„Das allumfassende Ganze in den Mittelpunkt zu stellen“ –  JAKOB HERBER (FLUT) im mica-Interview

FLUT – FLORIAN und SEBASTIAN VOGLMAYR, MANUEL HAUER, JAKOB HERBER und JOHANNES PAULUSBERGER – ist eine Wiener Band aus Oberösterreich mit audiovisueller Obsession für die 1980er. Die Formation thematisierte 2017 mit der EP „Nachtschicht“ noch konkret das österreichische Nachtleben in Linz, um nun am 5. Oktober 2018 mit ihrem Debütalbum „Global“ (Problembär Records) das Begonnene „upzugraden“.  Der Titel verspricht eine musikalische Entdeckungsreise, die sich keinem Land verschreibt und sich weder zeitgenössischer Popkultur noch Retrotrend querstellt. JAKOB HERBER sprach mit Julia Philomena über Liebe, Lust und Grenzenlosigkeit. 

Aus welchem Kontext heraus ist das Album „Global“ entstanden?

Jakob Herber: Wir haben es uns nicht leicht gemacht, weil wir wussten, dass das erste Album ein Meilenstein auf dem gemeinsamen Weg einer Band ist. Schlussendlich konnten wir uns jedoch vom Druck lösen und ganz befreit kreativ sein.

Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Jakob Herber: Von der ersten Demo bis zur Pressung waren das sicher zwei Jahre. Das Schönste ist wahrscheinlich, dass wir – auch wenn wir am Weg dorthin oft ernsthaft zweifelten – am Ende die wie ein Traum erscheinenden Ziele im Hinblick auf die Platte erreicht haben.

Was bedeutet der Begriff „global“ für Sie?

Jakob Herber: Ganz grob gesagt: Das allumfassende Ganze in den Mittelpunkt zu stellen.
Der Name fürs Album hat sich im Laufe des Studioprozesses ganz natürlich ergeben. Da waren Utopien und Dystopien oft ein Thema, wir haben viel über die Welt philosophiert, ganz selten hat einer den Begriff wörtlich verwendet, aber am Ende war trotzdem allen klar, dass das Album so heißen muss. Das hat einfach jeder irgendwie gecheckt [lacht].

Was ist seit der EP „Nachtschicht“ passiert?

Jakob Herber: Wir haben auf der einen Seite spektakuläre Dinge erlebt, die für uns viel zu schnell gegangen sind, und auf der anderen Seite dann wieder sehr desillusionierende Erfahrungen gemacht. Wir haben einige Zeit gebraucht, um zu reflektieren und wieder zur Basis – also gute Musik zu machen – zurückzukommen.

„Wir haben (…) spektakuläre Dinge erlebt, die für uns viel zu schnell gegangen sind, und (…) sehr desillusionierende Erfahrungen gemacht.”

„Keine Grenzen ziehen. Kein System.“ Von Linz zu „Kein Land“. Ein Liebeslied oder eine Gesellschaftskritik?

Jakob Herber: Wir finden es spannend, dass es beides zugleich sein kann. Das hat die Liebe mit Überstaatlichkeit gemeinsam: Zusammen ist es auf lange Sicht schöner als allein, auch wenn man weiß, dass man sich nicht einig ist. Es ist eine Einladung, sich die Welt von der andern Seite der Grenze anzuschauen.

Gerade in puncto Grenzen scheiden sich die Geister aktuell ja sehr. Welche Auswirkungen haben die politischen Umstände auf Ihre Musik?

Jakob Herber: Das hat gar nicht so viel mit Österreich allein zu tun, sondern mehr mit der aktuellen Stimmung, die momentan international herrscht. Wir sind keine sehr politische Band, aber wir setzen uns natürlich mit Aktuellem auseinander. Durch das gesellschaftliche Klima, das einen umgibt, schleichen sich Orientierungslosigkeit und Sehnsüchte auch in die Musik ein. Das hat aber in den wenigsten Fällen einen direkten politischen Bezug.

Welche Nummer beschreibt für Sie am besten den Stil, die Thematik des Albums?

Jakob Herber: Als wir alle Songs vor uns liegen hatten, ist uns aufgefallen, dass das Album mit „Stadt am Draht“ als ersten Track ein Setting bekommt, wo man dann die restlichen Songs verorten kann – eine plakative, retrofuturistische Version der Welt, in der wir leben.

Welche Welten inspirieren Sie? Welche Einflüsse sind für Sie essenziell?

Jakob Herber: Jedes Bandmitglied hat während der Produktionszeit sehr unterschiedliche Musik gehört. Wir haben sehr viel mit Sounds experimentiert und versucht, alles sehr instinktiv zu halten. Die Achtzigerjahre als Einfluss sind besonders super, weil man sich da selbst nicht so ernst genommen hat und man sich mehr trauen konnte.

Was hat es mit dem Bandnamen auf sich?

Jakob Herber: Ganz am Anfang von FLUT standen nur der Name und ganz einfache Dinge, die wir aussagen oder machen wollten oder eben nicht. Der Name war kurz, plakativ, ausdrucksstark, kompromisslos und schaute gut aus: Das war dann eigentlich auch alles, was wir damals sein wollten.

„Durch das gesellschaftliche Klima, das einen umgibt, schleichen sich Orientierungslosigkeit und Sehnsüchte auch in die Musik ein.”

Ganz am Anfang stehen auch Fragen. Haben Sie von mica – music austria profitiert? Welche Form der Unterstützung oder Vernetzung ist für Sie wichtig oder wäre wünschenswert?

Jakob Herber: Wir finden es super, dass es so etwas wie mica gibt. Uns wurde auch schon ein paarmal gut weitergeholfen. Es kann anfangs oft schwierig sein, einen Überblick über wichtige Dinge rund um das Musikmachen zu bekommen. Wir können es allen, die gerade beginnen, musikalisch aktiv zu werden, nur empfehlen, sich hier Rat zu holen.

Auf Spotify werden Sie häufig in Wien, Berlin und Hamburg gehört. Was sagen Sie dazu?

Jakob Herber: Es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass das, was wir machen, bei Leuten aus verschiedensten Gegenden ankommt, aber das hat natürlich keine Auswirkung darauf, wie wir es machen. Es ist ein guter Anhaltspunkt, um ein Gespür dafür zu bekommen, in welchen Regionen unsere Musik schon verbreitet ist. Wenn einem da etwas auffällt, kann es einen auf jeden Fall auf Ideen bringen.

Und welche Ideen waren bislang zentral?

Jakob Herber: Wenn man es ganz einfach sagen will: Wir wollen Musik machen, zu der man entweder tanzen oder weinen muss, im besten Fall gleich beides. Kunst, die das macht, wirkt an der Oberfläche vielleicht oft platt. Wir finden aber, dass es das Schwierigste ist, den Kern eines Menschen zu finden und etwas auszulösen. Das wird uns immer herausfordern, das wird uns immer inspirieren!

„Bühne ist unschlagbar. Und große Boxen!”

Flut (c) Alex Gotter

Wie inspirierend ist das Live-Erlebnis für Sie?

Jakob Herber: Live zu spielen ist das Allergrößte. Auf eine Bühne zu stehen und zu merken, in den Menschen rührt sich etwas, was man auf direktem Weg zurückbekommt, hat etwas Magisches.

In welchem Umfeld erleben Sie selbst Musik am liebsten?

Jakob Herber: Bühne ist unschlagbar. Und große Boxen!

Abschließend: Was wünschen Sie sich?

Jakob Herber: Mehr Höhen!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Julia Philomena

Termin:
12. Jänner, 21:00, Kino im Kesselhaus, Krems a.d. Donau

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