Die Interpretinnen I

musik:frauen in der Hofburg Frauenzimmer in die Hofburg! Auf Einladung des Bundespräsidenten werden am 7. Dezember im Musikzimmer der Präsidentschaftskanzlei vor geladenen Gästen Beispiele aktueller Musik von einigen der besten Musikerinnen Österreichs präsentiert. Hier die Bios und Links zu den Interpretinnen Annelie Gahl, Petra Stump, Lorelei Dowling & Tamara Joseph.Annelie Gahl

Annelie Gahl, die mit dem Anton Bruckner Preis der Wiener Symphoniker gewürdigte Geigerin, ist einerseits Mitglied der Camerata Salzburg und in Harnoncourts Concentus Musicus Wien sowie Konzertmeisterin der Wiener Akademie, andererseits ist sie im Böszen Salonorchester sowie als Solistin und Improvisatorin tätig. Nach mehreren CD-Einspielungen mit Kammermusik des 20.Jahrhunderts wählte die Künstlerin für ihre erste Solo-CD – innaron als zentrales Thema die Passacaglia von Biber, auch als Schutzengelsonate bezeichnet.

Der Barock-Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber kann als Avantgardist seiner Zeit bezeichnet werden, war er doch für seine phantasievollen Klangvisionen und sein Experimentieren mit den Möglichkeiten seines Instrumentes bekannt (er präparierte Saiteninstrumente mit Pergamentpapier). Um eben diese Passacaglia kreisend, bat Anelie Gahl vier jüngere österreichische KomponistInnen (Katharina Klement, Fritz Keil, Klaus Lang, Christian Muthspiel), denen Experimentierfreude und offenes, unkonventionelles musikalischen Denken gemein ist, ihre Assoziationen zu Bibers Instrumentalwerk auszubreiten. Dem Impetus des schlichten Themas der Passacaglia folgend, entstanden vier sehr unterschiedliche, persönliche kompositorische Reflexionen, die die Konzentriertheit und Dringlichkeit von Bibers kühnem Kunststück weiterhören.

Annelie Gahl spielt in der Hofburg das Solostück “Xynobis” von Giacinto Scelsi


Petra Stump

Petra Stump studierte Klarinette an der Universität für Musik in Wien und Bassklarinette am Conservatorium van Amsterdam. Die Musikerin absolvierte Meisterkurse bei S. Stephens, K. Stockhausen, A.Brandhofer, E. Molinari, und Ch. Leitherer. Im Jahr 2001 erhielt sie den 1. Preis beim Chain Concours, Interpretationswettbewerb für zeitgenössische Musik. Im selben Jahr wurde sie zur 4. Académie de musique du XXème siècle in Paris mit dem Ensemble InterContemporain eingeladen. Petra Stump & Heinz-Peter Linshalm sind Herausgeber der Klarinettenschule “clarinet update – Neue Musik für junge Klarinettisten” welche im Herbst 2005 im Verlag Doblinger erschienen ist. Das Duo Stump-Linshalm spielte kürzlich bei ein_klang records die erste CD “born to be off-road” mit Werken namhafter österreichischer KomponistInnen ein und wurde mit dem Pasticciopreis in Radio Österreich 1 ausgezeichnet. Petra Stump wirkt regelmäßig bei Ensembles wie dem Klangforum Wien, dem Ensemble Online, der Neuen Oper Wien mit und initiierte eigene Ensembles wie das Duo Stump-Linshalm, das Trio21, das Quartett22, das Artresonanz Trio und das ElliottCarterQuintett.

Im Rahmen des Festivals Wien Modern gelangte die Komposition 1+1=1von Pierluigi Billone, ein Auftragswerk der Jeunesse und der BA-CA, das in enger Zusammenarbeit mit den beiden Interpreten Petra Stump und Heinz-Peter Linshalm entwickelt worden ist, zur Uraufführung.  Dieses abendfüllende Werk für zwei Bassklarinetten zeigt noch nicht gekannte Hörräume und stößt in eine neue Dimension des Hörens vor.
»In jüngerer Zeit hat die Bassklarinette als Soloinstrument immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist aus der zeitgenössischen Musik nicht mehr wegzudenken. Wie kaum ein anderes Blasinstrument verfügt die Bassklarinette über erstaunlich viele Möglichkeiten, sei es ihr beachtlicher Tonumfang, ihr immenses dynamisches Spektrum oder sämtliche moderne Spieltechniken, die sich ausgezeichnet auf ihr verwirklichen lassen. In meinen Programmen fasse ich bedeutende Werke der zeitgenössischen Literatur für Bassklarinette zusammen und stelle exemplarisch geographische und stilistische Besonderheiten der Komponisten vor«
Petra Stump spielt in der Hofburg das Solostück Capriccio, detto: “l’Ermafrodita” von Claudio Ambrosini.


Lorelei Dowling (Klangforum Wien*)

Die australische Fagottistin ist seit 1995 Residenzmitglied des Klangforum Wien. Sie studierte bei John Cran und Gordon Skinner und diplomierte am New South Wales Conservatory of Music. Anschließend  besuchte Dowling Kurse am Genéve Conservatoire de Musique bei Roger Birnstingl und Kim Walker. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit im In- und Ausland ist die ehemalige zweite Fagottistin des Sydney Symphony Orchestra, Preisträgerin des Premier Prix de Virtuosité (1989) Mitglied des Frauen-Fagott-Quartetts “Queens of the Night”.
Lorelei Dowling musizierte im Laufe ihrer musikalischen Laufbahn mit folgenden
Orchestern: Orquestra Gulbenkian (Lissabon), Orchestre de Chambre de Lausanne, L’ Orchestre de la Suisse Romande, Stuttgarter Kammerorchester und dem Bilkent Universitätsorchester (Ankara) und spielte regelmäßig beim Ensemble Modern.

Tamara Joseph (Klangforum Wien*)

Die Australierin Tamara Joseph ist seit 2005 Mitglied des Klangforums Wien und unterstützt das Ensemble mit Kontrafagott und Fagott. Sie studierte am  Sydney Conservatorium of Music und absolvierte Meisterkurse bei David Seidel, Kim Walker und Mathew Wilkie.
Tamara Joseph spielte in einer Reihe von nationalen und internationalen Orchestern, wie dem Radio Symphonieorchester und den Tonkünstlern, den Bad Reichenhaller Philharmonikern, der Symphony Australia, der Melbourne Philharmonia und dem Frauen-Kammerorchester. Seit 2002 ist die Fagottistin Mitglied des Australian Opera und Ballet Orchestra.

Lorelei Dowling & Tamara Joseph spielen in der Hofburg “Duo für 2 Fagotte” von Sofia Guaidulina.
 

*) Das von Beat Furrer 1985 als Solisten-Ensemble für zeitgenössische Musik gegründete Klangforum Wien versteht sich als ein demokratisches Forum mit einem Kern von 24 Mitgliedern. Im Zentrum steht das Selbstverständnis der MusikerInnen für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen InterpretInnen, DirigentInnen und KomponistInnen, dieses Miteinander-Arbeiten, hat die traditionellen hierarchischen Strukturen in der Musikpraxis ersetzt.
Das Klangforum Wien ist geprägt von einer großen stilistischen Vielfalt und präsentiert die zentralen Aspekte der Musik des 20. und 21.Jahrhunderts, es deckt die Bandbreite der klassischen Moderne, im besonderen der Zweiten Wiener Schule, ebenso wie das Aufführen von Werken junger, vielversprechender KomponistInnen bis hin zu experimentellen Jazz und freier Improvisation ab.
Neben der weltweiten Konzerttätigkeit mit über 80 Aufführungen pro Saison und einem programmatisch ambitionierten Zyklus im Wiener Konzerthaus, realisiert das Klangforum Wien Musiktheater-, Film- und Fernsehproduktionen.