Chronic City – Nom De Guerre

Nun, von einem Popalbum üblichen Entwurfs kann man in diesem Fall nicht unbedingt sprechen, tanzt „Nom De Guerre“ (Chronic City Music) musikalisch doch etwas mehr aus der Reihe des Üblichen, als man es sonst gewohnt ist. Neben aller musikalischen Finesse, welche das Duo Chronic City an den Tag legt, ist es vor allem der große Wille zur Abwechslung, von der Emanuel Rudas und Florian Marko, die beiden Köpfe hinter diesem Projekt, beseelt zu sein scheinen. Was auf dem Debüt des Wiener Zweiergespanns auf dem Programm steht, ist in ein stilistisch sehr buntes Kleid gehüllte, facettenreiche und niveauvolle Popmusik zwischen Tiefgang und Discokugel.

Emanuel Rudas und Florian Marko wollen, zu diesem Schluss kann man kommen, hört man sich einmal durch die Songs ihres Debüts, doch auch gegen den einheitlichen Strom schwimmen. Denn in einer Zeit, in der im Pop Oberfläche immer seltener in die Tiefe durchstoßen wird, versuchen Chronic City genau das zu tun. Ihr Zauberwort  auf „Nom De Guerre“ lautet ein höchstes Maß an „Abwechslung“, was dadurch erreicht wird, dass die beiden Jungs jeden ihrer Songs gesanglich von jemand anderem interpretieren lassen (Henri Joel, Sleep Sleep, Sir Trallala, Florian Horwath, Illute, Reinhold Bilgeri, Mimu, Tarek Farwati).

Aber es ist nicht nur einzig dieser eine Umstand, der die spannende klangliche Vielfalt begründet. Dem Wiener Produzenten-Duo gelingt es darüber hinaus auf wirklich schöne Weise, immer wieder auch musikalisch neue und andere Akzente zu setzen. Die in ihrem vielschichtigen Sound irgendwo zwischen Tanzbarkeit (“Key Biscayne”, „Vertigo“), unter die Haut gehender Verträumtheit (“Ocean of Luxury”, “Mountains of Hope”), hitverdächtigem Indiepop („Adult Fantasies“, „Bombo“) und einer unpeinlichen 80er Elektro-Ästhetik („My Own „) angesiedelten Nummern besitzen alle diese erfrischend andere Note, diesen besonderen Vibe, der schlicht dazu verleitet, sich näher mit dem Dargebrachten zu befassen.

“Nom De Guerre” ist ein ambitioniertes Erstlingswerk, eines, auf dem von den Protagonisten hörbar versucht wurde, möglichst viel umzusetzen. Nun, manchmal scheitern solche Vorhaben, eben weil zu oft das Ganze aus den Augen verloren wird. Im Falle von Chronic Circle muss man aber sagen, dass Emanuel Rudas und Florian Marko sehr wohl die Balance gefunden haben. Die Songs, so unter schiedlich sie in ihrem Stil auch sind, ergänzen sich nahezu perfekt und reihen sich ohne Brüche zu einem packenden Hörerlebnis aneinander. Wer anspruchsvolle Popmusik zu schätzen weiß, sollte “Nom De Guerre” daher auf jeden Fall Gehör schenken. (mt)

Chronic City live
10.05. Frühlingserwachen Festival, Bleiburg
24.05. Donaukanaltreiben, Wien
25.05. Stadtfest, Graz

Foto Chronic City: ANWORA

http://www.chronic-city.com