Please Madame (c) Ludwig Seidl

„Das Rockhouse war von Anfang an als kreatives Arbeitshaus (…) geplant“ – WOLFGANG DESCHO (ROCKHOUSE SALZBURG) im mica-Interview

Auch wenn das Salzburger ROCKHOUSE nach über 25 Jahren zu den eher etablierten Institutionen im Salzburger Kunst- und Kulturleben zu zählen ist, stehen die Zeichen angesichts aktueller Entwicklungen in Sachen Rock und Pop (und jenseits davon) gerade in diesem Jubiläumsjahr weniger auf Rückblick denn auf Vorschau. So ist es auch kein Wunder, dass selbst bei der Anfang September 2018 abgehaltenen Pressekonferenz nostalgische Erinnerungen nur kurz angesprochen wurden und es stattdessen vor allem um Zukünftiges ging. Bei dieser Gelegenheit sprach Didi Neidhart mit dem langjährigen Geschäftsführer WOLFGANG DESCHO.

Als das Rockhouse am 14. Oktober 1993 endlich seine Pforten öffnen konnte, waren dem langjährige Kämpfe um kulturelle Freiräume in Salzburg jenseits von Festspielen und Co. vorausgegangen. Wie war das damals für Sie?

Wolfgang Descho: Nach 13 Jahren „Ringen“ für das Rockhouse, nach endlosen Gesprächen, Verhandlungen, Diskussionen und dem Veranstalten vieler Konzerte in allen möglichen und unmöglichen Veranstaltungsräumen und vor allem nach dem Mitwirken beim Umbau war es eine riesengroße Freude, es endlich geschafft zu haben, dass es in Salzburg das Rockhouse wirklich gibt.

Das Rockhouse hat sich seitdem immer auch als ein Haus verstanden, bei dem es um mehr als Konzerte geht. Neben Proberäumen werden auch jede Menge Workshops angeboten und vor allem die Nachwuchsarbeit ist breit angelegt. Wie kam es zu dieser Ausrichtung? Oder anders gefragt: Spiegelt sich in solchen Angeboten auch das wider, was Sie damals als junger Musiker selbst vermisst haben?

Wolfgang Descho: Das Rockhouse war von Anfang an als kreatives Arbeitshaus, welches auch Präsentationsmöglichkeiten bietet, geplant. Da das Rockhouse von Musikerinnen und Musikern erkämpft wurde und damit auch Musikerinnen und Musiker für das Konzept verantwortlich waren, war es klar, dass die heimische Musikszene ordentlich im Konzept vertreten ist. Das heißt, dass es gute Fortbildungsmöglichkeiten [Rockhouse Academy; Anm.], Proberäume, Workshop-Räume und genügend Auftrittsmöglichkeiten unter professionellen Bedingungen gibt. Da ich an den Konzepten von Anfang an mitgearbeitet habe, spiegeln sich hier natürlich auch die Defizite, die ich als junger Musiker erlebte, wider.

„Im Idealfall geht es darum, eine Heimstätte zu sein, die Chancen und Möglichkeiten bietet, die eigenen guten Ideen umzusetzen”

Cro (c) Arne Mueseler

Wenn Sie auf 25 Jahre Rockhouse zurückblicken, wo würden Sie markante Brüche, Kursänderungen etc. festmachen?

Wolfgang Descho: Das Rad mussten wir nicht neu erfinden. Musik ist einfach universal. Aber ständige Veränderung und Weiterentwicklung – auch im Sinne der kreativen Dauerbaustelle Rockhouse – sind immer gegeben. Die massiven Änderungen sind vor allem im infrastrukturellen Umfeld zu sehen. Unser Internet waren 1993 das Faxgerät und der Anrufbeantworter und in der Industrie machte man noch Geld mit Tonträgerverkäufen. Das Plakat war der Hauptwerbeträger und der ORF hatte noch das Monopol. Die Möglichkeit, mittels Computer selbst zu produzieren, war natürlich ein weiterer großer Schritt.

Die Salzburger Musikszene spielt mittlerweile nicht nur gesamtösterreichisch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Daran hat das Rockhouse auch seinen Anteil, aber was können solche Häuser grundsätzlich leisten, was vielleicht von der Öffentlichkeit gar nicht so wahrgenommen wird?

Wolfgang Descho: Im Idealfall geht es darum, eine Heimstätte zu sein, die Chancen und Möglichkeiten bietet, die eigenen guten Ideen umzusetzen, sich weiterzubilden und Konzerte besuchen zu können. Und es soll natürlich auch ein Treffpunkt sein, wo man sich auch vernetzen kann. Grundsätzlich ist es natürlich wichtig, dass man Infrastruktur zur Verfügung stellt und für verschiedene Projekte auch Geld in die Hand nimmt. Und das tut das Rockhouse Salzburg im Rahmen seiner Möglichkeiten zielgerichtet und kontinuierlich. Sehr wichtig ist, dass die eigene Szene wirklich ernst genommen und mit dem nötigen Respekt behandelt wird. Gemeinsam Dinge auf den Weg zu bringen und vor allem gut zuzuhören ist quasi ein Muss. Ob das jetzt beim „Music Talk“ oder bei den vielen Veranstaltungen ist, der ständige Kontakt ist so was wie der Treibstoff für die ständige Weiterentwicklung. Als Beispiel können hier auch die Reihen „Local Heroes“ und „Local Heroes Special“ dienen, die sich großer Beliebtheit erfreuen und mit den Musikerinnen und Musikern gemeinsam weiterentwickelt wurden.

Wie hat sich in den letzten Jahren die finanzielle Situation entwickelt?

Wolfgang Descho: Die hat sich nicht sehr verändert. Die Eigenfinanzierung ist sehr stabil. Wir haben auch zwei tolle Hauptsponsoren mit Zipfer Bier [Brau Union; Anm.] und myfuturebase [Salzburger Landes-Hypothekenbank; Anm.]. Seitens der öffentlichen Hand sind das Positive die mittelfristigen Fördervereinbarungen mit Stadt und Land Salzburg, die immerhin eine Planungssicherheit für drei bzw. zwei Jahre bieten. Hauptgeldgeber ist die Stadt Salzburg, die circa 35 Prozent des Budgets beisteuert, dann folgt mit Respektabstand das Land Salzburg mit circa elf Prozent des Budgets. Der Bund bleibt da, wie schon immer, das Stiefkind mit circa zwei Prozent des Jahresbudgets.

Bild (c) Rockhouse

Mittlerweile gibt es Musik ja fast überall als Stream, Download etc., gleichzeitig scheinen die Wertigkeit und Wichtigkeit eher abgenommen zu haben. Wie sehen Sie das? Sind junge Acts heutzutage völlig anders drauf als jene, die es vor 25 Jahren probiert haben?

Wolfgang Descho: Die Acts sind grundsätzlich nicht anders drauf als vor 25 Jahren. Sie wollten und wollen ihre eigene Musik machen. Und Livemusik bleibt bei allen technischen Revolutionen das Salz in der Suppe. Die technischen Möglichkeiten, sowohl Musik zu produzieren als auch zu konsumieren, sind natürlich völlig anders. Durch das riesengroße Angebot an Musik verteilt sich natürlich die Wichtigkeit auf mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Aber nach wie vor ist Musik das wichtigste Freizeitmedium.

Sie sind jetzt seit 25 Jahren Geschäftsführer des Rockhouse und waren zuvor u. a. auch schon jahrelang als Musikbeauftragter der Salzburger Jugendservice-Stelle tätig. Wie behält man nach all den Jahren jenes Quantum an Leidenschaft, ohne das es trotz alltäglicher Routinen im Musikbusiness dann doch nicht geht?

Wolfgang Descho: Mir das zu überlegen habe ich eigentlich keine Zeit. Die gewisse positive Routine, die ich mir in 25 Jahren zugelegt habe, hilft mir dabei, die Zeit zu finden, neugierig zu bleiben, die vielen täglichen neuen Impulse zu verarbeiten und zu nutzen. Wir lernen viele neue und interessante Menschen kennen, erleben die tollsten Konzerte, wo ich mich auch nicht zuerst frage, wie lange es die Band schon gibt, sondern wie gut sie ist. Viele unvorhergesehene Entwicklungen erfordern immer ein sehr hohes Maß an Flexibilität. Und ich mache das alles sehr gerne.

„Gemeinsam Dinge auf den Weg zu bringen und vor allem gut zuzuhören ist quasi ein Muss.”

RH 25 Party Kreisky (c) Ingo Pertramer

Ist das Alter im Hinblick auf Rock- und Pop-Musik eigentlich ein Thema oder fühlt man sich da zumindest geistig sowieso forever young?

Wolfgang Descho: Am Alter kommt niemand vorbei, auch die heute Jungen nicht. Alle haben ihre bestimmten musikalischen Wurzeln, die sie ein Leben lang begleiten, aber die Auseinandersetzung mit immer wieder neuer Musik belebt auf jeden Fall das eigene Leben in sehr positiver Weise.

Heuer gibt es am 12. und 13. Oktober gleich zwei Abende, die ganz im Zeichen von 25 Jahren Rockhouse stehen. Teil 1 ist quasi der Österreich-Abend – u. a. mit Kreisky, Magic Delphin, The Crispies, Coperniquo und einem Please-Madame-DJ-Set – und Teil 2 der internationale Beitrag – mit u. a. Anti-Flag, Silverstein, Cancer Bats, Worriers. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Wolfgang Descho: Das Rockhouse versucht immer, einerseits die Wichtigkeit der heimischen Szene zu präsentieren und andererseits auch die internationale Szene zu zeigen. So freut es uns dann natürlich sehr, dass dies heuer auch beim Geburtstagsfest möglich ist. Möglich ist dies auch, weil wir das Glück haben, dass wir mit Wolf Arrer einen außerordentlich tollen Programmleiter haben, der immer wieder die interessantesten Acts an Land zieht.

Wenn Sie sich zu diesem Geburtstag etwas für das Rockhouse und für alles, was damit zusammenhängt, wünschen könnten, was wäre das?

Wolfgang Descho: Mehr Geld für das Rockhouse und mehr Mut des Publikums, auch das noch Unbekannte für zu entdecken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Didi Neidhart

 

Termine:
25th Rockhouse Birthday Party, Part 1
Freitag, 12. Oktober 2018, 19:00 Uhr
KreiskyMagic DelphinThe CrispiesCoperniquoPlease Madame DJ Set

25th Rockhouse Birthday Party, Part 2
Samstag, 13. Oktober 2018, 19:00 Uhr
Anti-Flag, Silverstein, Cancer Bats, Worriers

Links:
Rockhouse Salzburg (Website)
Rockhouse Salzburg (Facebook)