THE DEVIL & THE UNIVERSE – „Benedicere“

Die dunkle Seite der Musik wird oft unterschätzt. Während die einen gleich an Satanismus und Schlimmeres denken, finden andere, dass das Tragen von Masken nur zur Provokation eingesetzt wird. THE DEVIL & THE UNIVERSE machen beides: Sie tragen Ziegenmasken und kreieren sehr düstere Rhythmen. Ihr neues Album heißt „Benedicere“ (Rustblade).

Die deutsche Übersetzung des lateinischen Begriffes „benedicere“ bedeutet so viel wie „segnen, loben, rühmen, weihen“. Der Titel ist schon ein Hinweis darauf, worum sich das Album dreht: christliche Mystizismen und deren musikalische Auslebung. Um das ganze Thema fast schon auf eine Forschungsebene zu bringen, ist die Band zu den europäischen Knotenpunkten der christlichen Religion gereist: zum Wallfahrtsort Lourdes, in den Vatikan und zur Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat im Umland von Barcelona.

Im Mittelpunkt steht die Verehrung der Jungfrau Maria. Diese Thematik wird durch Sound-Samples eingebracht, auf denen häufig die Stimme einer jungen Frau zu hören ist, die über die unbefleckte Empfängnis, die Erbsünde und ein Leben in Demut spricht. Diese Stimmen werden nicht als Vocals in den Song gemixt, sondern plakativ eingesetzt, um den Liedern eine Richtung zu geben.

Die Jungfrau Maria als Objekt der Betrachtung

over Benedicere
Cover Benedicere

Bei „Hail! Mary“ ist dies offensichtlich. Zuerst sprechen zwei Frauen über das Leben im Schmerz, der nötig ist, um Gott ganz aufzunehmen, dann schwingt das Lied in eine sakrale Melodie um. Die Töne kommen aber nicht von einer Orgel, sondern aus einem leicht verzerrten Synthesizer. Umgekehrt wird in „Ora Pro Nobis Deum“ das Zwiegespräch einer Messe zwischen Priester und Gemeinde zu Vocals für einen Song, der stark an Industrial der 1990er-Jahre à la Gary Numan erinnert.

„Ascension“, der Opener des Albums, geht mit einer genauso kraftvollen Art an die Sache heran, doch werden dabei andere Musikgenres zitiert. Dieser Song erinnert stark an „Underneath The Stars“ von The Cures, vor allem wenn es um die Synthiemelodie und das dominante Schlagzeug geht. „Die Genetrix“, das zweite Lied, weckt Erinnerungen an „Burn“, schon die ersten, zaghaft schwirrenden Töne einer verzerrten Gitarre lassen an den Song der gleichnamigen Band denken.

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Eine weitere Strömung, die auf „Benedicere“ zu hören ist, ist das Genre Witchhouse, das vor einigen Jahren für kurze Zeit den Independent-Musikbereich dominierte. Die Trendiness ist zwar verflogen, aber die düstere Elektronik ist nach wie vor eine bestehende Richtung. Dieses Genre lebt von dystopischen Tönen, melancholischer Atmosphäre und viel Power.

„Benedicere“ ist ein dunkles Meisterstück voller kreativer Ideen, die großartig umgesetzt wurden. The Devil & The Universe setzen eine christliche Thematik in den Vordergrund, ohne dabei unnötig provokativ oder blasphemisch zu sein. Es ist die auf Platte gebannte etwas andere Betrachtung einer Weltsicht.

Anne-Marie Darok
The Devil & The Universe
The Devil & The Universe (Facebook)