Bild Wiener Brut
Wiener Brut (c) Georg Hochecker

„Das Schöne ist, dass wir auch privat sehr viel Spaß miteinander haben“ – KATHARINA und MANFRED HOHENBERGER (WIENER BRUT) im mica-Interview

Ein Vater-Tochter-Zweiergespann, das sich ganz dem Wienerlied verschrieben hat. KATHARINA und MANFRED HOHENBERGER bilden das Duo WIENER BRUT und haben an dem, was sie tun – nämlich das Wienerlied musikalisch in die Gegenwart zu holen –, ungemein viel Freude. Im April erschien mit „Baatzwaache Liada“ das zweite Album des Duos. WIENER BRUT im Interview mit Michael Ternai.

Wann haben Sie beschlossen, als Vater-Tochter-Duo zu musizieren und aufzutreten?

Manfred Hohenberger: Ein richtiger Beschluss in dem Sinne war es keiner. Vielmehr ist die Sache gereift. Kathi hat sich – wie auch ich, obwohl ich kein Musiker war – immer schon mit Musik beschäftigt. Und wir haben vor allem zu Hause, als Kathi noch ein Kind war, viel gemeinsam musiziert. Sie hat entweder Geige gespielt oder gesungen und ich habe sie begleitet. Gespielt haben wir damals vorwiegend klassische oder romantische Lieder. Irgendwann einmal habe ich dann vorgeschlagen, es auch einmal mit Wienerliedern zu probieren. Ich hatte damals noch viele Notenblätter von meinem Vater, der Wienerlieder komponiert hat, zu Hause liegen und dachte, das sei eine gute Idee. Ja, und Kathi hat das auch sehr gefallen. Zumindest die lustigen Texte der Wienerlieder.

Sie, Manfred, sind also wirklich noch mit dem klassischen Wienerlied aufgewachsen?

Manfred Hohenberger: Ja, das Wienerlied war natürlich Teil meiner Kindheit. Aber ich muss gestehen, dass es mir irgendwann einfach nicht mehr gefallen hat. Vielleicht auch deswegen, weil mich mein Vater, wenn er musiziert hat, immer aufgefordert hat, mitzusingen oder mitzuspielen. Und da habe ich irgendwann wohl eine gewisse Protesthaltung entwickelt. Erst mit fünfzig habe ich wieder begonnen, mich mit dem Wienerlied zu beschäftigen. Dann aber wieder mit Begeisterung.

Und Sie, Katharina, wann hat sich Ihre Liebe zum Wienerlied entwickelt? Oder war sie immer schon da?

Katharina Hohenberger: Nein, gar nicht. Ich habe es zuerst für mich entdecken müssen. Früher – so etwa bis 25 – habe ich wie fast alle in meinem Freundeskreis vorwiegend Jazz oder Pop gehört. Es hat sich dann irgendwie ergeben, dass ich auf das Wienerlied gestoßen bin und es in weiterer Folge auch gespielt habe. Anfänglich bin ich von meinen Freundinnen und Freunden schon öfter gefragt worden, warum ich das mache, warum ich mit meinem Vater gemeinsam mit Wienerliedern auftrete. „Das ist doch total altmodisch“, meinten sie. Aber es hat mir einfach Spaß gemacht. Auch weil ich aus dem Schauspiel komme und ich die Kombination Schauspiel und Wienerlied sehr spannend finde. Man hat darstellerische und musikalische Freiheiten und Ausdrucksmöglichkeiten, wie man sie beim etwa klassischen Lied nicht hat.

Hört man sich durch „Baatzwaache Liada“, Ihr neues Album, fällt auf, dass Sie sich nicht auf die Interpretation des klassischen Wienerlieds beschränken, sondern – im Unterschied zu Ihrer ersten Veröffentlichung – sehr wohl auch Elemente anderer Genres in ihre Musik einfließen lassen. Wie lässt sich diese Entwicklung erklären?

Manfred Hohenberger: Es stimmt, wir haben schon mit dem klassischen Wienerlied begonnen. Nicht mit dem mit vielen Klischees behafteten Wienerlied, das den Touristinnen und Touristen in den Heurigen präsentiert wird. Wir haben zum Beispiel Lieder von den „Kremser Alben“ – das ist eine Sammlung von Altwiener Tänzen und Liedern, die aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts stammen – neu bearbeitet und gesungen. Daneben haben wir natürlich auch immer Klassiker des Wienerlieds interpretiert, die das Publikum einfach erwartet hat.

Katharina Hohenberger: Aber mittlerweile haben wir uns vom klassischen Wienerlied doch etwas entfernt. Im Laufe der Zeit sind bei uns immer mehr Elemente aus anderen Genres, wie aus dem Chanson oder dem Jazz, hinzugekommen. Und die Idee für unser neues Album war, dass wir in unsere Musik nun auch etwas Pop einfließen lassen wollen. Wir haben Poplieder, die mir selbst immer am Herzen gelegen sind, hergenommen und überarbeitet.

Bild Wiener Brut
Bild (c) Wiener Brut

Manfred Hohenberger: Die Richtung auf „Baatzwaache Liada“ wurde schon stark von Kathi vorgegeben. Sprich, dass es dieses Mal schon mehr in eine modernere Richtung des Wienerlieds gehen sollte. Und ich bin auch sehr bereitwillig mitgegangen, weil mir auch die sehr gut gefällt.

Wie kann man sich bei Ihnen den Prozess des Songwritings vorstellen?

Kathi Hohenberger: Teilweise fällt dem Manfred ein Text ein, teilweise haben wir eine Melodie und schreiben gemeinsam einen Text dazu. Wobei wir die Texte eher allein schreiben. Den Grundstoff liefert immer einer von uns, den Rest machen wir zusammen.

„Kathi hat als gelernte Schauspielerin natürlich ein sehr großes komödiantisches Talent.“

Bei Ihnen spielt Humor auch eine große Rolle, was vor allem bei Konzerten sehr zum Ausdruck kommt.

Manfred Hohenberger: Kathi hat als gelernte Schauspielerin natürlich ein sehr großes komödiantisches Talent. Wobei man dieses auf der CD gar nicht einmal so sehr zu hundert Prozent herausfiltern kann. Aber dafür umso mehr auf der Bühne. Ich versuche, da immer ein bisserl mitzuhalten.

Katharina Hohenberger: Na ja, mein Vater kann schon sehr komisch sein. Das Schöne ist, dass wir auch privat sehr viel Spaß miteinander haben. Und diesen Spaß nehmen wir immer mit auf die Bühne. Wobei wir das schon in Dosen tun, denn unser Auftritt soll doch schon auch professionell wirken. Aber dennoch wir wollen uns diesen privaten Touch, unseren Schmäh, den wir haben, schon behalten und zum Ausdruck bringen. Das mögen die Leute sehr gerne.

Lange Zeit war das Wienerlied in die Heurigen der Vororte verbannt. So richtig hat sich niemand dafür interessiert. Was hat Ihrer Meinung nach zur Wiederauferstehung des Wienerlieds geführt? Und ist dieser Hype überhaupt ein andauernder?

Manfred Hohenberger: Natürlich hat der Wiener Dialekt eine große Rolle gespielt. Dieser ist schließlich die Sprache, die die Wienerinnen und Wiener sprechen und verstehen. Von den Musikern her hat Roland Neuwirth sicher einiges zu dieser Entwicklung beigetragen. Vor ihm war da auch noch Karl Hodina, der viel dafür getan hat, dass das Wienerlied bei vielen wieder in Bewusstsein gerückt ist. Roland Neuwirth hat dem Ganzen durch seine originellen Instrumentationen schließlich eine neue Richtung gegeben.

Katharina Hohenberger: Roland Neuwirth hat in gewisser Weise die Sache mitangestoßen und die Leute dazu animiert, sich wieder mit dem Wienerlied auseinanderzusetzen. Auch Birgit Denk, die mittlerweile auch schon relativ lange Dialektmusik macht, hat diesbezüglich Türen geöffnet. Ich habe sie vor zehn Jahren eigentlich noch gar nicht wirklich gekannt. Als ich dann aber auf sie gestoßen bin, habe ich mir schon gedacht: „Wow, da singt eine Frau im Dialekt und steht dazu.“ Das hat mich schon beeindruckt. Generell wird es spannend sein, zu beobachten, wohin sich die ganze Sache mit dem Wienerlied in Zukunft entwickeln wird. Ob dieser Hype um die österreichische Dialektmusik anhält oder ob dieser wieder einmal abflachen wird. Man wird sehen.

Katharina, Sie sind ja auch Initiatorin und Veranstalterin der mittlerweile seit fast vier Jahren laufenden Wienerlied-Konzertreihe „Einedrahn“. Was lässt sich über diese sagen? Haben Sie mit ihr ein bestimmtes Ziel im Auge?

Katharina Hohenberger: Man kann wirklich sagen, dass sie super läuft.

Manfred Hohenberger: Mit dem Publikumsandrang kann man sehr zufrieden sein.

Katharina Hohenberger: Bei uns sind natürlich schon auch bereits renommierte Größen der Szene zu Gast. Aber ein großes Anliegen von mir ist, auch den jungen Musikerinnen und Musikern eine Bühne zu bieten. Ich will die junge Szene unterstützen. Und ich denke, das funktioniert ganz gut. Die Konzertreihe hat mittlerweile ein Stammpublikum, das von Konzert zu Konzert weiter im Wachsen begriffen ist. Es wäre schön, wenn sich der Altersdurchschnitt des Publikums ein wenig senken würde. Aber das ist natürlich die Frage, ob das in diesem Genre überhaupt möglich ist oder ob die Leute ihr Interesse für diese Art von Musik erst ab 30 entwickeln.

Danke für das Interview.

Michael Ternai

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