Die Freistunde präsentiert Bernd Satzingers Parterre

Die allwöchentlich im mica stattfindende „Freistunde“ versteht sich als ein Ort der musikalischen Gratwanderung im Geiste des Experiments. Auch die am 16. November konzertierende und sich um Bernd Satzinger scharrende Formation Parterre fühlt sich dazu verpflichtet, mit dem Traditionalismus im Jazz ein für alle Mal zu brechen. In diesem, seinem neuen Projekt betritt der Jazzwerkstatt Wien- Mitbegründer einmal mehr ein für ihn neues Terrain. So rockig, groove- und songorientiert haben die Stücke aus der Feder des Bassisten, Elektronikers und Gitarristen, der bei Parterre auch den Part hinter dem Mikrophon übernimmt, vermutlich noch nie geklungen.

Bernd Satzinger ist aus musikalischer Sicht immer schon  für Überraschungen gut gewesen. Sich niemals wirklich auf einen einzelnen Stil festlegend, hat der experimentierfreudige Wiener über die Jahre hinweg zu seiner ganz eigenen Klangsprache gefunden, welche vor allem in einer seltenen gehörten Vielschichtigkeit ihren Ausdruck findet.  Er zählt zu jener Sorte von MusikerInnen, die mit allergrößter Freude in die Rolle eines Chamäleons schlüpfen und sich ganz exzellent zwischen den einzelnen Spielformen hin und her zu bewegen wissen.

Was er ganz besonders gern tut, ist, Dinge, die vermeintlich weit auseinanderliegen und auch nicht wirklich kompatibel erscheinen, miteinander in Einklang zu bringen. Wie eben auch in seinem neuen Projekt Parterre, in welchem er sich mithilfe seiner kongenialen Partner Manu Mayr (Bass) und Mathias Koch (Schlagzeug) einmal mehr neu erfindet.

Mit Jazz oder Improvisation haben die Stücke von Parterre nämlich nur mehr bestenfalls im Entferntesten zu tun. Bernd Satzinger vollzieht in diesem Projekt einen Schwenk hin zu deutlich rockorientierteren Positionen. Die zum Teil sehr riffbetonten und energetischen, gleichzeitig aber auch gewohnt verspielt gehaltenen Songs grooven was das Zeug hält. Vielleicht so stark wie noch nie zuvor unterwirft sich der Gitarrist musikalisch diesmal traditionellen Songstrukturen, obwohl natürlich die Passagen, in denen der Wiener mit seinen Kollegen dem freien Spiel frönt, auch nicht fehlen dürfen.

Will man den Stil von Parterre in wenige Worte fassen, liegt man der Umschreibung vielschichtiger, jazzig angehauchter Progrock mit Ecken und Kanten vermutlich nicht allzu weit daneben. Hört sich wirklich interessant an und ist es auch. Genau das Richtige also für Musikliebhaber, die mit auf der Suche nach etwas dem nicht Traditionellen im Jazz sind. (mt)

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