sechs KünstlerInnen (plus drei im Vorstand), allerdings hat das Forum an sich viele Mitglieder.

Um diese spezielle Eigenart hervorzuheben, haben wir begonnen, die Zusammenarbeit zwischen den KünstlerInnen zu stärken, indem wir 2012 zum ersten Mal ein Jahresmotto bestimmt haben. Im Sommer 2014  haben wir im Rahmen des Projekts „Zimmer mit Ausgangslage“ mit der Kultur- und Verbotspolitik auseinandergesetzt und gemerkt, dass wir damit wirklich Aufmerksamkeit erzeugen – nicht zuletzt aufgrund des prominenten Standortes mitten im Grazer Stadtpark. 2015 wollen wir beginnen, noch langfristiger zu denken und unter dem Titel „Rathaus der Herzen“ ein neues Projekt starten, das die künstlerische Produktion weiter stärken und dabei möglichst viele KünstlerInnen aus unterschiedlichen Szenen und Sparten miteinbeziehen soll.

Durch den universell verständlichen Code von Musik, bietet diese oft den ersten Anknüpfungspunkt. Wenn neue Menschen ins Forum Stadtpark kommen, dann ist es oft zunächst wegen der Musik. Sie bietet einen guten Einstieg.

Das FORUM STADTPARK richtet Jahr für Jahr eine große Anzahl an Veranstaltungen aus. Versteht sich der Verein als Veranstalter, Plattform, Förderer? Welche Kriterien entscheiden, wer in den Räumlichkeiten ein Konzert gibt oder eine Party veranstaltet?

Filipa Cicin-Sain: Wir selbst sind nur für eine Musikveranstaltung im Jahr verantwortlich, den sogenannten „Tripledecker“ der seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken ist aus dem Grazer Veranstaltungskalender. Das restliche Jahr arbeiten wir mit externen VeranstalterInnen zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf Musik die sich eher schwer vermarkten lässt und somit keinen oder wenig Platz in den gängigen Spielplänen findet.  Daher featuren wir auch experimentelle Musik. Das ist möglich, weil wir einerseits günstige Konditionen anbieten und andererseits auch für Kooperationen offen sind.

„Wir sehen jede schwierige Situation als Herausforderung“

Das FORUM STADTPARK blickt auf eine verhältnismäßig lange Geschichte zurück. Schützen diese Geschichte und die langjährigen Mitglieder (Anm. Alfred Kolleritsch, Peter Handke, Barbara Frischmuth) das Haus vor einem Rückgang bei den Fördergeldern?

Filipa Cicin-Sain: Ich würde sagen, dass dieses Erbe sowohl positive ist als auch einschränkende Aspekte hat. Wir sehen jede schwierige Situation als Herausforderung und ich habe nicht das Gefühl, dass uns unsere Geschichte schützen kann. Man muss ständig mit aktuellen Veränderungen umgehen können und auf sie reagieren. Mit „Rathaus der Herzen“ gehen wir auch in puncto Förderungen einen neuen Weg. Ab 2015 werden wir aus allen Bereichen des Mehrspartenhauses ein gemeinsames Förderansuchen stellen. Früher haben wir oft bis zu sechs einzelne Ansuchen verfasst, wir werden sehen, wie sich das auswirkt.

Was könnte den Raum FORUM STADTPARK gefährden? Ist die Zielgruppe gerade im Bereich der  Musik groß genug? Ist die Location gut besucht? Was sind die Erfolge der letzten Jahre und wo kann man sich noch verbessern?

Filipa Cicin-Sain: Vieles hängt auf Entscheidungsebene mit der Stadt zusammen. Der Standort unseres Hauses ist sehr interessant. Es gab schon einige Pläne von Seiten der Politik es etwa zu einem Seniorencafé oder Ähnlichem umzufunktionieren. Das „Projekt Pfauengarten“ das im letzten Jahr direkt gegenüber des Forums gebaut wurde, illustriert sehr schön, wohin sich die Stadt zum Teil entwickelt.

Wenn ich über BesucherInnenzahlen reden würde, dann würde ich mich in diese politischen Fahrwasser begeben. Wir bemühen uns um Qualität und gewisse Veranstaltungen müssen und werden vielleicht nie ausverkauft sein. „Tripledecker“ ist immer ausgezeichnet besucht, aber wirtschaftliche Kriterien dürfen dennoch nicht darüber entscheiden, welche Programme wir gestalten. Das wäre eine große Gefahr.

„Wir setzen einen Schwerpunkt auf längerfristige Zusammenarbeit“

Graz hat in den letzten zwei Jahren im Bereich der Clubkultur stark einbüßen müssen. Clubs wurden geschlossen, VeranstalterInnen mussten sich in dichte Terminkalender anderer Clubs hineindrängen. War das auch im FORUM STADTPARK spürbar? Wie gehen die Verantwortlichen mit dieser Situation um?

Filipa Cicin-Sain: Wir bekommen zunehmend mehr Anfragen. Das Forum scheint momentan wieder stärker auf dem Radar auf. Das liegt nicht nur daran, dass andere Clubs geschlossen haben, sondern auch an unseren programmatischen Stärken. Solange Termine frei sind und die Konzepte in unser Haus passen, versuche ich VeranstalterInnen einzubinden. Wir sind offen dafür, spannende, einmalige Sachen umzusetzen. Grundsätzlich wollen wir allerdings längerfristig zusammenarbeiten. Daher entstehen die meisten Abende, die sich wiederholen, durch Kooperationen. Ich denke, dass das Zusammenschließen und das Teilen der Ressourcen in Zukunft sehr wichtig sein wird. Wenn weniger Raum zur Verfügung steht, dann muss man eben gemeinsam bespielen, was es gibt. Die Leidenschaft für Musik wird immer vorhanden sein und es wird immer Menschen geben, die etwas machen wollen.

Filipa Cicin-Sain zeigt sich für die Gestaltung des musikalischen Programms im FORUM STADTPARK verantwortlich.

Text: Lucia Laggner
Fotocredits: Doris Fatur, Garfield Trummer, Kubiza

Die Diskussions- und Vortragsreihe mica focus wird unterstützt durch die Abteilung für Wissenschafts- und Forschungsförderung der MA7 Wien.

http://www.forumstadtpark.at/