DER NINO AUS WIEN  – „Der Nino aus Wien“

Es gibt ihn schon so lange, den NINO AUS WIEN, und jetzt erst kommt eine selbstbetitelte Platte (PROBLEMBÄR RECORDS) von ihm. Aber kein Wunder, denn es ist das zehnte Album des Wiener Künstlers, auf dem er zeigt, warum er noch immer den besten Riecher fürs moderne Wienerlied hat. 

Auf „Wach“, seinem letzten Album, hatte Der Nino aus Wien einige nostalgische Momente. Er beschwor Lee Hazlewood und Nancy Sinatra herauf, näherte sich exotischen Klängen an und ließ auch poppige Geschichten zu. Dabei hatte man das Gefühl, dass seine Songs auch von anderen Künstlerinnen und Künstlern hätten gespielt werden können, wobei ihnen dann jedweder Charme entkommen wäre. Nun präsentiert er sein zehntes Album, und zwar „Der Nino aus Wien“. Für viele andere KünstlerInnen würde dies bedeuten, dass sie mindestens 15 Jahre – wenn nicht noch mehr – im Business unterwegs sind. Doch Nino Mandl, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, hat vor zehn Jahren mit dem professionellen Musikmachen angefangen. Dies bedeutet im Schnitt ein Album jährlich.

Jubiläumsalbum: diesmal selbstbetitelt!

Wer schon mal ein Interview mit dem amerikanischen Autor Stephen King gelesen hat, konnte eins sicherlich sofort verstehen: Stephen King muss schreiben. Er kann nicht ohne der Literatur und seine Geschichten sein. Deshalb bringt auch er fast jedes Jahr eines, wenn nicht sogar zwei Bücher raus. Der Nino aus Wien scheint wahrlich der Stephen King des Wienerlieds zu sein. Man muss aber auch sagen, dass sich das Genre hervorragend für eine Flut von neuen Liedern eignet. Schließlich kann von Gott und der Welt gesungen werden. Je mehr man dem Sänger glaubt, dass er die besungenen Situationen und Gefühle auch erlebt hat, desto besser funktioniert das Wienerlied.

Und Der Nino aus Wien hat dieses Genre in Kombination mit dem Austropop zu seinem Erkennungsmerkmal gemacht. Wie auch seine Stimme und seine leicht eigentümliche Art zu singen zur Marke Nino dazugehören. Der Clou ist, dass man nie genau weiß, ob Nino Mandl wirklich gut oder eigentlich gar nicht so gut singen kann. Womit er aber sicher kein Problem hat, schließlich zählt Bob Dylan zu seinen Vorbildern und der Amerikaner ist auch nicht für seine atemberaubenden Vocals bekannt. Und beide haben noch etwas anderes gemeinsam: Sie sind Poeten. Manchmal schreiben sie verzwickte, verdrehte und sehr komplexe Texte. Dann wieder geben sie sich Alltagssituationen hin. Wobei auch die bei Dylan nicht ganz leicht zu deuten sind.

Da ist Der Nino aus Wien schon leichter zu verstehen. Wenn er bei „Unentschieden gegen Ried“ die Essenz eines österreichischen Fußballfans aufleben lässt, dann werden sich sehr viele in den Lyrics wiedererkennen. Dann wieder lädt er bei „Konzert“ dazu ein, die letzten Stunden vor einem seiner Auftritte mit ihm zu verbringen. Der Song hat etwas von einem Gedicht, dass in Punk-Manier kurz und knackig vorgetragen wird. Und er ist so herrlich ironisch, lustig und authentisch. Wer würde Nino nicht abkaufen, dass er schon oft genug im Railjet gesessen ist und sich Gedanken darüber gemacht hat, ob ihn nicht ein paar Fans am Bahnhof erwarten

Diese zwei Songs haben eins gemeinsam: Sie scheinen einen Einblick in das Leben des Wieners zu geben. Einen einfachen, oberflächlichen vielleicht. Doch der Nino lässt die HörerInnen an sich herankommen, und das macht ihn sehr sympathisch. Auf den meisten anderen Songs bewegt er sich dann wieder in der Sphäre des distanzierten Singer-Songwriters. Er singt von Liebe, vom Drang, immer unterwegs sein zu müssen, und von Wien. Wobei er die Lieder nicht nur dort, sondern auch in München, Zürich und Locarno geschrieben hat. Sie sind Fragmente aus seinem Leben. Wie „Lola“, das er seiner verstorbenen Katze widmet.

Der Nino aus Wien ist mit seinem eigenen Stil in die Welt der MusikerInnen gekommen und hat diesen in all den Jahren weder vergessen noch maßgeblich geändert. Er ist immer der Nino, der ein bisschen merkwürdig singt, eine Tschick im Mundwinkel hängen hat und von seinen Lieblingsbezirken in Wien spricht. Er ist ein fixer Teil der Wiener Kulturszene und zeigt mit seinem Jubiläumsalbum, dass er nicht vorhat, daran etwas zu ändern.

Anne-Marie Darok

 

Links:

Nino aus Wien (Website)
Der Nino aus Wien (Facebook) 

Konzertermine:

25. Oktober 2018 Wien Nino und Sir Tralala @ Spittelberg Wien
26. Oktober 2018 Hollabrunn Der Nino aus Wien @ Kulturmue Hollabrunn
3. November 2018 Wieselburg Der Nino aus Wien @ Kulturhof Aigner
6. November 2018 Wolkersdorf im Weinviertel Der Nino aus Wien @ Babü
7. November 2018 Wolkersdorf im Weinviertel Der Nino aus Wien @ Babü