Celia Mara die feinste Botschafterin globalisierter Musik in Wien

In Österreich ist Celia Mara bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Landauf, landab präsentiert Celia ihre Songs seit vielen Jahren. wie so oft in heimischen Landen mit wechselndem Erfolg. Erst seit der CD “Bastardista” auf dem eigenen Label “Globalista” stellt sich sowas wie wirklich globaler Erfolg ein. Das beweist wieder, dass man hier einen langen Atem haben muss und sich Qualität irgendwann immer durchsetzen sollte.

HK: Ihr seid ja jetzt mit eigener Sendung in OKTO unterwegs:

CM: ja es ist viel Arbeit, und jetzt wurde die 7. Sendung fertiggestellt. Sie wird dauernd wiederholt. Von mir gibts bis jetzt keine Promosendung auf OKto.

HK: Was vielleicht nicht jedem bekannt ist, wie lange bist du schon in Wien bzw warum war Wien das Ziel?
CM: Eigentlich war es Zufall aber im Endeffekt auch wieder nicht. Habe viele Konzerte in der Schweiz gemacht. Ich konnte dort aber nicht bleiben. Ich musste nach Portugal gehen, hatte dort einige Konzerte. Ich lernte eine österreicherin kennen, die mich nach Ö eingeladen hat. Sie war eine Jazztänzerin aus Mondsee. Ich bin dann nach Österreich gezogen, weil das in der Nähe der Schweiz war und dort meine Band stationiert war.

HK: wie lang ist das her?
CM: 1991 bin ich in Mondsee gelandet.

HK: Es gibt auch schon einige CDs. Bastardista ist eigentlich am besten gegangen oder?
CM: Es ist interessant, was mit Bastardista passiert ist. Sie öffnete mir wichtige Türen um international arbeiten zu können. Wir haben viel Radioeinsatz in ganz Europa, und viel Presse bis hin nach China, USA, Japan usw. Die Platte verkauft sich dementsprechend ganz gut. Es ist keine grosse Zahl, wir sprechen von alternativem Weg, so bleibt alles klein, und wir sind immer noch Romantiker. Wir wollten auch nicht auf einem Major sein. In USA gibts uns in ein paar ausgewählten Shops und im Internet, auf itunes sind wir auch. Aber da braucht man eine starke Promotion. Bei itunes ist das das Gleiche. Wir machen alles mit Soulseduction zusammen, die machen den Vertrieb für uns.

HK: Globalista das Label, es gibt noch keine 2.Platte
CM: Noch immer gibts keine anderen Artists, es wird aber die 2. Celia CD geben.
Geri Schuller hat schon das erste Material von mir, 6 sind praktisch fertig als GErüst im Arrangement. Es ist wieder die gleiche Mannschaft dabei. Geri Schuller, Pogo Krainer und Silvia sind die Hauptakteure. Das ist die Kernmannschaft, eingeladene Gäste wird es auch geben, es wird aber nichts verraten.

HK: Bleibt die Richtung gleich?
CM: Die Mischung bleibt gleich all die Sounds die mich beeinflussten und die Mischung zwischen akustischen und elektronischen Instrumenten bleibt gleich.

HK: Hat sich deiner Meinung nach das Klima verbessert in Richtung globalisierter Musik? Meiner Meinung nach, was ich so auch als DJ erlebe, der dies seit 20 Jahren promotet, hat sich doch einiges verändert. Vor 10 Jahren war globalisierte Musik eher unhip, hatte den Exoten- oder Hippietouch, den keiner von der Szene auch nur anfassen wollte. Die Zeit ist ja reif und eigentlich müsste Euch das entgegenkommen. Es gibt wenig brasilianische Community und alles ist eher segregiert. DEr World Music Award in Porgy&Bess ist nur innerhalb einer Szene.
CM: Das ist schon problematisch. Wenn ich als Südamerikanerin sowas mache, dann wird das nicht geschätzt. Diese Genreabteilung ist so drinnen in den Köpfen. Der Europäer darf modern sein, klug sein etc und der Nichteuropäer darf nur folkloristisch sein und tanzen. Die Welt funktioniert aber nicht so. Es müsste einen anderen Zugang geben. Es ist aber noch immer so drinnen in den Leuten, es geht noch immer um Superiorität von Rasse. Ich komme einfach nicht in gewisse Radiosendungen, obwohl meine Musik sicher da rein passen würde. Es gibt hier sogenannte moderne Radiosender, die das nicht spielen. Das funktioniert unbewusst. Mit meinen Musikern hab ich zt auch das Problem gehabt, die haben nicht verstanden, dass ich nicht nur Folklore machen will. Sie hatten eine Vorstellung, was ich zu tun hätte. Mein erster Kampf war schon in meiner Gruppe, das zu etablieren. In der Musik und beim Arrangement ist es schon schwer genug diese Sichtweise durchzusetzen. Mit den ganzen Vorurteilen dann bei Medien usw hat man es zusätzlich schwer. Man muss soviel Energie reinbuttern bevor es überhaupt um Musik geht. Der Europäer geht nach Afrika und Asien nimmt sich die Kultur und entlehnt daraus . Die elektronische Musik hat sich da auch bedient. Egal ob es Grooves sind oder was anderes. Wenn du von der dritten Welt kommst und das machen willst, dann wirst du schief angesehen.

 

HK: ja das ist die alte imperialistische Sache. Es ist alles eurozentriert. Jeder spielt nur das womit er aufgewachsen ist, meist geht nichts über diesen Rahmen raus. Auch Meinungsbildner wie zB Gudrun Gut sind hier in dieser Falle drin.

 

CM: Das ist der Kolonialprozess. Wir holen den Kakao aus Brasilien aber wir Europäer machen die beste Schokolade. Jetzt geht es sogar um Patentierung von Pflanzen, die in Brasilien autochthon vorkommen. Bei der Musik ist es das Gleiche. Wir Europäer holen all diese Musik und wir machen damit Geschäft. Immer unter Ausschluss der Produzenten. Peter Gabriel holt sich Leute und er verkauft es dann als seine Produktion usw.

Weltmusik hier zu machen ist schon schwierig genug. Dazu kommt das Problem hinzu, dass ich eine Frau bin. Ich bin eigentlich ein Produkt aus Österreich.

HK: Die coolen Leute spielen diese Musik nicht. Das bringt mich zur nächsten Frage: Es gibt doch die Tendenz sich Credibility in der jeweils anderen Community zu beschaffen indem man zB Remixe für die Clubs macht. Das funktioniert bei Popacts ja genauso. Hast du je daran gedacht, deine Nummern remixen zu lassen?
CM: Folkloristisch ist meine Musik nicht mehr. Wer Remixe machen will, muss sich noch mehr anstrengen. Wir werden derzeit nicht Remixe machen. Wenn sich jemand meldet, dann kann er schon was machen. Wir sind auf mehreren Compilations vertreten. Es gibt einen Remix von Kid Loco (2003) und auch in Russland wird was gemacht.

HK: Gibt es in Österreich niemanden, der Interesse zeigt?
CM: Eigentlich nein. Es funktioniert noch immer so, dass entweder eine nackte brasilianische Tänzerin gebucht wird oder ein brasilianischer Muskelmann als Perkussionist. Ich kann mich da wenig bewegen. Ich pass da nicht dazu. Das System hat seine Bodyguards und die lassen mich nicht rein. Ich will diese Connection nicht.

HK: Wäre es für dich besser gewesen zB in Barcelona oder Marseille Fuss zu fassen? Wäre doch ein besserer Platz oder?
CM: Österreich ist für mich der beste Platz für eine internationale Karriere. Es ist meine Basis und mein Wohnsitz und von da kann ich wunderbar operieren. Ich hab es jetzt geschafft international bekannt zu werden, wir setzen das fort, klarerweise. Ich hab in Belo Horizonte gewohnt, dort gibt es auch die provinzielle Charakteristik wie sie Wien auch hat. Wien ist gemütlich zum Leben.

HK: Und wenn man es hier schafft, dann schafft man es überall. Wien ist hier eine echte Herausforderung.
CM: Genauso ist es. Wenn du von hier wegkommst dann bist du König. Ich hab es mir nie einfach gemacht. Ich brauch die Herausforderung. Ich hab mir Deutsch ausgesucht, was wirkllch schwer war.

HK: Ihr habt ja wirklich lang gekämpft dafür.
CM: Der Zugang hat sich geändert. Die Leute haben zur Kenntnis genommen, dass es uns gibt und uns auch einen Platz eingeräumt. Das tolle ist, dass wir zu zweit das geschafft haben. Wir arbeiten fast 24 Stunden daran, das voranzutreiben.
Wenn man jetzt Musik anfängt zu machen, ist mein Rat der, es wirklich konsequent zu betreiben. Das System braucht die Oberfläche und die Blender, Die wahren Sachen kommen schwer da durch. die Populisten und Blöden kommen leichter durch. Das System ist so aufgebaut. Am Anfang wollen sie es nicht..und kommen erst später drauf.

HK: Mit unserer CD Indian masala mix waren wir ja auch viel zu früh dran. wir hätten jetzt viel mehr Erfolg gehabt als im Jahr 2000. Es ist manchmal nicht gut zu früh dran zu sein. Man muss 10 Jahre etwas konsequent durch ziehen um Erfolg zu haben.
CM: Eine noch immer wunderschöne Produktion.

HK: Das gleiche passiert ja jetzt mit dem Balkan Hype. Ich spiel das schon seit den 80er Jahren nur hat das damals niemand interessiert. Und bei diesem Hype bist du als Celia Mara auch wieder nicht dabei, weil da sagen alle, ja die kennen wir eh schon 15 Jahre.
CM: Das ist das gleiche Prinzip der Diskriminierung. Ich nehme dich als Produkt und mach was draus. Und ich mach da nicht mit.
Wir haben in Russland einen Club, der Bastardista heisst gefunden. Jetzt endlich setzt es sich durch.

HK: Es ist halt immer das Problem der Medien….
Andere Frage: Gefällt die Baile Funk oder Rio Favela Funk?
CM: Ich hab eine andere Sache anzubieten, ich höre immer viel Musik, das sammelt sich in meinem Kopf. Ich schreibe gerade einen Song, der traurig ist. Diese Rap-Sachen aus Rio mit Wut und Schimpfen und Sexismus sind nicht mein Ding. Auch die politische Stimmung entspricht dem, alle schimpfen auf die Regierung usw. Ich hab jetzt einen Song geschrieben, der das Gefühl widerspiegelt. Ich bin da beim Blues oder bei Balladen gelandet. Das entspricht mir mehr, diese Traurigkeit rauszulassen.

Eine Entwicklerin des Samba hat über diesen Sound geschrieben, sie versteht warum diese Leute so sind, es gibt heute keine Ausbildung mehr und die Leute haben keinen Wortschatz mehr ausser eben Schimpfworte und sexistische Ausdrücke. Das repräsentiert halt für sie den modernen Samba.

HK: Hier hab ich einen Unterschied zu Südafrika festgestellt , wo neben Kwaito, der auch eher hart und brutal ist zB Township-Pop eher happy und aufbauend klingt, obwohl die Lebensbedingungen sicher nicht viel besser sind als in den Favelas. Das muss halt mit den speziellen individuellen Zugangsweisen zu tun haben. In Rio ist das Leben hart und brutal und die Musik spiegelt das kongruent wider.

Hans Kulisch

Foto Celia Mara: Werner Maresch