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Sophie Lindinger (c) Meyrem Bulucek

„Dass Dudes Produzenten sind, ist ja normal, deshalb hinterfragt es niemand“ – SOPHIE LINDINGER im mica-Interview

Im vierten Teil der Serie über österreichische Produzentinnen und Produzenten und ihre Sichtweise auf den Lauf der Dinge kommt nun SOPHIE LINDINGER zu Wort. Man kennt sie vor allem durch ihre vielseitige Arbeit in Projekten wie LEYYA und MY UGLY CLEMENTINE. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich aber auch mit der Produktion und spricht nun über diese Seite ihrer Arbeit. Das Gespräch entstand kurz vor Corona, weshalb manch aktuelle Fragen nicht thematisiert wurden. Ada Karlbauer traf die Künstlerin und Produzentin damals noch im „real life“, um über ihre Arbeit zu sprechen. Es ging um den männlichen Selbstdarstellungsdrang, die Überwindung, sich selbst als Produzentin zu bezeichnen, die zunehmende Fusion von allem zu einem, die Trennlinien zwischen DIY und professionell und darum, warum man kein Budget mehr hat für eine Person, die sich ein bisschen einmischt.

„Es war damals sehr DIY.“

Man kennt deine musikalische Arbeit in erster Linie aus Projekten wie Leyya und My Ugly Clementine. Wie hast du zu produzieren begonnen?

Sophie Lindinger: Angefangen hat eigentlich alles mit Marco [Kleebauer; Anm.], mit dem ich gemeinsam auch die Band Leyya habe. Marco war schon immer sehr am Produzieren interessiert und ich war sehr lange nur als Singer-Songwriter-Ding unterwegs, habe meine Songs geschrieben und nicht wirklich gewusst, was ich damit machen soll. Marco hat dann irgendwann zu mir gesagt: „Hey cool, nehmen wir das auf.” Und das war eigentlich das erste Mal, dass ich gesehen habe, wie so etwas funktioniert. Es war damals sehr DIY. Marco hatte so ein Gitarren-Effekt-Pedal, das dann zu einem Interface umfunktioniert wurde. Das war total witzig, weil die ganzen Wandler komplett scheiße klangen und der Gesamtsound stark durch das Kasterl beeinflusst wurde. Es hat trotzdem irgendwie funktioniert. Was das Produzieren angeht, wurde ich genau mit diesem DIY-Ansatz sozialisiert. 

Sophie Lindinger: Ich habe sehr lange gar nicht darüber nachgedacht, was richtiges oder falsches Produzieren ist. Solange ich es cool finde, was ich aufgenommen habe, ist es doch richtig, oder? So hat sich das dann organisch weiterentwickelt. Ich habe mich selbst nie als Producerin gesehen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich viel zu wenig kann. Vor ein paar Jahren habe ich dann in Niederösterreich bei der INTERTONALE gemeinsam mit Marco einen Producing-Workshop geleitet. Am Anfang eher als Unterstützung gedacht, habe ich im Laufe der Woche dann bemerkt, dass ich eigentlich auch alles weiß und vermitteln kann, weil ich es schon so lange gemacht habe, ohne es zu realisieren.

Es hat natürlich auch mit Selbstbewusstsein zu tun, sich öffentlich als „Produzentin“ zu bezeichnen.

Bild My Ugly Clementine
My Ugly Clementine (c) Hanna Fasching

Sophie Lindinger: Absolut, das ist so schräg. Ich will das jetzt nicht auf eine Gender-Debatte auflegen, aber ich habe schon das Gefühl, dass viele Männer einen stärkeren Selbstdarstellungsdrang haben und schneller mal sagen: „Ja, sicher bin ich Produzent.” Ich allerdings brauche für mich selbst den Beweis, dass ich sagen kann: „Ich bin Produzentin.” Wenn ich diesen Beweis nicht in der Hand habe und Menschen von außen mich nicht als Produzentin bezeichnen würden, dann fühle ich mich auch nicht so, obwohl ich es wahrscheinlich bin. So ist halt mein Mindset. Bei Leyya haben wir eigentlich immer alles gemeinsam produziert. Natürlich war Marco eher auf das Technische fokussiert, weil er das von klein auf gemacht hat. Aber mittlerweile hat sich das stark geändert. Ich habe einfach gecheckt, dass ich es auch kann, und habe dann einfach angefangen, selber Sachen aufzunehmen. So ist auch My Ugly Clementine entstanden. Da habe ich nach der Reihe alles gemacht, aufgenommen, alles mikrofoniert, also eigentlich genau so, wie ich es schon immer gemacht habe, nur das es diesmal bewusster war. Es gab keine Probleme und hat super geklungen. Eigentlich könnte man also sagen, dass ich schon seit drei oder vier Jahren Produzentin bin, aber es war ein Prozess, bis ich das auch selbst aussprechen konnte. Ich sag es über mich selbst eigentlich erst seit einem Jahr, weil ich es mir da auch selbst endlich bewiesen habe. Es ist schräg, weil es von äußeren Einflüssen stark bedingt ist, wie man sich selbst darstellen kann und will, oder was man als Frau sein darf. Ich hatte immer das Gefühl, ich kann nicht einfach sagen: „Ich bin Produzentin.” Denn ich hatte Angst davor, dass ich nicht gut genug bin und es peinlich wird, wenn mich dann jemand tatsächlich „prüft“. Ich sage es jetzt erst und es ist eigentlich arg, weil ich es schon so lange mache.

Umgekehrt: Wer prüft eigentlich die ganzen Produzenten? 

Sophie Lindinger: Niemand! Dass Dudes Produzenten sind ist ja normal, deshalb hinterfragt es niemand. Eine Frau als Produzentin ist aber nicht normal, deshalb muss man es sofort thematisieren oder hinterfragen, weil das kann ja nicht sein. Ich denke, diese Art passiert auch gar nicht bewusst, sondern ist eher so eine unterbewusste Form der Sozialisation. Ist ja nicht nur in der Musik so. 

„[…] der Unterschied zwischen DIY und professionell ist extrem gering […]“

Ist deine Produktionsweise nach wie vor durch DIY-Faktoren geprägt? 

Sophie Lindinger: Ich glaube, der Unterschied zwischen DIY und professionell ist extrem gering, weil was ist DIY und was ist professionell? Man stellt sich das immer noch so vor: das Studio, ein riesiges Mischpult drinnen, aber so war es einmal. Früher hat man das Geld auch nicht gehabt, um sich das Equipment selbst zu besorgen, deshalb ist man in ein Studio gegangen. Dort gab es alles, man hat es gemietet und alles vor Ort produziert. Heutzutage gibt es so viele günstigere Sachen, mit denen man genau das reproduzieren kann, und genau aus diesem Grund kann man einfach viel DIY machen, weil man nicht mehr an das Studio gebunden ist, und es kann aber genauso professionell klingen. Da stellt sich natürlich die Frage: „Was heißt professionell?” Eher der technische Anspruch oder der Zugang zu der Sache? Denn man kann auch professionell arbeiten, wenn man daheim im bedroom sitzt. Es macht schon einen Unterschied, ob man daheim auf dem Bett arbeitet oder man wo hingeht, wo es einen eigenen, autonomen Raum für diese Arbeit gibt. Ich und Marco teilen uns ein kleines Studio, da ist alles vorhanden. Das ist aber im Prinzip trotzdem zusammengebastelt und hat eben kein riesiges Mischpult, wie man sich das eben gerne vorstellt. Ich würde das deshalb schon als professionell bezeichnen, auch wenn es sich nicht um die 08/15-Definition handelt.

„Der Produzent bzw. die Produzentin hat jetzt ganz andere Aufgaben als vor fünfzig Jahren.“

Gibt es denn überhaupt noch Studios in Österreich, in denen nach diesem Old-School-Style produziert wird? 

Sophie Lindinger: Es gibt schon so vier, fünf „wirkliche“ Studios in Wien. Aber was ich so mitbekommen habe, mieten sich da dann individuelle Personen ein, die normalerweise von daheim aus produzieren würden. Es ist aber nicht mehr so, dass das Studio einer Person gehört, die dann Bands einlädt und produziert. Meistens sind es eher shared spaces. Welche Band geht auch überhaupt noch so ganz klassisch zu jemanden aufnehmen? Das ist sehr selten geworden. Das Aufnehmen passiert immer mehr schon während des Schreibprozesses. Die Produzentin bzw. der Produzent hat jetzt ganz andere Aufgaben als vor 50 Jahren. Generell ist das Wort Produzent ganz anders aufgereiht wie damals.

Die Produzentin bzw. der Produzent muss nach zeitgenössischer Definition auch sukzessive alles können, alle Produktionsbereiche in einer Person vereinen.  

Sophie Lindinger: Ganz genau. Früher war es meist so, dass eine Produzentin bzw. ein Produzent nur jemand mit einer musikalischen Vision war, die sie bzw. er aktiv in das Projekt eingebracht hat. Jemand, der gesagt hat: „Ich stell mir vor, dass es so klingt.” Und daneben gab es noch eine eigene Technik-Person, die diese Gedanken dann umgesetzt hat, meistens waren es zwei Menschen. Bei den Beatles war es beispielsweise auch so: George Martin war einfach da und hat mit den Beatles gemeinsam besprochen, wie sie den Sound umsetzen können, und es gab eine eigene Technik-Person. Der Produzent war damals eher so ein beratender, kreativer Kopf, der noch zusätzlich hinzugekommen ist. Heutzutage ist alles zu einem geworden. Eine Produzentin bzw. ein Produzent muss sich technisch auskennen, aufnehmen können, mikrofonieren können, wissen, wie es klingen wird, sich kreativ einbringen, teilweise sogar mitschreiben, da durchmischt sich alles in einer Person. Es kommt natürlich auch darauf an, was die jeweilige Band will. Oft hat eine Band nur eine grobe Skizze einer Idee und du schreibst dann den Song mit ihnen fertig, nimmst ihn auf, arrangierst und mixt ihn am Ende sogar noch.

„Man hat kein Budget mehr für eine Person, die sich ein bisschen einmischt […]“

Diese zunehmende Fusion von unterschiedlichen, früher noch voneinander getrennten Funktionen verkörpert auch gewisse Budget-Fragen.

Sophie Lindinger: Man hat kein Budget mehr für eine Person, die sich ein bisschen einmischt, sondern du brauchst eine Person, die alles kann. Das ist in vielen Bereichen so geworden, plötzlich muss man alles können. Das war auch ein Grund, der mich zu Beginn eingeschüchtert hat. Es ist einfach so unterschiedlich geworden, was eine Produzentin bzw. ein Produzent heutzutage ist, was sie bzw. er kann und können muss. Man muss auch immer bedenken, was die Band eigentlich von dir will. Manche kommen mit einem fertigen Song und wollen zum Beispiel nur, dass du ihn aufnimmst, ohne dass du dich einmischt oder deinen Senf dazugibst. Dann gibt es aber im Vergleich auch Bands, die nur mit einer Melodie daherkommen, und man schreibt den ganzen Song mit. Viele kommen auch ins Studio in dem Gestus „Produziere mich“, und dann muss ich erst mal herausfinden, was die Person eigentlich genau von mir will. 

Dein musikalischer Zugang passt sich also individuell jedem Projekt an? 

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Sophie Lindinger (c) Max Hartmann

Sophie Lindinger: Genau. Da ich auch selbst Musik mache, kenne ich den Standpunkt auch von der anderen Seite. Jeder Mensch hat einfach eine andere Art, Musik zu machen und zu empfinden. Manche haben eine genaue Vision und benötigen nur mehr jemanden, der diese umsetzt. Manche haben eher eine Idee und da kann man sich dann voll einbringen. Wenn eine Produzentin bzw. ein Produzent einen eigenen Sound hat, für den eine Band extra hingeht, ist es auch okay, wenn man eben will, dass es genau nach dieser Person klingt. Für mich ist es am wichtigsten, dass die Musik nach dem klingt, was die Künstlerinnen und Künstler auch selbst machen würden, und ich passe mich dann an. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich auch anpassen kann. Wenn sie allerdings zu mir kommen, weil sie meinen Sound wollen, auch okay, den mach ich nämlich auch gerne [lacht]. 

Dein Künstler-Ego steht dir in dieser Hinsicht nicht im Weg? 

Sophie Lindinger: Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, das liegt daran, dass ich auch einfach meine eigenen Musikprojekte habe. Ich kann mich auf allen Ebenen ausleben, bei My Ugly Clementine kann ich das Rohe, Rockige machen, bei Leyya hingegen eher das Feine, das elektronische Verkopfte, sodass ich das in Zusammenarbeit mit jemand anderem nicht mehr brauche. Natürlich gebe ich meinen Input, ich werde immer Möglichkeiten aufzeigen, aber solange die Künstlerinnen und Künstler nicht sagen, dass sie meinen speziellen Sound wollen, passe ich mich ihnen an. Das ist einfach voll wichtig, weil jeder seine eigene musikalische Sprache hat.

Mit wem hast du zuletzt zusammengearbeitet?

Sophie Lindinger: Don‘t Go ist beispielsweise eine Band, die ich begleitend produziert habe. Die haben gerade den zweiten Song – „What if“ – von unserer Zusammenarbeit herausgebracht, eher elektronischer, düsterer Sound. Aber ich habe zum Beispiel auch gerade zwei Songs von einer deutschen Band und auch von einem anderen österreichischen Künstler produziert, die sehr warm und akustisch arbeiten, mit Sounds, die man auch tatsächlich mit den Händen erzeugen kann. Das andere war eher so eine roughe Rockband, die aber trotzdem im Popbereich angesiedelt ist. Das ist eine schöne Gegenüberstellung: auf der einen Seite Don‘t Go mit ihrer sehr elektronischen Klangästhetik und auf der anderen Seite die anderen Projekte, die wiederum sehr akustisch klingen. So bekommt man auch eine schöne Abwechslung.

„Ich limitiere mich einfach nicht.“

In deiner Arbeit gibt es demnach also auch kaum Genre-Limitationen aufgrund von Geschmacksfragen? 

Sophie Lindinger: Ich bin immer so, dass ich ganz offen und ehrlich bin mit den Personen, die mit mir zusammenarbeiten wollen. Ich probiere grundsätzlich gerne alles aus, weil ich meinen Horizont erweitern möchte, und lerne dabei Neues. Aber ich bin jetzt natürlich kein Profi beim Aufnehmen von  Metal-Bands [lacht]. Ich habe aber lustigerweise im November die Juke Swing Band, eine Wiener Swing-Kombo, aufgenommen. Das war das erste Mal, dass ich sechs Personen in einem Raum beziehungsweise in drei aufgeteilten Räumen spielend aufgenommen und das auch wirklich so gemischt habe. Das war total spannend, denn es waren Bläser und ein Kontrabass dabei und das ist einfach eine ganz spezifische Art und Weise aufzunehmen, weil diese Instrumente sehr fragil mit Frequenzen sind. Bei der Produktion habe ich sehr viel dazugelernt. Denn wann sonst nehme ich einen Kontrabass auf? Das ist einfach total selten. Auch da war mein Ansatz; „Hey, hab ich noch nie gemacht, aber können wir gerne machen.“ Ich setze mich dann zwei Tage vorher hin und lese mich voll ein, damit ich auch Dinge machen kann, die ich zuvor noch nie gemacht habe. Mir ist es ja auch wichtig, meinen Job gut zu machen, auch wenn er neu für mich ist. Daher nehme ich mir davor viel Zeit, um mich zu informieren. Und wie gesagt, wenn eine Metal-Band zu mir kommt und unbedingt mit mir zusammenarbeiten möchte, lese ich mich ein und dann probieren wir es einfach aus. Und letztlich wird es eh voll cool werden [lacht]. Ich limitiere mich einfach nicht.

In der Popmusik ist es durch den Personenkult relativ einfach, sich irgendwelche Vorbilder zu suchen. Wie ist das im Produktionsbereich, gibt es da Vorbilder für dich?

Sophie Lindinger: Irgendwie nicht. Aber vermutlich auch deswegen, weil es nie mein Plan war, Produzentin zu werden. Für mich war es immer die Musik und deshalb habe ich auch im musikalischen Bereich meine Vorbilder gesucht. Ich höre mir schon oft Sachen an und denke mir: „Fuck, das klingt gut!“ Ich schau dann auch nach, wer das gemacht hat. Aber da es kein Gesicht dazu gibt, vergisst man es auch schnell wieder. Es ist halt schon witzig, weil eben so viele Produzentinnen und Produzenten gerade auch künstlerisch so extrem stark in Songs eindringen, arrangieren und mitschreiben und so den Sound machen, der dazu beiträgt, dass der Song schließlich ein Hit wird. Und am Ende kennt man diese Person eigentlich gar nicht, sondern nur den Interpretinnen und Interpreten.

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Sophie Lindinger (c) Max Hartmann

Es ist vermutlich frustrierend, wenn man die Beatles produziert hat und einen niemand kennt. 

Sophie Lindinger: Wahrscheinlich. Das kann ich aber trotzdem nicht ganz beurteilen, weil ich mich eben hauptsächlich in meiner Musik auslebe. Ich glaube, es ist heutzutage trotzdem anders, denn jetzt verschwinden die Produzentinnen und Produzenten fast noch ein bisschen mehr als früher. Wenn man das Produzentendasein von früher hernimmt, dann sind extrem viele Musikerinnen und Musiker heutzutage Produzentinnen und Produzenten. Denn die meisten bringen sich in den Sound und das Arrangieren ein und haben eine klare Vorstellung davon, wie es sein soll. Da heute aber der Terminus „Produzentin“ bzw. „Produzent“ anders konnotiert ist, nämlich, dass man als Produzentin bzw. Produzent auch all die technischen Bereiche abdecken muss, nennen sich auch viele Musikerinnen und Musiker nicht so. Aber eigentlich sind die es genauso wie die, die sich nach außen hin so nennen. Das Technische ist Übungssache, das kann man lernen. Das Gefühl für Musik, Sound und Arrangement ist etwas, was man hat oder nicht hat. Und das ist letztendlich ausschlaggebend.

„Wo endet DIY und wo beginnt ‚professionell‘? Das ist verschwindet heutzutage, und das ist völlig okay.“

Wie empfindest du die Veränderung vom heiligen Gral „Soundstudio“ hin zum Bedroom-Producing und zu billigeren, einfach zugänglichen Produktionsbedingungen? 

Sophie Lindinger: Grundsätzlich finde ich es schon gut, dass alle den Zugang haben können und ihre Ideen auch ganz schnell mal niederbringen können. Es regt schon kreativ an, wenn man in Ableton oder irgendeinem Programm herumspielt und auch an Sounds herumtüfteln kann. Es erweitert den musikalischen Horizont. Allerdings ist das wie mit einem Instrument. Man kann ein Instrument schnell mal spielen, aber virtuos ist man dann noch lange nicht, deswegen ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen und zu üben.
Es ist dann schon witzig, wenn man den Vergleich sieht, dass jemand stundenlang an einer Snare mischt und einzigartige Sounds bastelt, und dann gibt’s welche, die einen vorgefertigten Percussion Loop reinziehen und sagen, es sei fertig. Beides funktioniert heutzutage wahrscheinlich, letztendlich ist das dann einfach der Anspruch, den man an sich selbst mitbringt, und was man von seiner bzw. der produzierten Musik will.
Ich denke, zu produzieren ist einfach eine Erfahrungssache, es ist wie beim Musikschreiben. Man entwickelt sich mit den Jahren. Je mehr man schreibt, umso mehr lernt man und umso mehr hört man. Ich habe auch noch viel zu lernen und ich finde, das Wichtigste ist, dass man darüber reflektiert, was man macht, und versucht, sich stets zu verbessern. Wenn eine Person aber Spaß daran hat, einfach den Loop reinzuziehen und sich dann Produzent oder Produzentin nennt, ist das auch okay [lacht]. Wenn es letztendlich trotzdem spannend klingt, ist es grundsätzlich ja auch egal, wie es dazu gekommen ist. Ob Loop oder stundenlanges Mixen. Da wären wir wieder bei der Frage von vorhin: Wo endet DIY und wo beginnt „professionell“? Das verschwindet heutzutage, und das ist völlig okay. So entwickelt sich neue Musik und der Zugang dazu. Musik würde heutzutage nicht so klingen, wenn es DIY nicht geben würde. 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ada Karlbauer

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