Das Gemüseorchester zu Gast im Wiener Konzerthaus

Wer wirklich einmal etwas ganz „anderes” zu sehen und oder zu hören bekommen will, sollte am 1. April einen Besuch im Wiener Konzerthaus auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Zu Gast ist mit dem Gemüseorchester nämlich das ohne Zweifel eigenwilligste und ungewöhnlichste Ensemble des Landes. Das Besondere an dieser 12-köpfigen Formation ist, dass deren MusikerInnen ausschließlich auf Instrumenten spielen, die aus Gemüse hergestellt sind. Mit im Gepäck hat das Gemüseorchester sein im vergangenen Jahr erschienenes und von allen Seiten hochgelobtes dritte Album „Onionoise“ (Monkey).

Fast scheint es so, als könne man wirklich mit allen Dingen dieser Welt Musik erzeugen. Das Wiener Gemüseorchester, welches in seiner Art wohl einmalig auf der Welt ist, spielt auf Instrumenten, die einzig aus Gemüse hergestellt sind. Keine Gitarren oder Schlagzeuge, sondern Karotten, Paprika, Lauch und anderes Grünzeug werden vom Gemüseorchester für diesen eher unkonventionellen Ansatz herangezogen, um Musik zu erzeugen. Anstatt klassischer Instrumente werden diverse Gemüsesorten als Klangerzeuger verwendet.

The Vegetable Orchestra – Scoville by mica

In filigraner Kleinstarbeit betätigen sich die Mitglieder als Instrumentenbauer und konstruieren so aberwitzige Gerätschaften wie eine Lauchgeige, eine Karottenflöte, ein Gurkophon, eine Kürbispauke uvm. Die Möglichkeiten scheinen fast unbegrenzt. Verblüffend ist zudem, wie enorm vielschichtig die Sounds dieser aus Gemüse bestehenden Klangerzeuger sind: schrill, laut, leise, dunkel, weich, knisternd… wirklich schade nur, dass die Instrumente nur von kurzer Lebensdauer sind. Meist ist schon nach einem Konzert oder Studioaufenthalt Schluss.

Musikalisch wie stilistisch kennt das im Jahr 1998 in Wien gegründete Orchester keinerlei Grenzen, wobei die Kompositionen immer auch auf die speziellen klanglichen Eigenschaften der Gemüseinstrumente zugeschnitten sind. So fusionieren in den Stücken Elemente aus so unterschiedlichen Bereichen und Spielformen  wie Minimal Techno, Free Jazz, Dub, Elektronik, Ambient, Noise, Pop, der Neuen und elektroakustischen Musik zu einem enorm vielschichtigen und groovigen Ganzen.

Es macht schlicht und einfach Spaß, den ungemein vielschichtigen Nummern zu lauschen, offenbaren diese doch auch nach mehrmaligem Hörgenuss immer wieder neue Geheimnisse. Wer also wirklich Lust auf etwas vollkommen anderes hat, sollte sich die Gelegenheit, dieses in der Tat außergewöhnliche Orchester auch einmal auf der Bühne zu sehen, nicht entgehen lassen. (mt)

Foto: Zoefotografie