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KIDS N CATS (c) Luise Reichert

„Die Karten werden komplett neu gemischt!“ – KIDS N CATS im mica-Interview

Die Wiener Band KIDS N CATS veröffentlichte im Mai ihr zweites Album: „Juicy Worlds“. Seit 31. Mai 2016 ist sie im Rahmen ihrer NASOM-Förderung und ihres Projekts „11 Songs 11 Countries“ auf einer einjährigen Reise um den Globus. Antonia Seierl sprach mit JEANNE NICKELS, PETER PAUL AUFREITER und MARTEN KAFFKE über ihren „Juicy Sound“, die große Reise und musikalische Produktionsprozesse.

Wie haben Sie einander kennengelernt?

Jeanne Nickels: Eigentlich auf Partys. Marten und ich haben uns vor etwa zehn Jahren durch MySpace kennengelernt, Marten und Peter Paul auf Partys. Peter Paul kannte Max schon aus Steyr, wir haben ihn dann auch über Events getroffen.

Wie sind Sie auf den Namen Kids N Cats gekommen?

Peter Paul Aufreiter: Marten hat mich einmal angerufen, als er gerade mit Jeanne in Israel war, und kam mit dieser Idee für den Bandnamen. Wir waren damals auf Namenssuche und Kids N Cats hat uns gefallen.

Seit der Bandgründung ist ein Mitglied hinzugekommen. Hat sich seither in Ihrer Banddynamik etwas geändert?

Marten Kaffke: Auf jeden Fall – Max [Maximilian Atteneder; Anm.] spielt Schlagzeug, aber er ist auch Keyboarder und gerade wenn es um die Melodiefindung geht, kann er immer gute Inputs geben!

Jeanne Nickels: Er kann auch sehr gut singen. In den nächsten Liedern wird man ihn sicher zu hören bekommen!

Peter Paul Aufreiter: Live mit ihm zu spielen macht auch extrem viel Spaß, weil er immer total auf- und durchdreht, was natürlich alle ansteckt.

Stichwort „live“: Sie hatten ja nicht nur Liveauftritte, sondern auch DJ- Sets, unter anderem im Celeste in Wien. Ist Ihnen das lieber, als live als Band zu spielen?

Marten Kaffke: Es ist einfach eine gute Ergänzung! Wenn man angefragt wird, hat man dann immer zwei Optionen – also ob man live oder als DJ spielen möchte.

Jeanne Nickels: Als DJs zu spielen macht auch total Spaß!

Wie bauen Sie das dann DJ-mäßig auf? Alle zusammen hinter dem Pult oder einzeln?

Peter Paul Aufreiter: Wir stehen zu viert an den Mischpults! Und manchmal streiten wir uns darüber, wer was spielen darf, das ist dann immer sehr lustig! Natürlich ist das dann auch spannend, weil viele Einflüsse zusammenkommen und eine wilde Mischung entsteht.

„[…] die Inspirationen für die Musik kommen mehr aus uns selbst heraus.“

Woher bekommen Sie Ihre Inspirationen? Haben Sie eventuell musikalische Vorbilder?

Jeanne Nickels: Ja, auf jeden Fall – sehr viele!

Peter Paul Aufreiter: Ich habe das Gefühl, dass sich Inspirationen mittlerweile von selbst ergeben. Wir haben nicht mehr dieses Denken: „Das höre ich gerade, das ist cool, das machen wir jetzt auch“, sondern die Inspirationen für die Musik kommen mehr aus uns selbst heraus. Wir machen Lieder generell meist so, dass einer von uns einen Input bringt und wir dann gemeinsam daran arbeiten.

Marten Kaffke: Wir sind immer alle in den Prozess eingebunden – es ist also nie so, dass jemand mit einem fertigen Lied kommt und die anderen spielen es nur. Jedes Lied wird von uns allen gemeinsam geschrieben.

Wie haben Sie Ihren „Juicy Sound“ gefunden?

Marten Kaffke: Das war eigentlich letzten Sommer! Da haben wir uns eine Woche lang zurückgezogen und von morgens bis abends in einem Hof in Mödling Lieder geschrieben. Wir sind die ganze Zeit draußen in der Sonne gesessen, haben Beeren gepflückt und gegessen …

Jeanne Nickels: Und wir haben jeden Tag ganze viele Wassermelonen gegessen!

Marten Kaffke: Genau, und das Feeling in dieser Woche hat sich wirklich in den Liedern manifestiert.

Das klingt ja richtig idyllisch! Jeanne Nickels, Sie singen ja bevorzugt auf Englisch und Französisch – warum nicht auf Deutsch?

Jeanne Nickels: Weil ich auf Deutsch nicht schreiben kann. Ich schreibe die Texte und die klingen auf Deutsch irgendwie nicht gut. Früher habe ich versucht, 50 Prozent auf Englisch und 50 Prozent auf Französisch zu schreiben, aber dann kam die Bitte, mehr auf Englisch zu singen – das habe ich versucht anzunehmen. Es kommt natürlich auch immer darauf an, worüber ich schreibe! Zu manchen Emotionen passt Französisch einfach viel besser.

„[…] wir wollten immer schon durch viele Länder reisen“

Im Rahmen Ihrer NASOM-Förderung haben Sie ja ein Projekt geplant, das „11 Songs 11 Countries“ heißt. Erzählen Sie bitte, was genau passieren wird.

Jeanne Nickels: Wir sind ab 31. Mai etwa Jahr lang unterwegs und werden in elf Ländern elf Lieder schreiben. Im Zentrum des Ganzen steht die Kollaboration mit Künstlerinnen und Künstlern in den jeweiligen Ländern – wir wollen uns mit diesen Leuten austauschen, Visionen teilen und Lieder schreiben.

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Bild (c) KIDS N CATS

Marten Kaffke: Wir möchten die Prozesse, die Infrastruktur und die Musikproduktion in anderen Ländern kennenlernen, uns durch die Kollaborationen gegenseitig inhaltlich inspirieren. Es wird sicher spannend, wie die Lieder dann schlussendlich aussehen und klingen werden.

Jeanne Nickels: Die Karten werden komplett neu gemischt! Wir haben uns bestimmte Länder ausgesucht – manchmal sind wir zu viert unterwegs und teilweise sind Marten und ich in einer Fernbeziehung mit Peter Paul und Max. In diesen Phasen reisen nur Marten und ich, während wir über diverse Medien mit den anderen kommunizieren und sie am Laufenden halten.

In welche Länder werden Sie zum Beispiel reisen?

Marten Kaffke: 2016 ist schon alles fixiert: Wir werden im Juni nach Israel fliegen, im Juli sind wir in Frankreich, dann in Deutschland, im September in Japan, im Oktober in China, danach in Taiwan, dann fliegen wir nach Australien. Für 2017 haben wir bereits einige Länder angedacht, darunter sind zum Beispiel Mexiko, Brasilien und Senegal.

Sie werden ja rund um die Welt fliegen! Haben Sie schon ein paar Künstlerinnen und Künstler für Kollaborationen im Visier?

Jeanne Nickels: Ja, klar! Ein paar stehen schon fest, wie zum Beispiel in Japan – da werden wir mit TsuShiMaMiRe [www.tsushimamire.com; Anm.] zusammenarbeiten, die ziemlich durchgeknallt sind.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, rund um die Welt mit anderen Künstlerinnen und Künstlern Musik zu machen?

Marten Kaffke: Die Projektidee hatten wir schon länger. Es haben sich schließlich verschiedene Sachen in der Projektentwicklung vermischt. Wir wollten immer schon durch viele Länder reisen, aber dort eben nicht nur einen kurzen Urlaub machen, sondern das Land beziehungsweise die Stadt wirklich näher kennenlernen.

Jeanne Nickels: Es war auch unser Wunsch, das mit unserer Leidenschaft der Musik zu verbinden.

Marten Kaffke: Schritt für Schritt ist es immer mehr in diese Richtung gegangen. Zuerst war der Plan, drei bis vier Monate in einem Land zu sein und dann wieder drei bis vier Monate in einem anderen, was im Hinblick auf die Lebenskosten günstig gewesen wäre. Aber durch die NASOM-Förderung gab es dann die Chance, etwas Größeres anzudenken. Im Endeffekt sind dann immer mehr Länder dazugekommen und so hat sich die Idee für „11 Songs 11 Countries“ entwickelt.

Ist in diesem Projektrahmen ein Album in Planung?

Marten Kaffke: Wir haben es auf jeden Fall vor. Bei elf Liedern macht das Sinn!

„Der musikalische Austausch ist in einer Gruppe immer sehr bereichernd!“

Sie kommen ja alle aus bestehenden oder vergangenen musikalischen Projekten: Wann beziehungsweise warum haben Sie beschlossen, sich als Kids N Cats zusammenzutun?

Peter Paul Aufreiter: Ich habe davor in verschiedenen Bands gespielt, aber das ist immer mehr abgeflaut. Durch meinen Umzug nach Wien war vieles vorbei, da habe ich viel solo gearbeitet, aber irgendwann kam dann wieder die Lust, in einer Band zu spielen. Der musikalische Austausch ist in einer Gruppe immer sehr bereichernd! Es entsteht viel leichter viel Spannenderes, weil man viel mehr Input und auch Reibungspunkte hat, das verbindet sich sehr schön.

Jeanne Nickels: Marten und ich waren davor schon einmal gemeinsam in einer Band, aber Kids N Cats hat eigentlich nicht als Band angefangen, sondern wir wollten nur ein Lied gemeinsam aufnehmen – das hat dann so gut funktioniert, dass wir beschlossen haben, mehr zusammen zu machen.

Wie läuft das Produzieren bei Ihnen ab?

Marten Kaffke: Meist treffen wir uns in einer Umgebung, die nicht so dunkel wie ein Proberaum ist – also zum Beispiel in einem Wohnzimmer. Einer von uns bringt dann eine Idee, eine Melodie, eine Songtext oder einen Schlagzeugrhythmus und dann gibt jeder einen Input, wodurch schließlich das Lied entsteht. Der eine hat eine Melodie, dem anderen fällt ein Beat dazu ein und so weiter. Das geht eigentlich immer relativ zügig.

Wie lange brauchen Sie etwa für ein Lied?

Jeanne Nickels: Das ist schwer zu sagen, denn von der Anfangsidee bis zum fertigen Lied geht es immer sehr schnell. Die Struktur ist immer gleich vorhanden, aber bis ein Lied produziert ist, dauert es oft ein Jahr.

Peter Paul Aufreiter: „Tête de pastèque“ war an fast einem Tag fertig, aber es dauerte, bis es mit kleinen Spielereien, Sounds, Kleinigkeiten im Arrangement komplett war.

Auf Ihrer Release-Party gab es eine Art Ausstellung zu Ihrem Album. Sind Sie nebenbei auch als bildende Künstlerinnen und Künstler tätig?

Jeanne Nickels: Noch nicht! Aber unsere Interessen sind sehr vielfältig.

Marten Kaffke: Auch sehr vielschichtig: Jeanne hat schon Puppen gebaut, Peter Paul hat in seinem Soloprojekt das Albumcover selbst gestaltet, beim Videoschnitt beziehungsweise bei der Videoproduktion hatten wir sehr oft unsere Finger im Spiel – die visuelle Ebene ist uns sehr wichtig!

Peter Paul Aufreiter: Marten malt auch Bilder, Max kann extrem gut zeichnen – er hat immer sein Sketchbook dabei!

Haben Sie außerhalb des NASOM-Projekts weitere Pläne? Zukunftsvorstellungen?

Jeanne Nickels: Da wir bis 2017 durchplant sind, eher nicht! Wir wissen auch nicht, wie wir nach dieser großen Reise drauf sind, wie sie uns beeinflussen wird und welche neuen Ideen wir mitbringen werden. Insofern haben wir außer der Reise keine weiteren Projekte in Planung. Es ist also alles offen!

Vielen Dank für das Gespräch.

Antonia Seierl

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