Bild (c) Alicia Edelweiss
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Corona Notizen #1: Alicia Edelweiss

Covid-19 lässt den Festivalsommer 2020 versiegen. Der Großteil der Clubs und Konzerträume hat trotz voranschreitenden Lockerungen geschlossen. Konzerte sind derzeit vorwiegend – wenn überhaupt – im digitalen Raum zu finden. Neben den großen Pop- und Jazz-Festivals, wurden zahlreiche internationale Touren und Gigs abgesagt, Release-Termine verschoben. Wie Österreichs Musikschaffende mit der Situation umgehen, was sie beschäftigt und wie sie ihre Zeit verbringen, erfragen wir in der Serie Corona Notizen”

 

Wo bist du gerade?

Alicia Edelweiss: Ich bin in meiner Wohnung in Wien, war aber auch kurz bei meinen Eltern in Niederösterreich.

Bild (c) Alicia Edelweiss
Bild (c) Alicia Edelweiss

Wo wärst du gern?

Alicia Edelweiss: Ich bin sehr glücklich hier zu sein.

Wie stark bist du von Konzertausfällen betroffen?

Alicia Edelweiss: Sehr, sehr stark. Unzählige Konzerte wurden von mir seit März bis August abgesagt. Aber ich persönlich find’s ganz ehrlich nicht so schlimm, obwohl ich natürlich verstehe wenns anderen da anders geht. Ich hatte schon lang nicht mehr so viel Zeit mich geistig weiterzuentwickeln und so ein Anlass war für mich anscheinend nötig, weil ich nicht stark und weise genug war mir längere Zeitblöcke nur für mich zu reservieren.

Wie gehst du mit der Situation um?

Alicia Edelweiss: Ich erinnere mich wieder an positivere Umgangsformen mit mir selber und trainiere quasi jeden Tag eine liebevollere und entspanntere Art zu leben, damit ich mich, wenn alles wieder beginnt, von niemandem, inklusive mir selber, mehr stressen lasse.

Alicia Edelweiss (c) Matthias Frey
Alicia Edelweiss (c) Matthias Frey

Hast du die Zeit bislang genutzt, um Musik zu machen?

Alicia Edelweiss: Ja, immer wieder. Ich habe speziell Cover-Lieder erarbeitet und alte Lieder von mir wiederentdeckt, die ich nie aufgenommen oder kaum performt habe. Außerdem hab’ ich die Zeit genutzt mich mal mehr mit der Technik rund ums Musikproduzieren zu beschäftigen.

Wie gehst du mit der Probensituation um?

Alicia Edelweiss: Ich habe schon fast immer zu Hause geprobt, oder in der Natur. Jetzt musste ich ein bisschen auf meine Nachbar*innen Acht geben, da die ja auch ständig zu Hause waren. Ich habe aber seit Mai endlich einen tollen Proberaum zur Verfügung!

Wie bewertest du Live-Streams?

Alicia Edelweiss: Den ersten Live-Stream, den ich gemacht habe, fand ich zu meiner Überraschung richtig toll. Ich fand es sehr spannend und aufregend, weil’s mal was anderes war. Und es ist schon schräg, dass man zu Hause sitzt und die Lieder spielt, aber nicht alleine ist – einige Leute schaun dir gerade gleichzeitig von ihrem zu Hause aus zu, und man spürt das schon. Ich fand’s sehr schön. Auch, dass es keinen Applaus und keine direkte Reaktion für mich gab, fand ich sehr schön und befreiend auf eine seltsame Art und Weise. Ich fühlte mich sehr wohl meine Lieder alleine in meinem zuhause zu spielen, und ich glaube diese Intimität hat man in den Liedern dann auch gespürt. Beim zweiten Mal hat sich jedoch mein Videostream aufgehängt, der Audiostream lief aber weiter. Das fand ich aber irgendwie auch ganz witzig. Es ist auch ein schönes, neues Gefühl, wenn man nicht gesehen wird, sondern nur gehört.

Hast du Lust ein Online-Konzert zu spielen? Unter welchen Voraussetzungen?

Alicia Edelweiss: Hatte schon zwei, und eines werde ich noch machen am 6.Juni.

Welche Musik hörst du zurzeit?

Alicia Edelweiss: Meine größten Neuentdeckungen während Corona waren (und einige meiner Lieblingssongs von ihnen):

Douglas Dare:
The Joy in Sarah’s Eyes
Heavenly Bodies

Sinéad O’Connor:
In this Heart
Three Babies
All Babies

Joni Mitchell’s album „Blue“:
A Case of You
River

Wie ist deine Perspektive für die Zukunft?

Alicia Edelweiss: Ich bin sehr positiv, was die Zukunft betrifft und vertraue darauf, dass alles gut wird.
Ich selber weiß jetzt wie ich diese „Musikkarriere“ besser handhaben möchte und dass ich mir meine Zeit immer wieder nehmen werden muss, wenn es wieder losgeht. Viel in der Natur sein, Musik hören, Lesen, Lernen. Ich will nicht mehr meine Stresssymptome behandeln müssen, weil ich keine Zeit habe tiefer zu gehen. Ich will im Innersten gechillt sein und überhaupt keinen Stress mehr aufkommen lassen. Aber dieser Glaube heutzutage, dass, wenn du jeden Tag Yoga machst und dich gut ernährst und so weiter, du dann deinen stressigen Alltag perfekt bewältigen kannst, daran zweifle ich. Ich glaube wir Menschen brauchen viel viel viel mehr Zeit für uns selbst als wir denken, und zwar jeden Tag. Ich glaube, dass, wenn wir weniger arbeiten, wir eigentlich viel fokussierter und schneller sind.

Alicia Edelweiss
Alicia Edelweiss

Was wird sich verändern?

Alicia Edelweiss: Ich hoffe, dass die Menschen von nun an besser mit sich selber umgehen und ihre Träume erkennen und verfolgen.

Ist es dir wichtig, mit deinen „Fans“ verbunden zu bleiben in dieser Zeit?

Alicia Edelweiss: Nicht wirklich. Ich glaube jede und jeder sollte mal mit sich selber verbunden sein, anstatt immer nach außen zu schaun. Ich find’s sehr schön mal nichts posten zu müssen und mich zu distanzieren.

Wie bewertest du die Rolle von Social Media? Wie gehst du damit um?

Alicia Edelweiss: Ich merke eigentlich wie schlecht es mir tut. Ich wusste es eh schon immer, aber diese ständigen Postings die man gezwungenerweise machen muss als Artist, um die Leute am Laufenden zu halten, finde ich persönlich sehr belastend. Es kostet viel mehr Zeit als man denkt, und ich würde eigentlich sehr gern andere Dinge machen und mich auf meine Kunst konzentrieren, anstatt ständig dafür Werbung machen zu müssen.

Was bräuchte es jetzt? Welche konkreten Hilfestellungen wären nötig?

Alicia Edelweiss: Bedingungsloses Grundeinkommen für alle wäre schon super!

 

Links:
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