DAWA – “(r) e a c h”

Wenn eine Band ihr drittes Studioalbum teilweise mit einer Crowdfundingkampagne finanziert, dann kann man sicher sein, dass es da eine gute Fanbase gibt. Zwar gibt eine große Fanbase normalerweise keine Auskunft über die Qualität der Musik, aber bei DAWA ist das anders. Diese kleine, feine Band zeigt mit ihrem neuen Album „(r)each”, dass sie weiß, was gute Musik ausmacht.

DAWA haben noch nie Radau gemacht, soll heißen, sie befinden sich musikalisch gesprochen eher im ruhigen Pop-Balladen-Bereich. Und auch „(r)each” lebt von einer tiefen Ruhe, die hinter den Melodien und Texten lauert. Laut Pressetext kommt diese Ruhe von der Geburt der Tochter des Sängers John Dawa, und das kann natürlich sein. Gleichzeitig kann es auch sein, dass die Band einfach in den letzten sechs Jahren ihres Bestehens gereift ist. Denn zur Reife kommt oft eine Art Ausgeglichenheit und Entschleunigung hinzu.

Ruhe, aber mit Details!

Cover "r e a c h"
Cover “r e a c h”

Gut, das mit dem Entschleunigen haben die vier Bandmitglieder schon früh verstanden. Und das, obwohl sie an Großveranstaltungen wie dem Protestsongcontest 2014 und der heimischen Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest 2015 mitgemacht haben. Mit Letzterem wollten sie nach außen tragen, dass es gute Musik in Österreich gibt. Und dafür sind sie wirklich gute Kandidaten. Wer spätestens bei ihrem neuen Album in die DAWA-Karriere einsteigt, merkt, dass die Band so einiges draufhat.

Und auch wenn „einiges“ schon früh durchklingt, entfalten sich die vielen Details und feinen Schliffe erst nach dem zweiten Hören. Tatsächlich ist es so, dass man beim ersten Mal das Gefühl hat, ein sehr nettes Sommeralbum mit melancholischen Untertönen zu hören. Später kommen aber immer mehr Einzelheiten zum Vorschein, die alles so gekonnt relaxt klingen lassen. Da ist zum Beispiel der Gesang auf „Speed Of Light”. Hier wird Sänger John Dawa von Barbara Wiesinger begleitet – und wie die beiden so zusammen singen, bekommt das Lied etwas Fleetwood-Mac-artiges. Oder wie aus dem kurzen „Intro Samba”, einem Brass-Music-Stück mit brasilianischem Touch, „Open Up” wird, was wiederum zu einem sehr intensiven, dringlichen Popsong wird.

Dawas Stimme ist dabei eines der Kernelemente des Albums. Obwohl sie im Vordergrund steht, geht sie Hand in Hand mit der begleitenden Musik. Da sie so schön ist, wünscht man sich an manchen Stellen, sie wäre noch ein bisschen lauter eingesetzt worden, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Und wenn wir schon dabei sind, das hohe Niveau von „(r)each” zu loben, dann muss man dazusagen, dass es wirklich schwer ist, ein Lied als „das beste” zu küren. Trotzdem fallen zwei Songs durch ihre besonders intensive Atmosphäre auf: „Emma” und „White Walls”.

„Emma” ist eine melodische Ballade, die sehr ruhig beginnt und immer wieder durch neue Instrumente ergänzt wird. Dadurch wird sie irgendwie hypnotisch. Am Ende kann man gar nicht glauben, dass mehr als sechs Minuten vergangen sind. „White Walls” hat eine andere Atmosphäre, beginnt aber genauso ruhig wie „Emma”. Doch dann wird eine Rockballade mit Country-Elementen daraus, wobei Dawas Stimme an manchen Stellen etwas von der Intensität eines Michael Jackson auf „They Don’t Really Care About Us” hat. Und obwohl das vielleicht ein weit hergeholter Vergleich ist, sieht man, dass dieses Album kreative Assoziationen hervorruft, was auf die ganzen Feinheiten und die träumerische Ausstrahlung zurückzuführen ist.

Anne-Marie Darok

DAWA live
10.11. Graz/PPC
12.11. Linz/Central
18.11. Dornbirn/Spielboden
19.11. D-Köln/Artheater
21.11. Salzburg/ARGE
05.12. D-Berlin/Volksbühne- Grüner Salon
06.12. D-München/Milla

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