Das Glück ist auf unserer Seite – Moonlight Breakfast im mica-Interview

Christie und Bazooka von Moonlight Breakfast über Kinderbetreuung, das Spielen in High-Class-Clubs und die heilsame Wirkung eines Spritzers. Das Interview führte Markus Deisenberger.

Ihr kommt ursprünglich aus Rumänien. Wieso seid ihr nach Österreich gekommen? Wieso nach Wien?

Christie: Wir dachten uns, dass es das Beste sei, bei unserer Familie zu sein. Meine Eltern leben hier. Mein Vater ist zurzeit im Krankenhaus und meine Mutter ist vor drei, vier Jahren hierher gezogen. Bazookas Großeltern sind auch hier, und das ist wirklich eine große Hilfe. Vor allem, wenn wir Gigs spielen und abends länger weg sind. Sie passen dann auf unser Kind auf.

Ihr seid also nicht gekommen, weil Wien die europäische Hauptstadt der Popmusik ist? Nach dem Motto: Wenn wir es in Wien schaffen, dann schaffen wir es überall…

Christie: (lacht) Nein. Es war eine Entscheidung aus persönlichen Gründen. Eigentlich hatten wir bislang auch viel Glück hier. Die Gigs, die wir in Wien bis jetzt gespielt haben, waren wirklich cool. Wir sind zum Beispiel in der Ottakringer Brauerei aufgetreten. In der Arena waren wir die Vorgruppe von „Hurts“. Und auch im Rathaus und beim Impulstanzfest haben wir schon gespielt. Das waren unsere vier Auftritte in Wien bis dato, und wir haben alle sehr genossen.

Aber bevor ihr euch nach Österreich aufgemacht habt, hat man euch schon in Rumänien gut gekannt?

Bazooka:
Ja, wir waren zuerst ziemlich bekannt in Rumänien. Kurz vor unserem Umzug haben wir dann begonnen, mit Wolfgang Mitter von MIOOOW zusammen zu arbeiten und haben dann in den folgenden eineinhalb Jahren in vielen europäischen Ländern gespielt und daher auch außerhalb Rumäniens viele Fans gewonnen.

Wie kam es dazu?

Christie: Wir waren auf einem Gig in Rumänien, und jemand dort kannte ihn. Dieser jemand berichtete ihm dann, dass er eine wirklich coole Band kennt und er unbedingt einmal etwas von iht hören sollte. Wolfgang hat unsere Musik dann auf Anhieb gefallen, und so haben wir Kontakt aufgebaut und begonnen miteinander zu arbeiten. Wir sagten zu ihm: „Hey, coole Sache. Wir planen nämlich nach Österreich zu ziehen, da trifft es sich ja gut, dass du in Wien lebst!“.

Und Wolfgangs Booking-Agency MIOOOW organisiert euch viele Gigs?

Christie: Ja, es ist ihm zu verdanken, dass wir schon viermal in Moskau gespielt haben. Und auch in Tschechien und auf einem Jazzfestival in der Slowakei. Also: Ja!

Das klingt jetzt alles sehr einfach, War es nicht auch kompliziert und schmerzvoll, alles hinter sich zu lassen?

Christie: Natürlich. Es hat uns ganze sechs Monate gekostet alles zu regeln und einen Platz zum Wohnen zu finden. All die Möbel und Spielsachen…. Ja, es war schon sehr kompliziert. Auch alles ins Laufen zu bringen, zB. Steuern in Österreich zu zahlen und solche Dinge erledigen sich nicht von selber.

Der Rest der Band lebt weiterhin in Bukarest. Ist das nicht logistisch aufwändig? Wie organisiert ihr Gigs in Wien oder Moskau?

Christie: Die anderen Bandmitglieder verbringen auch viel Zeit hier, leben aber nach wie vor in Rumänien. Das heißt, im Ergebnis fliegen wir viel herum, aber das ist gar nicht so kompliziert. Vor allem ist es ja nicht weit, nur eine Flugstunde. Als wir in Moskau gespielt haben, sind sie eben von Bukarest und wir von Wien hingeflogen. Momentan freuen wir uns darauf, Zeit miteinander zu verbringen, da wir eine Tour planen. Wir spielen auch in Frankreich. April oder Mai.

Retroelectro oder Electro Swing ist ein Genre, das hierzulande gut ankommt, wie man am Erfolg von Parov Stelar. War das ein zusätzliches Motiv, hier Fuß fassen zu wollen?

Christie:
Um ehrlich zu sein, nein. Wir haben da nie darüber nachgedacht. Es ist einfach der Ort zu dem wir nach Hause kommen. (lacht) Ich denke auch, dass es überall schwer zu schaffen ist. Die Konkurrenz ist einfach hart. Entweder du hast das gewisse Etwas und jemand erkennt es und fördert es auch, oder du bekommst Unterstützung durch das Internet und kannst vieles selbst machen, musst also nicht von einem Recordlabel gepusht werden.

Wie sieht eure Lage aus, was Labels betrifft?

Bazooka:
Wir haben unser eigenes Label. Wir haben es auch genutzt, um unser Album auf I TUNES zu veröffentlichen. Es handelt sich um ein spezielles Projekt, das in Rumänien stattgefunden hat.

Christie: Das muss man erklären: Bei unserem ersten Gig waren wir die Vorgruppe von „Jamiroquai“, als er in Rumänien ein Konzert gab. Dieses Konzert hat damals Orange veranstaltet. Und die buchten uns, ohne uns jemals live gesehen zu haben. Wir hatten nur unseren Song im Radio. Danach aber waren sie wirklich begeistert von unserer Musik und wollten sich in die Veröffentlichung unseres Albums involvieren, was uns natürlich gelegen kam. Sie haben uns also unterstützt und deshalb kann man das Album jetzt exklusiv in rumänischen Orangeshops kaufen.

Aha, deshalb also unterscheidet sich das Cover von der hierzulande erhältlichen Version?

Christie: Genau. (lacht). Es war toll und es gab ein riesiges „Release-Event“ mit 3.000 Leuten. Plötzlich hatten wir auch 2.000 Likes auf Facebook. Das war schon echt cool.

Jetzt gerade habt ihr 26.823 Likes, d.h. mit meinem sind es 26.824. Sprich: Es läuft gut für euch.

Christie: Ja, aber wir hoffen natürlich, dass es noch viele viele mehr werden. Aber trotzdem es gut läuft, haben wir noch einen langen Weg vor uns, um dort zu landen wo wir hin wollen.

Ihr seid auch von RED BULL unterstützt worden. Wie kam es dazu?

Christie: Die RedBull-Sache ist passiert, als die Orange-Sache passierte. Die Leute dort sagten uns, dass sie sehr daran interessiert wären, etwas mit uns zu machen. Also haben wir eine nationale Tour gemacht. Danach hat Red Bull uns noch bei den Videos „Hard Times“ and „My Baby“ unterstützt. Genauso wie Orange war RedBull sehr hilfreich und unterstützend für uns. Das hat unser Selbstbewusstsein gestärkt. Es bedeutet einfach viel, wenn jemand Zeit in dich und deine Musik investiert. Das zeigt uns, dass wir unsere Sache gut machen. Orange zB. hat so etwas zuvor noch nie gemacht mit einer Band.

Wie kann man sich das Tour-Leben in Rumänien vorstellen? Wie viele Plätze besucht ihr auf einer Tour?

Christie:
Es gibt viele Plätze, an denen man in Rumänien auftreten kann. Gerade erst vor zwei Wochen haben wir in Bukarest gespielt und es war ausverkauft. Es war verrückt und toll. Als wir das letzte Mal getourt sind, haben wir in sieben Städten gespielt. Es gibt ein wirklich cooles Nacht- und Szeneleben in Rumänien.
Seit wir angefangen haben Musik zu machen, haben wir noch nicht so viele Gigs gespielt, da wir sorgfältig auswählen, wo wir spielen. Wir spielen nur an Plätzen und in Clubs, die wir auch wirklich mögen. Dabei gab es auch sehr kleine, intime Bars und Clubs, in denen wir aufgetreten sind, auch vor kleinem Publikum. In anderen Ländern wiederum wissen wir vorher oft nicht genau, wie es dort ist, wo wir spielen. Manchmal kommt es dann dazu, dass wir an Orten spielen, von denen wir vorher nie gedacht hätten, dass wir dort einmal spielen würden bzw. dass unsere Musik dort gemocht wird – etwa in fancy, highclass Schickimicki-Clubs. Da wir eher aus der Underground Szene kommen, hat uns das ziemlich überrascht. Das Publikum ist einfach anders dort. Die Leute drücken sich einfach anders aus und benehmen sich auch anders, je nach Location. Da gibt es sehr leise und sehr laute Menschen (lacht) Jedenfalls ist es sehr interessant und spannend in beiden „Welten“ zu spielen und Erfahrungen zu sammeln.

Was lautet eure Definition von Erfolg?

Bazooka:
Auf der ganzen Welt spielen zu können. Das wär schon toll. In den USA oder Deutschland. Einfach überall.

Ihr versteht euch also mehr als Live-Band?

Christie: Ja, auf jeden Fall. Wir sehen die Musik nicht als Mittel, um CDs zu verkaufen. Es geht uns um das Performen. Wir haben unser Album ja auch nur im Studio aufgenommen, damit wir es veröffentlichen können. Wir hatten alle Tracks schon seit eineinhalb Jahren fix fertig, aber es hat uns eine lange Zeit gekostet, ins Studio zu gehen und die Nummern aufzunehmen, um sie endlich veröffentlichen zu können. Wir mussten uns selbst eine Deadline setzten, um damit wir endlich fertig wurden.

Wird das bei eurem neuen Album auch so sein?

Christie: Mal sehen. Unsere Deadline ist im August. (lacht)

In welche Richtung werden die Songs des neuen Albums gehen?

Christie: Nachdem du dieses Album gehört hast, wirst du sicher fähig sein, uns auch in den neuen Songs wiederzuerkennen. Aber es wird schon etwas anders werden.

Bazooka: Alles, was wir im Leben tun, auch das Musik machen, ist eine Herzenssache. Das Gefühl, das wir zu diesem Zeitpunkt haben, soll sich widerspiegeln. Ich denke, dass es natürlich ist, Gefühle zu investieren und es wachsen zu lassen, auch in eine neue, andere Richtung. Es soll ja nicht alles genau gleich klingen.

Wie schreibt ihr eure Musik?

Christie: Zuerst ist da die „Vocal Line“. Nach der schreibe ich dann meine Texte/Lyrics und Bazooka macht den Rest. (lacht) Wenn er etwas interessant findet, z.B. die Baseline oder auch einfach nur den Beat, dann spielt er mir das vor, und ich schaue dann, was mir dazu einfällt. Nachdem ich dann etwas aufgenommen habe, baut er darauf auf und so entsteht im Endeffekt ein Song. Wenn ich etwas aufnehme, kann ich meistens schon am nächsten morgen den ganzen Song hören. So schnell geht das.

Aber zu Beginn ist die Richtung, in die es gehen wird, noch ganz offen?

Bazooka: Ja. Wir planen nicht so genau.

Wollt ihr bewusst mit eurer Musik einen neuen Sound kreieren, der sich von anderem unterscheidet, oder passiert das automatisch?

Bazooka: Musik zu machen soll ein natürlicher Prozess sein die. Und das braucht jedenfalls viel Zeit – Neues zu entdecken und daran zu arbeiten, einen speziellen Sound zu entwickeln.

Könnt ihr von eurer Musik leben? Oder müsst ich zusätzlich noch etwas anderes tun?

Bazooka: Es ist nicht immer leicht. Wir machen zum Beispiel auch Musik für Werbespots. In Österreich, Rumänien, Deutschland…für Fernsehen und Radio. Wir würden aber auch gerne Filmmusik schreiben.

Was würdet ihr sagen, ist der größte Unterschied zwischen Bukarest und Wien, was das Musiker-Dasein betrifft?

Christie: In Bukarest haben wir einfach einen Song zum Radio geschickt, und die haben ihn dann auch sofort gespielt, weil sie begeistert waren, dass im eigenen Land solche Musik gemacht wird. So haben wir 9 von 12 Songs unseres Albums ins Radio gebracht.

Also ist es in Bukarest leichter?

Bazooka: Ja. Dieser Radiosender ist nämlich der einzige Sender, der alternative Musik spielt, d.h. die Konkurrenz ist einfach nicht so groß. In Wien ist es nicht so leicht. Aber wir hatten großes Glück, denn es war leicht für uns. Ich denke, die Leute hier mögen unsere Musik einfach. Ich meine, wir kamen hier her und keiner kannte uns. Trotzdem hatten wir die Möglichkeit, gleich im Rathaus zu spielen und das war einfach wahnsinnig cool. Wir hatten hier schon echt tolle Gigs.

Und an welchem Ort wart ihr bis jetzt am erfolgreichsten?

Christie: Das Jazzfestival in der Slowakei war ein Highlight für uns. Auch Moskau war fantastisch. Ich denke an der Slowakei fanden wir so toll, dass wir uns bis zu diesem Festival nicht als Jazzband gesehen haben. Wir waren also sehr nervös vor dem Auftritt, aber die Reaktionen waren unglaublich. Alle haben getanzt und hatten eine super Zeit. Die Band, die vor uns aufgetreten ist, spielte sehr melancholische Musik und brachte ein ganz anderes Gefühl rüber, als wir das tun. Es tat den Leuten offenbar gut, die Traurigkeit wegtanzen zu können.

Wie waren die ersten Schritte in Wien?

Christie: Als wir das erste Mal nach Wien gekommen sind, haben wir „SUPERFLY“ gehört und das hat uns richtig gut gefallen. Ich dachte mir also, dass wir diesem Sender unbedingt ein Demo senden müssen, und das habe ich dann auch getan. Tatsächlich kam auch eine Antwort. Sie mochten unsere Musik sehr! Sie haben unsere Musik gespielt und unser Album unter die Top 10 Albums des Jahres 2012 gebracht. Du kannst also unseren Song „My Baby“ momentan auf Superfly hören, was wirklich super ist. Wir haben in der Zwischenzeit eine tolle Beziehung zu diesem Sender aufgebaut und in Wien generell schon viele gute Erfahrungen gemacht. Ich kenne viele Musiker und weiß daher, wie schwer es manchmal sein kann. Das Glück ist aber auf unserer Seite. Es passiert uns viel Gutes , und wir bekommen gutes Feedback von vielen Seiten.

Hattet ihr auch schwere Zeiten, seit ihr hier seid?

Christie: Also was unsere Karriere betrifft, nein. Leider gab es aber in der Familie gesundheitliche Probleme. Aber was uns betrifft, ist alles wirklich gut gelaufen bis jetzt.

Was sind eure Pläne für die kommenden Monate?

Christie: Unser neues Album soll im August erscheinen. Wir wollen aber auch eine Akustik-Version des Albums veröffentlichen, weil wir viele Akustik-Auftritte hatten und gutes Feedback vom Publikum bekommen haben. Wir spielen dann mit Piano, Gitarre, Drums und Klarinette. Das Coole daran ist der „Jazzy“-Sound der 30er und 40er Jahre, der dadurch entsteht, und wieder ein anderes Publikum anspricht.

Denk ihr darüber nach, das alleine, mit eurem eigenen Label durchzuziehen? Oder sucht ihr nach einem Label?

Christie: Irgendwann kam der Punkt, an dem wir in Betracht ziehen mussten, mit einem wirklich großen Label zu verhandeln, Universal z.B., Wir mussten uns entscheiden, ob wir das wirklich tun sollen und wir dachten uns damals, dass es besser ist, abzuwarten bis wir bekannter sind und etwa auf Youtube schon viele Views haben oder Likes auf Facebook. Einfach, um in einer besseren Verhandlungsposition zu sein und keinen nachteiligen Vertrag zu riskieren.

Was empfindet ihr – abgesehen von der familiären Kinderbetreuung – als den größten Vorteil von Wien?

Christie: Wir sind jetzt näher an den Orten, an denen wir spielen, als zuvor. Wir brauchen nicht mehr zu fliegen, sondern können meist fahren. Das ist angenehmer für uns. Besonders, weil Bazooka es hasst zu fliegen. Er wäre oftmals lieber mit dem Zug gefahren als in ein Flugzeug zu steigen. Was das betrifft, ist es jetzt leichter. Als wir zuletzt nach Moskau geflogen sind, hatten wir einen Zwischenstopp und so musste er zweimal an einem Tag fliegen. Das war wirklich hart für ihn! (beide lachen) Er hat dann einen „Spritzer“ getrunken. Das hat geholfen!
Die Diskussions- und Vortragsreihe mica focus wird unterstützt durch die Abteilung für Wissenschafts- und Forschungsförderung der MA7 Wien.

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