DEFJIM – „A White Shark Called Blues“

Schön, dass es sie immer noch gibt, die Bands, die nicht davor zurückschrecken, auch einmal aus der Reihe zu tanzen. DefJim zählen definitiv zu diesen erfreulichen Ausnahmen. Ihr im Oktober bei Vienna Wildstyle Recordings erscheinendes Debüt „A White Shark Called Blues“ zeigt sich als ein gelungener Versuch, mit allen Regeln des Mainstream-Popsounds zu brechen. Womit Jimmy Zurek, der Kopf der Band, die Hörerschaft musikalisch konfrontiert, ist kritisch, ungestüm und so rein gar nicht dem Geschmack der Masse entsprechend. So soll es auch sein! Eine Kostprobe von ihrem Erstlingswerk liefern DefJim am 26. Juli im Rahmen des Wiener Popfests.

DefJim zelebrieren die künstlerische Unangepasstheit in Reinkultur. An der Stelle, an der viele andere Bands oftmals der Verführung erliegen, ihre musikalische Authentizität, Selbstbestimmung und Kantigkeit zwecks der Erweiterung ihrer Hörerschaft hin zu einem massendienlicheren Sound zu glätten, genau an der vollführt Jimmy Zurek genau das Gegenteil und biegt bewusst in eine ganz andere Richtung ab. Musikalisch wie textlich (behandelt werden, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, Themen wie Rassismus, Sexismus, soziale Ungleichheiten, Homophobie, Diskriminierung etc.) keinerlei Kompromisse eingehend, zieht der Multiinstrumentalist (Gesang, Gitarre, Alt-Saxophone, Trompete, Mundharmonika) in einer für die heutige Zeit ungewöhnlich radikalen, aber nicht gänzlich humorbefreiten Weise seine ganz eigenen Vorstellungen durch.

Fragen nach einer stilistischen Verortung seiner Nummern stellt sich Jimmy Zurek hörbar keine. Vielmehr bezieht der Musiker mit englischen Wurzeln seine Einflüsse aus den unterschiedlichsten stilistischen Sparten. Selber bezeichnet er den Sound, den er sich dieser Art zusammenbastelt, “Fake Detroit Punk”, was übersetzt nicht anderes bedeutet als: Punk trifft im Kontext des Pop auf Elektro, experimentellen Jazz, Noise, Hip Hop, Techno, House und noch vieles mehr. Wie das all zusammengeht? Nun, Jimmy Zurek, der für seine Band unter anderem Wolfgang Möstl (Sex Jams, Mile Me Deaf, Killed By 9 Volt Batteries) gewinnen konnte, versteht es, dem Viel an Verschiedenem eine einheitliche Form zu geben, eine, die irgendwo zwischen richtig schön lässig, experimentell verspielt und ungehobelt energetisch hin und her pendelnd, sehr eigenständig und abwechslungsreich aus den Boxen schallt.

„A White Shark Called Blues“ ist ein Album, dass auf der einen Seite Spaß macht, auf der anderen aber auch deutlich mehr in die Tiefe geht, als vieles, das man sonst so im Popzirkus präsentiert bekommt. Unbedingt einmal antesten.

Michael Ternai

Foto DefJim: Elsa Okazaki

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