Bild Crush
Crush (c) Gabriel Hyden

CRUSH – “Sugarcoat”

Es gibt sie erst seit 2016, aber eigentlich klingt ihr Debütalbum, als hätten sie es aus einer Zeitkapsel geholt: CRUSH präsentieren mit “Sugarcoat” (Numavi Records) ein sanft fröhliches Konglomerat aus Post-Punk und Shoegaze. 

Ziemlich fleißig haben sich Crush bis zu diesem Punkt vorgearbeitet. Vor allem, weil die Band das Jahr 2016 als ihr Gründungsjahr angibt. Das ist gerade mal zwei Jahre her. Und seitdem haben sie schon eine EP namens “Damaged Goods” und die EP “No Easy Way Out” veröffentlicht. Das sind insgesamt 5 Songs, die als Vorboten für ihren Langspieler dienten. Und nun ist der auch da: “Sugarcoat”.

Und um noch einmal auf die Zeitkapsel zurückzukommen: Die scheint übrigens aus den 1980ern zu sein, wurde aber 1999 einmal ausgepackt, neu zusammen gestückelt und dann wieder vergraben. So kann man es sich erklären, dass Post-Punk, Shoegaze und recht moderner Dreampop auf einer einzigen Platte so harmonisch zusammenfinden. Es gibt die verträumten Momente (“Ivy”), die rockigeren Songs (“Damaged Goods”) und die äußerst Post-Punkigen (Body and Mind).

Der Ton von “Sugarcoat” ist an sich ziemlich fröhlich, was eher an REM oder New Order als an The Cure erinnert. Stimmlich kann man Sängerin Christina Lessiak in die Kategorie auch mal sanfte Powerfrau à la Siouxsie and the Banshees und Blondie einordnen. Tatsächlich erinnert sogar ihre Art zu singen an die vergangenen Frontfrauen. Doch als ausschließliches 80’s-Revival-Album darf “Sugarcoat” nicht bezeichnet werden. Denn da sind noch immer zu viele Elemente, die zur heutigen Indie-Szen passen.

Albumcover “Sugarcoat”

Dafür ist “Ivy” ein besonders gutes Beispiel, denn der Song klingt so, als hätte die amerikanische Band Future Islands ihre Finger im Spiel gehabt. Die drei Jungs aus Baltimore sind Meister des verträumten Pop, der mit großen Emotionen, starken Vocals und einem verspielten E-Bass auftrumpft. Und bei dieser Aufzählung ist dann doch der große Unterschied zwischen den Amerikanern und der Grazer Band versteckt, denn Crush verwendet durchaus Gitarren und nicht nur einen E-Bass in ihren Songs.

Wo Dreampop dem Post Punk Gute Nacht sagt.

Und die geben dem Ganzen auch so einen rockigen, fast schon Rock’n’Roll-igen Touch. Zum Beispiel “Damaged Goods” könnte durchaus als moderner Rock’n’Roll-Track bezeichnet werden. Die Melodie ist verspielt, sanft melancholisch und die Gitarren stehen stark im Vordergrund. Doch trotzdem wird das Album nicht von einem bestimmten Instrument dominiert. Trotzdem ist “Sugarcoat” eine sehr kohärente Platte, wo jeder Song perfekt zum anderen passt. Dies führt anfangs dazu, dass man die Lieder nicht so gut voneinander unterscheiden kann. Doch mit der Zeit bekommt jedes ein ganz eigenes Gesicht.

Die Songs haben auch absolutes Mitsing-Potenzial! “Sugarcoat” macht an sich gute Laune, obwohl die Stimmung nicht übertrieben fröhlich und kitschig ist. Die sanfte Melancholie in der Stimme von Lessiak gibt dem Ganzen die nötigen Ecken und Kanten. Letztere kommen sicher auch von der coolen Produktion, die von Multitalent-Musiker Wolfgang Möstl übernommen wurde.

Anne-Marie Darok

Crush live
19.05. OHO, Oberwart
22.06. Kapu, Linz
10.08. picture on festival, Bildein

Links:
Crush (Facebook)
Numavi Records