Hier sollte ein Bild von Denise Kronabitter (© Joëlle Gantenbein) stehen
Denise Kronabitter © Joëlle Gantenbein

Die ganze Welt im Klang erleben – Denise Kronabitter im Interview

Denis Kronabitter ist Musiktherapeutin, Sängerin und Performerin aus Vorarlberg. Im Trio „Klanglabor“ mit dem Perkussionisten Marco Sele und unter der Leitung des Multimedia Künstlers Arno Oehri lebt die Künstlerin ihre musikalische Kreativität aus. Mit Silvia Thurner sprach sie über ihr vielseitiges musikalisches Schaffen.

Denise Kronabitter stammt aus Vorarlberg. Seit einigen Jahren lebt und wirkt sie in Liechtenstein als Musiktherapeutin, Sängerin und Performerin. Überdies bietet sie interdisziplinäre Klangworkshops für Privatpersonen sowie unter dem Motto „Company Goes Orchestra“ gemeinsam mit Arno Oehri auch für Firmen an. Im Trio „Klanglabor“ mit dem Perkussionisten Marco Sele und unter der Leitung des Multimedia Künstlers Arno Oehri lebt die vielseitige Künstlerin ihre musikalische Kreativität aus. Dabei schöpft die Sängerin und Multi-Instrumentalistin aus einem großen musikalischen Fundus.
Im Jahr 2012 ging Denise Kronabitter mit ihrer Projektidee zum Thema „Eine Lawine besteht aus Kristallen“ als Siegerin aus dem Wettbewerb um den „Förderpreis Junge Kultur Liechtenstein hervor.“ Nun liegt ihr Soloprojekt „liechtenstein soundscapes_kristalle & lawinen“ mit sieben akustischen Soundscapes aus Liechtensteiner Ortschaften auf CD vor. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt Denise Kronabitter von ihrem musikalischen Wirken.

Das „Klanglabor“ agiert im Bereich der experimentellen Klangperformance meistens in Zusammenhang mit multimedialen Projekten. Gehen Sie bei Ihren Projekten von der Komposition, vom Klangdesign oder mehr von der Improvisation aus?

Denise Kronabitter: In erster Linie arbeiten wir ortsbezogen, gehen also vom Ort aus. So kann der Raum als Inspirationsquelle dienen. Vor allem Orte fernab der Bühne bieten teils aufgrund ihrer Geschichte, ihrer vormaligen oder eigentlichen Verwendung eine ganz spezielle Atmosphäre. Diese inspiriert uns in der Entwicklung der Performances. Sofern der Raum auch klanglich etwas hergibt, kann er sogar zum Instrument werden, indem wir Gegenstände wie Heizkörper etc. zum Klingen bringen. Oder der Raum hat einen 14-Sekunden-Nachhall wie der riesige leere Öltank des Otten-Areals in Hohenems, wo wir kürzlich performten.

Fasziniert von allem Klingenden

Welche Stilrichtungen und Persönlichkeiten inspirieren Sie für Ihren Gesang?

Denise Kronabitter: Es sind vor allem die unterschiedlichen Gesangstechniken, die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind. Zum Beispiel „Yoik“ aus Lappland, Gesänge aus der Mongolei, Tibet und Indien, aber auch der alpenländische Jodel insbesondere dessen Urform, das Zäuerle, die mir als Inspiration dienen. Der wohl am seltsamsten anmutende, befremdlichste und gleichzeitig berührendste Gesang ist mir in den Liedern der Inuit begegnet. Nachhaltig beeindruckt als SängerInnen beziehungsweise PerformerInnen haben mich unter anderem Lauren Newton, Bruno Amstad, Wimme, Erika Stucky, Christian Zehnder.

Kreieren Sie Sounds auch elektronisch?

Denise Kronabitter: Ja, teilweise. Zwar nicht in dem Sinne, dass wir nur vorgefertigte Patterns abspielen oder neu zusammenstellen. Meist wird alles, was bei einer Performance hörbar ist, live gespielt und gesungen. Da wir unter anderem mit Effektgeräten, Synthesizer und Loopgeräten arbeiten, haben wir die Möglichkeit, die gespielten Sounds in ihrer Klangqualität zu verändern und in der Schleife stehen zu lassen, sie zu schichten und Neues dazu zu fügen bzw. etwas wegzunehmen.

Wechselwirkungen stärken

Wie wichtig sind Ihnen die Verbindungen der Künste und das genreübergreifende Agieren?

Denise Kronabitter: Die genreübergreifende Arbeitsweise besteht seit der ersten Performance des Klanglabors im Jahr 2006. Mir persönlich ist der Miteinbezug verschiedener Rezeptionsebenen sehr wichtig. In meiner Arbeit als Musiktherapeutin bewege ich mich ständig an den Schnittflächen der Wahrnehmung und der Wechselwirkung von Atmosphäre, Klang und Emotion. Dies kommt mir auch in meiner künstlerisch-musikalischen Arbeit zugute.

Im Klanglabor arbeiten wir immer wieder auch mit VertreterInnen anderer künstlerischer Berufe wie Literatur, Schauspiel, Tanz oder mit GastmusikerInnen zusammen. Je nach Projekt findet auch eine intensive ortsbezogene Auseinandersetzung mit „kunstfremden“ Bereichen statt, etwa für „Drop Zone“, wo auf der Videoebene unter anderem Interviews mit dem Hirnforscher Felix Hasler in die Performance integriert waren.

Akustische Lebenswelten

Dem Projekt „liechtenstein soundscapes_kristalle & lawinen“ liegt eine andere Technik zugrunde. Wie sind Sie vorgegangen?

Denise Kronabitter: Hunderte gesammelte Feldaufnahmen boten das musikalische Material für die klingende Topografie Liechtensteins. Ich habe die Aufnahmen nicht als Objets trouvés in meine Kompositionen integriert, sondern die Kompositionen bestehen fast zur Gänze aus dem klanglichen Material meiner Lebenswelt.

Welchen Bezug haben Sie zu John Cage?

Ich kann mich sehr mit der Reduktion der Mittel und mit Cages Wertschätzung der Stille als Wirkfaktor identifizieren. Nur die Stille ermöglicht es den feinen, unspektakulären Klängen, hörbar zu werden. In der Musik, wie im Seelenleben.

Kreativ mit Geräuschen und Musik umgehen

Welche Inhalte vermitteln Sie bei Ihren „interdisziplinären, projektbezogenen Klang-Workshops?

Denise Kronabitter: Im Zentrum stehen das kreative Erzeugen von Klängen und Geräuschen und deren bewusste Wahrnehmung. Stimmarbeit kann – muss aber nicht – ein Themenbereich sein. Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene kann das in Richtung Hörspiel mit selbst gestalteten Klängen und Musik gehen. Mit Erwachsenen kann es um das Schreiben von Texten und deren klangliche Gestaltung oder um das „Orchesterspiel“ mit Gegenständen und diversen leicht spielbaren Instrumenten gehen. Auch hier arbeite ich teilweise mit SpezialistInnen anderer Genres zusammen, z.B. mit der Schriftstellerin Erika Kronabitter oder der Yogalehrerin Franziska Frommelt-Ming unter dem Leitgedanken “Yoga trifft Klang – Asanas in Resonanz”.

Firmenmitarbeiter im Tutti vereint

Im Projekt „Company Goes Orchestra“ bieten Sie und Arno Oehri Workshops für Firmen und deren Mitarbeitern an. Welche Erfahrungen haben Sie damit?

Denise Kronabitter: Dieses Angebot ist noch eher neu. So wie innerhalb einer Firma das Zusammenspiel innerhalb des gesamten Unternehmens, innerhalb von Abteilungen oder eben in Führungspositionen klappen sollte, werden bei „Company Goes Orchestra“ diese Qualitäten gefördert. Unsere Erfahrungen mit MitarbeiterInnen der Firma Hilti, wo wir nach mehreren Workshops mit verschiedenen Abteilungen schlussendlich ein hundertköpfiges Orchester beisammen hatten, waren durchwegs positiv.

Danke für das Gespräch.

Weitere Informationen:

Denise Kronabitter, „liechtenstein soundscapes_kristalle & lawinen“, CD 2016

Kronabitter: Feldaufnahmen & Komposition, Sampling/Mix, Stimme, Balalaika, Geige Zither, Xylo- und Metallophon, Sansula. Holzboden, div. Gegenstände. Aufgenommen und produziert 2013-2016 von D. Kronabitter in indoor / outdoor / public / private Liechtenstein.

Die CD kann direkt bei den KünstlerInnen bestellt werden: info@klanglabor.li

www.klanglabor.li
www.anklang.li