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Bertram (c) Martin Reisner

„Die Grundstimmung des Albums würde ich als sehr positiv beschreiben“ – BERTRAM im mica-Interview

Ursprünglich stammt der Musiker BERTRAM GRESSL aka BERTRAM aus der Steiermark, inzwischen lebt er in Wien. Nach Bandprojekten wie TUNNEL und BRIGITTE BORDEAUX hat BERTRAM nun ein erstes Album veröffentlicht, das durch wuchtige Musik und versponnene Texte auffällt. Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählte BERTRAM, wie er das Album live umsetzt und warum in einem seiner Videos Nordkoreas Diktator KIM JONG-UN vorkommt.

Welche Bands gab es vor dem aktuellen Projekt Bertram?

Bertram: Relevant war davor die Band Tunnel, eine Judenburger Band, mit der wir richtig Gas gegeben haben. Es gab auch gutes Feedback auf die Band: Wir waren am Vision-Sampler oben und waren für Vision damals die Band des Monats. Dadurch waren wir beim Bizarre Festival – auf derselben Bühne wie Muse. Das war recht cool, weil wir zum ersten Mal vor wirklich großem Publikum gespielt haben.

Wann war das?

Bertram: Das war in den Jahren 1996 bis 1999. Das war spannend, weil wir zum ersten Mal in das Musikbusiness hineingeschnuppert haben. Danach kamen die Bands Katzenreich und Brigitte Bordeaux, ein Avantgarde-Trio.

Jetzt, rund zwanzig Jahre nach Tunnel, ist ein Album Ihres neuen Projekts erschienen.

Bertram: Genau, seit zwei Jahren bin ich auf Solopfaden unterwegs, im Jahr 2016 gab es mit der 5-Song-EP „In Konstanz“ eine erste Visitenkarte und jetzt eben gibt es das erste Album.

Ist das zur Gänze ein Soloprojekt oder gibt es Weggefährten?

Bertram: Es ist ein Soloprojekt, die Texte und die Musik kommen von mir. Ich habe aber mit Joe Gridl einen kongenialen Partner, der vorher mit mir bei Brigitte Bordeaux war. Er hat mein Album produziert, weil er mich ziemlich gut „lesen“ kann.

„Inhaltlich ist ‚Gegen/Licht‘ schon kritisch, es ist eine Verarbeitung von Themen, die mich beschäftigen.“

Wie würden Sie die Stimmung, die Grundhaltung des Albums beschreiben?

Bertram: Die Grundstimmung des Albums würde ich als sehr positiv beschreiben. Inhaltlich ist „Gegen/Licht“ schon kritisch, es ist eine Verarbeitung von Themen, die mich beschäftigen.

Was für Themen werden angesprochen?

Bertram: Es zieht sich das Thema „Sein und Schein“ durch, auch das Thema „Opportunismus“. Es geht auch um politische Strömungen, die wir jetzt gerade erleben. Aber auch wenn die Texte nicht erblühend sind, heißt das nicht, dass auch die Musik so ist.

Können Sie ein Lied als Beispiel nennen?

Bertram: Ein Beispiel dafür ist „Hengst“, da geht es um das Posing, um das Protzen, um das Streben nach immer mehr. Das Lied selbst ist eher flockig. Musikalisch ist die Stimmung eher aufheiternd.

Es geht um Themen der Zeit, die Sie beschäftigen, worum geht es noch?

Bertram: Liebe wird immer ein Thema sein, das drückt sich im Lied „Das Ultimative“ aus. Da geht es textlich nicht so sehr um die Liebe zu einem bestimmten Menschen, sondern allgemein um das Thema Liebe. Es geht auch um politische Richtungen, die in Europa überhandnehmen und die man überhaupt nicht goutieren kann. Das ist aber nicht geplant gewesen, das Album ist kein Konzeptalbum, sondern das hat sich ergeben. Jedes Lied ist musikalisch ein bisschen anders, aber wenn sich textlich ein gewisser Faden durchzieht, dann ist das nicht gewollt, sondern hat sich so ergeben.

Am Cover des Albums sind Sie im Licht und im Schatten abgebildet. Was war die Idee dahinter?

Albumcover “Gegen/Licht”

Bertram: Im Lied „Gegenlicht“ gibt es die Zeile: „Die Blender, sie versammeln sich.“ Das geht ja schon in diese Richtung, dass man oft von etwas geblendet wird, hinter dem nichts steckt. Das Album drückt die Extreme aus, dass es immer weniger oft einen Mittelweg gibt. Es gibt immer mehr Extreme, ob links oder rechts, ob gut oder böse, das ist völlig egal: Der normale, harmonische Mittelweg wird immer seltener. Vielleicht haben mich diesbezüglich auch die USA geprägt.

Haben Sie in den USA gelebt?

Bertram: Ich war öfter dort und war einmal für einen Monat durchgehend in New York. Das hat mir dann auch gereicht, denn dort zu leben, wäre für mich nicht gegangen.

Im Video zum Titellied „Gegenlicht“ ist eine Glasflasche zu sehen, in der sich das Porträt eines Diktators befindet. Was symbolisiert dieses Bild?

Bertram: Das ist Kim Jong-un aus Nordkorea, der auch dieses Ausreizen der Aggression und das Ausreizen der Manipulation auf der Welt widerspiegelt. Es hätte auch Trump sein können oder eine andere Person, aber er ist für mich der Maßstab des politischen Irrsinns. Das könnte man natürlich auch auf die Wirtschaft umlegen und dann ist der Chef eines multinationalen Konzerns in der Flasche drinnen. Das war ein Spiel mit Bildern, das ich recht witzig fand.

Die Musik – das war auch in bisherigen Kritiken zu lesen –  ist bombastisch, macht viel Druck und ist schwer einzuordnen. Stimmt das? Wie hören Sie das Album selbst?

Bertram: Ich komme aus der Indie-Szene, mit krachenden Gitarren. Ich bin eigentlich ein Grunge-Kind, Mitte der 1990er-Jahre. Solo habe ich den Stil entwickelt, dass ich live nur mit einer akustischen Gitarre, aber über Effekte und Verzerrer spiele. So hat sich eine Soundstruktur ergeben, die manchmal eher wuchtiger daherkommt und manchmal sehr reduziert. Ich möchte aber nicht, dass die Musik zu elektronisch wird.

„Es gibt durchaus Ideen, dass live auch ein Streichquartett dabei sein könnte.“ 

Wie setzen Sie die Musik des Albums live um?

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Bertram (c) Martin Reisner

Bertram: Ich bin live absichtlich ohne Schlagzeuger, denn damit begibt man sich auf ein anderes Soundlevel, das mühsam werden könnte. Außerdem würde ich mich nicht so flexibel fühlen. Ich möchte einfach das, was ich mit Stimme und Gitarre und zwei bis drei Effektgeräten umsetzen kann, ausreizen. Auf der CD wird mehr geboten, als man sich live erwarten kann. Das ist so, dazu stehe ich. Aber es gibt durchaus Ideen, dass live auch ein Streichquartett dabei sein könnte.

Vor dem Album gab es eine EP mit dem Titel „In Konstanz“. Verweist der Titel auch auf die Stadt Konstanz?

Bertram: Das ist ein Wortspiel zwischen den Konstanten im Leben und der Stadt Konstanz. Es geht eigentlich um das Konstante im Leben. Tagtäglich begegnet man immer wieder ähnlichen Themen – im Berufsleben und auch im Sozialen.

Können Sie dafür Beispiele nennen?

Bertram: Es wird immer der Guru nach Jünger suchen. In Ballungszentren wird es immer wieder einen Stau geben. Es gibt fixe Themen, die im Leben immer gleich bleiben. Man kann das aber natürlich nicht auf alles umlegen.

Insgesamt sind die Liedtexte ziemlich versponnen. Im Lied „In Konstanz“ heißt es etwa: „Kranke Geister beißen an der Angel an.“

Bertram: Ob es in der Esoterik ist oder im Sektenwesen: Es gibt immer ein paar Leute, die Lösungen versprechen und die das immer gut nach außen verkaufen können. Und es wird immer andere geben, die nach Hilfe suchen und aus dieser Not heraus anbeißen und in Wirklichkeit über das Knie gelegt werden.

Sind Sie überhaupt ein spirituell interessierter Mensch?

Bertram: Ich bin spirituell, ich bin nicht religiös, ich bin nicht bei einer Kirche. Ich bin mir sicher, dass es mehr gibt als das, was wir wahrnehmen. 

Wenn man an Spiritualität denkt, ist Musik eine gute Ergänzung, oder?

Bertram: Genau. Man versucht, Energien fließen zu lassen, bei mir geht das über die Musik, andere machen Sport.

Ich erinnere mich an einen Ihrer ersten Auftritte im Café Concerto, was hat sich seit damals getan?

Bertram: Ich habe doch viel Live-Erfahrung gesammelt und bin nun allein auf der Bühne. Ich habe nicht mehr den Schutz einer Band und habe gelernt, was live umsetzbar ist, auch mit welchem Equipment. Seitdem gab es Gott sei Dank schon viele Auftritte und ich habe auch gelernt, wo meine Grenzen sind. Ich bin nicht der ausgebildete Musiker, sondern der intuitive Musiker, der aktiv ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

Bertram live
18.05. Club wakuum, Graz

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